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Stellungskrieg in Paris

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Anzeiger für (bas frühere kurhesfifche) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

Die Pariser Verhandlungen festgefahren - Ablehnung der amerikanischen Vorschläge durch Frankreich

Das Angebot des Präsidenten Hoover legt Wert darauf, datz die von Deutschland 1931/32 zu bezahlende An­nuität erst nach 25 Jahren geleistet wer­den soll. Die französische Regierung hat dagegen in ihrer Antwort" erklärt, datz dieser Betrag am Ende des zwölfmona­tigen provosorischen Moratoriums fällig werden müsse. Die französische Regierung

Frankreich kann

fk. Paris, 30. Juni. Zu der Unter­brechung der amerikanisch-französischen Verhandlungen erklärte einer der betei­ligten Minister folgendes:Washington hat nunmehr das Wort. Man mutz aber zugeben, datz Deutschland die Angelegen­heit nicht erkeichtet' - wird. Sicher sollte alles zum 1. Juli fertig sein, aber wir können nicht schneller gehen. Wir sind jedoch nach wie vor optimistisch über den etwaigen Ausgang der Verhandlungen."

Ministerpräsident Laval betont, datz er Mellon in Ucbereinstlmmung mit allen Regierungsmitgliedern geantwortet habe.

Er sagte dann wörtlich:Präsident Hoover kann sich hinter seinen Kongretz verschanzen und ich verschanze mich hinter die Kammer, die ihrer Meinung Aus­druck gegeben hat. Ich fühle, datz wir an der äutzersten Grenze der Zugeständnisie angelangt sind. Die französische Oeffent- lichkeit würde nicht begreifen, datz wir noch weiter gingen. Ich bleibe aufrichtig aber fest. Am Mittwoch werden wir wis­sen, woran wir find."

Pertinax sagt imEcho de Paris", Deutschland habe in den bisherigen Der-

UNS zwingen"

Unverschämte Sprache der Franzosen

fk. Paris, 30. Juni. In einer Be­sprechung zwischen Schatzsekretär Mel­lon «nd den französischen Ministern am Montag abend, wurde die Aussetzung der Verhandlungen, die am Nach­mittag und Abend ergebnislos geführt wurden, beschlossen.

Die Tatsache, datz eine neue Zusammen­kunft erst am Mittwoch vormittag vorge­sehen ist und somit der von Hoover vor­geschlagene Zeitpunkt für das Inkrafttre­ten seines Vorschlages nicht mehr einge­halten werden kann, hat in französischen Kreisen grotze Bestürzung hervorgerufen. In der amerikanischen Botschaft in Paris herrscht angesichts der Vertagung der Ver­handlungen Lutzerster Pessimismus «nd man hält es nicht für ausgeschlossen, datz der gesamte Hooverplan ins Wasser fällt, da die Franzosen in keinem der wesentlichen Punkte «ach- gegeben haben. ________

In Washington, das in ständiger radio­telephonischer Verbindung mit Schatz­sekretär Mellon steht, erklärte llntrr- staatssekretär Castle, datz Amerika auf keinen Fall für eine dop­pelte Jahreszahlung Deutsch­lands nach dem Moratoriums­jahr zu haben sei.

Die belgische Regierung hat in ihrer Antwort an Hoover dem Vorschlag grundsätzlich zugestimmt, jedoch besondere Verhandlungen hinsichtlich der Lage Bel­giens in Aussicht gestellt.

Paris, 29. Juni, lieber den Mini­sterrat, der heute abend unter dem Vor­sitz des Präsidenten Doumer im Elyfee stättfand, wurde lediglich folgendes- Com- muniouft ausaegeben:

Ministerpräsident Laval hat über den Stand der Verhandlungen mit dem amerikanischen Schatzlekretär Mellon und dem amerikanischen Botschafter in Paris Bufschlutz gegeben.

3u dem heute abend abqehaltenen Mi­nisterrat, der sich mit dem Vorschlag Hoovers beschäftigte, berichtet die Havas- Agentur: Das Kabinett hat sich einmütig über die Notwendigkeit geeinigt, datz die französische Regierung sich nach der Ab­stimmung in der Kammer, an den Text ihrer Antwort vom 24. Juni halten müsse Die Meinungsverschiedenheiten, die Paris und Washington trennen, sind bekannt.

