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Neue amerikanische Denkschrift
Amerikas letztes Wort? — Paris unter Druck — Eine Konferenz nicht ausgeschlossen
fk. Paris, 2. Juli. Die amerikanische Regierung hat einen neuen Schritt unternommen und der französischen Regierung eine Denkschrift übermittelt, mit der sich ein am Donnerstag vormittag stattfindender Ministerrat beschäftigen wird.
Die amerikanische Denkschrift, die im Auftrage Hoovers von Castle und Morrow ausgearbeitet ist, bringt zum Ausdruck, daß Frankreich durch die Ablehnung des amerikanischen Vorschlages im Laufe des nächsten Jahres 190 Millionen Dollar mehr Einbügen würde, als wenn es dem Hooverplan zustimmt. Auherdem wird erneut betont, dah die Gefahr einer Krise in Deutschland noch immer drohe und dah die Bedingungen, die Frankreich an. die Annahme des amerikanischen Vorschlages knüpfe, nicht mit dem Geist des Vorschlages Hoovers im Einklang stünde.
In maßgebenden französischen Kreisen soll nach der Ueberreichung der Denkschrift wieder größerer Optimismus herrschen. Gerüchtweise verlautet auch, daß Bestrebungen im Gange sind, in Kürze eine allgemeine Konferenz aller am Youngplan interessierten Mächte einzuberufen.
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Die heute Pariser Nachmittagssitzung
Paris, 1. Juli. Die französischamerikanischen Verhandlungen über den Vorschlag des Präsidenten Hoover wurden heute nachmittag 15.15 Ühr im Innenministerium fortgesetzt. An der Sitzung nahmen teil Schatzsekretär Mellon, der amerikanische Botschafter E d g e, Ministerpräsident Laval, Außenminister V r i a n d, Finanzminister F l a n d i n und Unterstaatssekretär Francois Poncet. Im Laufe der Sitzung kam der Budgetminister Pietri hinzu. Die Sitzung dauerte bis 17 Ühr. Eine neue Sitzung ist für morgen abend 9.30 Uhr anberaumt worden.
Ueber den Verlauf der Sitzung ver- öffentlickL die Havas agen'tur folgende Mitteilung: Schatzsekretär Mellon und Botschafter Edge haben den Wortlaut eines Dokumentes bekannt gegeben, das dazu bestimmt ist, die Stellungnahme der amerikanischen Regierung bei den in Gang befindlichen Verhandlungen zu klären. Diese Denkschrift läßt gleichzeitig den W'llen der amerikanischen Regierung, die Verhandlungen fortzu- setzen, aber auch die noch ziemlich fühlbaren Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Regierungen erkennen. Das Dokument wird in Washington veröffentlicht und von den in Frage kommenden französischen Ministern studiert und im Verlaufe eines für morgen anbercrumtrn Ministerrates geprüft werden. Das Do- kuemnt umfaßt sieben Schreibmaschinenseiten, in denen die amerikanische Regierung alle'technischen Seiten des Problems ins Auge faßt.
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fk. Paris, 2. Juli. Die von Schahkanzler Mellon und dem amerikanischen Botschafter der französischen Regierung überreichte amerikanische Denkschrift wird von fast allen Blättern eingehend wiedergegeben. Der allgemeine Eindruck, den die Morgcnpresse wiederspicgelt, ist der, daß durch die Veröffentlichung der Denkschrift der Diskussion jetzt eine größere Grundlage gegeben worden sei.
„Petit Parisien" meint, man dürfe nicht glauben, daß nach den durch das amerikanische Dokument beleuchteten Meinungsverschiedenheiten die französisch-amerikanischen Berhandlungen notwendiger Weise in eine Sackgasse führen müssen. Die Debatte geht weiter. Das Blatt hält es für leicht möglich, dah evtl, die Signatarmächte des Po ung- planes einschließlich Deutschland zur Aeußerung aufgefor» dert werden. Wenn die gegenwärtige Debatte nicht durch eine Verständigung in letzter Stunde abgeschlossen würde, schreibt die Zeitung, so könnte, wie das amerikanische Memorantum versteckt andeutet, eine Konferenz einbemfen werden, mit der Aufgabe, gewisse Bestimmungen des Doungplanes über das
. Moratorium zu Hären.
Der Ruhenpolitiker des „Matin“ ist ebenfalls der Ansicht, daß nur noch ein entscheidendes schweres Hindernis für die Regelung der Angelegenheit bestehe, näm
lich die Frage des Garantiefonds. Der heutige Ministerrat werde aber verschiedene Anregungen erörtern, darunter eine englische. Eine Frage hebt der „Matin" hervor, daß das amerikanische Dokument beweise, wie energisch Frankreich seine Position verteidige, und wie der Amerikaner Wett darauf legt, Frankreichs Stellungnahme zu verstehen.
