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Zagesanzeigrr

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

UNIVERSHÄTS- 3IBU0THEK MARBURG/LAHN

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Nr.m 68.Mrs.

Marburg a. Mn

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Ein neuer Plan Hoovers

Eine Sonder-Aktion für Deutschland ohne Frankreich? -Alle übrigen Länder sollen zustimmen" - Noch keine Entscheidung

ft. London, 1. Juli. DerTimes"« Korrespondent meldet, aus bester Quelle, daß folgender Kurs für den Fall eines Zusammenbruches der Pariser Ver­handlungen ernstlich erwogen wird:

Es wird geplant,, den ursprünglichen Hooverplan zurückzuziehen und das An­gebot des Präsidenten jedem der ein­zelnen Schuldnerländer gegen­über besonders zu wiederholen.

Mit anderen Worten, die Vereinig­ten Staaten würden das Angebot machen, jedes fremde Land von der Rückzahlung seiner Schulden an die Bereinigten Staaten zu befreien, das als Gegenleistung auf die ihm von Deutschland geschuldeten Reparations­zahlungen verzichten würde.

Dieser Plan befindet sich vorläufig noch im Rohentwurf und es liegt auf der Hand, daß er sehr ernstliche Kombinatio­nen einschließen würde. Er würde es den Franzosen überlassen, selbst darüber zu entscheiden, ob sie bereit sind, ihn zu akzep­tieren ohne dadurch in gleicher Weise an­dere Rationen in Mitletdeftscbait zu ziehen, wie es der Hooverplan ursprüng­lich tat. Ferner würde der neue Plan die Rückwirkungen eines Fehlschlagens der Pariser Verhandlungen auf die Wirt­schaft und besonders auf die deutschen Kredite zum mindestens abschwächen. In diesem Maße würde er die Zustimmung der hiesigen Finanzkreise, die umfang­reiche Beziehungen zu Deutschland haben, und der Inhaber deutscher Wertpapiere finden. Wenn auch dieser Plan der wich­tigste der Alternativpläne ist. die jetzt er­wogen werden, ist eine endgültige Ent­scheidung noch nicht erfolgt.

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Washington, 30. Juni. Im Weihen Hause wurde die übliche Pressekonferenz für heute abgesagt. In Regierungskreisen beschränkt man sich auf die Feststellung, daß die Lage zur Zeit ernst und unbestimmt fei, da Frankreich als einzigerGläu- b i g e r st a a t sich bisher weigere, an einer großzügigen internationalen Zu­sammenarbeit teilzunehmen. Man er­klärt es für widersinnig, von Deutschland, dessen verzweifelte finanzielle Lage überall zugegeben werde, zu erwar­ten, daß es den in Höhe des unaufschieb­baren Teils ihm zu gewährenden Kredit in kurzer Frist zurückzahle. H 0 0 v e r be­sprach die Lage heute in einer längeren Kabinettssitzung, an der Castle und Mills teilnahmen, nachdem er vorher er­neut mit Mellon telephoniert hatte. In parlamentarischen Kreisen umgehende Ge­rüchte, für die eine Bestätigung jedoch nicht zu erlangen ist, besagen, daß Hoover nicht nachgeben, aber auch Deutschland nichtimStichlassen werde, sondern schon jetzt mit seinen amtlichen und parlamentarischen Mit­arbeitern berate, wie man Deutschland nö­tigenfalls ohne Frankreichs Mit­wirkung helfen könne.

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Washington, 30. Juni. Don hoher Regierungsseite wurde heute zum Hoover- Plan mitgeteilt: Unserer Ansicht nach be­deutet der Aufschub aller Zahlungen auf ein Jahr keinen Angriff auf die inter­nationalen Verträge. Jedenfalls werden sie dadurch nicht ungültig. Hoovers Pro­klamation hatte alsbald segensreiche Fra­gen in der ganzen Wett, und alle wich­tigeren Rationen außer Frankreich stimm­ten vollinhaltlich oder prinzipiell zu.

Frankreich hat nicht einmal prinzipiell zugestimmt. Zuerst verlangten die Fran­zosen die doppelten deutschen Zahlungen

im nächsten Jahr. Das war unannehmbar, und wir schlugen, um Frankreichs Wunsch nach Unverletzlichkeit der internationalen Verträge entgegenzukommen, vor, daß Deutschland zwar den unaufschiebbaren Teil zahle, das Geld aber sofort als Kredet zurückbekomme. Frankreich verlangte nun, daß der obige Kredit an Deutschland nicht der Reichsregierung, sondern gewissen deutschen Industrien geliehen werde.

Wir betrachten einen derartigen Vorschlag als rein politisch und nicht dem Hooverplan entsprechend; denn die Reichsregierung braucht den vol­len Betrag zur Stützung ihres Bud­gets. Wir sind durchaus bereit, auch anderen Rationen zu helfen. Vor allem aber muß Deutschland zunächst wieder auf die Füße kommen.

