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ragessnzeiser M E B/ I I I I I I I I La.rreszeltung

Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen sur Stadt und Kreis Marburg.

England für eine Mächte-Konserenz

Frankreich lehnt sofortige Konferenz in London ab Bahnt sich ein Kompromiß an?

London, 2. IM. Eine amtliche Mit­teilung besagt: Die Regierung Seiner Majestät hat die ernstliche Hoffnung, daß die bezüglich des Vorschlages des Präsi­denten Hoover in Paris ftattfindenden Erörterungen erfolgreich sein wer­den. Für den Fall, dah eine baldige Lö­sung nicht gefunden werden sollte, hat sie ihre Bereitwilligkeit ausgedrückt, eine Zu­sammenkunft von Vertretern der haupt­sächlich interessierten Mächte zu einem baldigen Datum abzuhalten, um mit einem Mindestmah von Verzögerung zu einer Vereinbarung z« gelangen.

Wie verlautet, hat Frankreich diesen Vorschlag der britischen Regierung abge­lehnt und eine Konferenz in Paris statt in London vorgeschlagen.

*

Paris, 2. Juli. Wie soeben offiziell bekannt wird, sind die für Donnerstag abend angesetzten Verhand­lungen mit dem Schatzsekretär Mellon auf Freitag vormittag verschoben worden. Nach anderen Meldungen soll sogar der Zeitpunkt für die Weiterbe­ratung nicht bestimmt worden sein.

H a v a s veröffentlicht hierzu folgendes Communiqu^:Finanzminister F l a n - d i n hat heute nachmittag mit dem ameri­kanischen Schatzsekretär Mellon eine lange Besprechung gehabt. Heber das Er­gebnis dieser Zusammenkunft wird von eingeweihten Kreisen das st r e n g st e Stillschweigen gewahrt. Man hat sedoch den Eindruck, datz im Laufe dieser direkten Besprechung die Verhandlungen sich relativ befriedigend entwik- kelt hätten, und dah es möglich sei, dah das Zustandekommen einer Einigung dadurch erleichtert werde. Die französisch-amerikanischen Verhandlungen werden morgen vormittag im Laufe der Vollkonferenz wieder ausgenommen." Freitag abend 9.30 Uhr werden die fran­zösischen Minister eine Zusammenkunft mit dem amerikanischen Botschafter Edge haben.

Das Weihe Haus über die Verhandlungen

Washington, 2. Juli. Nach einer langen Konferenz mit Hoover erklärte der stellvertretende Staatssekretär C a st l e Die Verhandlungen in Paris dauern in ausgezeichneter Atmosphäre an, und wir sind sehr optimistisch in Bezug auf ihren Ausgang." Der stellvertretende Schatz­sekretär Mills und der Senator Dwight Morrow nahmen ebenfalls an der Kon­ferenz im Weihen Haufe teil und beglei­teten nach ihrer Beendigung Castle in das Staatsdepartement, um dort die Dis­kussion fortzusetzen.

*

Em Kompromi "

ft. London, 3. Juli. Dec Bolschlag der englischen Regierung, eine Konferenz der Signatarmächte des Voungplanes einzube­rufen, wird von den Londoner Morgm- blättern lebhaft besprochen. So führt Daily Telegraph" in einem Leitartikel aus, dah das von Hooover bezeichnete Datum der 1. Juli bereits vorüber gegangen fei, so­mit spiele die Festsetzung einer unabänder­lichen Frist, die die französische Erbitterung über das Vorgehen des Präsidenten so ver- sröhert habe, offenbar keine Rolle mehr. Trotzdem würden sich die Gegensätze im Augenblick nicht überbrücken lasten. Aber ein augenblicklicher Mißerfolg brauche die ent­standenen Hoffnungen nicht zu zerstören. Eine baldige Zusammenkunft der Ver­treter der hauptsächlich interessierten Mächte, würde der Auffassung der ganzen Welt entsprechen, dah die Möglichkeit einer

Teilung, die sich neuerdings zeige, nicht wieder verloren gehen dürfe, nur weil eine Einigung über das von Washington vorgeschlagene schneste und einfache Hilfsmittel nicht sofort möglich war. Der diplomatische Korrespon­dent desDaily Telegraph" schreibt: Der britische Vorschlag einer Zusammenkunft von Vertretern der interessierten Mächte in London würde nicht nur die Amerikaner und Deutschlands europäische Gläubiger, sondern auch die Deutschen selbst einschliehen. Die französische Regierung hat gestern abend auf den bristschen Vorschlag geant­wortet. sie nehme ihn grundsätzlich mit Freuden an, doch sei es unmöglich, für Briand rind Laval für das Wochenende nach London zu kommen. Somit ist die Einladung gewissermahen in der Schwebe ge­blieben.

