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*/.l—1 Uhr-
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberheffen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg,
Henderson fährt nach Paris
Frankreichs wahres Gesicht — Das englische Arbeiterblatt mutz Vriand an seine alten Ideale erinnnern
Äbecheffische
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Vriand tötet den Frieden
Tritt der Reichstag zusammen?
„Times" meldet: Die britische Negierung hat eine Einladung erhalten, eine offizielle Abordnung zur Pariser Kv« lonialausstellung zu entsende«. Das Kabinett hat die Einladung angenommen und den Staatssekretär des Aeuhern, Henderson, mit der Vertretung beauf, tragt. Henderson hofft, wie verlautet, während der „britischen Woche" der Ausstellung, ungefähr am 10. Zulsi nach Paris zu fahren.
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Zu Briands Aeußerung, der Young- plan taffe keine Aenderung zu und sei end- gültig, äuffert sich „D aily Herald" in einem Leitartikel folgendermaßen: Diese Worte klingen wie Worte Poincar<?s, obwohl sie von Vriand stammen. Deutschlands Schwierigkeiten werden mit keinem Wort gewürdigt. Die großen wirtschaftlichen Veränderungen, die seit Abfassung des Planes eingetreten find, werden mit keinem Wort anerkannt, kein Wort der Anteilnahme oder des internationalen Verständnisses wird geäußert. Es gibt keine Aussprache, sondern nur eine kurze schroffe Bekanntgabe de? französtschen Vetos. Gegen jede Revision oder auch nur Erwägung einer Revision wird die Türe zugeschlagen.
Solche Methoden und Maniere« bedeute« de« Tod aller Ideale, bete«
Verkünder Vriand ist.
Eine Einigung oder Befriedigung Europas ist unmöglich, solange eine Großmacht in diesem Tone spricht und ihr eigenes Urteil, als das ganz Europas hinstellt.. Eine Revision des Youngplanes oder . irgend eine andere internationale Vereinigung ist Gegenstand für eine Untersuchung, für Erwägungen, für freundliche Aussprechungen. Wer das leugnet und von einer unabänderlichen Endgültigkeit spricht, der redet nicht nur Unsinn, sondern verleugnet die Bestimmungen der Völkerbunds- sgßungen, der Vriand so oft Treue geschworen hat. Wenn Briands Ziel gewesen wäre, mit einem Schlage alles Gute, was er jemals getan, zunichte zu machen, so hätte er nicht anders sprechen können. Er hat Frankreich. Deutschland, Europa und der ganzen Welt einen außerordentlich schlechten Dienst erwiesen.
Die Berliner Blätter zur Vriandrede.
Die Rede des französischen Außenministers wird in der Berliner Presse sehr beachtet. Seine Bemerkungen über die Stahlhelmkundgebung werden insbesondere in der Rechtspresse entschieden zurückgewiesen und als eine unberechtigte Einmischung in innerdeutsche Angelegenheiten bezeichnet.
Die „Deutsche Tageszeitung" wendet sich dabei auch gegen die Berufung auf die Machtmittel und die Freundschaften Frankreichs, die es ihm gestatteten, allen möglichen Ereignissen mit Kaltblütigkeit entgegenzusehen, und bezeichnet diese Aeußerung als Drohung. Hier werde der politische Zweck des französischen Kon- ttnentalsystems und der völkerbundswidrigen Militärbündnisse einmal enthüllt.
Die „B o r s e n z e i t u n g" sagt, Vriand und seine Kammer werden sich wohl oder übel an derartige Erscheinungsformen des deutschen Nationalgefühles gewöhnen müssen.
Der „Lokalanzeiger" spricht von einer .Srüskierung Deutschlands",
Die Aeußerungen Briands gegen die Revision der Reparattonslasten werden von allen Blättern, gleich welcher Partei- ttchtung, in mehr oder minder scharfer Form kritisiert.
Der „V o r w ä r t s" ist der Ansicht, daß der französische Außenminister damit weder seinem Lande, noch dem Frieden einen Dienst erwiesen habe. Wenn die ganze Welt einsehe, daß infolge der Wirtschaftskrise und des Steigens des Goldwertes die Voraussetzungen, unter denen der Young- Plan aufgestellt worden sei. sich geändert hätten, warum solle sich Frankreich als einziges Land bis zuletzt dieser Erkenntnis verschließen?
Noch keine Entscheidung über die Reichs- tagseinberufung.
