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SagtiniBtiutt Jettuny -

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhefsen

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Ist Professor Piccard tot?

Der Ballon wahrscheinlich in den Ötztaler oder Stubaier Alpen niedergegangen - Man befürchtet, daß die beiden Insassen in der hermetisch verschlossenen Gondel nicht mehr am Leben sind

ft München. 28. Mai. ließet das Schicksal des Stratosphärenballons Pic­ea rds herrschte in der Donnerstag Nacht parke Ungewißheit. Der Ballon wurde zum letzten Mal n« 21 Uhr übet Me- rau gesichtet und soll nach Meldungen aus Garmisch sich Ü6er Italien befin­den. Während allgemein Befürchtungen laut werden, ob bic beiden Ballon-Insas­sen sich noch am Leben befinden, sollen die Schweizer Freund« Piccards zuversichtlich gestimmt sein.

Der Flug des Gelehrten wird in der Sen Welt mit großer Spannung ver-

, da in allen Ländern an einem' Stra­tosphärenflugzeug gearbeitet wird, das in 1215 000 Meter über der Erdoberfläche ungehindert von Winden und anderen at­mosphärischen Einflüffen, Schnelligkeiten big zu 600 Kilometer erreichen soll. Prof. Piccard besitzt keinerlei Märmevorrich-. ding in der Aluminiumgondel, sodaß ihm das ausgezeichnete sonnige Wetter bei sei­nem Versuch sehr zustatten kommt. Den bisherigen Höhenweltrekord für Freibal­lons hält seit 1901 der FreiballonPreu­ßen" mit den Profesioren Berson und Sühring, der eine Höhe von 10 800 Mtr. erreichte.

Wie von der Ballonfabrik Riedlinger in Augsburg mitgeteilt wird, wurde der Ballon Piccards am Mittwoch um 22.30 Uhr über Bozen gesichtet.

Am Mittwoch abend war ein Münchener Leichtflugzeug gestartet, um nach dem Bal­lon Prof. Piccards zu suchen. Das Flugzeug sichtete den Ballon in einer Höhe von 545000 Metern über Ländeck. Be­obachtungen mit dem Feldstecher von dem Flugzeug aus konnten keine Feststellungen an der Ballon-Kugel machen. Notsignale oder dergleichen, wie sie von anderen be­obachtet sein sollen, konnten nicht wahrge­nommen werden. Die Ballonhülle schien verhältnismäßig noch sehr prall. Heute (Donnerstag) wird das Flugzeug abermals starten, um nach dem Ballon zu suchen.

Wie neuerdings bekannt wird, hat Prof. Piccard mindestens für 20 Stunden Sauer­stoff und für 2 Tag,, Lebensmittel an Lord.

Der zur Verfolgung des Piccards-Bal- lons entsandte Sonderberichterstatter des D. T. B. berichtet aus'Z n n s b r ü ck. daß dort bis 5 Uhr morgens keinerlei Nach­richten über eine Landung und den mut­maßlichen Standort des Ballons Piccards eingelaufen sind. Die letzten in Innsbruck bekannt gewordenen Berichte besagen, daß der Ballon durch das Stubaital an­scheinend vor einer starken Gewitterfront bei nach Süden abgetrieben wurde. Zu der Meldung über eine Sich­tung des Ballons in Bozen und Meran am'Mittwoch nach 22 Uhr war eine Be­stätigung bisher nicht zu erlangen.

Der Sonderberichterstatter des W. T. B. teilt mit: Zur Stunde, um 7 Uhr früh, ist das Schicksal Piccards und seines Beglei­ters noch vollkommen in Dunkel gehüllt. Seit der letzten Sichtmeldung um 22.30 llhr über Bozen und Meran, die aber von keiner Seite bestätigt worden ist, fehlt jede Nachricht. Es ist daher nicht einmal mit Sicherheit zu sagen, ob der Ballon tatsächlich diesen Weg einge­schlagen hat, oder ob er im hintersten Stubaital niedergegangen ist. Von der Flughafenleitung in Innsbruck, die gestern abend durch Abschuß von Raketen Verbindung mit dem Ballon aufzunehmen

versuchte, wird ergänzend gemeldet, daß diese Signale von der Vallonbesatzung nicht beantwortet worden sind. Die Flugwetterwarte Innsbruck nimmt auf Grund der letzten Wettermeldungen an, daß der Ballon, wenn er in der zuletzt gemeldeten Sichthöhe von 3000 Metern geblieben ist, noch weiter südlich bzw. süd­östlich, also in die Gegend von Trient, abgetrieben worden ist. Die Flugwetter­warte wird mit den Stationen Bozen, Trient und Mailand in kurzer Zeit in telephonischer Verbindung stehen und es ist zu hoffen, daß dann 'neue Nachrichten über das Verbleiben des Ballons ein­treffen.