Frankreich schlägt vor, datz die durch das Moratorium verfügbar werden­den Summen nicht nur zur Besierung des Kredits Deutschlands, sondern auch der anderen mitteleuropäischen Länder ver­wendet werden, bei denen die Aussetzung der Poungzahlungen finanzielle und wirtschaftliche Störungen Hervorrufen kann. Die Vereinigten Staaten dagegen wollen ihre Bemühung lediglich auf die Wiedererhebung Deutschlands richten. Frankreich fordert andererseits vor Ab­lauf des zwölfmonatigen Moratoriums die Prüfung von Mahnahmen, die deut­scherseits im Hinblick auf die Wiederauf­nahme der Zahlungen ergriffen werden müsien. Hinsichtlich dieses wichtigen Punktes hat, wie es scheint, Frankreich, der Hauptgläubiger Deutschlands, weder seitens der Vereinigten Staaten noch Deutschlands die erforderlichen beruhigen­den Versicherungen erhalten.

Amerikanisches Communiquä.

fk. Washington, 30. Juni. Rach langen Beratungen mit dem Präsidenten Hoover gab Unterstaatssekretär Castle gestern abend über die Verhandlungen zwischen Schatzsekretär Mellon und dem französischen Ministerpräsidenten Laval ein formelles CommuniquS aus, in dem es heitzt, datz die französische Regierung die einzige Regierung sei, die sich nicht einmal formell mit dem Hooverschen Vor­schlag einverstanden erklärt habe.

Castle sagte wörtlich:Soweit wir unterrichtet sind, haben jetzt sämtliche Regierungen im Prinzip de« Plan des Präsidenten Hoover zngestimmt. mit Ausnahme der französischen Re­gierung.

Es haben sich einige Schwierigkeiten er­geben. den französischen Standpunkt Mit dem Geist des Vorschlages des Präsiden­ten Hoover in llebereinstimmung zu bringen.

Die italienische Einladung.

Berlin, 29. Juni. Aufgrund der deutschen Anregung weiterer freundschaft­licher Aussprachen entsprechend der m Chequers stattgehabten Zusammenkunft hat der ialienische Ministerpräsident den deutschen Reichskanzler und den Reichs­

hat heute abendin einem Gefühl des Entgegenkommens" beschlossen, diese Frist von einem Jahr auf fünf Jahre zu ver­längern: aber das ist, wie es scheint, das einzige Zugeständnis, das der Ministerrat zu seinem anfänglichen Plan annehmen zu müssen geglaubt hat, ohne datzdas geheiligte Recht Frankreichs auf Reparationen" beeinträchtigt wird.

Handlungen eine ganzbestimmte Rolle ge­spielt. Die Reichsregierung habe nicht einmal den Hooverplan aügswartet, denn schon am 17. Juni habe der deutsche Bot­schafter dem französischen Finanzminister gesagt, datz Deutschland von dem Recht des Moratoriums Gebrauch mache« werde. Der Botschafter habe schon damals hinzn- gefügt, und das habe man bisher im­mer verschwiegen datz die deutschen Zahlungen niemals wieder ausgenommen werden würden. Laval «nd Briand hät­ten später dem Reichskanzler «nd den Autzenminister eingeladen, bereits am 27. Juni nach Paris zu kommen, «nd an den Verhandlungen teilzunehmen. Beide Reichsminister hätten jedoch abgesagt. Selbst bei einem Scheitern der amerika­nisch-französischen Besprechungen würde sich die Lage Frankreichs nicht verschlim­mern, dank ihrer finanziellen Macht, durch die die französische Regierung im­mer Deutschland ihren Willen anfzwingen könne. In gewifier Hinsicht wäre es für Frankreich sogar vorteilhaft, nnmittelbar mit Deutschland mfter Ausschaltung Amerikas zu verhandeln.

autzenminister durch Vermittlung des ita­lienischen Botschafters in Berlin zu einem Besuch in Rom in naher Zukunft em- laden lassen. Der Herr Reichskanzler und der Herr Reichsaußenminister haben die Einladung des italienischen Mimsterprast- denten mit Dank angenommen. Der Zeit­punkt des Besuches bleibt späterer Ver­einbarung vorbehalten.

In italienischen diplomatischen Kreisen Wird, wie die Rgenzia Stefani meldet, der Gedanke einer Reise von Dr. Brüning und Dr. Gurti us nach Rom günstig cmf- genvmmen, aber man hält es für wün­schenswert, daß dieser Besuch nicht vor dem ongekündigten Zusammentreffen der beiden deutschen Staatsmänner mit dem französischen Ministerpräsidenten Laval und Außenmstüster Briand stattfinde. In den gleichen Kreisen wird der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß dieses Zusammen­treffen tatsä<Mch einen segensreichen Ein­fluß auf die französisch-deutschen Bezie­hungen und infolgedessen mittelbar auch auf die allgemeine Lage Europas aus- üben werde.