Das radikale Organ „La Re PU- 5 l i q u e" sieht allein in der Tatsache, daß die Berhandlungen fortgesetzt werden, einen Erfolg.
Etwas anders wird das amerikanische Memorantum von den Blättern beurteilt, die von Anfang an der amerikanischen Jntiative durch Mißtrauen gegenüber standen. ,
So erklärt „I o u r n a l", Hoovers Schritt sei eine gegen den Poungplan gerichtete „Torpedierung". „Echo de Pa- r i s" fällt ein scharfes Urteil. Es spricht von der „ziemlich armseligen Logik eines Hoover
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Das Spartakiade-Komitee aufgelöst
Das wahre Gesicht der „politischen Kinder"
Das internationale Spartakiade-Komitee, Berlin C. 2, und alle zur Durchführung der Spartakiade bestimmten Organe werden auf Grund des § 16 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März 1931 aufgelöst.
Das Tragen des Spartakiade-Abzeichens wird auf Grund des 8 8 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 29. März 1931 verboten.
Aus dem der Polizei zur Verfügung stehenden Material geht hervor, daß auchin naher Zukunft ernste Ausschreitungen zu matten sind, doch ist die Polizei darauf vorbereitet und wird absolut Herr der Lage bleiben. Die Polizei wird von nun ab rück- rücksichtslos von der Schußwaffe Gebrauch machen.
Heute vormittag 10 Uhr hat die Abteilung I A des Polizeipräsidiums eine Durch- iuchung der Räume des Internationalen Spattakiade - Komitees vorgenommen und sämtliches Material beschlagnahmt. Aus diesem Material geht eindeutig hervor, daß die Spartakiade als große politische Demonstration aufgezogen war. U. a. war aus mehreren Städten die Entsendung von kommunistischen Scharfschützen geplant, die in Berlin, wie es in den Zeitschriften heißt, ihre besondere Eignung für den kommenden Bürgerkrieg demonstrieren sollten.
Vom Berliner Polizeipräsidium wird darauf hingewiesen, daß seit der Aufhebung des Verbotes der Spattakiade am 24. Juni 1931 eine erhebliche Berich ä r f u n g der politischen Lage eingetreten sei. Gerade in den letzten Tagen sind in Berlin eine Reihe von Lebensmitteln- geschäften offensichtlich planmäßig geplündert worden. Auch die Unruhen in der Bersiner Universität bürften damit im Zusammenhang stehen, da sie von kommunistischen Studenten offenbar planmäßig inszeniert worden sind. An zuständigen Stellen ist bekannt geworden, daß vor sechs Wochen die Weisung aus Moskau ergangen ist, mit b e- > onderer Aktivität einen Zustand herbeizuführen, der einen bolschewistischen Umsturz erleichtere.
In Kreisen der Reichsregierung und der preußischen Regierung wird ausdrücklich und mit aller Entschiedenheit betont, daß die Machtmittel des Staates hundertprozentig ausreichen wer
den, um alle Störungsversuche sofort ersticken zu können.
Der Polizeipräsident hat für die Ergreifung der Täter, die den Polizeiwachtmeister Kuh(eld gestern abend bei den kommunistischen Demonstrationen erschufen haben, eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt.
Neuer Schießerlah für die Polizei.
Berlin, 2. Juli. Der preußische Innenminister wird, wie der ,^8örsen-Courier" berichtet, in den nächsten Tagen einen neuen Erlaß über das Schießrecht der Polizei herausgeben. In diesem Fall durfte darauf hingewiesen werden, daß eine Zurückhaltung im Gebrauch der Schußwaffe nicht angebracht ist bei Angriffen auf Leib und Leben der Beamren, bei Angriffen auf die unter dem Schutz der Beamten stehenden Personen und bei Angriffen gegen den Staat. Wenn beispielsweise die Beamten in Zukunft bei ihrem Vorgehen mit Steinen beworfen ober gar mit der Schußwaffe empfangen werden, dann ist es nicht nur ihr Recht, sondern ihrer Pflicht, sich mit der Waffe ihrer Haut zu wehren.
Eine Erklärung der KPD.
