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SbecheMche

Marburger Al SeMche

ÄlgeSanzriger / 1/ B W B II LaMWIung

Anzeiger für (das frühere kurheffische) Oberhessen

Nk.166 ßö.MkS.

Marburg a. Laba

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

I Ein zweites Versailles?

Frankreich erhebt tatsächlich die von uns gestern veröffentlichten Forderungen Amerika erklärt sie für undiskutierbar

Die deutschen Minister find am Freitag

abend 21.59 Uhr vom Bahnhof Friedrich« ftrahe nach Paris abgereist. Zur Lerabschiedung hatten fich auf dem Bahn­hof u. a. der franzöfische und der englische Botschafter eingefunden.

Vor der Abreise des Reichskanzlers nach Paris richteten die Vorsitzenden der Konservativen Volkspartei und des Christlichen Volksdienstes an Dr. Brü­ning einen Brief, in dem sie die Ableh« nung demütigender und entwürdigender französischer Forderungen verlangen.

Der Führer der Deutschen Bolkspartei Dingeldey, erklärte, daß eine deutsche Skegierung, die die französischen Be­

dingungen annehme, im selben Augenblick chre Existenz im deutschen Volke verloren hätte.

In einer amtlichen englischen Verlaut­barung wird unterstrichen, daß vor dem Zusammentritt der Londoner Minister- wnferenz keine Entscheidung von Weitgehender Bedeutung gefällt werden kann, und daß die Pariser Besprechun- «n nur einen vorläufigen und informa- torischen Charakter haben werden.

Präsident Hoover erklärte, daß Amerika die französischen Forderungen »»möglich diskutieren könne und daß auch Krankreich nach einer Unterhaltung mit Dr. Brüning selbst einsehen werde, daß sie »»durchführbar sind.

Die französische Regierung hat nun- wehr als letzte der eingeladenen Mächte chre Beteiligung an der Londoner Kon- strenz zugesagt.

In einer vor der Abreise stattgefunde- ten Kabinettssitzung wurden grundsätz- Mie Beschlüsse über die weiteren finanz- vrd wirtschaftspolitischen Maßnahmen dicht gefaßt. Das Reichskabinett Wht jetzt unter Leitung des Vizekanzlers Dr. Dietrich.

.Don französischer Seite wird ein Sa- werungsprogramm verbreitet, das den deutschen Ministern in Paris vorgelegt Werden soll, und das eine Finanzkon- keolle und ein zehnjährigespoliti­sches Moratorium" Vorsicht.

Dr. Brüning erklärt ^eichc>Kanzler Dr. Brüning übergab r81 Chefredakteur des WTB kurz vor «Mer Abreise nach Paris folgende (Er« «arung:

Nachdem die Reichsregierung die not- ?udigen Maßnahmen getroffen hat, um

Gefahren zu begegnen,' die aus den schweren Erschütterungen des putschen Geld- und Kreftit- M e m s drohen, ist mir nun die Mög- ^heit gegeben, den von mir schon in Jttner letzten Rundfunkrede zum Aus-

egebrachten Wunsch nach einem ?drsönlichen Meinungsaus- o'Usch mit den französischen ^datsmännern zur Durchführung

' dringen. Der Herr Reichsaußenmini- L und ich fahren nach Paris mit dem

Willen, in einen offenen gegenfei« ?n Meinungsaustausch einzutreten, Rn Ergebnis, wie ich hoffe, den Weg Ä vertrauensvolle Zusammenarbeit 'Sachen wird.

^*1 bevorstehende Aussprache kann ^fruchtbarer fein, als wir gleichzeitig

n rrtr"e*t Hubert werden, auch mit dem pirschen Außenmini st er und fth amerikanischen Staats- retar zusammenzukommen. Von

Washington lehnt ab

Castle bestätigt die maßlosen Forderungen Frankreichs

Washington, 17. Juli. Das unver­rückbare Ziel der amerikanischen Regie­rung, sofortige und möglichst langfristige Hilfe für Deutschland unter Beiseitestellung aller nicht notwendigen Einzelheiten, wurde heute von Unterstaatssekretär Castle nach erneuter telephonischer Be­sprechung mit S t i m s o n und einem langen Vortrag bei Hoover mit vollster Deutlichkeit erneut betont

Ferner wurden zwei für das kommende Wochenende äußerst wichtige Punkte end­lich geklärt: Man betrachtet den Besuch des Reichskanzlers bei Laval lediglich als einen Auftakt zu der eigentlich entschei­denden Londoner Konferenz und man be­trachtet ferner die bisher bekannt gewor­denen Voraussetzungen für eine Anleihe an Deutschland alsundiskutierbaren Versuchsballon".

