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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Marburg n. Safin
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Frankreichs „Verständigungswille"
Geld nur gegen politische Konzessionen - Dr. Luther fährt nach Berlin - Neue Devisenabzüge
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denz erklärt hierzu, die
wäre gern
rage befindet, die seit Veendi-
Berlin, 10. Juli. Die Vundessiihrcr des Stahlhelms erlassen ««läßlich des bevorstehenden Volksentscheids in Preuhen einen Aufruf, wobei sie einleitend erklären, die Hoover- Aktion habe ihren Zweck nicht erreicht. Sie habe versagen müssen, weil Deutschland ohne" eine entschlossene nationale Regierung der französischen Machtpolitik hilflos ausgeliefert sei. Der Aufruf fordert Abkehr vo« dem Wahne einer undurchführbaren Verständigungspolitik mit Frankreich uud sieht als erste Voraussetzung für die Erfüllung dieses Verlangens die Eroberung des Bollwerkes Preu- hcn, um das Reich zu retten. Denn Deutschlands Rettung fei nur möglich, wen« endlich die nationalen Kraftreserven des Deutschen Reiches völlig eingesetzt würde«. Sie feien bisher unterdrückt worden, weil der Marxismus ein erbitterter Feind jeden nationalen Freiheitswillens sein müsse. Hier solle der Volksentscheid Bresche schlagen. jr.
übernehmen, in den ausländischen Finanz- Kreisen gefunden hat. Es herrscht jetzt in deutschen Bankkreisen nur noch eine Meinung darüber, daß die weiteren Abziehun- gen auf französische Maßnahmen zurückzuführen sind. Es ist bekannt und die internationale Festigkeit des französischen Franken bringt den Beweis dafür, daß Frankreich ganz allein und insbesondere in London Kreditkündigungen vorgenommen hat, und vornimmt. Die Haltung der Pariser Presse, die unisono die Forderung aufstellt, daß eine französische Finanzhilfe von der Erfüllung politischer Forderungen abhängig zu machen sei, läßt deutlich die inneren Zusammenhänge erkennen.
bereit, in ei ner Rotst'uude wie dieser trotz ihrer Oppositivnsstellung die Regierung zu stützen, wenn sie das Vertrauen zu ihr hätte, daß sie den politischen Kämpfen der nächsten Zeit gewachsen sei. Dfe Rechte habe dieses Vertrauen nicht, das Regierungsshstem Brüning-Braun habe versagt? Der Schritt Hoovers, „das Geschenk des Himmels", habe Deutschland vor der unmittelbaren Katastrophe bewahrt und ungeahnte Möglichkeiten für eine -entschlossene Revisions- Politik gegeben. Wir wissen, . dah diejenigen, die dafür verantwortlich sind, daß Deutschland in wirtschafWcher Zerrüttung in diesen Kampf gehen muß, nicht die Kraft haben, die Möglichkeiten der Stunde zu nutzen. Wir wissen, daß sie nicht die Kraft haben, dem Vernichtungswillen Frankreichs entgegenzutreten. Die Kopflosigkeit, mit der man jetzt einen Verzweiflungsschritt nach dem anderen tut, ist ein Beweis dafür, vor allem aber, das Ausland glaubt an den
England verzichtet auf die deutschen Zahlungen.
In einem Schreiben an die B. I. Z. bestätigt der englische Schatzkanzler Snowden, daß England, beginnend mit dem 15. Juli, aus sämtliche deutschen Zahlungen verzichtet.
Die Einladung Englands an die Sfoungmächte.
Die englische Negierung hat die am Poungplan interessierten Mächte und zwar Frankreich, Italien, Japan, Belgien, Amerika und Deutschland zu der am nächsten Freitag beginnenden Hoover- konferenz offiziell eingeladen.
Londoner Banken gegen Zurückziehung der Kredite aus Deutschland.
। Wie ,Financial News" berichtet, I hat gestern eine Sitzung der Londoner Akzept- und Bankhäuser stattgefunden, in der Mittel und Wege besprochen worden seien, der Zurückziehung von Krediten aus Deutschland Einhalt zu tun. Man glaubt, daß diese Sitzung eine unmittelbare Folge des Besuches des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther in London sei. In dieser Sitzung wurde beschlossen, ein llebereinkommen zwsschen den Banken herbeizuführen, weitere Kreditkündigungen nicht vorzunehmen.
Englands Haltung zur Frage polittscher Garantien seitens Deutschlands.
