SberlMsche
Jettun y
Stellungskrieg in Paris
Marburger rsgesMzeM
Dienstag, denZY.ZLMlM
SeWche
Laildeszeitms
Der Anzeigenpreis beträgt füf den 11 gespult. Zeilemnillimeter 0.08 GM„ sog. kleine Anzeigen irnd Familienanzcigen bei Barzahlung 0.07 GÄL. anrtl. und anewärtige AnzetgenO.IO GM. Grundscbrist: §olonel. Bei schwierigem Satz sowie bei Platzborschrtst 50’1» Aufschlag — Sammelanzetge» 100*1« Aufschlag Reklam.-Milltm. 0.40 GM Grundschrift > Petit. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt.
Ziel 5 Tage.
Sifert«n<Vebühr: 25 Pfg. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.
9W9 68. Sohrs MarbUgv.Mn
Die .Oberhessische Zeitung' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monallich 2.20GM.aus- schließl. ZusiellungSgebühr, durch die Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik. Maschinendefekt oder ele- Buntatt Ereignisse ausfallende Runmrer» wird kein Ersatz ge* -> leistet. Verlag. Dr. §. Hiheroth. Druck der Univ-Buchdruckerei Z»h. Ang. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 54 und Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. W- Rr. 5015. - Sprechzeit d« Redaktion bon 10—11 und »/,!—! Uhr.
Anzeiger für (bas frühere kurhesfifche) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg
Die Pariser Verhandlungen festgefahren - Ablehnung der amerikanischen Vorschläge durch Frankreich
Das Angebot des Präsidenten Hoover legt Wert darauf, datz die von Deutschland 1931/32 zu bezahlende Annuität erst nach 25 Jahren geleistet werden soll. Die französische Regierung hat dagegen in ihrer Antwort" erklärt, datz dieser Betrag am Ende des zwölfmonatigen provosorischen Moratoriums fällig werden müsse. Die französische Regierung
„Frankreich kann
fk. Paris, 30. Juni. Zu der Unterbrechung der amerikanisch-französischen Verhandlungen erklärte einer der beteiligten Minister folgendes: „Washington hat nunmehr das Wort. Man mutz aber zugeben, datz Deutschland die Angelegenheit nicht erkeichtet' - wird. Sicher sollte alles zum 1. Juli fertig sein, aber wir können nicht schneller gehen. Wir sind jedoch nach wie vor optimistisch über den etwaigen Ausgang der Verhandlungen."
Ministerpräsident Laval betont, datz er Mellon in Ucbereinstlmmung mit allen Regierungsmitgliedern geantwortet habe.
Er sagte dann wörtlich: „Präsident Hoover kann sich hinter seinen Kongretz verschanzen und ich verschanze mich hinter die Kammer, die ihrer Meinung Ausdruck gegeben hat. Ich fühle, datz wir an der äutzersten Grenze der Zugeständnisie angelangt sind. Die französische Oeffent- lichkeit würde nicht begreifen, datz wir noch weiter gingen. Ich bleibe aufrichtig aber fest. Am Mittwoch werden wir wissen, woran wir find."
Pertinax sagt im „Echo de Paris", Deutschland habe in den bisherigen Der-
UNS zwingen"
Unverschämte Sprache der Franzosen
fk. Paris, 30. Juni. In einer Besprechung zwischen Schatzsekretär Mellon «nd den französischen Ministern am Montag abend, wurde die Aussetzung der Verhandlungen, die am Nachmittag und Abend ergebnislos geführt wurden, beschlossen.
Die Tatsache, datz eine neue Zusammenkunft erst am Mittwoch vormittag vorgesehen ist und somit der von Hoover vorgeschlagene Zeitpunkt für das Inkrafttreten seines Vorschlages nicht mehr eingehalten werden kann, hat in französischen Kreisen grotze Bestürzung hervorgerufen. In der amerikanischen Botschaft in Paris herrscht angesichts der Vertagung der Verhandlungen Lutzerster Pessimismus «nd man hält es nicht für ausgeschlossen, datz der gesamte Hooverplan ins Wasser fällt, da die Franzosen in keinem der wesentlichen Punkte «ach- gegeben haben. ________
In Washington, das in ständiger radiotelephonischer Verbindung mit Schatzsekretär Mellon steht, erklärte llntrr- staatssekretär Castle, datz Amerika auf keinen Fall für eine doppelte Jahreszahlung Deutschlands nach dem Moratoriumsjahr zu haben sei.
Die belgische Regierung hat in ihrer Antwort an Hoover dem Vorschlag grundsätzlich zugestimmt, jedoch besondere Verhandlungen hinsichtlich der Lage Belgiens in Aussicht gestellt.
Paris, 29. Juni, lieber den Ministerrat, der heute abend unter dem Vorsitz des Präsidenten Doumer im Elyfee stättfand, wurde lediglich folgendes- Com- muniouft ausaegeben:
Ministerpräsident Laval hat über den Stand der Verhandlungen mit dem amerikanischen Schatzlekretär Mellon und dem amerikanischen Botschafter in Paris Bufschlutz gegeben.
