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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen Wr Stadt und Kreis Marburg

Hindenburg in Marienburg

Die Schiffskatastrophe

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Montag, teil «Juni 1931

der alten Ordenshauptstadt anwesend sein zu können, um mit Ihnen rückblickend deren Lage zu gedenken, an denen vor 700 Jahren der deutsche Orden seine koloni­satorische Tätigkeit in Preußen begonnen hat. Immer wieder sind während des Auf und Meder dieser 700 Jahre hier int Osten auch die Zeiten schwerster Rot über­wunden worden, wenn fester Wille und einiger Zusammenschluß vorhanden waren. Auch jetzt ist Deutschland und insbeson­dere das vom übrigen Vaterland durch die urcheilvolle Grenzziehung des Versail­ler Vertrages ab getrennte Ostpreußen wieder in einer Zeit harter Bedrängnis,

M.1I7 ßß.MkS. Marburg a. Mn

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Ansprache Hindenburgs.

Dieser dankte zunächst für die vielen Grütze von jung und alt und für die Zei­chen herzlichen Willkommens. Gr fuhr dann fort: ES ist mir eine besondere Freude, gerade irt diesen Tagen in meiner alten Heimat weilen und heute hier in

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Hildeshein, 14, Zuni. Wie die Telegraphen-Union" erfährt, hat Reichs­kanzler Dr. Brüning am Sonntag m der vertraulichen Besprechung des Rmchs- parteivorstandes und der Reichstagsfrak­tion des Zentrums in längerer Rede die außen- und innenpolitische Lage erörtert.

Die Reparationssrage ist nach den Erklärungen des Kanzlers bei den Bespre­chungen von Chequers in Fluß gerom. men.

Der Einberufung des Reichstages und auch einet Umbildung der Regierung widersetzte sich der Kanzler nach oer mit Entschiedenheit.

Reichsarbeitsminister Stegerwald en* gänzte die Ausführungen des Kanzlers m Bezug auf die Notverordnung. Aus seinen Ausführungen war zu entnehmen, daß die Reichsregierung im Augenblick nur eine Abänderungen der Notverordnung ablehnt, daß sie aber zu Verhandlungen über gewisfeErleichterungen be­reit ist.

An den Verhandlungen nahmen außer dem Reichskanzler und Reichsarbelts- minifter Stegerwald noch der Reichsmi- nister Wirth und von EuSrard sowie die preußischen Minister Steiger und Hitt- fiefer ferner der württembergische Staats­präsident Bolz teil.- Die Verhandlungen gestalteten sich sehr lebhaft. Aus der Ver­sammlung heraus wurde scharfe K r r - tik an derNotverordnung geübt.

Reichskanzler Dr. Brüning trat die Rückreise nach Berlin gegen Nachmittag an.

Die einmütige A u f f a s s u n g de r R e i ch s t a g s f r a k t i o n und des Reichs­parteivorstandes wurde in folgender Ent­schließung festgelegt:

Die ernste Lage Deutschlands und die allgemeine Krise, die seine Zukunft be­drohen, zwingen die Zentrumspartel, alle Kräfte einzusetzen und Hörste /Verant­wortung zu tragen. Das deutsche Volk darf in dieser Schicksalsstunde nicht zer­brechen Es will leben! Harte innere Maßnahmen sind notwendig, um dieses Ziel zu erreichen. Gegen Einzelheiten der Notverordnung bestehen auch in der Zen­trumspartei starke Bedenken. Zn Zeiten gesicherter wirtschaftlicher und. politischer Verhältnisie wären einige EinzelbestiM- mungen der Notverordnung unverständ­lich und unerträglich. Um aber die Not zu beheben, um eine geordnete Staats- und Wirtschaftsführung zu sichern, um das Um­sinken in ein Finanz- und Wirtschatfs- und damit in ein politisches Chaos zu vermei­den stützt die Deutsche Zentrumspartei auch heute die Reichsregierung.

*

Zn einer Rede, die Reichsmlnister Dr Wirth im Anschluß an die Tagung des Reichsparteivorstandes des Zentrums in Hildesheim hielt, erklärte dieser, daß der Weg zu einer Erleichterung der Tribut, lasten schon beschritten sei und daß das Zentrum sich seiner Verantwortung fvü und ledig fühle, wenn Volkspartei und Sozialdemokraten zu anderen Entscheidun­gen kämen, als das Zentrum sie erhoffe.

Die drei Hauptfragen

Die Unterredung zwischen dem Rei^- kanzler und Dingeldey.

