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Brüning verteidigt seine Politik

Das Reich bleibt auf Selbsthilfe angewiesen

Aus der Rundfunkrede des Reichskanzler

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Der Anzeigenpre!« beträgt fte* den 11 gespalt. Zeilenmillimeter (M)8 GM^sog. kleine Anzeigen und Famllienan,eigen bei Bar^rhkmg 0.07 GM., amtl. und auswärtige Anzeigen 0.10 GM. Grnndschrift: SoIoacL Bei schwierigem Satz so­wie bet Pl-chdorschrist 50*1» Auf­schlag - Sammelanzeigen 100*/. Aufschlag A-klam.-Millim. 0.40 DM Grundschrift , Petit. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt.

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SbechMsche Zeitung

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forderlichen Noten rnstandzusetzen. Durch die letzten Entschließungen vom vergangenen Sonnabend wurde erreicht, daß vom Mitt­woch an der Geldumlauf im Bar- und lieber« weyungsverkehr bei den Banken wieder in wang gesetzt werden kann. In Verbindung waren emschneidende Bestimmungen zur Ver­hinderung der Kapitalflucht und für den Verkehr mit ausländischen Devisen er« förberlid) (56X0$ ist es richtig, daß bei der rn Ausgcht genommenen vorübergehenden

Deoiseubewirtschaftung durch die Lanbes- finanzämter

in Einzelfällen fühlbare Härten e in treten können. Die Reichsregierung ist entschlossen.

Rede klar und eindeutig gegen "Kriegsschuldlüge Stellung n o m m e n. Verschiedentlich haben

teiligten Wirtschaftskreisen die Möglichkeit, mit Sorgfalt und im engsten Zusammenwir­ken mit der Reichsbank und berufenen Sach­verständigen des Inlandes und Auslandes alle die Maßnahmen vorzubereiten, die für eine

planmäßige Wiedeiringangsetzung des Zahlungsverkehrs

erforderlich waren.

Ein wesentliches Glied in der Rette solcher Maßnahmen war die Schaffung der Ak­zept- und Earantiebank, die als neuer Earantieträger der ersten deutschen Bankhäuser erst die Voraussetzung schuf, die Reichsbank durch Hergabe einer werteren Wechselunterschrift zur Herausgabe der er=

noch zu erhöhen, weil die Kaufkraft des Geldes steigt.

Wmn unsere heutige Aussprache eine wech­selseitige sein könnte, würde mir vielleicht von manchem Gewerbetreibenden und man­cher Hausfrau der Zuruf entgegentönen, wie es mit dem

Geldverkehr der Sparkassen aussieht. Daher auch hierzu ent offenes Wort: Es ist richtig, daß wir zunächst davon absehen mußten, den vollständigen freien Kas­senverkehr bei den Sparkassen sowie bet den Banken schon von morgen ab ht Wirksamkeit treten zu lassen. Das aber hängt mit dem Wesen und der Zweckbestimmung der Spar­kassen zusammen. Die Sparkassenvermögen sind so sorgfältig als möglich angelegt, und zwar in erster Linie ht der Anlageform, die man für die sicherste hält, das heißt ht erst-

Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.

Ich ermähnte vorhin die Schwierigkeiten, ht die ein Teil der Großbanken durch die plötzliche Abziehung großer Posten kurz­fristiger Kredite gekommen war. Bet der Bedeutung, die die Großbanken in der gegen­wärtigen Struktur unseres Bankwesens für die deutsche Gesamtwirtschäft haben, waren schnelle Entscheidungen der Reichsregierung notwendig. Sie kennen die Maßnahmen, die vor einigen Wochen hinsichtlich der Darm« städter und Nationall> ank und ht den letzten Tagen hinsichtlich der Dresdner Bank ergriffen worden sind. Auch in per­soneller Hinsichl werden geeignete Schritte erfolgen.

Die Einschiebung von Bankfeierta­gen gab der Reichsregierung und den be=

Der Vorsitzende des Präsidiums der Vereinigten Vaterländischen Verbände Deutschlands, Gras von der Goltz, hat an den Reichskanzler Dr. Brüning folgen­des Schreiben gerichtet:

Sehr geehrter Herr Reichskanzler!

