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Aus den Tagen des Freiherrn vom Stein, erzählt von Fritz Kempf.
Im Schlotzpatt zu Nassau an der Lahn stecken die kahlen Buchenkronen leise flüsternd die Köpfe zusammen. Etwas Autzergewöhn- liches hat die Bäume aus dem Winterschlaf geweckt:
3n den letzten Nächten bringt bald hier, bald dort aus den dicht verhangenen Fenstern des Schlosses ein Lichtschein heraus. • Und in der Morgenfrühe hält stets ein Leiterwagen vor dem Portal, der geschwind und laut'os von wenigen Männern mit den mannigfaltigsten Kisten und Bündeln beladen wird, ehe das Rumpeln der Räder im Nebel des Januartages verklingt.
Sollten freche Spitzbuben hier ungestraft einen Raubzug im großen wagen, wohl wissend, daß des Schlosses Besitzer, der Freiherr vom Stein, sein Gut nicht zu schützen vermag, weil er seit Jahr und Tag dort oben int Norden in das Schicksal des preuhischen Staates mit Meisterhänden eingreift? Wie erstorben liegt der uralte Bau wieder da. Ein letzter Schatten huscht hinter den Fenstern vorbei, die Lichter erlöschen, und nach einigen Augenblicken tritt ein einzelner Mann aus der Pforte hinaus in den Schlotz- hof. Ah . . . die Bäume erkennen beruhigt in ihm den Amtmann der Steinschen Güter, den Rat Wieler. Dumpf schlägt die Eichentür hinter ihm zu, und ein mächtiger Schlüssel,
den er mit fester Faust zwingt, sich zweimal zu drehen, schließt endgültig das Haus seines Herrn ab.
Doch was hält den treuen Diener noch länger an dieser Tür zurück? Die Buchen- äste stecken erwartungsvoll ihre Zweige dorthin. Da trifft ein erster Sonnenstrahl das Portal: Rat Wieler löst mit hartnäckiger Geduld noch den Klöpfel von der Haustür ab.
Ein merkwürdiger Eifer um einen merkwürdigen Gegenstand! Es ist ein metallener Eselskopf mit gutmütigen Äugen, die von unten schier forschend emporblicken, als wollten sie jeden, der die Ohren cmfaßt und schüttelt (um damit den Wunsch nach gastlicher Aufnahme lautbar zu machen) etwas ipöttisch ersuchen, im Hause des Reichsgrafen jedweden falschen Schein und alles unechte Getue zu unterlassen.
Ein paarmal noch nickt der Eselskopf mürbe« voll gegen das Eichenholz, dann ergibt sich der treue Wächter in sein Los und fällt in die Hände des Verwalters. Der birgt ihn unter der Jacke und eilt feiner Amtsstube zu. Kein anderer Mensch hat den Vorgang beobachtet. Und doch sind noch zwei lebendige, kleine Augen verständnisvolle Zeugen gewesen. Sie gehören einem Raben, der dort oben auf der Buche sitzt. Der weise Vogel hat einen langen Flug hinter sich. Denn, wie er dem Baume erzählt, trieb er sein Wesen vor kurzem auf den spanischen Schlachtfeldern, wo ein tapferes Volk feine Freiheit gegen den Korsen blutig verteidigt. Er sah
und hörte auch, wie Napoleon im Lager von Madrid aus maßlosem Zorn den „nontme Stein" zum Feinde der großen Na- Ztion erklärte, dessen Güter beschlagnahmte und dessen Leben für verwirkt verkündete. Da hielt es den klugen Götterboten nicht länger am Futterplatz. Er flog, besorgt um das Schicksal von Deutschlands großem Sohne, über Gebirge, Ströme und Länder der Heimat zu. Im Frühlicht dieses Wintertages senkten sich seine Schwingen in stolzem Bogen über jenem bewaldeten Bergkegel mit den zerfallenen Mauerresten der Stammburgen Nassau und Stein hinab ins Tal und zum Schloß. Und nun sieht er voll Freude, wie treue Diener das Gut des Geächteten recht- zeillg in Sicherheit bringen. Er hat hier genug erkundet und stößt mit mächtigem Flügelschlag wieder hinweg, der aufgegangenen Sonne entgegen.
Indes hat ber reichsgräfliche Amtmann die Schreibstube erreicht. Er legt den Eselskopf zunächst auf den Tisch und greift nach einigen Papieren. Es sind die Empfangsbeschemi- gungen zuverlässiger Freunde, bei denen das Silberzeug, das Linnen, die Gemälde und die Büchersammlung versteckt wurden. Darm legt er Urkunden und Türklopfer in ehre eiserne Truhe und birgt sie in dem heimlichsten Winkel des Hauses, wo der Feind bei allem Spürsinn sie nimmer entdecken wird.
