Sonnabend, den A. Juli ISA
$4e .Obertzesflsche Seftwig* «• Meint sechsmal wichentlich. Be- inaSptei« monatlich 2.2OGMa»«- schließl. AustellnngSgebübr, durch ^e Post 2.45 GM. Für etwa durch fftteil, Maschinendefekt oder ele- Ereignisse ausfallende
Wird kein Ersatz ge- yftet Verlag. Dr. §. Hitzerotb. Qcstf der llnid*Vuchdru<kerei «ph. Slug. Koch. Markt 21/23. g«nspreche«: Slr.54 mrd Rr. 55. Mpstscheekkonto: Am« Frankfurt p. M. Rr. 6015. — Svrechzeit Mc Redaktion von 10—U und
V.1—1 Ubr.
SbertiMsche
Marburger 4h 8esMr
MMuZeiver HH El LanreWwng
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Rr.l«L W. Indra.
Marburg a. Laba
Der Obizekgenpreks vekützk M den 11 gespalt. Zeilemnillimeter 0.0SGM.,sog. kleine Anzeigen und Famllienanzeigen bei Bar^rhkung 0.07 GM., amtl. und answärtige Anzeigen 0.10 SM Grundschrift r SoloneL Bei schwierigem Satz so-, wie bet Platzborschrift 50*/, Aufschlag — Samnrelanzeigeu 100*/, Aufschlag Reklam.-Millim. 0.40 GM «rundschrist, Petit. Jede, Rabatt gilt al« Barrabatt.
Jiel 5 Tage.
Yfferten-Gebühr« 25 Pfg. Belege werde» berechnet. Erfüllungsort Marburg.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis MarÄurg.
Die Macht des Goldes
Planmäßige Kreditkündigungen in England — Neue Geldsendungen nach Frankreich — Das Ziel der französischen Politik
Erpressung mit deutsche» Tribut-Geldern
Wieder 200 Zentner Gold von England nach Frankreich.
fk. Frankreich, 25. Juli. Auf dem Flugplatz von Le Bonrget trafen am Freitag wiederum 10100 Kilogramm Gold ans England ein. Es ist dies die größte Sendung, die jemals auf dem Luftwege nach Frankreich befördert worden ist.
Wo ist der wahre Friedensstörer?
„Daily Herald" beschäftigt sich heute eingehend mit der Zurückziehung französischer Kredite vom Londoner Markt. Man schätzt, so schreibt das Blatt, daß Frankreichs in England untergebrachte Kredite vor Ausbruch der deutschen Krise etwa 150 Millionen Pfund Sterling betragen hätten, wovon seither etwa 40 Millionen Pfund gekündigt worden seien. Diese Maßnahmen der französischen Banken, so meinte das Organ der englischen Regierungspartei weiter, brachten den Erfolg der Konferenz in ernste Gefahr, denn die Londoner Banken, die bereit seien, ihre Kredite in Deutschland stehen zu lassen, müßten nun zusehen, wie ihre Mittel durch die französischen Forderungen immer mehr zurllckgingen.
Die Tatsache, daß trotz des auf der Sieben-Mächte-Konferenz gegebene« Versprechens friedlicher finanzieller Zusammenarbeit und trotz der Erhöhung des englischen Bankdiskont- satzes am letzten Donnerstag die Eold- abzüge andauerten, rufe in britischen politischen und finanziellen Kreisen geradezu Ueberraschung und Bestürzung hervor.
Wenn die Dinge so weiter gingen, dürfte eine weitere Erhöhung des Diskontsatzes der Bank von England auf 4y3 Prozent in der nächsten Woche wahrscheinlich sein. Norman soll die Regierung uyterrich- tet haben, daß praktische Maßnahmen notwendig seien, um diesen Eoldabfluß zu unterbinden. Gewisse Beobachter seien der Auffassung, daß
der Zurückziehung der Kredite die Absicht zu gründe liege, die englische Regierung und die englischen Banken daran zu hindern, Deutschland Hilfe angedeihen zu lassen, es sei denn nur in Verbindung mit Frankreich und anf der Grundlage der französischen Bedingungen.