Dann kam die Frage des Garantiefonds. Frankreich verlangte, daß im Falle eines deutschen Moratoriums nicht es, sondern Deutschland diesen Fonds einzahlen solle. Wir würden es aber als entgegen dem Hoover-Plan betrachten, wenn die gegen­wärtige Hilfsaktion dazu benutzt würde, um Deutschland die doppelte Last aufzu­bürden. Die Verhandlungen mit Frank­reich sind nicht abgebrochen. Wir sind nicht entmutigt, sondern hoffen eine Eini­gung. Wegen der Sachlieferungen dürften sich Deutschland und Frankreich da­hin einigen, daß nur die laufenden Ver­träge ausgeführt werden.

Auf die Frage, ob Gefahr bestehe, daß Frankreich zur Erzwingung des Poung- planes in Deutschland einrücke« würde, wurde geantwortet:Dieses Schauspiel wird die Welt nicht wieder erleben".

Italien verwirklicht den Hoover-Plan

Es verzichtet ab 1. Juli auf die Schuldenzahlungen

ff. Rom, 1. Juli. Um die Durchfüh­rung des amerikanischen Planes zu sichern, hat die italienische Regierung von sich aus den Hoover-Plan dadurch in Kraft gesetzt, daß sie auf die Zahlung der Summen der Schuldnerstaaten an Ita­lien zum 1. Juli verzichten wird.

In Washington hat die Erklärung der italienischen Regierung, die als groß­artige Handlung bezeichnet wird, volle Zustimmung gefunden. Auch in Berlin wird das Vorgehen Italiens aufs wärmste begrüßt.

In der italienischen Presie wird weiter­hin auf die große politische Bedeutung des bevorstehenden deutschen Besuches tn Rom hingewiesen und außer dem Ab- rüftungsproblem Kredit- und Schulden­fragen sowie zollpolitische Dinge als Ge­sprächsthema genannt

England und die französisch-amerikanischen Verhandlungen.

fk. London, 1. Juli. Die Sorge mit der die politischen und wirtschaftlichen Kreise Englands der heute in Paris er­warteten Entscheidung entgegensetzen, kommt in der Morgenpresie zum Ausdruck. Daily Herald" rechnet mit einem Fehlschlag der französisch-amerikanischen Verhandlungen, glaubt aber, daß der Hooverplan trotzdem nicht preisgegeben werden wird.

Der diplomatische Korrespondent des Blattes schreibt, Präsident Hoover soll Großbritannien, Italien und

anderen Staaten den Vorschlag ge­macht haben, datz sie, falls Frankreich die. Mitarbeit verweigere, den Plan in Wirksamkeit setzen.

Wahrscheinlich würden in diesem Falle die Vereinigten Staaten bereit sein, Deutschland eine Anleihe für die Bezah­lung der von Frankreich geforderten Annuitäten zu gewähren.

Frankreich müßte natürlich unter die­sen Umstände» seine Kriegsschulden an Amerika weiter zahlen, und es sei möglich, datz diese französischen Gelder von der amerikanischen Regierung für die für Deutschland zu gewäh­rende Anleihe benutzt würden.

Auch der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph" schreibt, sollte Frank­reich es unterlaßen, Amerika auf halbem Wegen entgegenzukommen, so dürfte Prä­sident Hoover eine ' ernste Anstrengung unternehmen, den Plan zur Rettung Deutschlands' und Mitteleuropas von dem finanziellen und wirtschaftlichen Chaos ohne Frankreichs Mit­arbeit durchzuführen. Zu diesem Zweck werde Washington vielleicht um die Mit­arbeit von London, Rom und anderen Hauptstädten ersuchen. Der Präsident könnte sogar seinen Aufruf mit dem Argument begründen, daß Staaten, die ihm nicht entsprächen, in Zukunft das Wohlwollen und Mitarbeit Amerikas verlieren, und über­dies eine schwere Verantwortung für. den Zusammenbruch Deutschlands und Mittel- europas auf sich laden würden.

Um 15 Uhr französisch-amerikanische Verhandlungen.

fk. Paris, 1. Juli. Die französisch- amerikanischen Verhandlungen, die ur­sprünglich aus Mittwoch, 9.30 Uhr festge­setzt waren, sind nunmehr auf 15 Uhr » e r s ch o b en worden. Schatzamtssekretar Mellon hat diesen Aufschub erbeten, da­mit er Gelegenheit habe, nach derAbsiiM- mung im Senat noch einmal mit Washing­ton in Verbindung zu treten.

Paul Boncour fordert Verzicht auf den Anschluß.

fk. Paris, 1. Juli. Paul Bon­cour. der Frankreich vor dem Haager

Gerichtshof in der Anschlußfrage vertritt, nimmt heute imJournal" zu ihr Stel­lung. Vorn französischen Standpunkt und von dem unserer Alliierten gesehen, schreibt er, bedeutet der Anschluß etne tödliche Gefahr für die gegenwärtige Lage Europas. Er würde einen gegen Rumänien und Eüdslawien gerichteten Block schaffen und vor allem die Tschecho­slowakei einkeilen .

