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SMfttee», toi 15. M ISA

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Marburg a. Lahn

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Auf Selbsthilfe angewiesen

Deutschland erhält keine ausländische Anleihe - Verschiedene Pläne Wieder Rentenbankscheine?

yTewi. *od», Mark. 21/23. Sprecher: Rr. 54 «ud Sir. 55.

Am. Ir-mtfur.

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Maschinendefett»«*' Ereignisse «Elende wird kein Ersatz g«- *^verlag. Dr. §. Hitzero tb. btt Unib-Buchdruckerei

Sbechelstsche x Idtuno

Anzeiger für (das frühere rurhesfifche) Oberhessen

Anzeiger der amttichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Ma^urg

Die Reichsregierung hat nunmehr die Vertreter Deutschlands für die am 17. Juli in London beginnende Sachverständigen- Konferenz ernannt.

Die Auswirkung der deutschen Kreditkrise macht sich selbst in den Randstaaten be­merkbar. Infolge des A n st u r m e s der Einleger auf die Rigaer Banken dat sich die lettische Regierung nach dem Musier der Reichsregierung zur U e b e r- nahme der Garantie für Einlagen und Guthaben gezwungen gesehen.

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Die Reichsmark und die deutschen Papiere waren am Dienstag in Rew- ?ork leicht befestigt. In Patts legt man angesichts der Vorgänge in Deutschland Mel Selbstzufriedenheit an den Tag und ^spricht in aller Ruhe die Aussichten des Kommunismus und des Nationalsozialis­mus in Deutschland.

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Der englische Außenminister Hender- Lfn ist am Dienstag nachmittag in Paris eingetroffen. Auch S t i m s o n V nach Patts ab^ereist.

»Die italienische Presse spttcht sich im Anblick auf die Vorgänge in Deutschland

Übersicht

ft Berlin, 15. Juli. Nachdem das Reichskabinett den ganzen Diens­tag nachmittag beraten hatte, trat in den späten Abendstunde« der Kabinettsaus- schug für Finanz- und Wirtschaftsfragen erneut zusammen. Die Sitzung wurde um 23.30 Uhr abgebrochen und anf Mitt­woch vertagt. Sicher ist, daß bis Mitt­woch abend bezw. Donnerstag früh eine Att innere finanzielle Selbst­hilfe geschaffen fein mutz, da dle Ban­ke« am Donnerstag die Schal­ter auf alle Fälle wieder öff- nen sollen.

Die Baseler Besprechungen sind anders ausgegangen, als es ursprünglich erwartet wurde. Deutschland mutz sich jetzt allein helfen, nachdem ihm fremde Hilfe versagt ist. Die Reichsregierung hat deshalb be- «its angekündigt, datz sie noch im Laufe des heutigen Tages die entscheidenden Schritte unternimmt. In erster Linie gilt es, die Lohn- und Gehaltszahlungen, w:e alle übrigen lebenswichtigen Auszahlun­gen ficherzustellen. Weiter mutz unverzüg­lich die bereits geplante einschneidende Re­gelung des Devisenverkehrs erfolgen, um das letzte Ventil des Gold- und Devisen- rbflusses zu schließen. In politischen Krei­sen wird auf jeden Fall ein Gesetz gegen die Kapitalflucht erwartet, das vielfach euch von den anderen Staaten zur Voraus­setzung eines etwaigen Kredites gemacht wurde.

Zu den Maßnahmen, über die das Ka­binett zur Zeit berät, gehört auch die Frage einer Wiederheranziehung bet Aentenbank. Der Verwaltungsrat der Rentenbank ist für Mittwoch nach­mittag einberufen worden. In einer amtlichen Mitteilung wird darauf hinge­wiesen, datz eine Stockung der Steuerzah­lungen gerade in den gegenwärtigen Zei­ten unter allen Umständen vermieden werden mutz.

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Der Vollzugsausschuß der Federal-Re­servebank hat der Verlängerung des Re­diskontkredits für Deutschland zuge­stimmt.

für bedingungslose Zusammenarbeit aller europäischen Staaten aus.

In einer Unterredung mit dem Reuter- Büro erklärt Adolf Hitler, datz als die letzte und schwerste Folge der jetzigen Lage in Deutschland das bolschewistische Chaos drohe.

WieAssoziated Preß" aus Wa­shington meldet, teilt Botschafter Edge in einem Telegramm aus Paris an das Staatsdepartement mit, Frankreich habe die BIZ. benachrichttgt, datz es die für morgen fällige Monatsrare der Revarationsannuität nicht er­warte.

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Entscheidende Beschlüsse der Reichs­regierung nicht vor heute nachmittag. Wie von einer zuständigen Stelle mit­geteilt wird, wird die Reichsregierung erst im Laufe des Nachmittags zu einer ange­kündigten Sitzung zusammenkommen, um die erforderlichen Maßnahmen zu beraten, die durch den akuten Mangel an Zahlungsmitteln notwendig ge­worden sind. Das Reichsbankdirektorium versammelt sich bereits im Laufe des Vor­mittags. Es sollen dann die am Diens­tag abend abgebrochenen Besprechungen über den Ausgang der Baseler Konferenz und die sich daraus für Deutschland, er­gebenden finanziellen und kreditpolitischen Fragen fortgesetzt werden.

