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w ,Ob«rb-ssisch- Srihntg' «• r*etnt sechsmal wkchesttich. Be- .^preiS monatlich 2.20GM au#- L[ie&L Zuflellungsgebühr, durch £ Post 2.45 GM. Für etwa durch Atreik, Maschlnendefekt oder «le- ^tare Ereignisse ausfallende Munent wird kein Ersatz ge- ■ tiftt. Verlag, Dr. §. Hstzervth, der Untb-Buchdruckerei Aug. Koch. Markt 21/23. ^rusprecher: Rr. 54 und Nr. 55. Postscheckkonto: Awt Frankfurt M. Rr. 5015. — Sprechzeit w Redaktion von 10—11 und >/.!—1 Uhr.
Äbcrhessische
Marburger 4t4| £ SeMche
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Marburg a. Mn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Professor Piccard erzählt
Zn 25 Minuten 15000 Meter hoch — Großer Durst in der Stratosphäre — 60 Grad Kälte, 40 Grad Wärme
Augsburg
Landsberg
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Augsburg, 28. Mai. Bei der R<e- bingcr Ballonfabrik ist folgendes Telegramm von Professor Piccard aus Ober. Surgl eingetroffen: .»Glücklich gelandet, 21 Uhr auf Eroh-Gurgler-Eletscher. Ballon vorzüglich, konnten garnicht vorher heruntergebracht werden. Werden in Ober- Surgl bleiben. Gruß Piccard."
Kndsu^Ob. Amergau Ga rrn isch-Paneh ko -
SCHWEIZ {ITALIEN voren
5 Jmst
V TIROL
X Landungsstelle
Karte des Kreuz- und Querfluges von Augsburg bis zum Eurgl-Eletscher.
Profesior Piccard hat sofort nach seinem Eintreffen in Ober-Eurgl eine Reihe von Telegrammen abgesandt, die über den Verlauf des Fluges interessante Aufschlüsse geben. Aus diesen Telegrammen wird u. a. entnommen: Herrliche Fahrt in der Stratosphäre Haben die gewünschte Höhe erreicht und gut gearbeitet. Der Ballon hat nach Sonnenuntergang die Stratosphäre verlassen. Landung in 2700 Meter Höhe. Wir hatten bei der Landung Schwierigkeiten und konnten erst 21 Uhr nieder- gehen. Sind wohl und gesund. Haben 1/10 Atmosphäre erreicht. Abstieg sehr schwierig. Mutzten 16 Stunden in der Stratosphäre bleiben. Glückliche, aber harte Landung.
Ein Interview mit Professor Piccard.
Professor Piccard hatte die Liebenswürdigkeit. einige Zeit nach seiner Ankunft in Eürgl dem Münchener Vertreter des WTV.. der als erster Journalist in Eurgl eintraf, eine Unterredung zu gewähren. Er nahm die Glückwünsche zu seinem gelungenen Dorstotz in die Stratosphäre sichtlich erfreut entgegen und schilderte dann an Hand seiner in kleinen Notizbüchern niedergelegten Fahrtaufzeichnungen
die Ergebnisse seines Flnges.
soweit sie ihm wissenschaftlich besonders bemerkenswert erschienen. Dabei wies Prof. Piccard daraufhin, datz ein Teil bet Apparate gut funktioniert hatte, datz aber auf die Verwendung eines anderen Teils bet Apparate, wie vorauszusehen, verzichtet werben mutzte. Die Hauptmeffung, auf die der Forscher bett größten Wert legte, nämlich die Messung ber burch bie kosmischen Strahlen erzeugten Leitfähigkeit der Gase. ist. wie Prof. Piccarb betonte, vollkommen gelungen, in sehr großen Höhen, was dadurch veranlatzt würbe, datz bet Ballon äutzerst schnell stieg.
Er hatte in 25 Minuten bereits eine Höhe von 15 Kilometern erreicht, also viel schneller, als ursprünglich beabsichtigt.