DerVorwärts-, Zentralorgan der SPD., bringt in der Morgenausgabe vom Freitag, dem 31. Zuli 1931, Rr. 353 a 178 die Rede des österreichischen Sozialisten­führers Otto Bauer in 3 V, Spalten langer Aufmachung, die auf dem z. Z. in Wien stattfindenden Internationalen So­zialistenkongreß gehalten wurde. In die­ser Rede findet sich der Satz «... nach dem fürchterlichen Krieg, den Habsburg und Hohenzollern verschuldet haben". ES wird also hier wiederum die Kriegs­schuld Deutschlands behauptet. Der Be­richt desVorwärts" zeigt nicht, daß sei­tens der anwesenden führenden Sozial­demokraten aus Deutschland durch Zurufe irgendwie zu diesem Vorwurf Stellung genommen ist. Ebensowenig tut es der Vorwärts" selbst, weder in unmittel­barem Anschluß an die Berichterstattung über die Bauer'sche Rede, noch in den fol­genden Ausgaben des Blattes. Eine Stel­lungnahme der SPD. ist ebensowenig er­folgt.

Es ist also festzustellen, daß ht einer Zeit, wo alle anderen dentschen Par­teien sich einmütig über alles sie sonst Trennende hinweg wir erlauben uns auf die Junitagung des Arbeit«* ausschusies Deutscher Verbände ht Dresden hinzuweisen im Kampf gegen die Kriegsschuldlüge zusammen­gesunden haben, die SPD. dieser Front in den Rücken fällt.

Der Herr Reichspräsident hat sei­nerzeit in der bekannten Tannenberg»

Eine berechtigte Anfrage

Graf von der Goltz an Dr. Brüning

Reichskanzler Dr. Brüning hielt Diens- I ;ag abend im Rundfunk die angekündigte i Rede, in der er u. a. ausführte:

Das deutsche Volk hat die über alle Schich- I tat hereingebrochene schwere Prüfung der : letzten Zeit mit vorbildlicher Ruhe über sich ergehen lassen und seinen natürlichen Sinn I für Ruhe und Ordnung bewahrt, der die i verdiente Anerkennung der ganzen Welt ge- I funben hat. Die deutsche Oesfentlichkeit hat s daher ein Recht darauf, von der Reichsregie- i nmg über die Geschehnisse der letzten Wochen I unterrichtet zu werden. Die Reichsregierung mußte in den vergangenen Monaten in ihren ! Maßnahmen, vor allem in der Repara- (tionspolit ik, behutsam vorgehen, weil Lfte sich gewisser, in der Lage unseres G eld- imarktes bedingter Gefahren bewußt war. |Dreie Politik wurde vielfach nicht verstanden. (Daher haben sich für Außenstehende die k politischen und wirtschaftlichen Ereignisse in pen letzten sechs Wochen geradezu überstürzt.

Der Hoover-Plan ist in seinem wesent- [ 'ichften Inhalt Wirklichkeit geworden, | wenn auch eine mehrwöchige Verzögerung i schwere Rückwirkungen auf die deutsche

Wirtschaft ausgeübt hat.

Wie in diesen Wochen erfolgte Entziehung Kurzfristiger ausländischer Kre­dite in Milliardenhöhe aus den deutschen Wanken bedeutet für unsere Volkswirtschaft Men plötzlichen und gefahrvollen Blutver- Mst. Starke Störungen des Zahlungsver- Mrs und Erschütterungen des gesamten Wirt- Mastslebens waren die naturgemäße Folge, t Ein bedeutsamer Fortschritt ist aber als Mgebnis dieser Krisis unverkennbar. Heute M sich die gesamte Welt darüber einig, daß I die Geschicke der Völker mitemander auf | das Engste verflochten sind, daß Stö- I rangen im Organismus eines so großen r Wirtschaftskörpers wie Deutschland nicht 1 ohne ernste Folgewirkungen auch im Aus­

land bleiben können.