Der Verzicht auf den A n s ch l u B muß in elfter Linie die Be- dingung fürdas neue Opfer sein, das Frankreich in der historischen Nacht der Kammer vom Sonnabend ver­gangener Woche (1) gebracht habe.

Die Einladung Mussolinis

Mussolini ist zu einer Besprechung bereit mit dem deutschen Reichskanzler in einer Situation, wo es in Paris hart auf hart geht. Wir betonten bereits gestern, daß das für uns ein internationales Plus bedeutet, daß die Einladung nach Hoovers Vorschlag und Englands Verhalten nicht zu unterschätzen ist.

Zu dem bevorstehenden Besuch schrecht heute dieD. A. Z." u. a.:Die Reichsregie­rung hat richtig gehandelt, als sie den Chef der italienischen Regierung wissen ließ, daß eine Einladung m die römische Hauptstadt ebenso angenommen werden würde und er­wünscht sei, wie die Einladung nach Chequers es war. Es ist nicht zum ersten Male, daß em persönliches Zusammentreffen der Leiter der deutschen und italienischen Politik in Aus­sicht genommen wird. Noch Dr. Strese- mann trug sich wiederholt mit dem Ge­danken eines Besuches in Rom, der um so näher lag, als Herr Mussolini seit Locarno bewußt an den internationalen Zusammen­künften der Minister nicht mehr teilgenom­men hat. Zum Schaden der europäischen Politik unterblieben diese Reisen aus den ver­schiedensten Gründen mehr als einmal, und die Genugtuung, daß diesmal die Entreoue sicher stattfinden wird, ist deshalb in Deutscb- land desto größer. Zwischen Deutschland und Italien bestehen so viele E em ein kam - leiten der Interessen, so viele Möglichkei­ten der Zusammenarbeit zum Wohle der Wiederaufrichtung Europas, so große Bin­dungen künstlerischer und wissenschaftlicher Art, daß es ent erfreulicher Fortschritt genannt werden muß, daß der deutsche Reichskanzler dem Schöpfer des neuen Italiens, einem der größten Staatsmänner der Gegenwart, Auge m Äuge gegenübertreten soll. Wir erhoffen eine offene und freimütige Aussprache über alle die beiden Länder berührenden Fragen, über die Probleme sowohl, zu denen sie gleich­gerichtete Haltungen einnehmen, wie über die anderen, die Berlin und Rom noch ent­zweien, obwohl em Modus vivendi durchaus zu finden ist.

Von der italienischen Presse nimmt als erstes Matt der faschistischeTeuere" Stellung zu dem Besuch.Niemanden", so schreibt das Blatt,werde die hochpoli­tische Bedeutung des angekün- btgten Zusammentreffens zwi­schen den Retchsministern und Mussolini entgehen. Die deutsch-franzö- sische Zusammenkunft, die überstürzt verein­bart und im fianzösischen Parlament vivise- ziert worden sei, habe ganz den Anschein ge­habt, als sollte sie für einen Augenblick den deutsch-französischen Gegensatz maskieren. Der Reichskanzler Brüning set, wie der bessere Teil der deutschen Presse so­fort festgestellt habe, zu schnell gelaufen. Die Illusionen seien dann durch die Kammeraus­sprache in Paris schnell geraubt worden. Die Rundfunkrede Brünings habe nicht unge­schehen gemacht werden können, aber die Sprache der französischen Kammer und der französischen Presse müsse die Temperatur in Deutschland wieder normal gemacht haben. DerTevere" befaßt sich dann mit dem Zeit­punkt des deutschen Besuches in Rom. Die Wahrhett, so schreibt er, sei, daß Europa durchaus nicht die Eile einer deutsch-französi­schen Zusammenkunft einsehe, während es sei- nerzest die Eile des Besuches in Cheguers wohl verstanden habe. Auch die beschleunigte Durchführung eines italienisch-deutschen Zu­sammentreffens würde Europa wohl ver­stehen. Deutschland müsse sich daran erinnern, daß die beiden Garanten der Lage am Rhein England und Italien seien und daß nur England und Italien im Rahmen des gegenwärtigen amerikanischen Vorschlages den deutschen Fragen den europäischen Rang sichern könnten, der ihnen unentbehrlich er­scheine. Wir glauben, daß das Zusammen- treffen mit den Franzosen nach einer Zmam- mcntunft mit den Italienern in dieser Atmo­sphäre, die besonders günstig ist, durch den Hinweis des Duce auf die Abrüstungskonfe­renz in seiner Anl.'vrt an Amerika nicht nur eine Frage des Dalums und der vorhande­nen Zett sein müßte, sondern eine po­litische Frage jein sollte."