Rat Wieler hat ohne Auftrag in selbstverständlicher Pflichterfüllung getan, was getan werben konnte: Alles bewegliche Eigentum war jetzt den gierigen Händen entrissen.
und für das unbewegliche mußte der ehrwürdige Klöpfel als Pfand fortdauernden Besitzes sengen. .
Nur die Ungewißheit über das Schicksal des Verbannten Quälte den “Rat. Hätte er den schwanen Vogel auf seinem Fluge nach Osten begleiten können, so würde er mit ihm in tiner der nächsten Nächte in den schlesischen Grenzwäldern einen Schlitten in sausender Fahrt erblickt haben. Drin saß ganz allein, aber hoch aufgerichtet der Freiherr vom Stein. Ein Flüchtling zwar, besten Herz und WMen aber mit ber alten, feurigen Leidenschaft des Glaubens lebten, baß bald über Deutschland ein neuer Morgen tagen wirb.
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Wie bet Freiherr vom Stein berühmt wurde.
Als Napoleon aus aufgefangenen Briefen des Freiherrn ersah, mit welcher (Energie Stein auf die Erweckung des deutschen Freiheitswillens und ine Niederringung Frankreichs hin arbeitete, begnügte er sich nid)' damit, die Entlastung des Ministers zu erzwingen, vielmehr verfügte er, daß überall wo die bewaffnete Macht Frankreichs und de- Rheinbundes feiner habhaft roerbene könne nonrme Stern" ergriffen werden solle Das Aechtungsdeftet aber, das im Vereid des ftanzöstschen Militärs öffentlich angeschlagen wurde, machte Steins Namen erf allgemein bekannt. „Napoleon", fchriel Gneisenau an Stein, „hätte für Ihre er weiterte Eelebrität nichts Zweckmäßigeres hn können. Sie gehörten ehedem nur unseren Staate an, nun bet ganzen zivilisierten SB eit'
Sette 3
ein Elefant stirbt an gebrochenem Herzen
Seit den Aufsehen erregenden Untersuchungen des indischen Pflanzenphystokogen Sir Jagadis Bose wissen wir, datz ein Blumenkohlkopf an „gebrochenem Herzen sterben kann. Da darf es nicht weiter Wunder nehmen, daß auch ein Elefant dem gleichen Leiden erliegt. Diese Behauptung wurde wenigstens kürzlich in Paris in einer Klage vorgebracht, die der Besitzer eines solchen Tiers, das in einem Zirkus das Saxophon zu blasen pflegte, gegen eine Eisenbahnqesellschaft anhängig gemacht hatte. Der Dickhäuter sollte infolge eines durch Verschulden der Gesellschaft eingetretenen Zusammenstoßes gestorben sein. Die Beklagte wandte dagegen allen Ernstes ein, daß „Klein-Mary" an einer unglücklichen Siebe gelitten und an gebrochenem Herzen gestorben sei. Wie sie einen derart riefen Einblick in bas Seelenleben des Elefanten hat tun können, wurde nicht verraten. Jedenfalls schien ber Einwand dem Richter wichtig genug, um daraufhin weitere Beweiserhebungen anzuordnen. Auf bereit Ergebnis darf man gespannt fein, aber in Frankreich ist in Siebesangelegenheiten ja alles möglich, — auch wenn es sich um einen Elefanten handelt
Ameisenfleiß.
Ameisen bedienen sich bekanntlich bet Blattläuse als Zuckerlieferanten. Diese sondern einen süßen Saft ab, den jene aufnehmen und in den Dau tragen. F. Okland stellte Untersuchungen über die dabei in Frage kommenden Mengen an, und zwar mit der roten Waldameise. Er wog mehrfach eine bestimmte Anzahl Ameisen, die zu ihren „Milchkühen", wie man die Blattläuse auch nennt, da sie durch Melk- Bewegungen von den Ameisen zur Abgabe des Saftes veranlaßt werden, eilten, und die gleiche Zahl beladen zurück kehrender. Dabei stellte er fest, daß die einzelne Ameise jedesmal ein Milligramm Zucker« saft davontrug. Daraus berechnete er für eine ganze Kolonie der roten Waldameisen, die durchschnittlich 100 000 Tiere zählt eine Jahresernte von zehn Kilogramm, wobei er berücksichtigte, daß sich nur 20 UOO an der Sammlung beteiligten.