3u dem heute abend abqehaltenen Ministerrat, der sich mit dem Vorschlag Hoovers beschäftigte, berichtet die Havas- Agentur: Das Kabinett hat sich einmütig über die Notwendigkeit geeinigt, datz die französische Regierung sich nach der Abstimmung in der Kammer, an den Text ihrer Antwort vom 24. Juni halten müsse Die Meinungsverschiedenheiten, die Paris und Washington trennen, sind bekannt.
Frankreich schlägt vor, datz die durch das Moratorium verfügbar werdenden Summen nicht nur zur Besierung des Kredits Deutschlands, sondern auch der anderen mitteleuropäischen Länder verwendet werden, bei denen die Aussetzung der Poungzahlungen finanzielle und wirtschaftliche Störungen Hervorrufen kann. Die Vereinigten Staaten dagegen wollen ihre Bemühung lediglich auf die Wiedererhebung Deutschlands richten. Frankreich fordert andererseits vor Ablauf des zwölfmonatigen Moratoriums die Prüfung von Mahnahmen, die deutscherseits im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Zahlungen ergriffen werden müsien. Hinsichtlich dieses wichtigen Punktes hat, wie es scheint, Frankreich, der Hauptgläubiger Deutschlands, weder seitens der Vereinigten Staaten noch Deutschlands die erforderlichen beruhigenden Versicherungen erhalten.
Amerikanisches Communiquä.
fk. Washington, 30. Juni. Rach langen Beratungen mit dem Präsidenten Hoover gab Unterstaatssekretär Castle gestern abend über die Verhandlungen zwischen Schatzsekretär Mellon und dem französischen Ministerpräsidenten Laval ein formelles CommuniquS aus, in dem es heitzt, datz die französische Regierung die einzige Regierung sei, die sich nicht einmal formell mit dem Hooverschen Vorschlag einverstanden erklärt habe.
Castle sagte wörtlich: „Soweit wir unterrichtet sind, haben jetzt sämtliche Regierungen im Prinzip de« Plan des Präsidenten Hoover zngestimmt. mit Ausnahme der französischen Regierung.
Es haben sich einige Schwierigkeiten ergeben. den französischen Standpunkt Mit dem Geist des Vorschlages des Präsidenten Hoover in llebereinstimmung zu bringen.
Die italienische Einladung.
Berlin, 29. Juni. Aufgrund der deutschen Anregung weiterer freundschaftlicher Aussprachen entsprechend der m Chequers stattgehabten Zusammenkunft hat der ialienische Ministerpräsident den deutschen Reichskanzler und den Reichs
hat heute abend „in einem Gefühl des Entgegenkommens" beschlossen, diese Frist von einem Jahr auf fünf Jahre zu verlängern: aber das ist, wie es scheint, das einzige Zugeständnis, das der Ministerrat zu seinem anfänglichen Plan annehmen zu müssen geglaubt hat, ohne datz „das geheiligte Recht Frankreichs auf Reparationen" beeinträchtigt wird.
Handlungen eine ganzbestimmte Rolle gespielt. Die Reichsregierung habe nicht einmal den Hooverplan aügswartet, denn schon am 17. Juni habe der deutsche Botschafter dem französischen Finanzminister gesagt, datz Deutschland von dem Recht des Moratoriums Gebrauch mache« werde. Der Botschafter habe schon damals hinzn- gefügt, — und das habe man bisher immer verschwiegen — datz die deutschen Zahlungen niemals wieder ausgenommen werden würden. Laval «nd Briand hätten später dem Reichskanzler «nd den Autzenminister eingeladen, bereits am 27. Juni nach Paris zu kommen, «nd an den Verhandlungen teilzunehmen. Beide Reichsminister hätten jedoch abgesagt. — Selbst bei einem Scheitern der amerikanisch-französischen Besprechungen würde sich die Lage Frankreichs nicht verschlimmern, dank ihrer finanziellen Macht, durch die die französische Regierung immer Deutschland ihren Willen anfzwingen könne. In gewifier Hinsicht wäre es für Frankreich sogar vorteilhaft, nnmittelbar mit Deutschland mfter Ausschaltung Amerikas zu verhandeln.
autzenminister durch Vermittlung des italienischen Botschafters in Berlin zu einem Besuch in Rom in naher Zukunft em- laden lassen. Der Herr Reichskanzler und der Herr Reichsaußenminister haben die Einladung des italienischen Mimsterprast- denten mit Dank angenommen. Der Zeitpunkt des Besuches bleibt späterer Vereinbarung vorbehalten.
