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Nr.m 66. aalte Marburg O.LM

Montag, den rs. Suni ISA

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Frankreichs neueste Taktik

Man will Deutschland in die ftanzöflsch-amerikanischen Verhandlungen hineinziehen Ablehnung m Berlin Pariser Reise erst nach Beendigung der Konferenz Auch deutsch-italremsche Zusammenkunft

SbecheMche

Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhessen

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

fl. Paris, 29. Ium. die franzo- sisch-amerrkanischen Verhand­lungen werden am heutigen Montag in vollem Umfange wieder aus­genommen. Es steht fest, daß die französische Regierung allen finanzielle« Erleichterungen Deutschlands gegenüber sehr ernste politische und wirtschaftliche Garantien fordert.

In Pariser politischen Kreisen rechnet man damit, daß der Besuch Brü­nings «nd Curtius in Paris nicht vor Ende Juli stattfindet.

In Washington ist man über den Aus­gang der Verhandlungen nach wie vor sehr optimistisch. *

Aach demMatin" zweifelt man in französischen Kreisen nicht mehr daran, das'»heute oder morgen die französischen Wilster und die amerikanischen Vertreter si-si über die Inkraftsetzung des HoovervorschlageS einigen werden. Man sei in Paris der Ansicht, daß die B. 1.3. schon Mittel finden werde, um die Respektierung des Grundgedankens von Hoover mit den französischen Wünschen in Einklang zu bringen. Von Oesterreich, das ja ebenfalls finanzielle Bedürfnisse vorbringe, spreche man in diesem Zusam­menhang allerdings nicht. Rach Ansicht desMatins" sollen diese Detai-ls bald ge­regelt werden. Jedoch sähe man. auch wenn die Franzosen und die Amerikaner sich verständigen könnten, noch keine Ver­ständigungsmöglichkeit zwischen Deutsch- vnd Frankreich. Das Blatt aber hofft, dah auch diese sich in einigen Tagen er­geben könnten.

WährendMatin" sich über die am Sonnabend durch Ministerpräsident Laval mit Botschafter von Hoesch eingeleiteten Verhandlungen nicht ausspricht, gibt Journal" folgende Zusammenstellung über die französischen Forderungen:

1. Fortsetzung der Sachlieferungen, so­weit noch Verträge laufen; .

2. Zinszahlungen für die ungeschützten Annuitäten;

3. Verteilung der Annuitäten nicht nur zu Gunsten Deutschlands sondern an alle durch das Feierjahr geschädigten mittel­europäischen Staaten;

4. Abmachungen über die Rückzahlung der geschützten Zahreszahlungen, die, wie es scheint, Frankreich schon 1932 fordere, was für das Finanzjahr 1932/33 eine doppelte Boungzahlung aus­machen würde.

Wie L'Ordre zu wissen glaubt, habe Bot­schafter von H o e s ch bereits mitgeteilt, dah die deutschen Minister sich nicht dazu bereit finden würden, die wirtschaftliche oder finanzielle Frage mit der allgemeinen Polittk Deutschlands m Verbindung zu bringen oder anders gefaßt, diese wirt­schaftlich oder finanzielle Frage nicht unter dem Gesichtspuntt bettachtet zu wissen, dah sie einen direkten Einfluß auf die Außen­politik haben könnten.

Die offizielle Einladung.

Paris, 28. Juni. Wie Havas be­richtet, empfing Ministerpräsident Laval heute abend im Beisein von Autzemmm- ster Briand und Staatssekretär für Volks­wirtschaft Francois-Poncet den deutschen Botschafter v. H o e f ch. Die Unterredung galt dem Moratoriumsvorschlag des amerikanischen Präsidenten Hoover und den damit zusammenhängenden Fragen.

Deutsch-italienische Zusammenkunft.

Berlin, 28. Juni. Es bestättgt sich, dah die italienische Regierung mit der deutschen Regierung in einen E e - dankenaustausch über eine deutsch-italienische Aussprache nach dem Muster der deutsch-englischen Aussprache eingetreten ist. Eine formelle Einladung der italienische Regierung an

den Reichskanzler und Reichsauhenmim- ster nach Rom ist jedoch. vorläufig noch nicht ergangen. Es ist daher auch noch unsicher, wann die deutsch-italienische Zu­sammenkunft stattfinden wird. Deutscher­seits wird jedoch bereits schon jetzt der Ge­danke einer eingehenden Aussprache mit den italienischen Staatsmännern auf das Wärmste begrüht.

Um was es geht...