Zweiter Empfang H-eschs durch Brmud.

Paris, 29. Juni. Zum zweitenmal hat am heutigen Tage Autzenminister Briand den deutschen Botschafter von

1 Hoejch am Abend empfangen.

Die Rolle Frankreichs

Es scheint, als ob manche Leute in Deutschland noch immer nicht begriffen haben, um was es geht. Mussolini ist zu einer Besprechung bereit mit dem deut­schen Reichskanzler, in einer Situation wie der jetzigen ist das, namentlich wenn man Mussolinis sonstige Stellung den Reparationen und zu der Zerstückelung Europas durch die sogenannten Friedens- verträge hinzunimmt, ein unbedingtes rn- ternati onales Plus für uns, das nach Hoovers Borgang und Englands Verhal­ten rtidjt zu unterschätzen ist. Das hindett denVorwärts", das Zentralorgan der stärfften Partei Deutschlands und der füh­renden preußischen Koalitton, in der auch Brünings Partei vertreten ist, nicht, diesen Mann anzuflegeln. Man geht wohl nicht sehl, wenn man den alten Haß gegen den ehemaligen Genoffen dafür verantwortlich Macht, aber wie sich in diesen Köpfen auswärtige Polittk malt, das möchte man gerne wissen.

Moralische oder innerpolittsche Betrach­tungen der auswättigen Politik l-om Standpunkt des deutschen Patteigeistes aus, die Frage, was nützt es meinem Pattei­standpunkt. ist leider deutsche Sitte. Richt ohne Geschick werden die auswättigen Ge­schehnisse dann nach dieser Seite gedreht und gedeutelt. Der GrundsatzReckt oder Unrecht, mein Vaterland", der in Ländern mit fester vaterländischer Tradition eine Selbstverständlichkeit ist, kann sich bei uns nicht durchsetzen, obwohl uns eben ein Land wie Frankreich wieder einmal ein Beispiel glänzender innerer Disziplin in immerhin schwieriger Lage gibt. Rach der Riederlage in Men bei der Ereditanstalt jetzt Hoovers Vorstoß!

Frankreich ringt äußerlich um die Aufrecht­erhaltung der Vetträge. innerlich um dre Auf­rechterhaltung seiner Welt- und Lebensauf­fassung. die die Freiheit Frankreichs über» da bedroht sieht, wo es nicht unbedingt herrscht. Schon im Jahre 1870 hat es der englische Historiker Carlyle erkannt, und aus­gesprochen. datz der Störer des Friedens der ganzen Welt von llrbeginn ferner Geschichte an Frankreich ist und bleiben wird, solange es eristiett. Wir Deutschen, Nachbaren und zu­nächst Bettoffenen, wissen es sett Ludwig XIV., Melac, Napoleon. Es bedurfte Pomcares nicht. Hätten wir Zett und Mutze und Gleich­mut genug, wir könnten dieses Land bewun­dern wegen seiner Geschlossenheit in autzen- politischen Dingen. Wir könnten es auch be­wundern wegen seiner trefflichen Regie, der jewettigen Anpassung an den Phrasenschatz der Welt, deren augenblicklicher Erponent em Mann wie Briand ist. Die Verhandlungen m der Kammer waren ein Musterbeispiel. Der Versuch, die klare Linie amerikanpch- ftanzösischer Verhandlungen durch Hinein- ziehen Deutschlands zu verwirren, ist ausge­zeichnete Diplomatie. Die Sache hat nur einen Haken: Die Demokratisierung, dre innere Entwicklung der Welt ob sie uns patzt oder nicht erscheint so wett vorge­schritten, datz die Frage aufgeworfen werden mutz, ob es möglich ist, mit den Methoden der Franzosen,.d. i. dem reinen Militarismus auch für die kommenden Zeiten Effolge zu sichern. Die Isolierung, m der sich Frani- reich befindet, ist der Ausdruck dafür, datz diese Frage ein Problem geworden ist.

Sind die Gegensätze schon so stark, ist die Friedenssehnsucht der Reuen und der Rllen Well nicht nur im Stande, sondern auch gewillt, dem Störenfried Einhall zu bieten und nicht wie weiland Wilson vor Clemenceau wieder zu kneifen? Es scheint daß Die wittschaftliche Erkennt­nis der Weltnot den diplornattschen Kün­sten der Franzosen (Abbruch der Vechand- lungen, geschickte Gegenforderungen) ent« geaenstekst. Wir Deutschen haben nichts anderes zu tun, als uns in diese Ausein-