Der Aeltestenrat des Reichstages hatte sich am Mittwochnachmittag mit einem Antrag der Nattonalsozialisten, der Deutsch- nationalen und der Kommunisten z« beschäftigen. wonach das Reichstagsplenum schon für nächsten Dienstag einberufen werden sollte. Für die Antrag stimmte auch der Vertreter der Wirtschastspartei, während sich der Vertreter des Landvolkes der Stimme enthielt. Mit den Stimme« der übrigen Parteie« wurde der Antrag
Chequers im Unterhaus
Ausweichende Antworten Macdonalds
London, 10. Sunt. Sm Unterhaus stellte heute der Arbeiterpartei-Abgeordnete Kenworthy eine Anfrage, wann Macdonald in der Lage sein werde, eine Erklärung über die Besprechungen mit Reichskanzler Dr Brüning und Außenminister Dr. Eurtius abzugeben. Ferner wurde gefragt, ob man dem Unterhause in absehbarer Zeit Gelegenheit zu einer Aussprache über die gegenwärtige Lage in Bezug auf die Reparationen und interalliierten Schulden geben werde.
Macdonald erklärte:
„Was den Snhalt der Besprechung betrifft, habe ich nichts weiter zu erklären, als was in dem Kommunique stand, das am Sonntag abend während des Besuches der deutschen Staatsmänner in Chequers ausgegeben worden ist. Diese Unterredungen hatten, wie beabsichtigt war, die Form eines allgemeinen Gedankenaustausches, und man kam zu keiner anderen Folgerung oder Entschlüssen als den in dem Kommunique bekanntgegebenen."
Der Premierminister erklärte weiter:
„Ser deutsche Reichskanzler hat mich und den Staatssekretär des Auswärtigen eingeladen, in Berlin einen Gegenbesuch abzustatten, und die englische Regierung hat diese Einladung gern angenommen.
Vis jetzt ist für diesen Besuch noch kein Zeitpunkt festgesetzt worden. Sch glaube nicht, daß bei den gegenwärtigen Verhältnissen eine Debatte über die jetzige Lage in Bezug auf die Reparationen und interalliierten Schulden von Nutzen sein würde."
Nun stellte der Abgeordnete Wise die Frage: „Sft es dem Premierminister bekannt, daß im englischen Parlament feine einzige allgemeine Aussprache zur Frage der interalliierten Schulden oder Reparationen jemals stattgefunden hat, und ist diese Angelegenheit nicht so wichtig, daß sie im Unterhaus zur Besprechung kommt?"
Hierauf antwortete Macdonald: „Sa, wenn es soweit ist."
Der Abgeordnete Peter Macdonald richtete an den Premierminister die Frage, ob er die Einberufung einer Konferenz unter Beteiligung aller Staaten, die an einer internationalen Regelung ein Sntereffe haben, zwecks gegenseitiger Annulierung aller Verpflichtungen in denkbar größtem Maße in Erwägung ziehen würde.
Auf diese Frage erklärte Macdonald: „Englands Haltung in der Schuldfrage ist allgemein bekannt, und ein Schritt auf der oorge'chlngenen Basis wiLde unter
den gegenwärtigen Berhältnisieu wenig
, Zweck haben."
Loudon setzt Dampfer auf.
In englischen Kreisen vertritt man die Auffassung, daß es zunächst Sache der deutschen Regierung sein werde, bas Ergebnis der Verhandlungen von Chequers genau zu überprüfen und sich darüber klar zu werden, wie weit den von Macdonald und von den übrigen Ministern vorgebrachten Argumenten Recht gegeben werden muffe, wonach ' an der gegenwärtigen Lage Deutschlands die Reparattonen nur zum Teil Schuld feien und daß, gemessen am Maßstab der Weltwittschaftspolittk die deutschen Sorgen und Auffassungen über die Lage Deutschlands ein anderes Bill) ergäben, als es von den deutschen Ministern gezeichnet worden sei. Von dem Ergebnis dieser Ueberlegungen würde es abhängen, ob die Reparationsfrage angeschnitten werden müßte. Sollte dieses bejaht werden, so wäre dann der geeignete Weg zu finden, der die internattonalen Verpflichtungen nicht nur etwa den Buchstaben, sondern auch dem Geiste nach be- rückstchttge sodaß unter keinen Umständen neue Mißverständnisse innerhalb der europäischen Rationen entstehen könnten.
Amerika «nb bie Kriegsschulden nnb Abrüstungsfrage.