Berlin, 14. Juni. Ueber die Unter- redung, die der Führer der Deutschen .Volkspartei, Reichstagsabg. D i n g e l - den, am Sonnabend mit dem Reichs­kanzler Dr. Brüning auf. der ^ahrt nach Hannover über die politische Lage gehabt hat, erfährt dieK o I n i s ch e Zeitung" aus maßgeblichen volkspar­teilichen Kreisen, daß im Mittelpunkt der Erörterungen die von der Deutschen Volkspartei aufgeworfenen 3 Haupt-

Berichte der Augenzeugen des Unglücksdampfers Mussen in den Wel- len den Tod gefunden haben.. Die Uw- glücksbotschäft rief in Nantes von wo die Mehrzahl der Verunglückten stammt, eine unbeschreibliche Erregung hervor. Dre ge­naue Zahl der Opfer festzustellen, und die Ursache der Katastrophe zu klaren wird erst am heutigen Montag möglich sem.

'Man hält es für wahrscheinlich,, daß der nur 189 Tonnen große Dampfer überlastet war. Wie einige Frühblätter zu melden wißen, sollen viele Frauen und Kinder an dem Vergnügungsausflug teilgenommen haben. Einige Augenzeugen erklären über­einstimmend, daß beiSt. Philbert schon eine ganze Stund« vor dem Sinken stark Schlagbordseite nach Steuerbord gehabt habe 3m Gegensatz zu anderen Nachrich­ten heißt es, daß der Dampfer noch zwe. Stunden auf den Wellen umherrrrte und von Sturmseen überspült wurde. Diese Be­obachtung läßt die Schlußfolgerung zu, daß et auf ein Riffe oder eine Sandbank auf- aelaufen sein muß. Die Passagiere spran­gen zum größten Teil über Bord oder wur­den von den Wellen mitgeriffen.

Weiter wird gemeldet: Der Dampfer, ein 1923 gebautes, 189 Tonnen großes Schiff von 32 Metern Länge, war mit 480 Personen besetzt, erreichte das Ziel des Ausfluges den Hafen von Roir- moutier gegen 16 Uhr. Als das Schiff dre Rückfahrt antrat, war Sturm etngetreten. Aus diesem Grunde hofft man, daß zahl­reiche Passagiere man rechnet mH 100, die bereits seekrank waren in Noirmou- tier zurückgeblieben ist, daß dadurch die Zahl der Opfer etwas verringert sein ttnnte.

Tatsache ist, daß bis jetzt nur 8 Ueber. lebende gerettet wurden und drei Lei­che« geborgen worden find.

Die Zahl der Personen, die die. Fahtt mit de« AusflugsdampferSt. ^16611 gemacht haben, aber infolge des Sturmes das Schiff für die Rückfahrt nicht benutz­ten, und so ihr Leben retteten, dürfte etwa : 150 betragen.

Der Dampfer war. überlastet ft Paris, 15. Juni. Vor der Loive- MLndung ist Sonntag abend ein Bergnö- gungsdampfer infolge hefttgen Sturmes auf eine Felsenbank aufgelaufen und so- fort gesunken. Man befürchtet, daß Hun­derte von Menschenleben ertrunken sind.

Zu der Schiffskatastrophe wird ergän­zend berichtet: Der Vergnügungsdampfer St Philbert" war am Sonntag vor­mittag von Nantes aus mit 500600 Aus- fluglern an Bord nach der Insel Nonnou- tier ausgelaufen. Die Mehrzahl der Pasia­giere bestand aus Mitgliedern eines Ge­selligkeitsvereins und des Eenosienfchafts- verbandes des Departements Nieder-Lorre. d h vornehmlich aus Arbeitern der Stadt Nantes und des Loire-Gebietes.

Nach einem mehrstündigen Aufenthalt auf der Insel begaben sich die Ausflügler um 15 Uhr zur Rückfahrt an Bord., Nach etwa einftündiger Fahrt erhob sich ein ge­waltiger Sturm. Der kleine Ver­gnügungsdampfer war dem Seegang nicht gewachsen und geriet sehr bald in eine sehr kritische Lage Vermutlich wurde das Un­glück dadurch beschleunigt, daß die Pasia­giere alle nach Steuerbord drängten um vor dem Unwetter Schutz zu suchen.

Eine Sturzsee verstärtte das Ueberge- wicht und brachte die »St. Philbert" mit Seknndengeschwindlgkett zu« ken­tern. -

Die Leuchtturmwärter von Kap St. Gildas waren ohnmächttge Zeugen des Unglücks Sie konnten nichts anderes tun, als die Rettungsgesellschaft von St. Na- zaire zu benachrichtigen, die sofort den SchlepperPornic" entsandte. Bald darauf lief der Lotsendampfer aus. Um 23 Uhr kehrten die beiden Fahrzeuge in den Hafen zurück und bestättgten Den furchtbaren Umfang der Katastrophe.