Das Echo, das die britische Anregung zur „Großmütigen (Seite" Deutschlands durch Aufgabe der Zollunion und des Baues weiterer Kreuzer in der deutschen Presse gefunden - hat, nimmt „Daily Heralb" zum Anlaß, in einem Leitartikel folgendes zu bemerken: Wir bedauern, daß unsere Aufforderung zur Mitarbeit an der Beilegung der europäischen Schwierigkeiten in der Berfiner Presse schlecht ausgenommen worden ist. Wir wollen mit allem Nachdruck betonen, daß unsere Anregung nicht nur die französische Forderung nach politischen Garantien als Gegenleistung für französische Hilfe unterstreicht, sondern das a6« sosute Gegenteil dazu ist:
Wir betrachten einen Versuch, tue gegenwärtige Krise zur Erpressung politischer Zugeständnisse von Deutschland oder zum Diktat von Bedingungen zu benutzen, als ebenso schmach- * < ; , voll wie unnütz.
Deutschland muß frei von Zwang sein, aber gerade deshalb fordern wir es dringend auf zu einer freiwilligen Leistung als Dienst zum allgemeinen Wohl. Deutsch- ' land hat jetzt eine solche Gelegenheit für eine solche Geste. Versäumt es diese, dann wird es seine Feinde überzeugen, seinen Kritiken recht geben, und seine Freunde enttäuschen.
Zu dieser gleichen Angelegenheit bemerkte der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph", er sei zu Erklärungen. ermächtigt, daß die britische Regierung nicht bestrebt gewesen fei, Deutschland irgendwelche politischen Bedingungen für die ihm unter dem Hoover- abkotnmen zu gewährenden finanziellen Erleichterungen aufzuerlegem Kein politischer Druck sei von London aüf Berlin ausgeübt woren. Andererseits, wenn Berlin die Möglichkeit sähe, gewisse Flot- t e n aus gaben und den Abschluß der Zollunion, während der Dauer des Moratoriums aufzuschieben, fo, würde eine solche Geste willkommen geheißen werden.
deutschen Willen zur Befreiungspvlitik solange nicht, solange die am Poungplan Schuldigen die deutsche Politik leiten und solange die Sozialdemokratie entscheidenden Einfluß auf cklle Regierungshandlungen hat. Wir wissen, Dah unsere Zeit kommt, und wir sind bereit, die Verantwortung zu übernehmen, wenn in Reich und Preuhen Raum für wirkliche Verantwortung ist. Richt „partei-egoistische Ziele", sondern die dringendsten nationalen Interessen des gesamten deutschen Volles lassen uns wünschen, daß dieser FM eintritt, bevor Deutschland gänzlich zusammengebrochen ist.
Demonstrationen gegen den Film „Im Westen nichts Neues".
Stuttgart, 11. Juli. Aus Anlaß der Aufführung des Remarque-Filmes „3m Westen nichts Aeues" in den Palast-Lichtspielen kam es gestern abend zu großen Demonstrationen settens der Rattonalsozialisten. Rach Schluß der zweiten Ausführung um 9 Ahr wurden die Filncke- sucher von Demonstranten mit lebhaften Protestrufen, dem Gesang des Deutschlandliedes und verschiedener nationalsozialistischer Kampflieder empfangen. Statte Aufgebote der Schutzpolizei zerstreuten die Demonsttanten mit dem Gummiknüppel. Rach Schluß der letzten Vorführung um II Ahr kam es erneut zu Kundgebungen, die von der Polizei ebenfalls mit dem Gummiknüppel unterdrückt werden konnte«. Die Filmvorführungen selbst verliefen ruhig. Es wurden etwa 20 Sistierungen vovge- nommen.
Aufzugs- und Unfformverbot in Bayern.
München, 10. Juli. Das Staats- mrinistettum des Innern hat mit Zustimmung des Ministerrates für das ganze Staatsgebiet ein allgemeines Aufzugsverbot und ein Aniformver- bot ettassen. Aach dem Aufzugsvettvt sind alle politischen Versammlungen unter freiem Himmel, einschließlich der Aufzüge und Prvpagondafcchtten, verboten. Das Aniforrnverbot. stützt sich aus § 8 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. März 1931 zur Bekämpsirng Polittscher Ausschreitungen und verbietet für alle Politische Vereinigungen das Tragen einheitlicher Kleidung und Abzeichen mit Ausnahme der sogenannten Bundesnadel. Die beiden Verbote gelten I bis zum 30. September 1931. I
Die Mittellungen der Deukschnatio- nal en Volkspartei befassen sich mit der Entgegnung der „Germania" auf die Kampfanküudigung der nationalen Opposition vom Donnerstag, in der die „Germania" es für das Gebot der Stunde erklärte, baß die nattonale Opposition sich in die Fro nt der Regierung eingliedere. Die deutschnattonale offiziöse Korrespon-
Der Kampfruf des Stahlhelms
„Preußen erobern, um das Reich zu retten"
. Sauerwein fügt hinzu, daß die franzö- stfche Regierung sich augenblicklich vor der schwersten F Sung des Kr
dit gewähren. Hierzu brauche es aber Garantien finanzieller und politischer Art. Es handele sich nicht darum, schriftliche Versprechungen zu machen, sondern darum, zu Garantien übergehen. Gerade deshalb sei aber der baldige Besuch der Reichsminister in Paris eine bringenbe Notwendigkeit.