Piccarb erklärte weiter: Durch einige technische Fragen, bie auf bett Ballon Bezug hatten unb während des Aufstiegs vollauf beschäftigt haben, haben wir die Haupt- mesiung erst in 15 Kilometer Höhe anfangen können. Die grötzte Höhe von 16 Kilometer wurde nach bett Aufzeichnungen Profesior Piccards, wie er auf Befragen weiter mitteilt, bereits um 7.45 Uhr erreicht. Der äußere Luftdruck betrug um biete Zeit 76 Millimeter (also ungefähr 1/10 atmosphärischen Drucks), nachdem kurz vorher 77 Millimeter gemessen worden waren.
Auf die Bestimmung der Flugroute hat Profesior Piccard keinen Wert gelegt da er mit seinem Assisten vollauf mit wisien- schaftlichen Messungen beschäftigt war. Die seitliche Geschwindigkeit betrug int Durchschnitt etwa 15 Sekundenmeter. Piccard
verglich mit grotzem Jnteresie seine wenigen Aufzeichnungen über die Beobachtung der Flugroute, mit den verschiedenen Stand- ortbeftimmungen, die von der Erde aus vorgenommen worden waren. Aus der Gondel selbst konnte immer nur ein ganz kleiner Ausschnitt der überflogenen Landschaft wahrgenommen werden, - was ettte genaue Bestimmung des Standortes vom Ballon ans unmöglich machte.
Der Mond erschien wesentlich Heller als bei Beobachtung vom Erdboden ans. Das Relief der Berge gewährte einen überwältigenden Eindruck.
Auf die Frage, weshalb Profesior Piccard die ausgezeichneten Landesmöglichkeiten n» Oberbayern und int Jnntal, besonders in Innsbruck, nicht ausgenutzt habe,_ erwiderte der Forscher, daß es n i ch t m ö g l t ch
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Obergurgl mit Blick auf bett Großen Gurgl-Ferner.
war, das Ventil zu ziehen. Er hätte sonst unbedingt die Landung gegen 11 Uhr vormittags im Lechtal vorgenommen, weil et dort sehr gute Landegelegenheit feststellte. Die Signale des Flugplatzes Innsbruck haben die Balloninsassen überhaupt nicht wahrgenommen, so- datz auch dort eine Landung unterblieb. Erst in den Abendstunden war es Proftsior Piccard dann möglich, zur Landung zu schreiten, die nach seinen eigenen Aufzeichnungen um 0.52 Uhr erfolgte. Zu diesem Zeichunkt war er in der Lage, nachdem der innere Druck der Gondel durch Ablasien von Sauerstoff in llebereinstimmunq mit der Autzenluft gebracht war, die Mannlöcher zu öffnen.
Die Temperatur in der Stratosphäre, die ja bekannt ist, betrug außerhalb der Gondel 55—60 Grad unter Null, im In« nern de, Gondel herrschte infolge der Sonnenbestrahlung eine ziemlich hohe Temperatur, zeitweise bis zu 41 Grad über Rull.
Von autzerordentlicher Wichttgkett für das Gelingen des Fluges hat sich die kluge Voraussicht des Forschers erwiesen, nicht, wie ihm angeraten war, nur eine Sauer- stofflasche, sondern den doppelten Sauerstoffvorrat mitzunehmen. Profesior Piccard erklärte hierzu: Ich treffe für alle
wichtigen Unternehmungen Vorsichtsmaßregeln und hatte daher zwei Sauerstoffapparate mitgenommen, obwohl mir die Lieferfabrik mitgeteilt hatte, datz die Sauerstofflaschen mit absoluter Sicherheit funktionieren. Datz wir zwei Apparate rnttführten, hat uns zweifellos gerettet, denn wir hatten
bei der Landung nur noch für eine Stunde Sauerstoff mit.
Die Landung selbst hat sich, wie Prof. Piccard zum Schluß der Unterredung mitteilte, glatt vollzogen. Die Gondel rollte einige AMe, kam dann aber schnell zum Sttllstand. Bei der Landung hatten wir noch 350 Kilogramm Ballast an Bord, also wesentlich mehr als wir beabfichttgt hatten. Wir hätten aber nicht riskieren können, Ballast in größeren Mengen abzugeben, da wir dadurch wieder in größere Höhen getrieben worden wären, und unter allen Umständen beabsichttgten, wegen der Abnahme des Sauerstoffvorrats so schnell als möglich zu landen. Erst im letzten Augenblick gaben wir stärker Ballast ab um ein zu starkes Aufsetzen der Gondel zu vermeiden.