Frankreich verlangt das Recht der Kontrolle und Verzicht auf den deutsch-französischen Zollpakt

Paris, 28. Juni. Bisher haben sich zwischen der amerikanischen und der fran­zösischen Auffassung drei Haupt­punkte herausgeschält, über die noch Meinungsverschiedenheiten bestehen.

Amettka wünscht einmal,' daß der ge­samte Betrag des ungeschützten Teiles der Trib ute lediglich Deutsch­land und zwar zinslos wieder zur Verfügung gestellt wird, während Frank­reich auch die kleinen mitteleuropäischen Staaten daran teilhaben lassen will.

Die französische Regiarung wünscht außerdem, daß die B.I.Z. die Garan­tie für die Anleihe übernimmt, die sie mit dem ungeschützten Teil der Tribute an Deutschland eröffnet. Wie in ameri­kanischen Kreisen verstautet, soll sich Mel­lon jedoch nachdrücklichst dagegen gewehtt haben.

Schließlich steht dir französische Regie­rung noch auf dem Standpunkt, dah es un­möglich sei, Deutschland so weitgehende fi­nanzielle Erleichterungen zu gewähren.

ohne dafür sehr ernste politische und wirt­schaftliche Garantien zu erhalten. ES liegt in der Absicht Frankreichs, eine genaue Kontrolle über die Anwendung der freiwerdenden Tributgel­der auszuüben. Unter diesem Gesichts­winkel ist auch die Unterredung des deut­schen Botschafters mit Laval, Briand und Flandin zu bettachten. Laval verlangte von der Meichsregierung ganz bestimmte Garantien über ihre friedlichen Absichten und ihren ehrlichen Wunsch einer Zu­sammenarbeit. Er soll bei dieser Gelegen­heit darauf hingewiesen haben, dah sich Deutschland verpflichten müsse, auf die Durchführung der Zollunion mit Oesterreich zu verzichten. Ferner verlangte er die Versicherung, dah weder die Reichsmarine noch das Reichsheer in irgendeiner Weise etwas von den frei­werdenden Geldern erhalte.

Am Sonntagmittag war der amerika­nische Schatzkanzler Gast des französischen Ministers Flandin. 1

Em Riesenbrano

Die holländische Abteilung der Pariser Kolonialausstellung vernichtet

Paris, 28, Juni. Im holländischen Pavillon der Kolonialausstellung brach in den frühen Morgenstunden tm Schal­terraum ein Feuer aus, das sich m wenigen Minuten auf das ganze Gebäude ausdehnte und schließlich auch auf yoet kleinere gegenüberliegende Gebäude Über­griff. Der Wächter des Pavillons horte gegen 5 Uhr morgens mehrere Explo­siv n e n, die aus der Garderobe zu kom­men schienen. Als er die Tür öffnete schlugen ihm die Flammen entgegen.

Durch den entstandenen Durchzug gelangte das Feuer ins Innere des Gebäudes, und bald war der gesamte Komplex der holländischen Ausstel­lung nur ei» einziges Flammenmeer.

Auf den AlarmEroßfeuer",Menschen­leben in Gefahr", eilten sämtliche Pariser Feuerwehren an die Brandstätte und gaben aus 20 Rohren Wasser.. Trotz größter Bemühungen gelang es nicht, das Prachtgebäude mit seinen vielen kleinen Türmen zu retten, das stets der An- ziehungspuntt für viele Tausende von Zuschauern war. Der hollandifch e Architekt, bet die Bauarbeiten gelei­tet hatte, lief weinend um den brennen­den Flammenherd und versicherte, daß mehr als 25 Jahre ernster Arbeit not­wendig gewesen seien, um alle die felte-

nen Gegenstände in den holländischen Kolonien zusammensuchen, die im Innern des Gebäudes aufgestellt waren.

Bon der holländischen Abteilung ist nichts als ein einziger Schutthaufen übrig geblieben. Der Sachschaden soll sich auf 10 Millionen Gulden belau­fen. Die Ursache des Brandes liegt nach Ansicht der Ingenieure in einem Kurzschluß, der im Schalterraum ent­standen ist.

Bestürzung in Amsterdam.

Amsterdam, 28. Juni. Die Kunde von der Zerstörung des holländischen Pa­villons der Pariser Kolonialausstellung hat in Holland große Bestürzung hervorgerufen. Die in ihren Folgen für die Kolonialwissenschaft, die Kulturge­schichte und den Kunstmartt beinahe un­ermeßliche Katastrophe bildete heute tn Amsterdam überall das Tagesgespräch. Der Schaden wird zwar zum größten Teil durch Versicherung gedeckt, aber diese geld­liche Vergütung kann die Vernichtung so vieler Sammlungen nicht ungeschehen machen. Der Inhalt des holländischen Pa­villons stammte sowohl von der Nieder­ländisch-Indischen Regierung und einzel­nen indonesischen Fürstenhäusern, wie auch von Privatsammlern und vom ethno­graphischen Museum in Leyden.