Frankreichs Verantwortung

La grande nation

Unter der UeberschriftEntscheidung Bei Frankreich" erklärt heute dieGermania', in zwölftägigem hartnäckigem Stellungskampf habe Frankreich das Kapital an Vertrauen zu verwirtschaften verstanden, das aus dem groß­herzigen Schritt des Weißen Hauses auf 'die mitteleuropäische Wirtschaftslage zurückge­strömt sei. Zum Schluß sei Hoovers Plan zwar gerettet gewesen, aber sein unmittel­barstes Ziel sei nicht erreicht worden, näm­lich die Rettung aus der deutschen Krise. Wir brauchen, so ruft das Blatt aus, sofort die neue Hooveraktion. Frankreich trage eine schwere Verantwortung für Europa zum zweiten Male im Verlauf von drei Wochen. Frankreich solle einsehen, daß es mit einem einzigen Schlage das jahrhundertealte^ Ziel einsichtiger französischer Politiker, nämlich eine wirkliche Freundschaft mit Deutschland, erreichen könne, wenn es in diesem Augenblick von sich aus, ohne lleinliche volltische Forde­rungen zu stellen, in der Kreditattion die Führung ergreift.

Hendersons Reise

London, 14. Juli. Auf der Fahrt von Calais nach Paris erklätte H e n d e r - Ion gegenüber einem Vertreter des Reuter- Büros unter Bezugnahme auf die Unter­redungen, die er in Paris und Berlin haben wird, ihr gemeinsames Ziel bestehe vor allem darin, die Mttnungsverschiedenheiten auszugleichen und das Wett, Hoovers vor­wärts zu bttngen. In verschiedenen Kreisen sei'die Meinung aufgetaucht, daß die britische Regierung ihre Hilfe für Deutschland mit verschiedenen Bedingungen verknüpfe. Dem sei nicht so, die btttische Regierung habe den Plan Hoovers vorbehaltlos angenom­men, und sie wünsche lediglich eine Lösung bet gegenwärtigen Schwierigkeiten zu finden. Er, Henderson, vettraue darauf, daß er in Pans und Berlin die gleiche Auffassung finden werde. Im weiteren Verlauf seiner, Er­klärungen betonte der britische Außenminister besonders, wie wichttg es sei, alles zu tun, um eine französisch-deutsche Verständigung ju fördern, weil sie in Europa größeres Ver­trauen und eine Atmosphäre des guten Wil­lens schaffen werde, die für einen.(Erfolg bet Abrüstungskonferenz außerordentlich wichtig fei.

Ein Leitartikel derTimes" befaßt sich mit Hendersons Reise nach Frankreich und Deutschland. Das Blatt schreibt: Die Reise ist zu einer Mission der i itternationalen Verständigung geworden, zu einem bedeut­samen Akt der Höflichkeit und des guten Willens gegenüber den beiden Ländern, deren fortgesetzter Gegensatz Europa dauernd in zwei feindliche Lager teilen würde, während ihre Freundschaft die allgemeine Stabilität sichern könnte.Time s" fährt fort: Noch ist es sicher nicht zu spät, zu hoffen, daß eine großzügigere Auffassung und gesundere lleberlegung die Oberhand gewinnen werben. Wie leidenschaftlich die französische öffentliche

Meinung auch an den Garantien hängen mag, so müsien sich doch wohl die weitsichtigeren Mitglieder der französischen Regierung fragen, ob die Versuche, politische Zugeständ­nisse von Dr. Brüning durch finanzielle Hilfe zu erpressen, auch wenn es im Augenblick erfolgreich war, auf die Dauer nicht ihren eigenen Zweck zunichte machen wür­den. Es besteht auch keine' Aussicht, daß eine andere deutsche Regierung sich als zugäng­licher gegenüber den französischen Wünschen erweisen bürfte. Alles deutet daher auf den Schluß hin. daß, wenn nicht die Forderung nach politischen Garantien, die noch nicht offiziell ausgesprochen worden ist, aufgegeben wird, eine politische Stockung des ganzen wirtschaftlichen Lebens Europas erfolgen wird. Wenn nicht vereinte Bemühungen erfolgen, um einen schnellen Beistand von Außen her zu sichern, dann ist es klar, daß Deutschland sich gezwungen sehen könnte, die Lösung seiner finanziellen und wittschaftlichen Probleme auf seine eigene Weise zu suchen. Dies bürfte sich nicht nur als schwierig ynb schmerzlich er­weisen, sondern auch als sehr schädlich für die Interessen anderer Länder.

Die Londoner Presie zur Lage.