Mein Politiker kann mehr die Richtigkeit Ms Satzes bezweifeln, daß die Not eines Dolles nicht der Vorteil der anderen sein Mm. Vor sechs Wochen sagte ich deshalb, das Gedeihen Europas und der Wett Mvon abhänge, daß diejenigen, die ein tra- Mches Geschick im Weltkrieg zu Feinden erben ließ, nunmehr wettsichtig zu den Ent- Müssen sich aufrafften, welche die gemein- Wme beklemmende Not von ihnen fordert. M.sagte insbesondere, daß sich die deutsche tflierung bewußt sei, welche wichtige Rolle M. zukünttigen Gestaltung der Beziehungen Wichen Frankreich und Deutschland zufällt. L®me durchgreifende Finanzhilfe großen Es ich trage keine Bedenken, dieses fest- Mellen ist durch die Londoner Konferenz Wtweilen nicht erreicht. In der deutschen Wventlichkeit wurde da und dott von einer Wkaisenden Ausländsanleihe ge- M°chen und der deutschen Reichsregierung W Borwurf gemacht, daß sie aus mißver- F'benen Prestigegründen den Anleihegedan- M nicht ernst genug verfolgt hätte. Dieser Mstaisung ist die Reichsregierung beretts M Nachdruck entgegenqetreten. Ich stelle - put fest, daß

| große Ausländsanleihe augenblick- und für geraume Zett außerhalb

t der realpolitischen Möglichkeit liegt.

Wrfür gibt es verschiedene Gründe. Em Wverms liegt insbesondere in der Tatsache, einer solchen Anleihe die Garantie rauerer großer Länder verlangt wttd, de- EäuiQge zu erreichen teils aus staatsrecht- Eps tttlls aus finanztechnischen Gründen tis rt ausgeschlossen ist.

| inatUm 'st vorerst Deutschland und sein« k^tschaft auf Selbsthilfe und auf das k «»trauen m seine eigene Kraft ange- L wiesen.

g^onb möge hierbei die Besorgnis haben, E? Oleie Stellungnahme der Reichsregie- Ausfluß eures überspitzten Natio-

£®u.5 lei. Keiner kann von der mter« IttsP ^nteressenoerflochtenheit aller San« iteip^engter sein als die deutsche Reichs- e»ng. 1

die Regierungen des Reiches ein Gleiches getan, toenn auch leider bisher solche Er­klärungen nicht zur Grundlage der Außen­politik gemacht wurden.

Die Dinge gewinnen besondere Bedeu­tung unter dem Gesichtspunkt, daß die SPD. nicht ohne Einfluß auf die der­zeitige Reichspolitik ist und in Preußen die Regierung maßgebend führt. Wir erlau­ben uns, sehr geehrter Herr Reichskanz­ler, m diesem Zusammenhang erneut un­serer Ansicht Ausdruck zu geben, daß die Rettung des Reiches aus der augenblick­lichen Lage nicht mit, sondern g e g e n die SPD., also durch völligen Shstem- wechsel zu erreichen ist.

Die Bauer'sche Rede bringt aber nicht nur die Anerkennung der KriegSschuldchese von Versailles, ist nicht nut durchsetzt von volksverhetzendem Klassenkampf, sondern fte droht auch ganz offen mit dem Bür­gerkrieg. Wir können es uns versagen, die diesbezüglichen verschiedenen Stellen der Rede anzuführen.

Wir fragen aber, Herr Reichskanzler, wie es möglich ist, daß derVorwärts" dies« Rede bringen darf, wo gegen andere Zeitungen die Pressenotverord- nung in rigorosester Weise gehandhabt wird.

Wir haben Abdruck dieses Schreibens der Presse übergeben.

Genehmigen Sie, Herr Reichskanzler, den Ausdruck unserer vorzüglichen Hoch­achtung.

Für die Vereinigten Vaterländischen

Verbände Deutschlands (gez.) Graf von der Goltz."

,£>txr&effifcbe 3d hing* w ukcint sechsmal wöchentlich. Be- monatlich 2. 20GM.au«- UliefcL Zustellung-gebühr, durch Post 2.45 GM. Für etwa durch Streck, Maschinendefekt »der «le» "gto* Ereignisse au-fallend« «fcanettn wird kein Ersatz ge- Verlag, Dr. §. Hitzerotb. o«t Univ-Buchdruckerel

Sug. Koch, Markt 21/23. ^isprecher- Rr. 54 trab Rr. 55. P^chelkkont»; Aml Frankfurt qr. Rr. 5015. Sprechzeit kI Atdaktton von 1011 und

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dafür zu sorgen, daß diese durch die Not der Zett erzwungenen Maßnahmen bei aller Schärfe ihrer Durchführung nicht wtttschasts- störend wirken.