Der Lotsendampfer hatte 7 Ueberlebende und eine Leiche an Bord, während der Schlepper den österreichischen Staatsange- höttgen Jelinek und drei Frauenleichen geborgen hatte. Alle übrigen Fahrgaste

und gerade in Ostpreußen find Kummer und Sorge in vielen Familien ungebetener Gast. Aber wir dürfen dennoch nicht ver­zagen. Wie unsere Vorfahren in zäher Ausdauer und unverbrüchlichem Goüver- trouen auch die schwersten Zahre über- wanden, so müssen auch wir der Krise der Gegenwatt Herr werden. Freilich: innere Einheit und geschlossene Widerstandskraft des ganzen deutschen Volkes sind ,Voraus­setzung für die Ileberwindung dieser, die deutsche Wirtschaft so schwer bedrückenden Avt und zur Erringung einer besseren Zu­kunft.

Marienburg, 14. Juni. 2" Ma- äenburg fand am Sonntag die 700-Jahr- feier des deutschen Ordenslandes statt. Die alle Ordensstadt war über und über mit Flaggen und Guirlanden geschmückt. Eine Wrenkompanie der Reichswehr, Danziger Korporationen, die Kreis-Kriegerverbande ans Mattenburg und den Rachbarstadten, der Stahlhelm, die Wehwerbände, Schüt­zen, das Reichsbanner, Vereine und ^u- fen hatten am Vormittag mit ihren Ban­nern Aufstellung genommen, um Hinden- hara zu erwarten. Um 11 Uhr begannen die Glocken zu läuten und pünkttich rollte das Auto mit dem Re i chspräsi deu­ten flankiert von sämtlichen Reitervereinen mrch das Marientor ein. Auf der Fahtt von Reudeck nach Marienburg war Hin­denburg unterwegs allenthalben stürmisch begrüßt worden. Vor dem Rathaus hatten die 320 Schauspieler des FestspielesDar- Holomäus Blume" in ihren Trachten Auf­stellung genommen und der Schauspieler Karl Wüstenhagen vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, der Träger der Titelrolle, begrüßte Hindenburg mit einigen Versen. Sodann überreichte die Tochter des ersten Bürgermeisters Pawel- ttk dem Reichspräsidenten die goldene Festspielmedaille. Am Abstimmungsoenk- mal legte Hindenburg einen Kranz nieder.

Der erste Bürgermeister Pawelzik begrüßte den Reichspräsidenten als den Vater des Vaterlandes. Der Reichsprä­sident dankte für die Begrüßung und sprach dann längere Zeit mit dem Danziger Se­natspräsidenten Dr. Ziehm, der aus Dan­zig nach Marienburg gekommen war. Wei­ter ging die Fahtt zum Schloß. Im inne­ren Schloßhof hatte eine zweite Ehren­kompanie Aufstellung genommen und unter den Klängen des Präsentiermarsches schtttt der Reichspräsident die Front ab. In­zwischen versa mmellen sich in demGro­ßen Remter" die Vertreter der ostpreußi­schen Behörden, der Wittschaft und der Wissenschaft zu dem Festatt.

Hier ergriff der Präsident des Provin- ziallandtages der Provinz Ostpreußen, Wittl. Geh. Rat Dr. von Be rg das Wott. Sein Gruß und Dank gatt dem Reichspräsidenten, den er als ein Vorbild der Schlichtheit, Opfersreudigkett, Gute und Stätte und als den Retter Ostpreußens vor russischer Ueberflutung pries. Auch dem Reichsminister Treviranus und dem Dettreter der preußischen Regierungsowte allen übrigen Gästen dantte der Redner herzlichst für ihr Erscheinen.

In einer groß angelegten Festrede ging sodann Obetttudienrat Dr. Schumacher- Marienwerder auf die 700jährige Geschichte des Pveußenlandes ein, die nicht so schr ein Kapitel der deutschen Kriegsgeschichte ÄS deutscher Kulturpolittk, deutschen Wei­hes und deutscher Volksbewegung sei. Rach einem historischen Rückblick auf die KttegS- zeit und einem Hinweis auf die in diesen Jahren gelittene Rot der Ostpreußen und der Opfettoillig^it des gesamten deutschen Volkes schloß Dr. Schumacher, die heutige Festfeier möge Europa erneut ins Ge­dächtnis rufen, daß das alte Ordens­land einst der Vottämpfer des Chttsten- tlnns gegen das Heidentum gewesen sei, wie es heute wieder ein Bollwerk gegen die Feinde und Verächter der abendländischen Kultur ist. Rackst» em der Redner seine Ansprache be­endet hatte, lauschte die Versamnllung in fautfofer ötiÖe der

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Anzeiger für (das frühere kurhefsischej Oberhesfe«

Schwere Schiffskatastrophe in Frankreich Ein Vergnügungsdampfer mit 300 Personen °°r der Loire-Mündung gesunken - (Eine Sturzsee brachte da- Schiff zum Kentem Vermeidung der Krise?