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Romas, tat lUuli 1931

f>ie .Oberhessische Sethmg* et- febeint sechsmal wöchentlich. Be- »ugspreis monatlich 2.20® 9R.au«- ahließl. Znstellvngsgebübr. durch

Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik. Maschtnendefek« oder elf teniare Ereignisse ausfallende eggflimetn wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. §. Httzervtb. Druck der Unib-Buchdruckerei Job- Ang. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher: Skr.54 und Rr.55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a.W. Rr. 5015. Sprechzeit bet Redaktion von 1011 und

*411 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere knrhesfifchej Oberhesse«

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Marburg o. Laba

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen siir Stadt und Kreis Marburg.

Kommt die Hilfe noch rechtzeitig?

Die Lage ist äußerst ernstWerden die amerikanischen Banken neue Kredite geben? Notrufe und Notverordnung

Nervenprobe

Der Neparationsausschutz des Reichs­kabinetts, der in der Nacht zum Sonntag bis gegen 2 Uhr getagt hatte, ist am Sonntag vormittag um 11.30 Uhr in Gegenwart des Reichsbaakprasidenten Dr. Luther und eines Bankenvertreters er­neut zusammengetreten. Anschliessend ist das Reichskabinett zusammengetreten, um über innere Finanzmagnohmen zu bera­ten. Die Beratungen haben stch den ganzen Tag über hingezogen.

Anstelle von Dr. Luther, der noch an den Beratungen in Berlin teilnimmt, hat sich Geheimrat Bocke am Sonntag vor­mittag im Flugzeug zur Sitzung der BIZ. nach Basel begeben. Ob der Reichsbankpräsident später nach Basel wchfahren wird, hängt vom Verlauf der Berliner Verhandlungen ab.

Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist am Sonnabend eine Mitteilung der Reichsregierung an Washington und andere Hauptstädte der beteiligten Regie­rungen über den Ernst der Lage in Deutschland durch die deutschen Missionen im Ausland übermittelt worden.

In Paris ist Botschafter v. H o e s ch am Sonntag vormittag beim General­sekretär des Autzenamtes, Berthelot, und in Rom Botschafter v. Schubert bei der italienischen Regierung vorstellig geworden.

Nunmehr hat auch Italien auf die am 15. Juli fällige Reparationsrate verzich­tet.

Die Londoner Presse berichtet, datz der Gouverneur der Bank von England auf Frankreich einen Druck ausgeübt habe, dke Haltung gegenüber Deutschland zu ändern, um einen finanziellen Zusammenbruch des Reiches zu verhindern.

Keine Zugeständnisfe an Frankreich

Die dieDAZ." erfährt, ist bei der Auf­klärung der Reichsregierung über den gegenwärtigen Stand der Dinge, die den Hauptmächten des Hoover-Plans am Sonn­abend zugeoangen ist, den genannten Rkächten mitgeteilt worden, datz die Reichs- Gierung dis politischen Bedin- bungen Frankreichs keines- kalls anzunehmen gewillt ist und eher zurücktreten müßte, als sich dem Diktat Frankreichs zu unterwerfen.

Die amerikanische Regierung lehnt ein Eingreifen ab.

. Rach mehrstündigen Konferenzen zwi- Uyen dem Unterstaatsserretär Mills, uen Beamten der Federal-Reservebank gw einer Gruppe von Finanzleuten unter Ehrung Owen Youngs gab Mills fol- gende amtliche Erklärung bekannt: .^Lie Stellung der Regierung der Der- ^uigten Staaten in den gegenwärtigen o^agen der Lage des deutschen Reiches ist r?r- Durch Hoovers Moratoriumpro- Mnm wurde die Reichsregierung aus der Milchen Lage befreit, die infolge der rernationalen finanziellen Berpflichtun- . war.

hi .400 Millionen Doallr wurden so für dia^^Eringangsetzung oer deutschen Jn- 0 *trieund des deutschen Kredites im Menwartigen Jahr flüssig, die sonst aus rationskonto hätten eingezahlt wer-

. muffen. Das ist die einzige Richtung, bie Regierung der Vereinigten malen Gelegenheit und Autorität hatte.

zu intervenieren. Es ist selbstverständlich und wohl bekannt, datz die Regierung keine Kontrolle über die ausländische Kredit­politik der Federal-Reservebanken hat, die nur durch eine wohlbegründete und gesunde Politik von dem Einfluh der Exekutivgewalt freigemacht worden sind. Es sollte nicht vergeffen werden, datz die Probleme, mit denen wir uns heute be­schäftigen, grundlegende euro- päische Probleme sind und daher am besten durch die Initiative und eine gemeinwirtschaftliche Aktion der beteilig­ten Zentralbanken gelöst werden können."

