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Rk.M 66. UW. Marburg a. Lahn

Sreilag. ton 24. Juli 1951

Englisches Gold nach Frankreich

Wachsende Erkenntnis für die Notwendigkeit der Revision der Verträge - Ein sensationeller Artikel derTimes

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Anzeigev für (das frühere kurhessische) Oberhessen

- Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburgs

Farbe bekennen!

Brünings Urteil

fk. Paris, 24. In Le Bourget trafen ent Donnetstag von England kommend wiederum sechs Flugzeuge ein, die insge­samt acht Tonnen englisches Sold an Bord hatten, das für die Bank von Frankreich bestimmt ist. Diese acht Tonnen stellen einen Wert von 150 635 000 Franken (übet 25 Millionen Mark) dar.

»

DieTimes" beginnen ihre Kritik an der Londoner Ministerkonferenz mit star­kem Zweifel an der Kunst der Staatsmänner unserer Zeit, deren Ansehen durch diese Konferenz kaum er» höht worden sei. Das konservative Blatt wirft der englischen Regierung vor, daß sie «S an der klaren Führung habe mangeln lasten. Der Hauptfehler der englischen Regierung Habe darin bestanden, falsche Hoffnungen erweckt zu haben.

Es gebe ein oder zwei offensichtliche Probleme politischen und finanziellen Eharakters, die schon durch eine Er­klärung über eine beabsichtigte In­angriffnahme an Schärfe verlieren würden» nämlich die Herabsetzung der Kriegsschulden und die Revision der

Verträge.

Ein derartiges Versprechen würde wie Blitzableiter für Gewitter gewirkt haben, die über Europa bereits heraufzuziehen begännen. ES genüge nicht, wenn die Vertreter der Mächte in aller Herzlichkeit von einander scheiden, denn hierdurch wür­den die' Schwierigkeiten nicht erfaßt. In Krisenzeiten sei eine offene Sprache wanchmal sehr angebracht. DieTimes" find auch mit der derzeitigen Methode fortgesetzter Konferenzen keineswegs $u= frieden.

Die Stimmung, sowohl in Deutschland wie auch in Frankreich, sei wegen der Frage der Reparationen und der Re­vision der Friedensverträge erheblich gespannt, obwohl die neue Erwägung der Verträge ausdrücklich als ein Grundsatz in den Verträgen selbst enthalten sei.

DieTimes" gehen dann im einzelnen <wf die französisch-deutschen Beziehungen ein. Den ausgezeichneten Beziehungen zwischen Brüning und Laval scheine Bedeutung beigemessen werden zu müsten, wenn sie die Grundlage zu kommenden und bedingungsfreien Erörterungen werden sollten. Das Blatt weist darauf hin. daß es immer noch Sieger und Besiegte gebe. Dieser Zustand sei unnatürlich und dürfte Ächt andauern. W schließend setzen sich dieTimes" erneut für eine französisch- deutsche Annäherung ein.

Die Welt, so sagt sie, kann niemals Vertrauen in die Festigkeit des Frie­dens haben, wenn die Kriegsmentali- taten zwischen Deutschland und Frank­reich anhalten.

Diese können nur beseitigt werden, wenn beide Parteien auf der Grundlage der Gleichheit bereit seien, alle Aus­gangspunkte der Erörterungen zu er­wägen.

DieMorning Post" meint, es sei Fehler, wenn man annehme, daß durch Cle von der Konferenz beschlossenen Emp­

fehlungen Deutschland wieder saniert wer­den könne. Eine Wiederholung der Krise sei ünvermeidlich, wenn in dem nächsten Just die Boungzahlungen wieder ausge­nommen werden sollen.

DerDailh Herald" sagt, die Krise sei nur aufgeschoben. Die Revision der Kriegsschulden-Abkommen sei notwendig.

