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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Marburg ».Mil

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Nie wieder mit Frankreich"

Deutliche Absage desObserver" an die französische Politik Die Verantwortung Englands und Amerikas

Sinn für die Wirklichkeit

Stimfon in Berlin

Macdonalds Abreise nach Berlin.

London, 26. Juli. Premierminister Macdonald hat heute abend um 8.15 Uhr von LiverpoolStreet-Bahnhof seine Reise nach Berlin angetreten. Bor seiner Abreise erklärte der Premierminister: Ich freue mich sehr, nach Berlin zu gehen, und hoffe, daß mein Besuch eine gute Wirkung

In einem Leitartikel schreibtSunday Time s, die Franzosen haben sich hart­näckig an eine Politik geklammert, die England und Amerika nicht annehmen wollten und Deutschland nicht annehmen konnte. Das aussichtsreichste Merkmal der Lage ist heute die enge und menschliche Zu­sammenarbeit zwischen London und Washington.

Die Unterredungen in Berlin.

fk. Berlin, 27. Juli. Im Laufe des Sonntags hat zwischen Reichskanzler Dr. Brüning und dem in Berlin weilenden amerikanischen Staatssekretär S t i m s o n eine Aussprache über die zur Zeit im Vor­dergrund stehenden Fragen stattgefunden. Dr. B r ü n i n g und Dr. C u r t i u s unter­nahmen am Sonntag nachmittag mit

haben und die in Chequer erreichten gün­

stigen Resultate weiter fördern wird. Die

gesamte europäische Finanzlage wird in Berlin von Männern besprochen werden, die entschlossen find, ihr mit gesundem Menschenverstand und Sinn für >ie Wirklichkeit zu begegnen.

Die Aufgaben der Regierung

Um die Erleichterung des Zahlungsverkehrs

*

In der englischen Sonntagspresse kommt die Enttäuschung über die negative Haltung Frankreichs auf der Londoner Sieben-Machte-Konferenz deutlich zum Ausdruck. Diese Enttäuschung wird noch erhöht durch Frankreichs Zurückziehung großer Goldmengen vom Londoner Geld­markt. Dem Besuch S t i m s o n s und der englischen Staatsmänner in Berlin wird große Aufmerksamkeit ge­schenkt und der Erwartung Ausdruck ge­geben, daß durch enge Zusammenarbeit zwischen Amerika und Großbritannien die Lage gerettet werden kann.

O b s e r v e r" schreibt zu dem Besuch Macdonalds und Hendersons in Berlin: Beide werden empfinden, daß die Vor­stellungen, die Paris von Deutschland hat, von der Wahrheit entfernt sind.

Das britische Volk ist unbedingt und »»abänderlich entschlofien, niemals wieder mit Frankreich gegen Deutsch- . land zu fechten. Die alte profranzosische »nd antideuts-be Einstellung ist für immer tot.

3m heutigen Hauptleitartikel Gar­fins wird die Londoner Konferenz als eingefährlicher Stillstand" angesehen, für den die unnachgiebige Haltung Frankreichs verantwortlich zu machen fei.

Earvin nimmt auf die Ansicht der Pariser Presse Bezug, daß Großbritannien und Amerika nichts ohne Frankreich tun könnten, und sieht die- riesigen Zurück­setzungen französischer Gelder aus der ^ity von London als französische Druck­mittel auf England an, um der fran- Mschen Politik beizupflichten. Garvin sendet sich nachdrücklich gegen die Auf- mssung, daß sich Deutschland zu politischer üebergabe zwingen lassen werde.