Flug in den

Ein toeüter Weg führt von 6en ersten Dallonversuchrn der Brüder Montgoffiec bis zu dem Stratosphärenflug Professor Piccards. Als die Brüder Mvntgvl- fier am 5. Juni 1783 in Annonaz in Frankreich im ihrem Papierballvn von 34 Meter Umfang 300 Meter hoch aufstiegen, da ahnte niemand, welche Möglichkeiten für die wissenschaftliche Forschung sich aus Dem Ballonflug ergeben würden. Seit über einem halben Jahrhundert versuchen Wissenschaftler aller Länder, die höheren Luftschichten, möglicherweise sogar die Stratosphäre, zu erforschen. Gewaltige Höhen sind durch kühne Ballonfahrer schon erreicht worden. Schon im September 1862 startete der Engländer ®laifhe>r zu einem wissenschaftlichen Höhenflug. ES ge­lang ihm, eine Höhe von 8 500 Metern zu erreichen. Kurz nachdem er einige wissen­schaftliche Beobachtungen vorgenommen hatte, fiel er in Ohnmacht. Seinem Bal­lonführer gelang es nur mit äußerster Mühe, die Dallonleine mit den Zähnen zu ergreifen und das Ballonventiel zu öff­nen. Glaisher wollte damals bis in 11300 Meter Höhc gedrungen sein. Die Aach- prüfungen ergaben aber, daß er sich geirrt haben muffe. Glaisher hat im Höchstfälle eine Höhe von 9000 Metern erreicht.

Eine zweite wissenschaftliche Höheiffährt unternahmen am 15. April 1875 die Bal­lonfahrer Tisfandier, Sivel und Ervce-Spinelli. Hm sich vor der mörderischenHöhenkrankheit" zu schützen, nahmen sie Sauerstoff mit. Trotzdem büß­ten zwei der Teilnehmer unter Erftickungs- erscheinungen ihr Leben ein. Schon bet 7000 Metern Höhe sanken die Teilnehmer der Fahrt betäubt nieder. Als der Ballon, der nach den Aufzeichnungen der Meß­instrumente etwa 8000 Meter Höhe erreicht hatte, wieder auf dem Erdboden ankam, war nur noch ein Fahrtteilnehmer am Le­ben. Eine gewaltige Leistung vollbrachten einige Jahre später die beiden Professoren Berson und Süring. Am 31. (Mi 1899 stiegen die beiden Forscher auf dem Tempelhofer Feld bei Berlin aus und er­reichten in wenigen Stunden die Höhe von 9000 Metern. Bei 10 500 Metern etwa verloren die beiden kühnen Forscher das Bewußtsein, nachdem es ihnen noch eben mit äußerster Kraftanstrengung gelungen war, die Reißleine zu ziehen. Erst in 6000 Meter Höhe erwachten die beiden aus ihrer Ohnmacht. Bei der Landung wurde sest- geftellt, daß Berson und Süring eine Höhe von 10800 Metern erreicht hatten. Dieser Weltrekord im Höhenballonfliegen wurde in der Vorkriegszeit nicht mehr überboten. Wenig später gelangen auch noch andere

» Nicht bestätigt.

fk.' Z n n s b r u ck, 28. Mai. Der zur Verfolgung des Fluges von Piccard ent­sandte Vertreter des Süddeutschen Korre- spondentsbüro meldet, daß es endlich um 8.30 llhr früh möglich war, direkte Ver­bindung mit Bozen und Meran zu erhal­ten. In Bozen ist die Erkundigung n e - gativ verlaufen.

Piccards Ballon ist dort nicht gesichtet worden.

Weiter ging das Gerücht, daß das Luft­fahrzeug über Meran gesehen worden sei. Die Wetterstation Meran bestätigte auch auf Anfrage, daß der Ballon gestern

Weltenraum

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flusttechMche Rekvrdfahrten. Im Jahre 1907 Überflügen beispielweise zwei Ita­liener aus Mailand den Mont Blanc in einer Höhe von 6000 Metern.

Erst in der Nachkriegszeit wurden bann wissenschaftliche Höhenforschungen wieder aufgenommen, teilweise mit Hllfe des Flugzeugs, teilweise mit dem Freiballon. Im Jcchre 1926 erreichte der Franzose Jean Callize mit feinem Flugzeug die phantastische Höhe von 12 442 Metern. Wenig später, im Jahre 1928, stieg der spanische Attilleriemajvr MvlaS Garcia im Freiballon auf, um den Höhenwelt­rekord an sich zu reihen. Als der Ballon einen Tag später in der Nähe von Ma­drid nteberging, fand man in der Gondel die Leiche des Majors. Der Mhenmesser gab die erreichte Höhe mit 12 000 Metern an. Bis 5000 Meter konnte der tapfere Offizier noch ohne besondere Beschwerden wissenschaftliche Aufzeichnungen machen.