Der Paris er Korrespondent des 2R andj efter Guardiun" meldet, die britische Regierung habe einen Schritt in Paris unternommen, um ein Uebereinkommen zu erleichtern. Der Vorschlag solle das Depot Frankreichs bei der B. I. Z. im Faste eines Moratoriums nach Ablauf des Hoover-Iabres betreffen. Den Informatio­nen des Korrespondenten zufolge soll die englische Regierung bereit sein, einzuwistigen, dah Frankreich ganz oder teilweise die­ser Verpflichtung enthoben werde unter der Bedingung, dah die französische Re­gierung den Vorschlag des Präsidenten Hoover in den übrigen Punkten annehme. Das würde, so. meint der Korrespondent, be­deuten, dah Frankreich zustimme, dah die bei der B. I. Z. hinterlegten Beträge ausschließ- lich zugunsten Deutschlands verwendet werden.

Derunglückliche Konferenzvorschlag"

Ablehnung in der Berliner Presse

Berlin, 3. Juli. Die Morgenblätter äuhrrn fast aüte Mehr oder minder st arke- Bedenken gegen den Vorschlag der britischen Regierung, eine Konferenz der am Reparationsproblem interessierten Mächte einzuberufen.

Der Vorwärts nennt diesen Vor­schlag sicherlich herzlich gut gemeint. Abcr wie lange wolle man noch verhandeln?

Die Vossische Zeitung unter­streicht die Schwierigkeiten, die der grohe und schwere Apparat einer internatio­nalen Konferenz brauche, um in Funktion zu treten. Eine Konferenz über den Earantiefond würde eine Verzögerung der Inkraftsetzung des Hooverschen Vorschlags über den 15. Juli hinaus bedingen, und das wäre gleichbedeutend mit llnwirksam- machung des Hooverschen Vorschlages, des­sen nicht geringster Vorzug die Schnellig­keit der Hilfsaktion sei.

Die D.A.Z. spricht von einemun­glückseligen englischen Äon« ferenzvorschla g. Deutschland habe

auf einer solchen Konferenz gar nichts zu suchen. Die Regierung habe bisher mit Recht den Standpunkt vertreten, dah es sich um französisch-amerikanische Mei­nungsverschiedenheiten handele, an denen Deutschland unschuldig und unbeteiligt sei. Die deutsche Regierung würde diese Konferenz ablehnen wüsten.

Die Vörsenzeitung ist der Ansicht, daß auch in amerikanischen Krei­sen die Auffastung über das englische Vorgehen sehr geteilt sei. Man befürchte dort, daß, wenn den Franzosen der Rücken gestärkt werde, die Absicht Hoovers, schnell zu handeln, durchkreuzt werde, und daß sich die Welt wieder vor langwierige Ver­handlungen alten Zieles gestellt sehe, ob­wohl die Lage in Deutschland dringend eine sofortige Lösung verlange.

Auch die Deutsche Tageszeitung bezweifelt, daß der Vorschlag im Einver­ständnis mit Washington erfolgt fei. Gegenüber Deutschland bedeute er schwer­lich eine Freundlichkeit.

Kommunisten im Rundfunk

Störung des Langenberger Senders

Köln, 2. Juli. Gestern abend gegen 23 Uhr wurde die Sendung des Westdeut­schen Rundfunks von anscheinend kommunistischer Seite gewalt­sam gestört nnd über den Sen­der Langenberg eine kurze Werberede für die Kommu­nistische Partei gesprochen.