Derlin, 26. 3uli. Die Besprechungen, die nach der Rückkehr des Reichskanzlers begonnen haben, wurden auch am Sonn­tag fortgesetzt. Allerdings läßt sich am Sonntag abend noch nichts Positives darüber berichten, da sie mehr einen in­formatorischen und vorbereitenden Cha­rakter haben. Der Kanzler muß seine Zeit in den nächsten Tagen nach zwei Not­wendigkeiten einteilen: Er muh dafür sor­gen, daß die a u s län dimsche n Gäste einen möglichst genauen und unmittelba­ren Eindruck von der deutschen Notlage bekommen. Daneben ist jetzt allerdings aber wichtig, daß die ReichsregrerunA nachdem durch die Maßnahmen der letzten beiden Wochen nun doch immerhin eine gewisse Beruhigung eingetreten Ist, wieder zu Dr'spos r'tionen auf längere S ich t kommt. Das ist auch der Sinn der Akzept- und Garanttebank, die dazu bei- ttagen soll, Wirtschaftsleben und Zah­lungsverkehr wieder zu normalen Verhältnissen zurückzuführen. Weiter wird diese Umstellung auch in anderen Maß­nahmen zum Ausdruck kommen, die die Reichsregierung vorbereitet. Sicher ist je­denfalls, daß die neue Woche in diesem Zeichen nicht minder ereignisreich fein wird als die vergangene. Der Unterschied liegt nur darin und er wird in politischen und wirtschaftlichen Kreisen natürlich all­gemein begrüßt, daß der wirtschaftliche und finanzielle Grund, auf dem wir stehen, wieder fester zu werden Beginnt, so daß die Reichsregierung zu Planungen zurückkehren kann, die über den Tag hinausreichen.

.Man hält an maßgebender Stelle den Abbau der Hilfskonstruktionen des Zah­lungsverkehrs im Interesse der Wittschast für durchaus erwünscht. ES können jedoch definitive Entscheidungen, vor allem über

Er macgT für die gesamte augenblick­liche Notlage die französische Annahme verantwortlich, daß Amerika und Großbritannien zu machtlos find, um Tonderaktionen zu übernehmen und ist vberzeugt, daß, sobald Amerika und Eroßbritannien vor Ablauf von drei Monaten bereit sein werden, gesondert "vrzugehen, Frankreich gezwungen v»erden wird, fich ihnen anzuschließen. nlL "Euer und entscheidender amerika- - ^an wird nach Earvins Ansicht kommenden Ereignissen entspringen. tt* a un? Großbritannien müssen, wie einornt Führung übernehmen, bevor

3 finanzielle und politische Katastrophe Zentraleuropa eintritt.

Internationale Banksachverständige in Berlin eingetroffen.

Berlin, 27. Juli. Von den internatio­nalen Banksachverständigen, die zur Prü­fung der deutschen Finanzlage nach Ber­lin kommen sollen, find beretts am Sonn­tag der schwedische Bankier Wal len­de rg und der amerikanische Berater der Bank von England, Sprague, in Ber­lin eingettoffen. Ferner ist der Londoner Vertreter der Chase Rattonal Bank, der größten Privatbank der Bereinigten Staaten, James H. (Sannen, zu wich­tigen Finanzberatungen in Berlin ange­kommen.

die Befreiung des Zahlungsverkehrs von allen Fesseln, nicht eher getroffen werden, bis vollständige Klarheit Über das Still­halten der Anslandsgläubiger vorhanden ist. Aus diesem Grunde Muh auch erst das Eintreffen der ausländischen Finanzexperten abgewartet werden, mit denen die Besprechungen sofort aufge­nommen und beschleunigt durchgeführt werden sollen. Was das ausländische Sttllhaltskonsottium anbelangt, so sind zunächst in London und in Neuhork auf­grund von Besprechungen die Notenbank­präsidenten mit den maßgebenden Banken­komitees der Banken gebildet worden, die an der Frage interessiert sind. Durch die Komitees werden von Martt zu Marft Sttllhaltsverhandlungen mit den auslän­dischen Dankgläubigern Deutschlands zu- standekommen, wobei selbstverständlich auch die Märfte der neutralen Länder bzw. die Banken der neuttalen Staaten einbezogen werden sollen. Bezüglich des Beitritts der kleinen und mittleren Banken des Aus­landes zu der Sttllhaltung ist man an maß­gebender Stelle der Auffassung, daß die Sttllhalteerklärung der großen Banken auf die kleinen von Einfluß sein wird. Man verspricht sich ferner von der Einwirkung der Notenbankpräsidenten auf die kleineren und mittleren Banken, die von den Noten­instituten in besonderem Maße abhängig sind, viel, um die Bereitschaft auch dieser Banken zu der Stillhalteerflärung zu er­höhen. Im übrigen kommt es natürlich in erster Linie darauf an, wie sich die Der- hälttnsse in den nächsten Wochen in Deutschland selbst gestatten werden. Man ist der Auffassung, daß eine niöglichst bal­dige Wiederherstellung normaler Beding­ungen im'Bank- und Zahlungsverkehr er­folgen wird.