Der Ausgang 8er Konferenz ist em sehr guter." Mit diesen Worten lei­tete Reichskanzler Dr. Brüning sofort nach Schluß der Siebenmächte-Konferenz die Besprechung mit den deutschen Presse­vertretern ein. Zu der nach Schluß der Beratungen veröffentlichten Erklärung bemerkte der Reichskanzler im einzel­nen, daß

Schluß in London

Eine dürftige Zwischenlösung

Die Siebenmächte-Konferenz hat nach ihrer Schlußsitzung folgende Erklärung ver­öffentlicht:

Die kürzlichen übermäßigen Zu­rückziehungen von Kapital aus Deutschland haben eine akute (in a n« 3 i e 11 e Krisis erzeugt. Diese Zurück­ziehungen sind verursacht worden durch einen Mangel an Vertrauen, der nicht durch die wirtschaftliche und bud­getäre Lage des Landes gerecht- fertigt ist. Um die Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität Deutschlands sicherzustellen, die wesentlich ist im Jnter- este der gesamten Welt, sind die auf der Konferenz vertretenen Regierungen bereit, zusammenzuwirken, soweit es in ihrer Macht liegt, um das Vertrauen wie­der herzustellen. Die auf der Konferenz vertretenen Regierungen sind bereit, zur Erwägung durch die Finanzinstitute in ihren diesbezüglichen Ländern folgende Vorschläge zur Erleichterung der un­mittelbaren Lage anzuempfehlen:

1. Daß der Zentralbank-Kredit von 100 Millionen Dollar, der vor kurzem der Reichsbank unter den Auspizien der Bank für internationale Zahlungen ge­währt wurde, bei seiner Fälligkeit für einen Zeitraum von drei Monaten er­neuert wird.

2. Daß gemeinsame Maßnahmen von den Finanzinstituten in den verschiedenen Län­dern zwecks Aufrechterhaltung des Umfanges der Kredite getroffen wer­den, die sie bereits Deutschland gewährt haben.

Die Konferenz empfiehlt, daß die Bank für internationale Zahlungen eingeladen wird, ohne Verzug einen Ausschuß von Vertretern zu schaffen, die von den Gouverneuren der Zentralbanken ernannt find. Der Ausschuß soll die unmittelbaren weiteren Kreditbedürfnisse Deutschlands und die Möglichkeiten der Konvertierung eines Teiles der kurzfristigen Kredite in langfristige Kre­dite prüfen.

Die Konferenz hat mit Interesse eine Mitteilung Dr. Brünings mit Bezug auf die gemeinsame Garantie zur Kennt­nis genommen, die vor kurzem von der deutschen Industrie zur Ver­fügung der Eolddiskontbank gestellt wurde. Die Konferenz ist der Ansicht, daß eine Garantie dieser Art es möglich machen müsse, eine gefun.be Grundlage für die Wiederaufnahme der normalen Operationen der internationalen Kredits

zu verschaffen. Die Konferenz ist der An­sicht, daß, wenn diese Maßnahmen durch­geführt werden, sie eine Basis für eine darauf folgende permanentere Ak­tion bilden werde.

Zum Schluß der Sieben-Mächte-Konfe- renz sprach Ministerpräsident Laval die Hoffnung aus, daß die Besprechungen der Auftakt zu einer Reihe weiterer Erörte­rungen seien, die zu einer politischen deutsch-französischen Zusammenarbeit füh­ren mögen. Staatssekretär S t i m s o n unterstrich die Bedeutung der Aussprachen zwischen Deutschland und Frankreich und äußerte seine Zuversicht, daß sie in der ganzen Welt das Vertrauen befestigen würden. Bezüglich der Konferenz erklärte der Staatssekretär, daß er Zeuge eines sehr bedeutsamen Ereignisses gewesen sek, dessen Ergebnisse er mit Spannung er­warte. Reichskanzler Dr. Brüning dankte vor allem den amerikanischen Staatsmännern für ihre Unterstützung und hob hervor, daß er von der Wichtigkeit einer vertrauensvollen deutsch-französischen Zusammenarbeit überzeugt sei. Außen­minister Erandi erklärte, er hoffe, daß bas Ende der Konferenz der Beginn einer neuen Atmosphäre in der ganzen Welt und besonders hinsichtlich guter Beziehun­gen zwischen den europäischen Rationen sei.

Nach der Konferenz

Die Teilnehmer der französisch en Delegation in London waren am Donnerstag abend Gäste des Reichs­kanzlers und der deutschen Botschaft.