„Daily Herald" deutet dann noch die Möglichkeit eines anderen Grundes dieser französischen Finanzpolitik an, nämlich, daß Frankreich sein Vertrauen in die finanzielle Stabilität und den Kredit Englands verloren habe. Dieser Verlust des Vertrauens hänge mit dem kürzlichen B e- such Hendersons zusammen. Die Franzosen hegten gegen den britischen Außenminister — nicht ganz ohne Grund
Argwohn, daß er die Abrüstungs- frage allzusehr in den Vordergrund der Verhandlungen habe rücken wollen. Außerdem hätte Frankreich gegen Mac- d o n a l d und Snowden den Verdacht, daß sie den Hintergedanken einer gründlichen Revision des doungpla- ues hegten. Daß die Franzosen sich Ichneßlich doch zur Teilnahme an der Londoner Konferenz entschloßen, sei auf die internationale Darlegung der finanziellen
deutschen Banken ausübsn. Es ist notwendig, daß die in London beschlossene Stillhalteaktion möglichst rasch in der Praxis zum Abschluß gelangt. Sollte das nicht der Fall sein, so würde sich u.U. die Reichsregierung doch noch gezwungen sehen, ein Auslandsmoratorium zu verkünden. Dieses Auslandsmoratorium würde zur Folge haben, daß die privaten Auslandsschulden für eiye bestimmte Zeit gegen entsprechende Sicherungen ruhen, d. h. daß die Termine der Rückzahlung auf Grund eines Macht-
und wirtschaftlichen Schwierigkeiten Englands zurllckzuführen, die Henderson ihm gab. Dieser solle sogar die Möglichkeit angedeutet haben, daß
England selbst ein Moratorium erklären müße, wenn Deutschland ein solches erklären würde.
Daraufhin sei eine Panik in französischen Bankrreisen entstanden.
Der Druck der Kreditkündigungen
Auch in Berliner unterrichteten Kreisen wird darauf hingewiesen, daß die Kreditkündigungen aus dem Ausland noch immer einen starken Druck auf die
Vorstoß gegen Dr. Luther
Gegen den Reichsbankpräsidenten Luther, desien Stellung bereits vor 14 Tagen als erschüttert bezeichnet wurde, wird jetzt ein neuer Vorstoß unternommen. Das geschieht durch einen Artikel des „Berliner Börsen-Courier", der die lleberschrift „Abschied von Luther" trägt. Es. wird Dr. Luther vorgeworfen, daß ihm die vollkommene Beherrschung des internationalen Finanzapparates und die notwendige Erfahrung auf personellem Gebiete gefehlt habe und daß das geringe Ergebnis der Londoner Konferenz auch ohne Bemühungen des Reichskanzlers schon dem Reichsbankpräsidenten, und zwar früher, hätte erreichbar sein müßen, wenn die Reichsbank das Selbstverständliche nur rechtzeitig getan hätte. Die tragisch-unzulängliche" Vorarbeit der Reichsbank sei der Grund, daß der deutsche Reichskanzler aus Paris und London mit leeren Händen zurückkehre. Dr. Luther hat es nach der Darstellung des Blattes versäumt, im vergangenen Herbst bei den ersten großen
Politische
Im Zusammenhang mit den von der Reichsregierung mit Rücksicht auf die Kassenlage des Reiches bestimmten Ausgabe- öefchränkungen wird vom Reichswehr- ministerium mitgeteilt, daß alle llebungen der Truppen außerhalb ihrer Garnison aus Ersparnisgründen ausfallen. Bon dieser Maßnahme wird ungefähr ein Drittel des Reichsheeres betroffen. Ferner fallen alle Dienstreisen fort.
Im Reichsanzeiger ist am Freitag eine vom Reichsarbeitsminister Steger - wald und Reichsfinanzminister Diet - r i ch gezeichnete Notverordnung über die Förderung des Freiwilligen Arbeitsdienstes veröffentlicht worden.
Anter Leitung des Reichsernährungs-- ministers haben mit der Reichsbank, den Landwirtschaftlichen Kreditinstituten und den Vertretern der Landwirtschaft Verhandlungen über die Ernteftnanzie- r u n g stattgefunden, in deren Verlauf die Reichsbank sich bereit.erklärte» den Mühlen und Eetreidehändlern den zur Finanzierung der Erntebewegung nötigen R e - diskont-Kredit zur Verfügung zu stellen.
Der amerikanische Staatssekretär S ti m- s v n ist am Freitag abend mit dem fahrplanmäßigen Zuae aus London nach
Devisenabziehungen nach den Septemberwahlen den Diskont zu erhöhen, sich einen ausländischen Rediskontkredit zu verschaffen, und jetzt noch wäre der Zusammenbruch der Danatbank zu verhindern^ gewesen, wenn die Reichsbank nicht völlig passiv geblieben wäre. Schon fünf Wochen vorher seren ihr vom Leiter der Danatbank nicht nur die rapiden Devisenabzüge, sondern auch die Markabzüge ihrer Gläubiger bekanntgegeben worden. Die Blitz- flüge Dr. Luthers nach London und Paris hätten gerade alle noch sorglosen Gläubiger zur äußersten Unruhe wachgerufen. Jetzt müße der Zahlungsverkehr sofort in Ordnung gebracht werden, und dabei dürfe kein einziger Mißgriff mehr unterlaufen. Für Dr. Luther schlägt das Blatt den Posten des Reichsinnenministers oder eines Kommißars für Reichsreform vor.