Berlin, 1. Juli. Vom Sekretariat des Zentralkomitees der KPD. wird eine partei- offizielle Erklärung zu den gestrigen Zusammenstößen im Osten Berlins veröffentlicht. In dieser Erllärung wird darauf hingewiesen, daß die Arbeiterdemonstration im Berliner Osten weder von der zuständigen Bezirksleitung Berlin-Brandenburg der KPD. noch von irgend einem anderen Organ der KPD. veranstaltet worden sei. Ferner wird vom Sekretariat erklärt, daß die Zeitschrift „Oktober" weder vom Zentralkomitee noch von irgend einem anderen Organ der KPD. herausgegeben, geleitet oder kontrolliert werde und in keiner Verbindung zur KPD. stehe. Diese Zeitschrift „Oktober" hatte Anweisungenüber den bewaffneten Kampf gegen die Polizei bei Sttaßendemonstrationen gebracht, die von der Presse im Zusammenhang mit den Zusammenstößen zitiert wurden. Daran schließt sich in der Erklärung die Bemerkung, daß der Schuß auf den Polneiwachtmeister von kommunisten-feindlicher Seite abgegeben worden sei", um der Reaktion und gewissen Persönlichkeiten im Berliner Polizeipräsidium den längst ersehnten Anlaß zum Verbot der Spattakiade zu liefern". Zum Schluß heißt es, daß die KPD. ihren entschlossenen Kampf gegen Pounapjan, Notverordnung und Massenelend mit verstärkter Kraft fortsetzen werde.
Frankreich sucht Anschluss
Die Nachtdebatte der französischen Kammer.
Paris, 1. Juli. Im Verlauf der heu^ tigen Nachtsitzung in der Kammer kritisierte der Abgeordnete de M o n z i e die Außenpolitik der Negierung und forderte, da Frankreich in Osteuropa eine Niederlage erlitten habe, eine energischere russisch-französische Handelspolitik. In seiner Erwiderung erklärte der Finanzminister, daß er nach seiner Rückkehr von einer Studienreise im Mitteleuropa für eine aktivere Politik eingetreten sei, und in der Tat sei die Politik besser und aktiver. Die gegenwärtige Regierung habe kürzlich die Verhandlungen mit den Sowjets ausgenommen. Wir werden versuchen, sagte der Minister, die französische Handels-Expansion im Ausland auszubauen, ohne französische Gelder unvorsichtig festzulegen. Wir prüfen eine neuartige Form der Handelsbeziehungen mit Rußland. Der französische Kredit darf nur dort eingesetzt werden, wo sich genügende Sicherheit findet. Wir bemühen uns, diejenigen zu unterstützen, bei denen es sich lohnt. Es ist durchaus falsch, wie man es oft behauptet, daß die französischen Gelder im Dienste einer impera- listischen Politik stehen.
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Die französische Kammer geht nicht in Ferien.
fk. Paris, 2. Juli. „L'Ordre" will erfahren haben, daß die Negierung entgegen anders lautenden Gerüchten das Parlament nicht morgen oder übermorgen in die Ferien schicken werde, sondern zunächst den Abschluß der mit Washington geführten Verhandlungen abwarten will.
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Italiens Vorschlag
London, 1. Juli. Der Timeskorre- spondent in Rom meldet: Von maßgebender Seite verlautet, daß das gestrige amtliche Kommunique Italiens so zu verstehen ist, daß esdurch das Inkrafttreten des Hooverplanes bedingt wird. Tritt der Plan nicht in Kraft, so ist der Status quo automatisch wiederhergestellt, und Italien wird von seinen Schuldnern die ihm zustehenden Summen beanspruchen. Ferner will der Korrespondent erfahren haben, wenn der Hooverplan beispielsweise ohne Mitwirkung Frankreichs in Kraft trete, dann würde das italienische Angebot zwischen Italien und seinen beiden Gläubigern Großbritannien und Amerika einerseits und Italien und seinen Schuldnern andererseits aufrecht erhalten bleiben. Der Korrespondent des Daily Expreß in Rom nennt den italienischen Beschluß eine äußerste Anstrengung, um den Hooverplan zu retten und sagt, Italien hat einen großen Schritt getan, um zur wirtschaftlichen Erholung Europas und der ganzen Welt mitzuhelfen.
Volksentscheid voraussichtlich am 2. August
Berlin, 1. Juli. Am Dienstag hat das preußische Staatsministerium beschlossen, das Ergebnis des Stahlhelm-Volksbegehrens dem Landtag sofort zugehen zu lasten und ihm die Ablehnung zu empfehlen. Me verlautet, soll der Volksentscheid mit größter Wahrscheinlichkeit schon am 2. August stattfinden.