Der deutsche Devisenmarkt unter französischem Druck?
Auch gestern hielten die Devisenanforderungen unvermindert an. Man schätzt sie insgesamt auf etwa 50 Millionen 9Ln. Diese Bewegung steht völlig im Gegensatz zu der überaus günstigen Aufnahme, die der Schritt der deutschen Unternehmungen, eine Solidarausfallbürgschaft zu
Sung des Krieges überhaupt an sie heran- Setreten sei. Amettka und England würden es sicherlich nicht versäumen Deutsch- «lnb zu Hilfe zu eilen. Es sei aber auf der anderen Seite auch unmöglich, hierbei Frankreichs Meinung zu übersehen. Sicher- uch könne die französische Regierung durch die Bank von Frankreich und eine Reihe anderer Banken Deutschland einen Kre
Die Rückkehr Dr. Luthers nach Berlin.
Neichsbankpräsident Dr. Luther hatte am Freitag eine lange Unterredung mit dem französischen Finanzminister Flan- b t n, worauf eine Aussprache mit dem deutschen Botschafter v. H o e s ch folgte. Dr. Luther wird am Sonnabend nachmittag wieder in Berlin eintresfen, um der Neichsregierung über das Ergebnis feiner Pariser Verhandlungen Bericht zu erstatten.
Dr. Luther wirb Sonnabenb morgen das fahrplanmäßige Flugzeug Paris—Berlin benutzen, um in die Reichshauptstabt zurückzukehren.
Der Leiter der belgischen Nationalbank, Franck, ist gestern abend in Paris eingetroffen.
Die Lage wird schwieriger.
Die gesamte Pariser Presse unterstreicht weiterhin sehr energisch die sranzösische Forderung nach politischen Garantien als eine Voraussetzung sür eine französische Krebitbewilligung an Deutsch- fanb. lieber bie Verhandlungen Dr. Luthers ist noch nichts bekannt geworben unb man rechnet bamit, baß bie Lage burch bie französischen Forberungen schwieriger geworben ist. An ber Londoner Börse trat am Freitag nachmittag ein pessimistischer Stimmungsumschwung ein, nachdem die Lage sich am Vormittag gebessert hatte. Es wurde festgestellt, baß Frankreich auf bas englische Pfund brückt unb daß es offenbar bas alte Spiel mit ben Eolbaufkäu- f en am Lonboner Markt roieber beginnen will.
Die Franzosen verschanzen sich hinter ihren politischen Forberungen.
Heber ben Inhalt ber Besprechungen des Reichspräsidenten Luther in Paris ergeht sich bie Pariser Morgenpresse in mehr ober weniger vagen Vermutungen. Der außenpolitische Berichterstatter bes „M a ti n", Sauerwein, gibt über den Verlauf ber gestrigen Verhandlungen zwischen dem Reichsbankpräsibenten LuHer unb bem Gouverneur ber Bank von Frankreich, Moret eine Darstellung, bie barauf schließen läßt, baß man bem Reicksbank- präfibenten von vornherein jebe Möglichkeit genommen hat, seine Pläne zu entwickeln unb seine Anträge vorzulegen. Der Gouverneur ber Bank von Frankreich, her bereits am Donnerstag vom französischen Ministerpräsibenten genaue Richtlinien erhalten hatte, soll Luther erklätt haben, baß Frankreich sich ein Vergnügen machen werbe, einen Teil seiner Reserven dem Reich zur Erleichterung seiner Finanzlage zur Verfügung zu stellen. Er habe E) jeboch nicht bavon abhalten lassen, m Reichsbankpräsibenten in höflicher
Form zu verstehen zu geben, daß
unnütze Heeresansgaben und feindliche Kundgebungen ebenso wie das deutsch-österreichische Zollabkommen im Augenblick nicht geeignet sein, das Vertrauen zu Deutschland zu stärken.