Hierzu teilt der Westdeutsche Rundfunk mit, daß die Störnng nur den Sender Langenberg betraf und daß die kurze Werberede nicht vor einem Mikrophon des Westdeutschen Rundfunks gesprochen wurde. Um 22.55 Uhr bemerkten die Be­amten des Senders Langenberg Knack- geränsche in der Sendung und stellten ferner fest, daß ihre Dienstgespräche mit über den Sender gingen. Es mußte dem­nach an einer Stelle eine Leitnngs- berührung mit der Ueberiragsleitung stattgefunden haben. Um 23 Uhr wurde die aus Köln kommende Tanzmusik des

Senders Langenierg von einer kur­zen Werberede für die Kom- manistische Partei überlagert. Schon nach einer halben Minate schalteten die Senderbeamten geistesgegenwärtig den Sender Laagenverg ab und gaben die Kölner Tanznmfik nach etwa fünf Mi­nuten über eine Ersatzleitung wieder auf den Sender. Es handelt sich demnach nm eine gewaltsame Einschaltung in die Uebertragungsleitung von nnbefug- ter Seite.

Das Haager Verfahren über die Zoll- Union.

Haag, 2. Juli. Die Eröffnung des mündlichen Verfahrens in der Angelegen­heit der deutsch-österreichischen Zoll­union ist vom Ständigen Internationalen Gerichtshof auf den 2 0. Juli vormit­tags festgesetzt worden.

Das Volksbegehren rechts­wirksam

Beratung über die Landtagsauflösung am 18. Juli.

Berlin, 2. Juli. Beim Präsidenten des Preußischen Landtages ist die Mit­teilung der Staatsregierung eingegangen, daß das Volksbegehren rechts- wirksam zustandegekommen sei. Der Aeltestenrat des Landtages wird am Dienstag, dem 7. Juli, den Veratungsplan für den Sitzungsabschnitt feststellen, der an diesem Tage beginnen und voraussicht­lich bis zum 10. Juli anhalten wird. Die Frage der Landtagsauflösung wird voraussichtlich am 8. Juli im Ple­num zur Beratung, und am 10. Juli zur Abstimmung gestellt werden. Man rech­net mit einer großen politischen Aus­sprache, in der das Verbot der Spartakiade eine besondere Rolle spielen wird. Am 7. Juli will man Ne Siedlungsgesetze in zweiter Lesung be­raten» um sie am 10. Juli zu verabschieden. Außerdem steht noch eine Reihe von An­trägen zur Erledigung. Auch soll der Ge­setzentwurf über die Studiendauer als Vorbedingung für die Zulasiung zur juristischen Promotion verabschiedet wer­den. Die Sommerferien sollen nach den Vorschlägen, über die der Aeltestenrat zu entscheiden hat, bis zum 13. Oktober an­halten.

Amerikanische Kredite?

ft. London, 3. Juli. DerTime s"« Korrespondent in Washington meldet: Gestern Nachmittag wurde der Gouverneur der Bundes - Reserve - Bank Meyer unv der Handelssekretär Lamont tns Weiße Haus gebeten. Man glaubt, daß die Frage der Beschaffung von Krediten für die Länder Europas, die unter dem von Hoover vorgeschlagenen Aufschub der deutschen Zahlungen leiden würden, Gegenstand der Besprechungen gewesen ist. Die Beschaffung solcher Kredite, meint der Korrespondent, würde es vermutlich Frankreich ermöglichen, seinen Vorschlag zurückzuziehen, das die BIZ. das von Deutschland eingezahlte Geld nicht nur an Deutfchland, sondern auch an andere Län­der verleihen solle.

. Optimismus desMotin".

ft. Paris, 3. Juli. DerMatin" trägt heute einen ganz ausgesprochenen Opti­mismus zur Schau. Das Blatt schreibt, daß man das Absagen der gestrigen Besprechung zwischen den amerikanischen und den fran­zösischen Unterhändlern lediglich auf T>ie Ueberlastung der französischen Minister mit parlamentarischen Arbeiten zurückzuführen habe, aber keineswegs daraus folgern dürfe, daß neue Schwierigkeiten aufgetaucht seien. Im Gegenteil, der Ministerrat habe schon gestern Vormittag auf Grund einer eingehen­den Prüfung der amerikanischen Denkschrift feststellen können, daß die Ansichten beider Re­gierungen sich immer weiter näherten.

In gut unterrichteten Kreisen scheint man mit dem erfolgreichen Abschluß der Ver­handlungen binnen zwei oder drei Tagen

$u rechnen (?).

Die französische Regierung sei dem Zu­sammentritt einer Konferenz der Haupt­signatarmächte des Poungplanes keineswegs abgeneigt Die von der englischen Regie-