Der Junge, der nicht ins Bett wollte.
Die Eltern find verreist und Karlchen, Herbert, Anton, Erich, Hildegard und Friedel find in der Obhut der Erzieherin zurückgeblieben.
Die Kinder spielen. Zuerst Im Garten, bann im Kinderzimmer. Durch die Bewegung find sie rechtschaffen müde geworden und, nachdem das Abendbrot verzehrt ist, werden sie ins Bott gebracht
Alles geht gut.
Rur ein kleiner blonder Knirps will sich nicht ausziehen lasten und wehrt sich aus Leibeskräften. Die übermüdete Erzieherin versucht es nun gewaltsam, und endlich meldet sich Karlchen:
„Fräulein, der wohnt ja hier garnicht der ist nur zum Spielen mitgekommen."
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SochfchulnaKMtm
X Der durch den Tod von Professor s. Kniep an ber Universität Berlin erledigte Lehrstuhl der Botanik ist dem ordentlichen Profestor Dr. Kurt Roack in Halle angeboten worden. __
x Wie wir hören, hat bet Wiener Nationalökönom Prof. Dr. Hans Mayer einne Ruf an die Universität Kiek als Nachfolger von Prof. A. Löwe erhalten.
X In Berlin-Fried enau verschied am 23. Ium ber frühere Kustos an ber staatlichen Kunstbiblwthek ht Berlin Prof. Dr. Hans Loubiet im 68. Lebensjahre.
5b 148 _______________Oberhestlfche Zrittmg, Marburg a. L, Sonnabend, den 27. I«i 1931________
Dem GeSSckims »es Freiherrn vom Stein zum 100 jübrigen Sebenttag seines Todes am 20. W
„Unsere sittliche Schwäche hat uns ins Verderben geführt, nicht unsere militärische Niederlage bei Jena", schrieb der Freiherr vom Stein im Jahre 1809, zur Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands unter dem Joche Napoleons I., „Wir leben nicht in einer Zeit, wo das Leben eine leichte Arbeit ist. Es erheischt Opfer und Vergessen seiner selbst, Wenn Wir es vermeiden wollen, das kräftige Geschlecht in den Ab» gründ zu ziehen, der sich öffnet, das Gegenwärtige zu verschlingen. Einmal muß man doch diesem Elend gerecht werden. Einmal muß doch der deutsche Zorn er
wachen. Werfen Sie diesen Zorn nicht auf Ihre Mitbürger, wenden Sie nicht nach JMnen, werfen Sie ihn vielmehr mtt aller Kraft, mtt aller Leidenschaft auf den äußeren furchtbaren Feind, und lasten Sie darin nicht nach, bis er vertrieben ist, bis er am Boden liegt!"
Wunderbare Worte! Kräftiger und eindringlicher kann nicht gesprochen werden. Sie gelten, Zug um Zug, ohne jede Aen- derung auf die heutige Stunde: Einhett im JMnern, Kraft nach Außen, das ist der einzige Weg zur Rettung, damals wie letzt!
Der Mann aber, der sie geprägt hat, gehört zu den allergrößten in der Geschichte des deutschen Volkes im Saufe der Jahrtausende, ja er war vielleicht der stärkste an Charakter und Willen, der dem Waterlande je geschentt worden ist. Rur ganz kurze Zeit hat er an entscheidender Stelle gestanden, was er aber während dieser Spanne geWirtt und geschaffen hat zum Aufbau Preußens und Deutschlands, ist von ewigem Wert. Es ragt bis in die Gegenwatt hinein. Trotz der' gänzlichen Umgestaltung aller Dinge steht das heutige Deutschland auf den Schultern des Geists Steins. Hatten Wir an ihm fest. Dann Werden Wir gerettet sein! Nur dann!