Frankreich freut stch über die »letzten Zuckungen"

Der letzte Notruf der Reichsregierung an die Regierungen in Washington, Lon­don, Rom und Paris ist in Paris mir der bekannten Passivität ausgenommen wor­den, die man in Frankreich stets an den Tag legt, wenn es sich darum handelt, Deutschland zu helfen. Autzenminister B r i a n d befindet sich auf seinem Land­sitz. Auch Finanzminister F l a n d i n hat Paris verlassen, um sich einige Tage Ruhe zu gönnen.

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Die Schalter geschlossen"

Das Reich übernimmt jede Garantie

Die Darmstädter und Nationalbank hat er­klärt, dah sie genötigt sei, ihre Schalter am Montag geschlossen zu halten.

Die Reichsregierung hat die Darmstädter, und Nationalbank zu folgender Erklärung er­mächtigt:Die Reichsregierung wird auf Grund einer im Laufe des heutigen Tages er­lassenen Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten durch volle Garantie­leistung für alle Anlagen für eine ruhige Abwicklung der Geschäfte der Danat- bank Sorge tragen."

Mit Rücksicht auf die Bedeutung der ein­getretenen Zahlungsstockung ist den Börsen die Anregung gegeben worden, den Ver­kehr mit Effekte» und Devisen für Montag und Dienstag einzu­stellen.

Der Vorstand der Darmstädter Bank tritt ZMÜck.

Im Verlauf« des Vormittags wird der Vorstand der Darmstädter Bank ge­schlossen zurücktreten. Das Reich wird sofort einen Treuhänder einsetzen. Als aussichts­reichster Kandidat gilt das Mitglied d«s Vor­standes der Prrutzenkasse, Köbener. Der Terminhandel für Devisen und Effekten wird vorläufig auch noch über den Dienstag hinaus gesperrt bleiben.

Eine neue Notverordnung

Wie dieTekegraphen-Union" er» fährt, dürften bald neue Beschlüsse des Reichskabinetts, das über die Finanzlage mehrstündige Beratungen abgehalten hat, ver­öffentlicht werden. Wie man hott, handelt es sich um Maßnahmen zur Regelung der Verhältnisse auf dem Devisenmarkt, weiterhin um eine Art Reichsgarantie zur Stützung von in Schwierigkeiten gera­tenden Banken und schließlich um einen er­neuten Auttuf der Reichsregierung, in dem die moralische Sette der gesamten Angelegen­heit vom nationalen Standpunkt aus noch ermnal dargestellt werden bürfte. Unabhän­gig. von diesen. innerpolitischen Maßnahmen laufen selbstverständlich die Verhandlungen mit den ausländischen Stellen weiter.

Die heutige Kabinettssitzung.

Wie verlauttt, wird das Reichskabmett heute erst um 10.30 llhr vormittags wieder zuiammentteten, um seine Arbeiten an den Maßnahmen zur Sicherung der Wittschaft und des Geldverkehrs zum Abschluß zu brin- gen. Die Beratungen wurden in der Nacht rum Montag unvollendet abgebrochen, da sich nn Laufe der Nacht noch gewisse Schwie- ngketten in den Verhandlungen mit den Ver­tretern der Banken herausgestellt hatten, bie mt Laufe des Montagvormittags erst gere­gelt roerbm sollen. Es ist baher zum min- besten verfrüht, wenn von anberer Seite be­reits Einzelheiten über anaeblicke Kabinetts­

beschlüsse verbreitet werden. Die Meldung derWelt am Montag", wonach dgs Kabinett sich u. a. auch darüber einigen wolle, ob Dr. Brüning und Dr. Cuttius nach Paris fahren können, wird von zustän­diger Stelle als Unzutreffend bezeichnet. Die Frage dieser Reise hat in den gestrigen Be­sprechungen, keine Rolle gespielt. Man ist der Auffassung, bah zunächst bie dringlichen Wirtschaftsfragen geregelt werden müssen.

Das Reichskabinett ist um 10.30 Uhr wie­der zusammengetreten, um die Beratung der vergangenen Nacht, die gegen 3 llhr ihren Abschluß fand, fortzusehen. Im Mittekpimtt dieser Sitzung steht die Notverordnung, die,in den frühen Morgenstunden durch das veröffentlichte Kommunique angekündigt wurde.

Börse« geschlossen

Wie wir erfahren, bleiben auf Anordnung des preußischen Handelsministers am Montag und Dienstag di« Börsen in Preuße n geschlossen. Es ist anzunchmen, daß die gleiche Maßnahme auch für die übrigen Län­der getroffen wird.

Auch die bayerischen Bör^i werden geschlossen.

Wie der Sonderdienst des Süddeutschen Korrespondenzbüros erfährt, wird der An­regung der Reichsregierung Folge gegeben, so daß die bayerischen Börsen am Montag und Dienstag geschlossen bleiben.

