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Eine rheinische Bank in Schwierigkeiten

fk. Berlin, 29. Juli. Das Reichs* labinett trat gestern abend um 10.30 Uhr zu einer mehrstündigen Kabinetts- sitzung zusammen. Gegenstand bildete die Lage der Sparkassen und die Frage der vorübergehenden Stützung einer großen rheinischen Bank. Die Stützung wurde grundsätzlich be* schlossen, der Stützungsbetrag jedoch noch nicht endgültig festgelegt. Borläufig wird der Bank eine Summe von mehreren Millionen Mark über­wiesen werden. Die Besprechungen über die Regelung des künftigen Zahlungs­verkehrs der Sparkassen werden heute und in den nächsten Tagen festgesetzt. Sie dürften kaum vor Ende der Woche abge­schlossen werden. Es ist damit zu rechnen, daß der Zahlungsverkehr der Banken von der kommenden Woche ab fiel* gegeben wird, daß aber für die Spar­kassen bis auf weiteres noch b e - schränkte Auszahlungen ange­ordnet werden. Die Sitzung des Reichs- kabinetts war gegen 1.30 Uhr morgens be­endet.

liarben Francs gestiegen, das heißt auf über 8 Milliarden Mark. Mit gutem Grund fragte man sich damals, welchem Zweck die Ansammlung emes solchen Eoldvorrates, der wirtschaftlich eine zinslose Anlegung bedeutete, dienen sollte. Die starke Eoldansammlung Frankreichs war schon damals dem Interesse der Weltwirtschaft gerade entgegengesetzt, da sie die Geldknappheit der Welt verschärfte und somtt ein wichtiger Faktor in dem Preissturz war, der den Kern der Weltwirt­schaftskrise ausmachte. Frankreich tat selbst­verständlich alles, um zu verhindern, daß die Einsicht in diese Zusammenhänge in die Welt drang. Auf internationalen Konferenzen durfte infolgedessen diese Seite der Weltwirt­schaftspolitik nicht diskutiert werden. Die Kritik, die dennoch zutage trat, suchte Frank­reich mit der immer wiederholten Behaup­tung abzuwehren, daß Frankreich nicht ab­sichtlich Gold sammele, sondern nur passiv das Gold entgegennähme, das infolge des nutzer- ordentlichen Vertrauens der Welt in die fran­zösische Valuta Frankreich zuftöhe!

Die Ereignisse der letzten Zeit haben uns nun endlich Klarheit darüber gegeben, wie Frankreich von seinem Gold Nutzen ziehen zu können glaubt. Bei allen internationalen Verhandlungen, die anläßlich der deutschen Krise stattfanden, hat Frankreich stets Betont, dah nichts ohne die Mitwirkung Frankreichs geschehen könne. Tatsächlich waren alle übrigen Mächte gezwungen, diesen Stand­punkt anzuerkennen, und damit hat Frankreich die Stellung erreicht, von der aus es po­litische Bedingungen für seine Mitwirkung dik­tieren kann. Mit unerschütterlicher Hatt- näckigkeit hat Frankreich daran festgehalten, dah Deutschland politische Garantien geben müsse, bevor es auf finanzielle Hilfe rechnen dürfe. Von der Art der Garantten, die Frankreich in solcher Lage zu fordern pflegt, hat die Welt schon früher eine Vorstellung bekommen, als Frankreich die Bedingungen für seine Mitwirkung an der internationalen Hilfsaktion zugunsten Oesterreichs nach dem Zusammenbruch der KredttanstaÜ stellte. Da-

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heute früh operiert worden. Unter Aerzten, bie bet Operation beiwohnten, finbet sich auch bet Leiter bet Leibärzte Honigs, Lord Dawfau.

Lloyd George operiert ft. London, 29. Juli. Lloyd George ist

Mieder ein neuer Eeldtransport nach Frankreich.

fl. Paris, 29. Juli. In Le Sollt­et trafen am Dienstag aus England ieder 1967 Kilogramm Gold ein, die u Wert von 3 3% Millionen ranken darstellen.

warte, könne man auch von einer Unterstützung an England eine Besse­rung der gegenwärtigen Beziehungen erwarten, die in einer engen Knüpfung der Entente Cordiale bestehen müsse.

DerE x c e l s i o r glaubt, daß die englisch-französischen Verhandlungen am Mittwoch endgültig zum Abschluß kom­men werden, und zwar in dem Sinne, daß der Bank von England ein Redis- I kontkredit bis zur Höhe von 2y2 Mil- I Itarben Franken eröffnet werde.

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er früher einmal zugunsten der Vertrags­revision gehalten habe.