Alles, was Reichspräsident und Reichs­regierung in diesen Wochen anordnen mußten, hat mit Jnflationsgefahr nicht das mindest« zu tun.

Darum ist alle Sorge, als ob das sauer verdiente und ersparte Geld, da und dori angelegt, in Gefahr sei, seinen Wert wie m der Inflationszeit einzubüßen, durchaus ge­genstandslos. Im Gegenteil, die Ueberle- gung liegt nahe, von seinem Guthaben mög­lichst wenig abzuheben, ja es, wenn möglich.

Es hat wohl niemand in Deutschland er­wartet, daß der Reichskanzler als Mitglied der Zentrumspartei öffentlich für den Volks­entscheid eintreten werde. Daß er am kom­menden Sonntag an die Wahlurne ttitt, ist schon deshalb nicht möglich, weil der Reichs­kanzler sich bann noch in Italien befindet. Man darf also fragen, ob es überhaupt not­wendig war, eine im übrigen von hohem Ver­antwortungsbewußtsein und starkem Selbst- oerttauen zeugende staatspolitische Rede mit

solchen Anlage muß aber zunächst damit er- kauft werden, daß die angelegten Gelder nicht täglich in beliebiger Höhe zurückgezahlt wer­den können, weil Hypotheken ihrem Wesen nach langfristige Anlagen sind. Das muß eine Sparkasse einfach mit ht Kauf nehmen: denn sie ist em Jnstttut, das ersparte Ver­mögen mtt einem Höchstmaß von Sicherheit verwalten und nicht etwa eines, das tägliche Gelder bewirtschaften soll. Gewiß, ist dieses Wesen der Sparkassen, insbesondere mit Rück­sicht auf die Kreditbedürftrgkeit des kleinen Mannes, nicht überall aufrecht erhalten wor­den, und ein Teil, der Sparkassen hat mehr oder weniger neben diesem ihrem Hauptzweck auch noch die Tätigkeit von Banken mitüber« nommen. Weil das so ist, und weil dieser Dienst insbesondere den kleineren Handwer­kern und Gewerbetreibenden unentbehrlich ist, hat die Reichsregierung und Reichsbank in voller Ilebereinstimmung mit der Deutschen Girozentrale und den Sparkassen alles vor­bereitet, um auch bei den Sparkassen den un- beschräntten Zahlungsverkehr ht einem nahen Zettpunkt wieder herzustellen. Diese Dinge sind im Augenblick in Arbett.

Der Reichskanzler erklärte weiter, noch in dieser Woche muffe und werde Klarheit über den Termin der Wiedereröffnung des unbe­schränkten Zahlungsverkehrs im Rahmen der Satzungen bei den Sparkassen geschaf­fen werden. Die Sage zwinge dazu, zunächst das Problem der Großbanken in Angriff zu nehmen. Aber die Auswirkung dieser Maß­nahmen komme auch mittleren und kleineren Wirtschaftsbetrieben zugute.

Alles in allem fei trotz möglicher Fehlgriffe das Ziel erreicht, daß die Voraussetzungen für einen normalen Wirtschaftskreislauf der Güter und des Geldes gegeben seien. Not­wendig sei nunmehr, daß sich das Vertrauen, die unentbehrlichste Ergänzung aller tech­nischen Maßnahmen, stärke und befestige. Fremde Hilfe könne nur der erfahren, der sich zunächst selbst zu helfen weiß.

Sieht", so führte er wörtlich aus,die Umwelt, daß kraftvolles Helbstbefinnen in schweren Stunden bei uns Deutschen sich steigert, so zweifele ich nicht, daß die Fortsetzung der internationalen Verhand­lungen zur Erschließung zusätzlicher Kraft­quellen in der Weltwirtschaft fuhren wird."

Der Reichskanzler wandte sich dann gegen innerpolitische Kämpfe und erklärte in diesem Zusammenhang, daß er selbst am kommenden Sonntag nicht für den Volksentscheid stimmen werde. Er schloß mit einem Appell, in auf­richtiger Zusammenarbeit mit den übrigen Staaten die ganze Kraft einzusetzen für die baldige Lösung der gewaltigen Aufgaben, vor die eine Weltnot ohne gleichen in dieser Stunde die Menschheit stellt.