Der „Ti mes"-Korrespondent in Washin g t o n berichtet: Meldungen, daß sich die amerikanische Regierung in der Frage der Kriegsschulden und der Abrüstung bereits auf eine bestimmte Politik festgelegt habe, werden von inoffiziellen, aber maßgebenden Kreisen als unrichtig bezeichnet. Die amerikanische Regierung ist gegenwärtig nicht für eine Wiederaufrollung der Schuldenfrage. Indessen wird zugegeben, daß Umstände eintreten könnten, welche europäische Schuldner Amerikas zwingen könnten, die Schuldenfrage wieder aufs Tapet zu bringen. Umstände, die vielleicht geeignet wären, die amerikanische Regierung davon zu überzeugen, daß eine ernstliche Prüfung der Frage im wirtschaftlichen Interesse der ganzen Welt mit Einschluß der Vereinigten Staaten liege. Darin sehe man eine Möglichkeit, einen Zusammenhang zwischen Schulden und Abrüstung zu garantieren. Eine solche Verwicklung würde der amerikanischen Regierung eine Verteidigungsstellung gegen den Druck Europas und letzten Endes, gegenüber den amerikanischen Feinden einer Schuldenverminderung geben.
abgelehnt. Auf Wunsch mehrerer Parteien wurde darauf mit Rücksicht auf die bevorstehenden Fraktionssitzungen beschlossen, noch keine Entscheidung über eine vorzeitige Einberufung des Reichstages zu fällen. sondern am Dienstagvormittag ekne neue Aeltestenratssitzung zu diesem Zweck abzuhalten.
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Die noch für gestern abend erwartete Ministerbefprechung, in der Kanzler und Außenminister über ihre England r e i s e Bericht erstatten, wird erst am heutigen Donnerstag vormittag statt- sinden. Offenbar hat Dr. B r ü n i n g zunächst das Bedürfnis, sich über die Stimmungen und Eindrücke zu informieren, die er in Berlin vvrfindet. Ihr deutlichster Mederschlag ist der AuSgang der Sitzung des Aeltestenrates, die mit der Vertagung auf Dienstag durchaus so verlausen ist, wie man es allgemein angenommen hatte. Auch in der parlamentarischen Mitte machen sich zweifellos Tendenzen in der Richtung einer Einberufung des Reichstages bemerkbar. Das gilt namentlich von der Deutschen Volks- Partei, und ähnliche Strömungen sind auch in ihr benachbarten Gruppen vorhanden. Zunächst müssen aber die Fraktionen Stellung nehmen, sie haben mit ihren Beratungen zum Teil ja bereits begonnen. Dazu kommt noch die Erwägung, daß man doch, schon aus Gründen der Lo- jalität, erst einmal die Mittellungen ab» Watten muß, die der Kanzler von seiner Reise mitbringt. -
Die ersten Schilderungen, die Brüning und Eurtius nach ihrem Ein- treffen in Berlin von ihrem Londoner Aufenthalt gegeben haben, bestätigen alles vollkommen, was bisher über die Aufnahme der beiden Minister berichtet worden ist. Mtt Spannung sieht man nun aber natürlich der Deantwottung der praktischen Frage entgegen, in welcher Weise das Reparationsproblem ausgervklt werden soll. Das wird das Thema der nächsten Tage und Wochen sein, und von ihm wird die weitere Entwicklung der Frage einer Einberufung oder Richteinberufung des Reichstages wesenllich beeinflußt werden. In gut unterrichteten Kreisen rechnet man aber doch schon jetzt damit, daß sich am nächsten Dienstag im Aeltestenrat keine Mehrheit für die Einberufung finden wird. Unter dem Eindruck der Notwendigkeit der RevisionS» attion wird zweifellos das Bedürfnis überwiegen, alle innerpolittschen Störungen, wiegen, alle innerpolitischen Störungen, die der Zusammentritt das Reichstages mit sich bringen würde, auSzuschalten. Sollten die Strömungen für die Reichstagseinberufung sich in den nächsten Tagen stärker bemerkbar machen, so würde der Reichskanzler zweifellos seine ganze Autorität einsetzen, um ihnen entgegen zu wirken. Rach Auffassung maßgebender Kreise wäre es dann sicher, daß es unter gar keinen Umständen (!) zum Zusammentritt des Parlamentes kommt.
Verlängerung des Berliner Vertrages.
Berlin, 10. Juni. Wie von zuständiger Sette rnttgeteilt wird, soll das deutsch-russisch« Freundschastsabkornrnen vorn 24. April 1926, der sogenannte Berliner Vertrag, der am 29. Juni abläuft, im wesenlichen in bet gleichen fform verlängert werden.