In italienischen diplomatischen Kreisen Wird, wie die Rgenzia Stefani meldet, der Gedanke einer Reise von Dr. Brüning und Dr. Gurti us nach Rom günstig cmf- genvmmen, aber man hält es für wünschenswert, daß dieser Besuch nicht vor dem ongekündigten Zusammentreffen der beiden deutschen Staatsmänner mit dem französischen Ministerpräsidenten Laval und Außenmstüster Briand stattfinde. In den gleichen Kreisen wird der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß dieses Zusammentreffen tatsä<Mch einen segensreichen Einfluß auf die französisch-deutschen Beziehungen und infolgedessen mittelbar auch auf die allgemeine Lage Europas aus- üben werde.
Zweiter Empfang H-eschs durch Brmud.
Paris, 29. Juni. Zum zweitenmal hat am heutigen Tage Autzenminister Briand den deutschen Botschafter von
1 Hoejch am Abend empfangen.
Die Rolle Frankreichs
Es scheint, als ob manche Leute in Deutschland noch immer nicht begriffen haben, um was es geht. Mussolini ist zu einer Besprechung bereit mit dem deutschen Reichskanzler, in einer Situation wie der jetzigen ist das, namentlich wenn man Mussolinis sonstige Stellung den Reparationen und zu der Zerstückelung Europas durch die sogenannten Friedens- verträge hinzunimmt, ein unbedingtes rn- ternati onales Plus für uns, das nach Hoovers Borgang und Englands Verhalten rtidjt zu unterschätzen ist. Das hindett den „Vorwärts", das Zentralorgan der stärfften Partei Deutschlands und der führenden preußischen Koalitton, in der auch Brünings Partei vertreten ist, nicht, diesen Mann anzuflegeln. Man geht wohl nicht sehl, wenn man den alten Haß gegen den ehemaligen Genoffen dafür verantwortlich Macht, aber wie sich in diesen Köpfen auswärtige Polittk malt, das möchte man gerne wissen.
Moralische oder innerpolittsche Betrachtungen der auswättigen Politik l-om Standpunkt des deutschen Patteigeistes aus, die Frage, was nützt es meinem Patteistandpunkt. ist leider deutsche Sitte. Richt ohne Geschick werden die auswättigen Geschehnisse dann nach dieser Seite gedreht und gedeutelt. Der Grundsatz „Reckt oder Unrecht, mein Vaterland", der in Ländern mit fester vaterländischer Tradition eine Selbstverständlichkeit ist, kann sich bei uns nicht durchsetzen, obwohl uns eben ein Land wie Frankreich wieder einmal ein Beispiel glänzender innerer Disziplin in immerhin schwieriger Lage gibt. Rach der Riederlage in Men bei der Ereditanstalt jetzt Hoovers Vorstoß!
Frankreich ringt äußerlich um die Aufrechterhaltung der Vetträge. innerlich um dre Aufrechterhaltung seiner Welt- und Lebensauffassung. die die Freiheit Frankreichs über» da bedroht sieht, wo es nicht unbedingt herrscht. Schon im Jahre 1870 hat es der englische Historiker Carlyle erkannt, und ausgesprochen. datz der Störer des Friedens der ganzen Welt von llrbeginn ferner Geschichte an Frankreich ist und bleiben wird, solange es eristiett. Wir Deutschen, Nachbaren und zunächst Bettoffenen, wissen es sett Ludwig XIV., Melac, Napoleon. Es bedurfte Pomcares nicht. Hätten wir Zett und Mutze und Gleichmut genug, wir könnten dieses Land bewundern wegen seiner Geschlossenheit in autzen- politischen Dingen. Wir könnten es auch bewundern wegen seiner trefflichen Regie, der jewettigen Anpassung an den Phrasenschatz der Welt, deren augenblicklicher Erponent em Mann wie Briand ist. Die Verhandlungen m der Kammer waren ein Musterbeispiel. Der Versuch, die klare Linie amerikanpch- ftanzösischer Verhandlungen durch Hinein- ziehen Deutschlands zu verwirren, ist ausgezeichnete Diplomatie. Die Sache hat nur einen Haken: Die Demokratisierung, dre innere Entwicklung der Welt — ob sie uns patzt oder nicht — erscheint so wett vorgeschritten, datz die Frage aufgeworfen werden mutz, ob es möglich ist, mit den Methoden der Franzosen,.d. i. dem reinen Militarismus auch für die kommenden Zeiten Effolge zu sichern. Die Isolierung, m der sich Frani- reich befindet, ist der Ausdruck dafür, datz diese Frage ein Problem geworden ist.
Sind die Gegensätze schon so stark, ist die Friedenssehnsucht der Reuen und der Rllen Well nicht nur im Stande, sondern auch gewillt, dem Störenfried Einhall zu bieten und nicht wie weiland Wilson vor Clemenceau wieder zu kneifen? Es scheint daß Die wittschaftliche Erkenntnis der Weltnot den diplornattschen Künsten der Franzosen (Abbruch der Vechand- lungen, geschickte Gegenforderungen) ent« geaenstekst. Wir Deutschen haben nichts anderes zu tun, als uns in diese Ausein-