Als Sproß eines uralten nassauischen reichsfreien Adelsgeschlechtes 1757 auf der Burg Stein (Lahn) geboren, trat Stein gegen die ileberlieferung der Familie in preußische Staatsdienste und wurde 1796 Oberpräsident von Westfalen, 1804 Minister im Staatsministerium Berlin. Vergebens hatte er 1805, zur Zett als Oesterreich und Rußland mit Napoleon rangen, den König zum Eingreifen in den Krieg zu bestimmen gesucht. So kamen das Unglück von Jena 1806, der Tilsiter Frieden und Preußens Niederbruch 1807. Gleich nach
Das Geburtshaus des Freiberrn diesem Frieden wurde er an die Spitze der ©taatoleitung zum Wiederaufbau berufen. Mtt tiefstem Verständnis für die Erweckung der schlafenden Volksseele, mit eiserner Tatkraft, mit unbeugsamem Willen griff er zu, um den freien Bauernstand, die Städte- ordnung, die Grundlagen der Allgemeinen Wehrpflicht — mit Scharnhorst zusammen — zu schaffen und den neuen Staatsgedanken zu begründen. Kaum ein Jahr hat er gearbeitet und doch schon Größtes geWirft, als er auf den Machtbefehl Napoleons so- sott entlassen werden mußte. Von der Regierung des Königreichs Westfalen zu Kassel seiner Güter beraubt und geächtet, entkam er noch gerade nach Oesterreich. Aber sein Geist in Preußen erlosch nicht. In den Händen Hardenbergs und Scharnhorsts gedieh es im Sttllen weiter, gelenkt nach „Steins politischem Testament", einem Wett, das an Kraft und Klarheit bis heute noch nicht übertroffen Worben ist.
Allein Napoleon sordette anfangs 1812 von Oesterreich die Auslieferung Steins, um ihn richten zu lassen. Jetzt begab er sich nach Rußland, an den Hof des Zaren Alexander I. Hier hat er als Ratgeber Grundlegendes geleistet. Dor allem bestimmte er den Zaren, sich nach der Schlacht von Borodino und dem Falle Moskaus in keine Verhandlungen mit Napoleon einzulassen, sondern den Krieg aufs Alleräußerste wetterzuführen: Der Untergang der „Großen Armee" und die Flucht Napoleons waren die glänzenden Ergebnisse. Nun aber bearbeitete Stein, von Arndt unterstützt, daran, Alexander zum Bündnis mit Preußen und zum Kampfe gegen Napoleon bis zum Sturze des Tyrannen zu bereden, zugleich aber auch mit Preußen Geheimverbindung zur nationalen Erhebung anzuknüpfen. Der Abschluß des Bündnisses zwischen Alexander I. und Friedrich Wilhelm IV. ist in erheblicher Weise dem Einfluß Steins zu verdanken. Nach der Leipziger Schlacht übernahm er die Zentralverwaltung aller durch die Verbündeten besetzten Länder und hat hierbei das Tüchtigste geleistet. Nach dem Kriege 1814 vertrat er Preußen auf dem Weimarer Kongreß und wirkte für Preußens Rechte, zugleich für den deutschen Nationalstaat, auch für die Zurücknahme des Elsaß ttat er, allerdings ohne Erfolg, ein. Dann zog er sich, durch kleinliche Widerstände enttäuscht, aber bis zuletzt unermüdlichen, kerndeutschen Geistes und für die verschiedensten staatlichen und nationalen Fragen tätig, ins Privatleben
vom Stein in Nassau (Lahn).
zurück. Er starb am 29. Juni 1831 auf seinem Gute Kappenberg (Wests.). W'tt ihm erlosch das Geschlecht in männlicher Folge.
Im Freiherrn vorn Stein haben wir einen Mann zu verehren, der in schwerster Zett, als alles wankte, den Kopf hochhiett und mit scharfem Blick, sicherem Gefühl, voraussehender Kühnheit das Rechte ttaf, aber auch durchführte oder den festen Grund zur Durchführung schuf, wo ihm selbst der Boden entzogen wurde. Erfüllt von höchsten Idealen als Staatsmann, Mensch, Christ, legte er die Stufen, auf denen sich Preußen in den Befreiungskriegen zum Sieg durchkämpfte und, wenn nach den Befreiungskriegen auch noch mehr als fünf Jahrzehnte bis zur Reife dahingehen sollten, Deutschland zur nationalen Einheit emporschwingen konnte. Als Beamter nicht bequem, oft leidenschaftlich auf- flammend, selbständig und tatenfroh in höchstem Sinn, erfüllt von Idealen, aber dabei der Mann der Tat, durchglüht vom Feuer der vaterländischen Einheit und der nationalen Kraft — so steht Stein vor der deutschen Nachwelt als Führer, Mahner. Erzieher. Möge fein. Geist über das deutsche Volk kommen! Es tut wahrlich not! <5- I.
Prof. Dr. Wilhelm Elund machte bei der Generalversammlung der Gesellschaft für Kohletechnik die aufsehenerregende Mitteilung, datz es ihm gelungen sei, Eiweiß aus Kohle zu gewinnen. Wenn diese Mitteilung sich bewahrheiten sollte, so wäre die Wissenschaft und die Nährmittelindustrie vor ganz neue Tatsachen gestellt.