Dieser Vorstoß hat in Berlin beträchtliches Aufsehen erregt, da er sicherlich nicht ohne Zusammenhang mit einflußreichen Kreisen erfolgt ist.
Uebersicht
Berlin abgereist. Dazu wird aus Washington gemeldet, daß Stimson keiner- le/'Befugnisse habe, in Berlin finanzielle Verhandlungen zu führen.
An der Neu Yorker Börse herrschte auch am Freitag gegenüber dem Londoner Bexhandlungsergebnis unveränderter Pessimismus, der sich in einem erneuten Kursverlust auf der ganzen Linie äußerte.
In Pariser Blättern wird zum Ausdruck gebracht, daß Dr. Brüning bei seinen Besprechungen mit Laval auch Mit großer Deutlichkeit auf das Ostprvblem hingewiesen und u. a. unterstrichen habe, daß der Danziger Korridor eine wirtschaftliche Besserung Ostpreußens vollkommen unmöglich mache.
Die revolutionäre Bewegung in Chile hat zur Ausrufung einer Militär« diktatur geführt.
Vor dem Haager Schiedsgerichtshof verteidigte am Freitag der franzöfische Vertreter Paul Boncvur den Standpunkt seiner SKegierung in der Zollunion-Frage.
Der Londoner Sachverständi gen- a u s s ch u ß hat. seine Arbeiten über die Durchführung des Hoovervorschla- g e s wieder ausgenommen.
spruches der deutschen Regierung hinaus- geschoben werden. Selbstverständlich würde eine solche Maßnahme, die das Ausland sehr unfreundlich aufnehmen dürfte, nur im äußersten Falle zur Anwendung gelangen.
15 Prozent ReichsSanldiskont?
Die Nachrichten, wonach in den nächsten Tagen eine. Heraufsetzung des Reichsbankdiskontsatzes von 10 auf 25 Prozent erfolgen wird, entsprechen nicht den Tatsachen.
Man steht an maßgebender Stelle auf dem Standpunkt, daß eine Diskontmaßnahme, solange der Zahlungsverkehr in der gebundenen Form aufrechterhalten bleibt, praktisch ohne Wirkung ist. Die Frage einer weiteren Heraufsetzung des Diskontsatzes, die wohl zur Erörterung steht, kann zu einer praktischen Entscheidung erst dann gebracht werden, wenn der Zahlungsverkehr weitestgehend gelockert und der normale Verkehr der Banken wieder hergestellt wird. Ein großer Teil der am Zahlungsverkehr beteiligten Institute ist "für eine schnelle Rückkehr zum normalen Zahlungsverkehr und hält die durch die Notverordnung getroffene Neuregelung, die für die Zeit vom 24. bis zum 28. Juli gilt, für unbefriedigt. Eine Diskonterhöhung auf 25 Prozent kommt jedoch keinesfalls In Frage, sondern die Erwägungen betreffen eine solche aus 15 Prozent.
Das schlechte Gewissen
Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt:
Die Franzosen sind zwar der Ansicht, daß die angelsächsischen Mächte niemals wagen werden, Deutschland ohne französische Beteiligung neue Kredite zu gewähren, gleichzeitig aber war gestern abend eine gewiße Nervosität in französischen Kreisen erkennbar, als bekannt wurde, daß Staatssekretär Stimson sofort nach Berlin geht, und daß Schatzkanzler Mellon Besprechungen mit Dr. Brüning und Dr. Curtius hatte. Da überdies noch Macdonald und Henderson nach Deutschland gehen werden, beginnen die Franzosen Mutmaßungen über die eventuellen Ergebniße dieser englisch-deutsch- amerikanischen Besprechungen anzustellen. Der Korrespondent fährt fort, die erfreulichste Seite der Konferenz war zweifellos die llebereinstimmung der amerikanischen und britischen Ansichten über die gegenüber Deutschland zu befolgende Politik.
Da» Ziel der Franzosen
Finanzminifter F l a n d i n hat dem Londoner Sonderberichterstatter der Agentur Havas folgendes erklärt:
Die Londoner Konferenz ist in einer „Athmosphäre guten Willens beendet worden. Sie konnte nicht mehr erreichen, als sie erreicht hat. Weder die Franzosen noch die Amerikaner konnten zulaßen, daß inan die Revision der Verpflichtungen zwischen den Regierungen untereinander diskutierte. Die Konsolidierung der alten und die Schaffung neuer Kredite ist eine Angelegenheit der Banken und nicht der Regierungen. Alles, was, man von den Negierungen verlangen kann, ist, daß sie an der Wiäwraufrichtung des Vertrauens Mitarbeiten. Mehr als je hängt es jetzt vom Schuldner ab, Anstrengungen zu machen, um das Vertrauen zu vergrößern. Ich kann mich nicht über die Frage aussprechen, ob die gegenwär- tiae europäische Krise allein durch die Mit-