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Sonnabend, »enZo.MmlSA
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SberheUsche
Zeitung 8oiMititung
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.
Das Gespenst der Notverordnung
Das Kabinett rechnet mit »Ueberschüssen», aus der neuen radikalen Besteuerung
3« vielen Mattern wird die Mitteilmtg gebracht, daß der Rücktritt des Reichs- finanMinisters Dr. Dietrich bevorstehen soll. Als sein Nachfolger wird der jetzige Oberbürgermeister von Essen. Dr. Bracht, genannt. Dazu ist festzustellen, dah Dr. Dietrich schon vor Monaten Rück« trittsabfichten geäußert hat. dah sein Rücktritt vor dex endgüttigen Erledigung der neuen Finanzgesetzgebung jedoch kaum erfolgen dürste.
Voraussichtlich am Dienstag nächster Woche werden die Finanzmtnster der Länder in Berlin zu einer Konferenz zusammentreten, um über die endgülttgen Beschlüsse des Reichskabinetts, das seine Beratungen am Sonnabend und Sonntag fortsetzen wird, unterrichtet zu werden.
Die Gesetzesvorlagen, dis der Reichsfinanzminister und der Reichsarbeitsminister in Fühlungnahme mit dem Reichskanzler ausgearbeitet haben, liegen jetzt in den Grundzügen fest. Die Maßnahmen, die hierzu vorgesehen sind, ergeben gegenüber dem errechneten Fehlbetrag ein Plus von rund 200 Millionen Reichsmark, die als Reserve (?) dienen sollen.
In unterrichteten Kreisen glaubt man auch weiter, daß die Veröffentlichung der Nowerordnung in den Tagen des Lon- boner Besuches erfolgen wird. Das hat vor allem technische Gründe. Rach dem Abschluß der Beratungen muß die Notverordnung erst gedruckt werden. Schon daraus ergibt sich, daß eine frühere Veröffentlichung nicht gut möglich ist. lieber den Inhalt der Notverordnung lassen sich über das hinaus, was an Vermutungen bekannt geworden ist, natürlich noch keine präzisen Angaben machen, denn es hängt ja gerade von den jetzt erst beginnenden Verhandlungen des Gefamttabinettes ab, wie die Vorschläge des Ausschusses im einzelnen in die Notverordnung übernommen werden.
Der voraussichtliche Inhalt der Notverordnung.
Der Inhalt der Vorlage, die der Reichsarbeitsminister im Benehmen mit dem Kanzler ausgearbeitet haben, stellt jetzt in seinen Grundzügen im wesentlichen fest.
Nach den Berechnungen des Finanzministeriums muß mit einem Fehlbetrag für das laufende Rechnungsjahr gerechnet werden, der sich beim Reich allein auf 70 Millionen Mark beläuft. Gerüchte, die davon wissen wollten, daß die Maßnahmen der neuen Sanierungsnotverordnung zugleich auch die Fehlbe- ttäge der beiden vorhergegangenen Rechnungsjahre decken sollen, sind falsch. Den Hautwert legt der Entwurf, der bas Kabinett in den nächsten Tagen beschäftigt, auf die sogenannte Krisen st euer. Eie soll als Zuschlag zur Einkommensteuer von allen Personen erhoben werden, die nicht mehr arbeitslosenversicherungspflichtig find, also mehr als 8400 Mark im Jähre verdienen. Sie wird gestaffelt sein in Sätzen von 1 bis 6 v. H. des Einkommens erhoben werden. Das Reichsfinanzministerium glaubt, hierbei etwa 400 Millionen Mark gewinnen zu können. Den Beamten wird ein zweiter Gehaltsabbau auferlegt, der gleichfalls zwischen 4 und 8 v. H. gestaffelt ist und für das Reich 60 bis 70 Millionen Mark bringen soll. Außerdem ist eine Verdoppelung der Znckersteuer vorgesehen mit einem geschätzten Mehrerlös von 120 Millionen Mark. Es sollen noch die Benzin- und Tabaksteuer Msammen 80 Millionen Mk. wehr als bisher erbringen.
We Ersparungen am Reichshaushalt belaufen sich auf 120 Millionen, von denen 50 Millionen auf den Wehrhaushalt entfallen. Außerdem sollen weitere 130 Millionen beim Haushalt der Sozialund Kriegsbeschädigtenrenten eingespart werden. Eine Deittagserhöhung bei der Arbeitslosenversicherung ist in dem vorliegenden Entwurf nicht vorgesehen, jedoch wird in Kreisen, die dem Kabinett nahestehen, damit gerechnet, daß es trotzdem noch zu einer Herauffetzung der Beiträge um ettoa V> v. H. kommt. Der Leistungsabbau bei der Arbeitslosenversicherung ist im wesentlichen in der Form vorgesehen, daß die Bezüge für die Saisonarbeiter eine Neuregelung erfahren und voraussichtlich die Wartzeit verlängert wird.