Die heutigen Londoner Morgenblätter be­fassen sich sehr eingehend mit dem Ernst der europäischen, insbesondere der deutschen Lage. Morning Po st" schreibt, nur die notwendigsten inneren Maßnahmen, begleitet von einer internationalen Anleihe, können den sofortigen politischen und wittschaftlichen Zusammenbruch Deutschlands verhindern. Ueber die Folgen einer solchen Katastrophe für Deutschland und die ganze Welt kann es keine Selbsttäuschung geben.News Chornicle" spttcht in einem Leitartikel die Befürchtung aus, daß Henderson in Paris eilte schwere Aufgabe hoben werde. Trotzdem fei es falsch, anzunehmen, baß ein finanzielles Erdbeben bevorstehe. Dies gelte sogar für Deutschland. Das schlimmste, was die nächsten Tage bringen könnten, wäre ein allgemeines Moratorium.

Während sich die Blätter im allgemeinen eines ruhigen Tones gegenüber Frankreich befleißigen, schreibtFinancial Times":

Es läßt sich kaum bestreiten, daß Frankreich die Berantwortung dafür trägt, durch das Hineintrage« der Politik in eine Frage, die von allen anderen als nichtpolitisch bettachtet wird, die Wunden Zentraleuropas, statt sie z« verbinden, zur Entzündung gebracht zu haben. Die Franzosen find zufrieden mit dem Werk ihrer Hände. Sie habe« die Genugtuung, zu sehen, wie Zentraleuropa allmählich der Läh­mung anheimfällt. Frankreich allein wird «an tadeln «Lsieu, wenn es infolge der Ber- schleppung oder infolge der Verweigerung der Beteiligung zu einem umfangreicheren Zu- sammeubruch kommt.

Arbeitslosenunterstützung wird gezahlt.

Wie die Reichsanstalt für Arbeitsver- mittlung und Arbeitslosenversicherung mit, teilt, werden die Bankfeiertage keinen Einfluß auf die Auszahlung der Arbeits, losen- und Krisenunterstützungen ausüben, da die Reichsanstalt in Bankverbindung vor allem mit der Reichsbank steht.

Verschiedene Plane

Rach Informationen des Deutschen Handelsdienstes steht zur Zeit im Vor­dergrund der Verhandlungen die Sorge um die Ueberbrückung der Umlaufmittel­not. Es stehen verschiedene Projekte, wie dieser Rot zu begegnen ist, zur Erörte- rung. Die größte Aussicht auf Durchfüh­rung hat zur Zeit der Plan, eine gewisse Menge Rentenmarkscheine wte- der in den Verkehr zu bringen. Diese müßten natürlich eine besondere Deckung haben und man erwägt, ent­weder durch eine Verordnung die Renten­bank zu autorisieren, Rentenmark­scheine gegen Verpfändung von lombard- fähigen Effekten im Rahmen des Loni- bards, der an der Reichsbank zulässig ist, in Umlauf zu bringen odex auch zu die­sem Zweck eine besondere Bank (Lom­bardbank) ins Leben zu rufen. Der Ge­fahr einer inflationistischen Wirkung die­ser Umlausmittelverstärkung will man dadurch begegnen, daß die Höhe des zu­lässigen Umlaufs von vornherein gesetz­lich beschränkt bleibt. Man spricht von 600 bis 900 Millionen. Durch Verkoppe­lung der Rentenmark mit der Reichs­mark, die man glaubt ohne Aenderung des Bankgesetzes auf dem Verordnungs­wege schaffen zu können, soll ein Disagio der Rentenmarkscheine vermieden wer­den.

Andere Projekte gehen dahin, die Um­lausmittel durch Kassenscheine zu erhöhen oder auch Rentenmarkscheine auszu­geben, die von vornherein durch Abstem­pelung eine begrenzte Umlaufzeit haben. Diese letzteren Pläne haben aber, wie be­reits angedeutet, gegenüber den ersten geringere Aussicht auf Durchführung.

Abgesehen von diesem Plan besteht nach wie vor.

die Erwägung eines Moratottums nach innen und nach außen.

Dieser Plan stößt bei gewissen Stellen auf Widerstand. Welchen Weg man gehsn wird, bleibt abzuwarten. Für den Plan, die R e n t e n b a n k s ch e i n e wieder in Verkehr zu setzen, haben sich angeblich amerikanische Kreise eingesetzt. Ein weiteres Mittel, um der schwierigen Lage abzuhelfen, wären sehr energische Maßnahmen gegen die Kapi­talflucht. Man wird damit rechnen müssen, daß hier entsprechende Maßnay. men 'getroffen werden. Das deutsche Ka­pital, das in Devisen angelegt ist, wird auf mindestens 5 Milliarden geschätzt. Schon ein Teil würde genügen, um die Finanzkttse verhältnismäßig leicht zu überwinden. Möglicherweise wird man gesetzliche Bestimmungen treffen, um

die Besitzer von Guthaben im Aus­lande zu eidesstattlichen Erklärungen zu zwingen.

Da gegenwärtig die Notierung bet Mark im Ausland noch ausgesetzt ist, werden Marknoten vielfach im Ausland in Devisen oder sxemden Geldsorten ein­gewechselt. Es ist daher Vorsicht bei Auslandsreisen geboten, wenn * dem Reisenden nicht von vornherein ge-