Den Weltrekord im Höhenflug stellte im gleichen Jahre 1928 der amerikanische Ka­pitän Hawthorne E. Graz auf. Von ihm wurde die größte bisher von einem Men­schen bezwungene Höhe von 12 945 Metern erreicht. In einem offenen Dallonkopbe startete dieser tollkühne Amerikaner zu feinem. Rekordflug. Als er die phantastische Höhe von 13 Kilometern über dem Erd­boden erreicht hatte, gelang es ihm eben noch, die Reißleine zu ziehen. Mit un­heimlicher Geschwindigkeit sauste der Bal­lon nach unten. In 2 400 Meter Höhe ent­schloß sich der kühne Forscher, mit dein Fallschirm abzuspringen, um nicht selber bei dem Aufprall des Ballons auf den Erdboden zerschmettert zu werden. Graz tarn auch wirklich heil auf der Erdober­fläche an. Als er kurze Jett darauf den Versuch unternahm, feinen eigenen Well­rekord zu schlagen, verunglückte er tödlich.

Weltraumforschung im Ballon ein kühnes Unternehmen, an das sich die kühn­sten Forscher der Welt immer wieder her­angewagt haben. Keiner von ihnen fürch­tete den Tod, der in der dünnen Lust des Aethers lauerte. Hingebungsvoll und to­desmutig dienten sie der Wissenschaft, für die sie auszogen. Professor Piccard ist nicht der erste, der biß zur Stratosphäre vorzudringen sucht. Zum ersten Mal wurde von Piccard Um. ein hermetisch ab­geschlossener Ballonkorb für den Höhen­flug angewandt. Die übrigen Forscher er­lagen hn offenen Bollonkoib leicht der mörderischen Höhenluft. Professor Pic­card. der seinen Flug brS in alle Einzel­heiten vorbereitet hat, wollte solchen Ge­fahren entgehen. Nun scheint er ihnen doch zum Opfer gefÄIerr zu sew.

nacht nach 22 Ahr in sehr geringer Höhe über Lana (10 Kilometer südlich von Me­ran) im Oetztal gesehen worden sei. Man habe den Eindruck, daß er sich anschickte zu landen. Auch diese Nachricht stellte sich auf Erkundigung in Lana als Gerücht heraus. In Lana ist nicht das Geringste über eine Sichtung oder Landung des Ballons bekannt. Nachdem bis heute 8.45 llhr früh keinerlei neue Sichtmeldungen vorliegen, muß man demnach wohl anneh­men, daß

der Ballon entweder in den Stubbaier oder Oetztalex Alpen gelandet ist, ohne daß die Forscher bisher die Möglich­keit hatte«, ihre Landung bekannt zu gebe« oder aber, daß die Forscher den thne« vollkommen unbekannten Berhältnisien der Stratosphäre erle­gen sind und der Ballon irgendwo treibt oder in unsichtbarem Gelände niedergegangen ist, sodaß seine Auf­findung Tage beanspruche» könnte.

Die Flugwetterwarte Innsbruck hat eben­falls keinerlei Nachricht. Man ist hier der Meinung, daß der Ballon noch frei treibt oder in den Alpen verloren ist. Nach Aus­kunft der Flugwetterwarte herrscht am Bodensee Ostwind, in den verschiedenen Höhenlagen Ost- und Nordwind.

Piccard im Eletschergebiet der Oetztaler Alpen.

fk. Innsbruck, 28. Mai. Die Gen­darmerie von Sölden, der höchstgelegene Posten des Oetztales, meldet uns um 9 llhr vormittags, daß Piccards Ballon um 21 llhr, also genau vor 12 Stunden, in etwa 5000 Meter Höhe von Sölden aus zu beobachten war, daß er um 9.15 llhr über Deut im hintersten Oetztal stand und daß er dann die österreichische Grenze ge-

Italien zwischen dem Noderkogel und Storkkogel überflogen habe, die beide etwa 3000 Meter hoch find. Der Ballon hat demnach also gestern abend zweifellos die StubÄer-Alpen noch glücklich über­quert und.ist auf italienisches Gebiet, oder kg das west gefährlichere Eletschergebiet der Oetztchh-r Alpen mit ihren fast 4000 Meter böfeft Gipfeln und ihren vielen OuadratkIftzieter urnfasienden Eletscher- felbem gÄgtzgt. Seit dieser Zeit fehlt qach usie^vor jede Nachricht.

v Aus der Suche nach Piccard.

ff?Innsbruck, 28. Mai. Hm 10.30 llhr ist immer noch keine Aufklärung über das Schicksal Piccards zu gewinnen. Nach­fragen bei den hochgelegenen Gendarmerie- Posten blieben ergebnislos. Bei den Flug­stellen in Trient urtb Bozen ist über das Schicksal Piccards nichts bekannt. Die Flugzeugwetterwarte Innsbruck hat auf Grund der verschiedenen Sichtmeldungen genaue Berechnungen über die mutmaß­liche Höhe des Ballons bei der llebergue- rung der Alpen vorgenommen. Danach ist anzünehmen, daß der Ballon noch in der 8. und 9. Abendstunde ehre Höhe von etwa 5000 Meter gehabt hat und daß die Mög­lichkeit besteht, daß der Ballon auch über die Zenttalalpen nach Oberitalien hätte gelangen können. Diese Annahme scheint jedoch zweifelhaft, da keine Standortmel­dungen von dort vorliegen. In Innsbruck find zwei Augsburger Persönlichkeiten ein-