Zu einem Interview in einem Essener Blatt, das insbesondere in der Form, in der es den Weg in die Blätter außerhalb Essens gefunden hat, zu Mißdeutungen Anlaß geben könnte, teilt Oberbürgermeister Dr. Bracht mit, daß ihm das Interview vorher, nicht vorgelegt worden sei. Es beruhe lediglich , auf einer zwanglosen Besprechung mit einem Pressevertreter. Infolgedessen sei di« Darstellung an verschiedenen Punkten schief. Richttg sei vor allem, daß mit ihm nie über den Eintritt in das Kabinett Brüning verhandelt worden sei. llebrigens sehe er auch gar keinen Grund zu der Annahme, daß irgend eine Umwandlung des Kabinetts Briinrng in Aussicht stehe.
Stahlhelmtag in Breslau
Der Osten ist deutsch und wird wieder deutsch werden!
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Die Führer des Stahlhelms. Bundes iührer Seldte und Oberstleutnant Duesterberg.
Ein Nationalso;iE von Kommunisten «schoss«».
Aachen, 29. Mai. Anläßlich eines Umzuges der Nationalsozialisten wurden am Donnerstag abend in der Mittelstraße bk Nationalsozialisten von Komm un i st en überfal len. Es fielen rasch hintereinander ungefähr 12 Schüsse. Der Nationalsozialist Emil Wagner wurde tob- l i ch verletzt, zehn wettere, zum ^.eil unbeteiligte Personen,« wurden durch Kopf- und Bauchschüsse verletzt. Die Täter enttarnen, bevor die Polizei an der lleoerfällstelle erschien. Die Verletzten wurden in das Krankenhaus eingeliefert. Die Untersuchung ist im Gange.
soldaten von, vornherein bewußt politisch gegründet worden ist. Das Stahlhelmvolksbegehren „Der preußische Landtag ist aufzulösen" habe man in breiter Front gewonnen. 2m Spätsommer oder Herbst dieses Jahres werde man den Volksentscheid mit allen Kräften und mit den verbündeten Freunden und Parteien durchführen. Auch dieser Volksentscheid treibe ein Sieg sein. Seldte schloß:
Wir, die wir beet Krieg kennen, wollen keine« Krieg, ab« »och weniger wollen wir Sklave« sei«, und besonders soll dies de« Osten Europas gegenüb« ausgesprochen werde«. Wir alten Frontsoldaten wolle« dem Oste« helfe«, n«b wir wolle« Deutschland helfe«. Den« der Stahlhelm will ja nichts für sich, aber alle» für
Deutschland."
B r e s l a n. 29. Mai. Der Deutsche Frontsoldatentag wurde heute durch die Einholung von etwa 125 Fahnen eingeleitet. In der Stadthalle fand am Abend eine große Kundgebung statt, bei der der Führer des schlesischen Stahlhelms, Oberst a. D. von Merkloskt, die Erschienen, insbesondere die beiden Bun- desführer begrugte und ihnen dantte, daß der 12. R.F.E. T. in Schlesien in Ostdeutschland ftattfinde. Er erinnerte an die Abstimmungszeit und ihre Kämpfe, wiederholte dabei auch, daß es am 21. Mai gegen ben Befehl res Generals Höfer zum Sturm auf den Anna- berg gekommen sei, um fortzufahren:
„Ader weil mau die Offensive verbot, weil «en verhandelte, deshalb wurde Oderschlefi« polnisch."
Darauf ergriff der erste Vundesfübrer des Stahlhelms, Seldte, das Wort, der auf das Motto des Stahlhelmaufmarsches hinwies, daß es der Wille des Stahlhelms und der Sinn des 12. Frontsoldatentages in Breslau ist, das Lebensrecht Deutschlands im Osten und auf den Ösien zu schützen und sichtbar und hörbar vor aller Welt zu betonen.
„Niemals werde« wir ölten Frontsoldaten, führte Seldte dann aus, die Abtrennung zugeben, niemals die Abtrennung Oberschlesiens und Westprenßens, Danzigs und Memels anerkennen. ®et Osten Deutschlands wird deutsch sein «nd wird es wieder werden."
Nach einem Rückblick auf die Gründung des Stahlhelms im November 1918 betonte Seldte, daß bet Stahlhelm, Bund der Front«
Kommt die Revision?