Auch derFigaro" unterstreicht im Zusammenhang mit der Finanzhilfe an England die politische Meinungsverschie­denheiten Zwischen beiden Länderst und erklärt, daß man auf französischer Seite sicherlich Kernen Grund habe, sich England gegenüber ebenso vorzusehen, wie gegen, über Deutschland.

Ebenso wie man oben von einer finan­ziellen Hilfe an Deutschland einen wichtigen Dienst für den Frieden er-

Der in London eingetroffene amerika­nische Botschafter Dawes äußerte sich über die wirtschaftliche Lage in den Ver­einigten Staaten und erklärte, er habe in Amerika Anzeichen einer Besserung vorgefunden.

Frankreich, eine erfahr für die Wellwirlichaft

Bon Prof. Gustav Cassel, Schweden.

Sobald Frankreich Mitte 1928 zur Gold­währung zurückgekehrt war, begann dies Land Gold vom Ausland in einem Umfang an sich zu ziehen, dessen Matz allgemein Er­staunen und Unruhe verursachte. Sert 1928 hat die Bank von Frankreich ihren Goldbe­stand um nicht weniger als 27 Milliarden Francs, also reichlich 4 Milliarden Mark, vermehrt. Die Goldreserve der Bank von Frankreich ist damit auf etwa 56 Mil-

Frankreichs politische Forderungen

Gegenüber den von einigen Blättern er­hobenen Forderungen, man solle doch, um eine langfristige Anleihe für Deutschland zu erhalten, den französischen politischen Forderungen entgegenkommen, wird von Berliner maßgebenden Kreisen betont, daß ein solches Entgegenkommen der deutschen Regierung noch in keiner Weise die Siche­rung einer langfristigen Anleihe bedeuten würde. Die franzsische Regierung, insbe- besondere Finanzminister Flandin, hat wiederholt erklärt, baß eine Anleihe für Deutschland in Frankreich nur dann auf- 0 werden könnte, wenn die französische rung eine Regierustgsgarantie für diese Anleihe übernehmen würde. Die llebernahme einer solchen Garantie hat aber die französische Regierung von einem gleichen Schritt der amerikanischen und der englischen Regierung abhängig gemacht. Aus Verfasiungsgründen ist es der ameri­kanischen Regierung nicht möglich, diese Garantie zu übernehmen und in England bestehen die bekannten Kapitalschwierig­keiten. Wenn also Deutschland wirklich den polittschen Forderungen der Franzosen entgegenkommen sollte, so wäre damit eine Anleihe noch keineswegs gesichert, abge­sehen davon, daß die Regierung Brüning es nach wie vor ablehnt, über ein Nach­geben gegenüber den französischen Forde­rungen in Verhandlungen zu treten.

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Die Rückkehr der Engländer

Besprechungen über die Abrüstung

Bereitungen für die kommende Ab- rüstungski'nserenz erörtert.

Die Besprechungen trugen einen außer­ordentlich freundschaftlichen Charakter, und es herrschte allgemein UebereinMm- mung darüber, daß den persönlichen Fühlungnahmen, wie sie durch die Zu­sammenkünfte in Chequers, Paris und London in so glücklicher Weise geschaf­fen wurden, fortgesetzt und ausgebaut werden müßten.

Premierminister M a c d o n a l d ist um 10.07 Uhr vom Flugplatz Tempelhof nach London gestartet.

Der britische Außenminister Hender­son ist gestern abend mit dem Rordexpretz um 21.59 Uhr von Berlin nach London a b g e r e i st'.

Reichspräsident v. Hindenburg empfing gestern vormittag den Minister­präsidenten Macdonald und Außen­minister Henderson, die von dem bri­tischen Botschafter in Berlin, Sir Rum- bold, begleitet waren.

Nachdem Macdonald im Kreise führender Mitglieder der Sozialdemokra­tischen Partei Gast des preußischen Mini­sterpräsidenten Braun gewesen war, wurde nachmittags auf einer Spazier­fahrt die Unterhaltung zwischen dem Kanzler, dem Reichsaußenminister und den englischen Gästen fortgesetzt. Die Herren fuhren zunächst mit dem Kraft­wagen nach Pichelsdorf und machten von dort auf einem Motorboot etne Fahrt zum Wannsee, wo sie am Schwedi­schen Pavillon wieder an Land gingen. Die englischen Gäste bekamen bei dem recht schönen Wetter einen interessanten Eindruck von der märkischen Seeland- schaft, die die Schönheit ber Umgebung Berlins ausmacht. Wie wir hören, nahm auch ine politische Unterhaltung einen harmonischen unb überaus freunb- schaftlichen Verlauf.