Bei der Unterredung, die etwa zwei Stunden dauerte, hat der Kanzler erneut die Franzosen über die wahre Lage in Deutschland aufgeklärt und die einzelnen Punkte noch einmal durchgesprochen. Del den maßgebenden französischen Kreisen sollen die Aussprachen sehr ernst ge­wesen sein.

Die französische Presse gibt ihrer Eenug- tung Ausdruck, daß die Konferenz von London keine neue Inanspruchnahme der französischen Kredite gebracht habe, und daß alle Fragen der politischen Garantien nach wie vor offen geblieben sind.

Vertreter der führenden amerikanischen Banken beriete« am Doanerstag über die deutsche Kreditlage, wobei die Mehrheit der Bankiers sich vorläufig gegen wei­tere Kredite für Deutschland ausgesprochen habe« soll.

die Formulierung der Beschlüsse in sehr weitem Maße im Sinne der deutschen Wünsche erfolgt ist.

Sie sehen", fuhr der Kanzler fort,daß es sich um eine Zwischenlösung handelt; mit einer Schnellösung auf lang­fristiger Basis hatten wir nicht gerechnet und wie ich in Paris bereits Gelegenheit hatte zu sagen, ist, ganz abgesehen von den technischen Schwierigkeiten einer solchen internationalen Anleihe, die mo­natelange Vorbereitungen erforderlich macht, von Anfang an klar gewesen, daß eine Einigung über eine solche Anleche zur. Stunde wenigstens zwischen Ame­rika, England und Frankreich gar nicht ausführbar ist. Ich fehe ganz ab von etwaigen politischen Be­dingungen. So ist es zum Beispiel ganz klar, daß auch die Verfassung der Vereinigten Staaten es ihnen unmöglich gemacht hätte, an einer langfristigen An­leihe teilzunehmen. Dazu kommt die Lage des Londoner Kapital­marktes, die zur Zeit eine solche An­leihe wohl als gänzlich ausgeschlossen er­scheinen läßt. Infolgedessen haben wir uns darauf befchränken müssen, daß 1. der 100-Millionen-Dollarkredit, der am 1.8. abläuft, verlängert wurde und zwar um 3 Monate, und 2. haben wir, worauf es vor allem ankommt, dafür gesorgt, daß nicht weitere kurzfristige Kre­dite abgezogen werden."

Der Reichskanzler betonte, 8aß dies gerade der Punkt fei, dessen Notwendig­keit allerseits anerkannt wurde. Er hob hervor, daß

es sich im wesentlichen heute nur «och um amerikanische und englische Kre­dite handle.

Die Tatsache, daß die Finanzinsfitute Re­ser Länder unbedingt bereit sind, mitzu­helfen, und daß Deutschland, wie bereits mehrfach betont worden ist» jeden Einfluß in dieser Richtung einsetzen wird» ist, wie der Reichskanzler hervoryob, immerhin van nicht unerheblicher Bedeutung. Die Konferenz, fo fuhr er fort, stellte fest, daß die Garantie von Ausfallbürgschaften von 500 Millionen, die seitens der ganzen In- buftrie der Golddiskontbank zur Verfüg­ung gestellt wurden, immerhin eine ge­sunde Basis für die Wiederaufnahme normaler Kreditoperationen bedeutet. Der Reichskanzler legte größten Wert auf die Feststellung, daß

alles dies nur Zwischenmaßnahmen find und daß das Volumen des deut­schen Kredites im Auslände unter allen Umständen in absehbarer Zeit vergrößert werden muß.

Er Bemerkte, daß der letzte Satz der von der Konferenz veröffentlichten Erklä­rung angedeutet habe, daß diese Maß­nahmen die Grundlage der Aktion für die Ereignisse in der Folge sein müssen. Um diese Dinge zu beschleunigen, wurde von deutscher Seite angeregt, daß eine kleine Gruppe von Sachverständi­gen internationalen Ansehens nach Ber­lin komme, die mit Rat zur Seite stehe. Die amerikanischen Delegierten haben vorgeschlagen, daß, um möglichst schnell zu einer Regelung der Frage der Auf­rechterhaltung der kurzfmstigen Kredite und einer eventl. Erweiterung des Stan­des der kurzfristigen Kredite zu gelan­gen, ine Notenbankpräfidenten ein