Distimterhöhimg der Bank von Danzig.

Die Vorgänge im Reich haben die Bank von Danzig verankaßt, den Diskontsatz mit sofortiger Wirkung von 5 auf 6 und den Lombardsatz von 6 auf 7 vom Hundert zu erhöhen.

Borbesprech««gen in Basel

Dis zur heutigen Verwaltungsratssit­zung der B. I. Z. in Basel anwesenden Gouverneure und Präsidenten der ver­schiedenen Notenbanken haben gestern nachmittag, wie üblich, am Sitze der Bank mehrstündige Besprechungen geführt, um die Arbeiten der Verwaltungsratssitzung vorzubereiten. Die nervöse Stimmung der letzten Tage ist auch hier deutlich zu spüren. Die ganze Entscheidung ist auf den heutigen Tag gelegt. Dazu gehört vor allem auch die Stellungnahme zur Verlängerung des Ueberbrückungskredits an die deutsche Reichsbank von 100 Mil­lionen Dollar, der von der Internationa­len Zahlungsbank, der Bank von Frank­reich und der Bank von England gewährt worden ist, und der zum 16. dieses Mo­nats fällig wird. Die finanzielle Situation Deutschlands findet Höchsts Beachtung, ja sie steht unbestreitbar im Mittelpunkt aller Besprechungen.

Die Abendpresse beschäftigt sich lebhaft mit den Ereignissen der letzten 24 Stunden. Die Kommentare gipfeln sämtlich in den überspannten Earantieforderungen. Man hat den Eindruck, als ob Frankreich nun endlich seine Stunde für gekommen hält, die in letzter Zeit stark zurückgedrängte Hegemonie durchzusetzen. DerTemps" wirft Deutschland vor, in eine Att Massen- Wahnsinn verfallen zu sein, der eine ruhige Betrachtung der Lage verhindere. Es fei zu wünschen, datz man von Washington, London und Paris aus Ratschläge der Mäßigung erteile. DieLiberty" ver­gleicht die augenblickliche Lage in Deutsch­land mit den letzten Zuckungen eines angeschossenen Tieres, das stch noch einige Male erhebt, um dann endgültig zufam- menzubrechen.

Die Londoner Presse widmet den Ereignissen in Deutschland größte Aufmerksamkeit, kann sich jedoch nur aus die Wiedergabe der Tatsachen beschrän­ken, sodaß es an Kommentaren zu den -letzten Vorgängen in Deutschland noch fehlt. Die einzige Möglichkeit, aus dem Zusammenbruch herauszukommen, ist nach Ansicht der Finanzblätter nur die allerschnellste Hilfeleistung seitens der Danken.Time s" weist nach, daß durch die Reparationen das neue, Kapital aus Deutschland herausgezogett wurde, und daß die Katastrophe nur durch die Haltung der Gläubiger zur Tatsache ge­worden sei.

Amerikanische Kreditkaazentrieruag

Wie gestern abend in Rewyork ver­lautete, ist Washington für eine Privat- kreditkonzentriernng zur Unterstützung Deutschlands. Diese Kreditkonzentrierung solle durch die Morgan-Gesellschaft «ad Chase National City Baak in Rewyork unter der Aegide der Federal Reservebaak erfolgen.

Höhere Negierungskrekse betonen, wie Assoziated Pretz aus Washington meldet, nach wie vor die Tatsache, datz die Reserve, behörde eine unabhängige Kon- stitution sei, die sich lediglich durch wirtschaftliche Gesichtspunkte leiten lass«. Doch wird darauf hingewiesen, datz die Re­servebehörde in akuten Situationen in U. S. A. oder im Auslande auf die Beur­teilung der Sachlage seitens der Regierung Rücksicht nehme. Ferner wird erneut be­merkt, datz zwar Grund zur Annahme be­stehe, Hoover werde einen Weg suchen, um eine deutsche Zahlungseinstellung zu verhin­dern, man wisse jedoch nicht, welche Matz- nahmen Hoover in Rapidan mit Castle erörtere.

Hilft Amerika?

Stellverir. Staatssekretär C a st l e hat eine Erklärung dahingehend abgegeben, daß die amerikanischen Staatsbanken be­reit seien, an einer Hilfsaktion für Deutschland teilzunehmen. Sie wollen aber die Führung in dieser Angelegenheit den europäischen Zentralbanken überlas­sen, deren Vertreter morgen in Basel zu diesem Zweck zusammenkämen. Castle fügte hinzu, die Leiter der wichtigsten europäischen Zentralbanken einschließlich der Banken von England und Deutsch­land, träfen morgen in Basel zusammen und würden zweifellos mit der B. I. Z. die deutsche Bankenkrise erwägen. Es liegt auf der Hand, daß jeder Plan einer