Es steht jetzt wohl fest, daß Dr. Drü- ning und Dr. Curtius die wenigen Stunden, die sie mit Macdvnald und Henderson im Garten von Chettzrers zubringen werden, auch zum Anrühren des gefährlichen Reparatkvnsproblems benutzen wollen. Don England her läßt man die Deutschen bereits unauffällig wissen, was sie als Antwort zu erwarten haben werden. ES kann uns nicht überraschen, wenn der „Daily Herald" erklärt, England könne sich über das Reparativnsproblem natürlich nur im Einvernehmen mtt den übrigen Glaub igermächten äußern. Aber man dürfe nicht vergessen, fügt das Organ des britischen Premierministers hinzu, daß tmi heute in einer Wirtschaftskrise lebten, die die Sachverständigen des Youngplans nicht vorausgesehen hätten. ।
Wenn es nur auf derartige wirtschaftliche Einsichten unseres englischen Gläubigers ankäme, dann konnten wir der kommenden Entwicklung der ReparativnSfrage mit einiger Ruhe entgegensehen. Leider aber tft das Reparativnsproblem weltwirtschaftlich so vermantscht, wie eS in dem spanischen Sprichwvtt beschrieben wird: Die Katze an der Ratze, die Ratze am Fäden, der Faden am Prügel. Unsere Repara- ttonsgläubiger sind ihrerseits Schlüdner des großen WeltgkäUbigerS Amerika, und die Regierung der DereiUigten Staaten wiederum gittert vor dem amerikanischen Steuerzahler, der ohnedies wegen der Wirtschaftskatastrophe seinen Staatsmännern immer gttmmiger die Zähne zeigt. Wie wenig die Amettkaner geneigt sind, aus die Rot Europas Rücksicht zu nehmen, zeigte noch vor wenigen Wochen auf der Washingtoner Handelskonferenz, die Rede des Schatzsekretärs (d.i. Finanzministers) Mellon, der trocken erklärte, die Fä- higkett der Schuldnerländer Mim Zählen sei bewiesen worden, ihre Wirtschafts-- sorgen aber könnten nicht durch „leichte und schnellwirkenden Methoden auf Kosten eines anderen. Landes beseitigt werden". Mit diesen Methoden-meinte Herr Mellon offenbar eine Herabsetzung der Kriegsschulden seiner ehemaligen Verbündeten, für deren Bezählung der größte Dell un- sever Reparationsleistungen bestimmt ist.
Was haben wir eigentlich zu zoWen? .In dem gegenwärtig laufenden^ Repara- tionsjahr haben wir eine „Annuität" do» 1618,9 Mill. RM an reinen ReparaKonS- leistungen zu entrichten: hiervon sind 1006,9 Mill RM. „geschützt", d.h. wir könMN unter gewissen Voraussetzungen fordern, dah ihre Aebertragung an das Ausland zeitweise, ja sogar ihre Aufbringung teilweise aufgeschvben werden. Zu der erwähnten Gesamtsumme von 1618,9 Mill RM. kommen noch gewisse aus dem Kriege stammende Zahlungen an Amerika in Höhe von 66,1 Mill. RM (Entschädigungen, Desatzungskosten), ferner Zahlungen an Belgien auf Grund des bekannten Finanzabkommens von 21,5 Mill RM, und der Zinsen- und Tilgungsdienst der Dawes- anleihe mtt 86,7 Mill RM. Die gesamten an das Ausland zu leistenden polittschen Zählungen betragen somit im Jahre 1931/32 1793,2 Mill RM. Sie steigen in den nächsten Jahren Und erreichen ihren Höhepunkt im Reparcttivnsjahr 1965/66, in dem die reine ReparattonSannuität 2 352,7, die Gesamtheit der polittschen Zahlungen 2 438,1 Mill. RM. betragen soll. Dis zum Ende dieses Jahres steigen die Zahlungen verhältnismäßig langsam aus rund 2 Milliarden RM. an. Von der diesjährigen Zahlung Deutschlands gehen 942,3 Mill. RM. zur Bezahlung der Alli- ierten-ScMden an Amerika ab; unseren Reparativnsgläubigern bleiben also 676,6 Mill. RM. 3m einzelnen erhielt Frankreich aus dem Youngplan bisher im Jahre 900,7 A8ll. RM, von denen es 228,1 an Amerika und 255,4 an Großbritannien weiterzahlen mußte, das hieraus wiederum seinen eigenen amerikanischen Schulden- dievst bestritt. Im ganzen blieben ^vank-