Die Berliner Auffassung

Berkin, 28. Sinti. 3n dem Kampf um die Durchführung des, Hoover- Planes ist eine Pause eingelegt;. am heutigen Sonntag hat sich nichts ereignet, was die Verhandlungen vorwärts getrie­ben hätte. Die von einem Teil der Presse für Sonntag abend erwartete Kabmetts- sitzung hat nicht stattgefunden. Zwar sind die besonders beteiligten Munster des Reichs- kabmetts dauernd in Fühlung; eine Kam- nettssitzung wird aber erst abgehalten wer­den, wenn die Verhandlungen zwischen Mel­lon und der französischen Regierung, die am Montag zu Ende gehen sollen, zu entern Er­gebnis geführt haben.

In Berliner volitischen Kreisen wird nach wie vor der Standpunkt oertreten, daß es sich immer noch um eine amerikanische Aktion handelt, in die die Reichsregierung nicht eingreifen tarnt. Unter diesem Gesichts­punkt dürfte Botschafter von Hoesch am Sonnabend abend den Versuch der ft an wu­schen Regierung beantwortet haben, Deutsch- lanb in die Verhandlungen hinetnzuziehen. Die Zurückhaltung der Reichsregierung in die­sem Stadium ist um so angebrachter als eine Reihe von Anzeichen darauf schlichen lassen, dah Frankreich zwar bereit ist, finan­ziell den Wünschen der Amerikaner stark ent­gegenzukommen, dafür aber bestimmte politische Zugeständnisse, eintau­schen möchte, wobei in erster .firme wieder an die Zollunion gedacht ist.

Da an der festen Haltung des Präsi­denten Hoover solche politischen Handels­geschäfte schettern dürften «nd der fran­zösischen Regierung auch wohl bekannt geworden ist, daß die Verhandlungsvoll­macht Mellons sich in recht engem Rahmen hatte, wird franzosiicherseits mit besonderem Eifer der Versuch gemacht, Deutschland in die Pariser Verhandlun­gen hineinzuziehen, um auf diesem direk­ten Wege mehr zu erreichen. In Hret» sen der Reichsregierung besteht l.edoch nicht die Absicht, die bisher verfolgte Linie der Zurückhaltung aufzugeben, «he zwischen den beiden in dieiem <sta» dium hauptbeteiligten Machten Klarheit geschaffen ist.

Dieser Grundsatz gilt auch weiter, für die Frage des deutschen Besuches tn Pa­ri s. Die offizielle Einladung.der französischen Regierung liegt zwar vor, ein Termin für die Zusammen­kunft ist aber auch bis jetzt noch nicht ver- embart worden, da die Reichsregierung daran festhalt, dah die Durchführung des Soover- Planes zunächst sicheWestellt sein muh Von unterrichteter Teste wirb hierzu betont, batz der Kanzler und ber Au h en Minister nicht dieAbsicht haben, sich bet der Pa- riser Begegnung in ein Feilschen um dieses oder jenes politische Einzelproblem emzulas- sen, sondern dah es daraus ankommt, dem Sinne der Anregung entsprechend, m verttau- licker Aussprache über die grohe firme der dnstsch-ftanzösischen Politik die Basis, ür ernt Wiederannäherung der beiden Volker zu schäften. Der grohe Rahmen dieser Aus­sprache kommt auch in der Haltung der iftal ionischen Regierung zum Aus­druck. Zwar liegt noch keine italienische Einladung vor, doch hat Mussolini anfragen lassen, ob die Reichsregrerung bereit wäre, einer solchen Folge zu leisten. Dag darauf mit herzlicher Zustimmung geantwortet wor­den ist, ist selbstverständlich,, und man kann nun darauf rechnen, dah die Einladung tn den nächsten Tagen ergehen wird. Die Geste Mussolinis wirb in Berliner polttpchen Krei­sen besonbers beshalb begrüßt, weil sie ge­eignet ist, bett Sinn ber Aussprache zwischen ben deutschen und ben Ministern ber anderen Hauptmächte darzutun, ber tn ber großzügigen Anbahnung einer allgemeinen Verständigung unb Zusammenarbeit liegt

Washington noch immer optimistisch.

Rewyrrk, 28. Juni. In Washing­ton ist man über den Ausgang der Pari­ser Verhandlungen nach wie vor opti-