Ansteigende SteuereiugLnge.

Berlin, 25. Juli. Wie wir erfah­ren hat der Erlaß der Verordnung über Zuschläge für Steuerrückstände dazu ge­führt, daß fich die Steuereingänge in einer ansteigenden Linie bewegen. Steuerausfälle sind seitdem nicht mehr feftzustellen. Allerdings sind andererseits lleberschüsse, die an sich vorhanden fein müßten, nicht eingetteten. Man rechnet mit weiteren großen Zahlungen vor dem 31. Juli. Die Ueberweisungen des Reiches an die Länder dürften jedoch nicht die volle Summe erreichen, und die Länder werden daher ebenso wie das Reich eine Staffelung der Gehälter vornehmen müssen.

Stimfon und dem amerikanischen Bot­schafter S a ck e t t einen Ausflug nach Potsdam, worauf am Abend der Reichskanzler dem Staatssekretär ein Essen gab.

Der englische Ministerpräsident Mac­donald, der ursprünglich erst am Mon­tag früh nach Berlin fliegen wollte, hat wegen der regnerischen Wetterlage seine Absicht geändert und ist am Sonntag abend bereits von London mit dem fahrplan­mäßigen Zuge nach Berlin abgereist. Auch Außenminister Henderson hat am Sonntag seine Reise nach Berlin an­getreten.

In der französischen Presse wird zum englischen Ministerbericht in Berlin gesagt, die französische Oeffentlichkeit habe keinen Anlaß zur Beunruhigung, da eine englisch- amerikanische Hilfe für Deutschland ohne Frankreich nicht in Frage komme.

Die Bewertung der Londoner Konferenz in der italienischen.Presse ist nach der Kri­tik an der französischen Haltung, die wenn auch mit Einschränkungen fort­gesetzt wird, auf den Erundtön eines vor­sichtigen Optimismus eingestellt. Wenn das Ergebnis auch bescheidener ausgefallen sei, als man zunächst erwartet habe, so könne es doch wirtschaftlich und politisch ganz beträchtlichen Wert erlangen, insbe­sondere wenn Deutschland auf dem in den letzten Wochen beschrittenen Weg der Selbsthilfe zur Wiedergewinnung des Ver­trauens des In- und Auslandes in feine Währung tatkräftig fortschreite. Die Ge­fahr, daß Deutschland vor den politischen Forderungen Frankreichs kapitulieren müsse, sei überwunden und eine Zwischen­lösung erzielt worden, deren zwangsläufige Auswirkung zur Lösung der Reparations­und Schuldenfrage wie auch des Ab- rllstungsproblems führen werde.

Corriere della Sera weist darauf hin, daß hier der wirtschaftliche und moralische Aufbau der zivilisierten Welt nur schritt­weise durchgeführt werden könne. Er er­innert an die großzügige Haltung der italienischen Oeffentlichkeit zu den brennen­den Fragen auf der Londoner Konferenz nach dem Scheitern seines gefährlichen Versuches, auf Deutschland eine Hypothek zu legen. So sei es zu einer provisorischen Lösung gekommen, die an sich geringen Wert hätte, wenn sie nicht ein erster Schritt zu weiteren Abmachungen wäre.

Amerikanische Wirtschasts- kreise zur deutschen Krise

ff. Newyork, 27. Juli. Die Monats­berichte der Euardenty Trust Co. beschäftigt sich fast ausschließlich mit der deutschen Krise. Die natürliche schwierige Lage Deutschlands in der Nachkriegszeit, so heißt es in dem Bericht, fei auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. So seien der Verlust der Kolonien und wert­voll er Land st r i ch e des Mutterlandes, die Tribut.za hl ungen, die politische Unsicherheit, die Inflation und die Verarmung des Mittelstandes zum größten Teil für die gegenwärtigen Schwierigkeiten des Reiches verantwortlich. Anderseits habe das unübersehbare System der Steuereinnahmen zu kostspieligen f o - 31 a len Wagnissen lArbeitslosenver- ftcherung, übergroße öffentliche Arbeiten) ge« fuhrt und die Krise verschärft. Große 23e« träge des ausländischen Leihkapitals feien zu dem gleichen Zwecke benutzt worden, woran allerdmgs weniger die Regierung als pacte»»