Unterstaatssekretär Castle teilte weiter mit, daß die franzöfische Regierung, wie Stimson telephonisch mitteilte, tatsächlich heute früh als

Gegenleistung Deutschlands für eine in zehn Jahren rückzahlbare von Amerika, Frankreich und anderen zu gewähren« den Anleihe in Höhe von 500 Millionen Dollar, etwa verlangt habe, daß die Zolleinnahmen Deutschlands gepfändet würden, daß ein Gläubigerausschuß die Verwendung dieser Einnahmen kontrolliere und ein Be­stimmungsrecht bezüglich etwaiger weiterer deutscher Ausländsanleihen habe, daß Deutschland seinen Wehretat während die­ser Jahre nicht erhöhe und daß Deutsch­land während dieses Zeitraumes keinerlei politische Forderungen stelle, sondern de« politischen und geographischen status quo respektiere.

Castle bemerkte hierzu, Hoover habe, als Stimson ihm diese Forderungen mitteilte, erklärt, daß Amerika sie unmöglich diskutieren könne, und daß die französischen Staatsmänner nach einer Unterhaltung mit Dr. Brüning selbst ein« sehen würden, daß sie undurchführbar seien. Die Reichsregierung habe, so *e« tonte Castle, in den letzten Tagen einige sehr energische Maßnahmen ergriffen, die dem Reich übet die nächste Zukunft hinweg« helfen würden. Nunmehr könne Deutsch­land erwarten, daß schleunigst ein auf mög­lichst lange Sicht berechneter Hilfsplan ge­schaffen werde, und das sei die Aufgabe der Londoner Konferenz.

Hoover habe soeben Botschafter Dawes, der in Chikago weilt, gebeten, sofort auf

Paris werden wir auf eine Einladung der englischen Regierung nach London weiter­fahren, um den begonnenen Gedanken- austaufch dort fortzufetzen. Ich Hoffs, daß diese persönlichen Fühlungnahmen zur Klärung der Lage beitragen und einen sichtbaren Beweis internationaler Solidarität geben werden.

Britische Einheitsfront gegenüber den aktuellen Hauptproblemen.

Amerikas Rein zu den französischen Forderungen" ist die Hauptüberschrift der heutigen Ausgabe desDaily

Zum Schluß feiner Ausführungen er­klärte Castle,

es handle sich nicht um eine Revision bestehender Verträge, sondern um eine unaufschiebbare Behebung eines Not­standes.

Mellon gehe nicht mit politischen In­struktionen oder Vollmachten, sondern le­diglich mit der klaren Weisung nach Lon­don, an der unverzüglichen Entspckll- nung der Finanzlage Deutschlands mitzu­arbeiten. Vor Erreichung dieses Ziels sei natürlich eine Angleichung der Ansichten von Paris und Berlin erforderlich. Stim­son werde hierbei als freundlicher Vermitt­ler wirken. Die französtsche Regierung habe ihre Beteiligung an der Londoner Kon­ferenz zugesagt, und sie werde sicherlich eine Formulierung ihrer Vorschläge finden, die für die deutsche Regierung annehmbar sei. Welcher Plan schließlich in London angenommen werde, laste sich nicht voraus­sagen. Aber der Besuch Dr. Brünings und Dr. Curtius' in Paris werde den Weg zur Einigung ebnen.

Der Entschluß Hoovers, den Staats­sekretär Stimson und den Schatzsekre- tär Mellon für Amerika an der Lon­doner Ministerkonferenz teilnehmen zu lassen, hat in Washingtoner politischen Kreisen Ueberraschung heroorgerufen, da die Regierung noch kürzlich erklären ließ, daß ihre Rolle bei den augenblicklichen europäischen Schwierigkeiten mit dem Moratoriumsvorschlag beendet fei.

In einiger Verlegenheit soll man in Regierungskreisen darüber sein, wie man die Aufgabe Stimsons und Mellons auf der Konferenz festlegen soll, ohne eine grundsätzliche Abkehr von der traditio­nellen amerikanischen Politik der Nicht­einmischung in europäische Angelegenhei­ten zugeben zu müffen. Es wurde daher erklärt, daß die beiden amerikanischen Vertreter lediglich vermittelnd eingreifen und sich aktiv nur an den wirtschaftlichen I Vereinbarungen beteiligen sollten. Die Londoner Konferenz wünscht man als I eine freimütige Aussprache mit dem Ziele der Ausarbeitung eines großzügigen Sa- I nierungsplanes für die notleidenden mit« | teleuropäischen Mächte.