Der offizielle Besuch fand' mit dem Essen, bas abends in ber englischen Bot­schaft ftattfanb, ein Ende.

Das Kommunique.

Berlin, 28. Juli. Die Besprechungen zwischen Reichskanzler Brüning, Dr. Curtius, Mr. Macbonalb und Mi­nister H e n b e r s o n, bie heute vormit­tag in ber Reichskanzlei begannen, wur­den heute nachmittag in einem weiteren freundschaftlichen Gedankenaustausch fortgesetzt und beendet. Einer der Haupt- gegenstände der Besprechung war die Frage, wie die Beschlüsse der Lon­doner Konferenz am besten in kon­struktiver Weise in die Praxis um- z u s e tz e n waren. Die englischen und deutschen Minister besprachen weiterhin die allgemeine Wirtschaftslage und die Maßnahmen, die zur Beseitigung der ge­genwärtigen Schwierigkeiten auf wirt­schaftlichem Gebiet getroffen werden könnten. Die Inkraftsetzung des inter­nationalen Arbeitszeitabkommens für den Bergbau wurde in Erwägung gezo­gen. Das Abrüstungsproblem wurde im 3ufammengana mit den Vor-

«och, Markt 21/23.

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nisation eines Pariser Diskontmarktes ch Londoner Vorbild bedeute. Die Aus­ten auf einen Erfolg werden allerdings Ifach nicht als sehr günstig betrachtet. iTie heutigen Pariser Morgenblätter schuftigen sich eingehend mit den eng- ßh-französischen Verhandlungen und sind gemein der Ansicht, daß man in Eng- d die Ansicht vertrete, daß es im nteresse des englischen Kredits liege, von Bank von Frankreich eine Unter- lützung zu erhalten, ohne daß deshalb ffiziell von einem Kredit der Bank von ankreich an die Bank von England die de sei. Französischerseits steht man da- len auf dem Standpunkt, daß die Ge­währung eines kurzfristigen Kredits nicht Durchführung der Stabilität der Bank n England genüge, sondern daß dieser ebif in eine Anleihe umge- an b e 11 werben müsse

Cauerwein gibt imMatin noch iie anbere französische These wieber, nach man in Pariser Finanzkreisen bie ffaffung vertrete, baß Englanb mit zösischern Gelb übersättigt sei, baß es ffer wäre, bie Unterstützung ber Mark §rch anbere Gelber vorzunehmen, als r ben englischen Markt.

DasJournal" erklärt ganz offen, daß die englisch-französische Zusammen­arbeit auch politische Boraus- Setzungen erfordere. Die erste Vor­bedingung zur Wiederherstellung des vertrauens fei die Beilegung politi­scher Meinungsverschiedenheiten zwi­schen Paris und London.

Macdonald habe in Berlin erst jetzt wie- seine Absicht bekundet, in die beutsch- Unzösischen Besprechungen einzugreifen. 5* jabe außerdem von einem freien ilanb gesprochen, indem er ziemlich

I an eine Rede erinnert habe, die

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg

WWW

Auch England braucht Kredit

Die Verhandlungen mit Moret Frankreich stellt politische Bedingungen

Die Verhandlungen zwischen dem Ver- ter der Bank von England, Kinders- ey, und dem der Bank von Frankreich, o r e t, werden in London mit großer rückhaltung ausgenommen. Den letzten eldungen zufolge soll ein Uebereinkom- n zwischen den beiden Notenbanken ge- ffen werden, daß die Rediskontierung Wkglischer Wechsel durch sranzösische Ban- ermöglichen soll, und zwar sollen die echsel von beiden Zentralbanken garan- rt werden. In der City neigt man zu 4827 Ansicht, die Bank von England habe rh WH zur Einleitung dieser Verhandlungen Veranlaßt gesehen, weil sie den Londoner eptfirmen, die in größerem Umfange eptguthaben in Deutschland stehen ha- , durch Hereinnahme von möglichst vie- dieser Wechsel zu dem Rediskont Helsen . Um die französischen Gelder, die an für Stützungsmaßnahmen in Deutsch- nb nicht zu haben sind, doch für diese vecke nutzbar zu machen, soll ein fran- sches Bankenkonsortium oder die Bank Frankreich einen Teil der von der nk von England hereingenommenen echsel übernehmen. In City-Kreisen hält an es für möglich, daß die Bank von gland in Gemeinschaft mit der Bank von rankreich noch einen weiteren, mehr er- eherischen Zweck verfolgt, und daß diese ebernahme der englischen Wechsel in den riser Geldmarkt den Anfang der Or-

T'gggttit wird kein Ersatz ge­be! Set ««las. Dr. §. Hitze«», her Unib-Duchdruckerei