Di« Forscher habe« die Rächt außer- halb der Gondel aus dem Gletscher verbraM
und dachten mit dem frühen MvrgM über den Gletscher hinunterzukommen. Dies erwies sich aber als unmöglich, sodaß sie um 9 Uhr aufbrachen, um in den Felsen seitlich des Ferners den Abstieg zu versuchen. Sie hatten sich hierzu mit einem Selle des Ballons in doppelter Seilficherung angeseilt und trafen bann in den Felsen auf die Hilfsexpedition.
Der Ort Eurgl, der durch die -Landung Piccards Weltberühmtheit erlangt hat, liegt im südlichsten Winkel des Oetztales, eine Kraftwagenfahrt von drei Stunden führt von Innsbruck nur bis Zwieselstein, dann ist ein Fußmarsch von fast drei Stunden notwendig, um das 2700 Meter hoch gelegene Gurgl zu erreichen.
Heute abend war Profesior Prcrrrr^d und sein Assistent K i-p f or mit den mittlerweile in Gurgl eingetroffenen Vertretern der Behörden und der Presie in engerem Kreise beisammen und gibt weitere Einzelheiten über seine Fahrt bekannt. Ve, sonders bemerkenswert ist noch, daß Prof.« Piccard nur ein einzigesmal Signal gege* ben hat und zwar ein Signal, das sich als außerordentlich glücklich erwiesen hatt. nämlich als er im Oetztal desOrtesZGurgll ansichttg wurde. t-
Dieses Signal mit einer Taschenlampe ■! ist in Gurgl bemerkt worden
und hat dazu geführt, daß am vormKkNg: die Rettungsexpedition zur Hilfeleistung für Profesior Piccard aufgebrochen ist.
Zur Erleichterung der Atmmrg,anf der Fahrt wurde sowohl KMensäure absor,< biert wie Sauerstoff zugegeben. Der Pvetzsauerstoff, der mitgeführt wurde, be- trug 750 Liter. — Mit Lebensmitteln war Profesior Piccard nicht sehr gut ausgerüstet, insbesondere tmrtbe angesichts bet langen Fahrtbaner der Mangel an- Ge- ttänken stark empfunden. Der Forscher erzählt hierzu noch in kleinem Kreise, daß! er froh war, daß durch die Kondensierung des Atems in der Innenwand herabströ- menbe Wasser trinken zu können und daß .ihm niemals ein Getränk besser geschmeckt hat, als nach der Landung bas geriebene Gletschereis mit etwas Orangenschalen vermischt. — Die Bergungsarbeiten werden sofott begonnen unb dürfen Sonnabend zu Ende geführt werben.
Die Auffindung von Profesior Piccard.
Die Rettungsmannschasten, bie gestern früh 8 Uhr von Obergurgl aufgebrochen waren, erreichten um 10.30 Ahr als erste bie Lanbungsstelle bes Ballons am Ferner. Profesior Piccard und sein Assistent befanden sich bereits außerhalb der Gondel und waren gerade rm Begriff, den Felsen hinaufzusteigen. Die Bergungsmannschaften machten sie jedoch durch Pfeifen auf die Gefahr dieses Aufstiegs aufmerksam und begaben sich dann zu ihnen hinunter auf den Gletscher. Sie labten dann die beiden Forscher, die an starkem Durst litten, mit Tee. und gaben ihnen Lebensmittel. Die Forscher waren selbst noch mit einer gerir^ gen Nahrungsmittelmengc versorgt. Prof. Piccard und sein Assistent, bie sich sehr wohl fühlen, teilten mit, daß sie die Nacht über in ber Gondel verbracht hätten.
Glückwunsch der Schweiz an Piccarb.
Bern, 28. Mai. Unmittelbar nach Empfang ber Nachricht von der glücklichen Landung Profesior Piccard und seines Assistenten richtete Bundespräsident Oberli an den Forscher folgendes Telegramm:
„Ich beglückwünsche Sie namens des Bundesrats zu der außerordentlich kühnen erfolgreichen und bahnbrechenden Tat, auf welche wir Eidgenossen alle mit ihnen stolz find"
Der Vorsteher des Eisenbahn- und Post- departements, Bundesrat Pilet, sandte an