Herald". In Fettdruck heißt es wei- 1 rung unS denen 5er Opposition ffattge« ter: Die Vereinigten Staaten und Groß- I fünften, als deren Ergebnis eine bri« britannien werden zu den dringenden I tische Einheitsfront für die Forderungen Frankreichs Rein sagen. Hauptprobleme geschaffen worden ist. Dies ist der springende Punkt in den gn einem Leitartikel gibtDaily heute beginnenden^ Pariser Verlwndlun- H^ald" der Hoffnung Ausdruck, datz gen. Macdonald hat eme Sonder- man Deutschland in Paris nicht Forfte- ^un^ des Kabinetts auf Montag vormit- rungen stellen werde, die keine Nation tag anberaumt und man erwartet daß I Selbstachtung zugestehen könnte, H e n d e r s o n rechtzeitig rn London em- Englische Bürger aller Schattierungen",

treffen wird, um noch mit Macdonald und in Fettdruck,werden sich,

seinen unmittelbaren Kollegen Zu spre- I gCgen jeden Versuch wenden, Deutschland chen. Gestern nachmittag haben Bespre- wirtschaftliche Knechtschaft zu stoßen* chungen zwischen Vertretern der Regle- I Derartige Versuche würden alle Hoffnung» I internationalen Wohlstand wieder herzu» I stellen, zunichte machen.

I Mellon nach Paris unterwegs.

I Der amerikanische Schatzamtssekretär I Mellon hat einer Meldung aus Nizza zufolge Cap Fenal gestern nachmittag ver- I lassen, um sich zur Teilnahme an her 4*

seinen Londoner Posten zurückzukehren, Mächte-Konferenz nach Paris zu be» und dort werde er am 22. Juli mit der I geben. .

Mauretania" eintreffen, so daß dann vier I m n

prominente amerikanische Beamte, Stirn- 3)i6 ** Tchmyrs

son, Mellon, Dawes und Eibson, an der I (Ern RedattronsmitgNed derD. A. 3-" Konferenz, die wahrscheinlich einige Zeit I hatte Gelegenheit, den frühere« Rekchsband» dauern werde, Mitarbeiten können.. Eine I Präsidenten Dr. Schacht über seine Rolle! n-ÄuÄi»? Owen Youngs sei nicht I ätzten Tagen zu befragen. Schacht D|ta) 19 I erklärte dabei, er sei am ätzten Sonntag vom

I Kanzler gebeten worden, als Sachverständi- I ger art einer Kabineüsberattmg teitznneh» I men, in der die Notverordmmg über die

Garantie für dis Danakbank verhandelt wurde. Art weiteren Kabinettsberatungert habe er nicht teilgenommen. Das Amt eines Währungs- oder Devisenkommistars fei ihm niemals angeboten worden. Nach ferner Auf» fastung fei der gegebene Währungs- enty Devisen kommistar der Reichsbankpräfidentu Da ihm ein solches Amt nicht angeboten wor­den sei, habe er auch keine Derartkasfung ge­habt, irgend welche Bedingungen zu nett* neu. Auf die Frage, ob er es für möglich halte, daß beabsichtigt seh einen Staatskom» troTIeur für Zweige der Prwatwittfchast jrt ernennen, sagte Schacht, ihm sei über solche Absichten nichts bekannt. Sollte dieses Vor­haben bestehen, so würde er es für den An­fang vom Ende der privaten JnitiativS nf der deutschen Wittfchast halten.

Er habe in der fortschreitenden Soziali­sierung und Staatsbürokratisierung unter der bisherigen Politik stets den Haupt­grund dafür «blickt, daß die deutsche Wirtschaft nicht mehr imstande sei. die ElaftizitSt aufzubringen, die für die Auf­rechterhaltung geordnet« Finanz- und Wirtschaftsverhältnisse die imerläßlichr Voraussetzung bilde.

Hierin liege auch eine Erklärung für die Schwierigkeiten der Danatbank. Eine solche Absicht würde für den Kredit der deutschen Wirtschaft im maßgebenden AuSkand keine Erleichterung bedeuten. Wenn wir eines Kontrolleurs bedürfen, so müsse es ent« für die öffentliche Hand und ihrer Un­ternehmungen sein. Diese Krise könne bei verständiger Führung in absehbar« Zeit überwunden werden.

Auf die Frage, ob er die beratende Tätig- keit für das Reichskabinett fortfetzen würde, erwidette Schacht, er habe das feste Ber- ttauen, daß Brüning die vorstehenden Ee» dankengänge durchaus gegenwärtig sind. Dor dem Verantwortungsgefühl unb der ernsten Sachlichkeit des Kanzlers hege er größte Achtung. Das iet alles, was er zu der Frage tagen könne.