MIWV», den 27. Mai ISA
fit »SberheWch« Setottfl* «• r-Aeint sechowal wichcstlich. St» g^pcti« monatlich 2.2069R a«0- L[iey. Zustkllm,g«g«bühr. durch I^Post2.45 GM. Für etwa durch Streik. Maschinendefekl odtr de» „tutete Greignifft mKfaCenbe
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Nr.m 66.Mro.
Marburg uLalm
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Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadl «nd Kreis Marburg.
Neue Anleihen statt Revision?
„Daily Herald" spricht von einer 2 Milliarden-Anleihe — Halbamtlich wird abgelehnt und dementiert
Vor der Notverordnung
Schluß mit Anleihen!
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Wie wir erfahren, wird Reichskanzler Dr Brüning die Vertreter der Sozialdemokraten, die sich, wie erinnerlich, vor den Feiertagen in einem Schreiben zur Frage einer Senkung des Vrotpreises an den Reichskanzler gesandt hatten, heute vormittag zu einer Aussprache über chre Wünsche empfangen.
Die angekündigte Sitzung des Rerchs- kabinetts, die sich im wesentlichen mit den außenpolitischen Fragen, vor allem mit dem Verlauf und den Ergebnisien der Genfer Tagung beschäftigen wird, beginnt heute nachmittag um 17.30 Uhr.
Als Auftakt zu der großen Beamtenkundgebung, die gestern abend im Sportpalast gegen jeden weiteren Eehaltsadbau stattfand, gab der Presiechef des Deutschen
Veamteitbundes bei einer Pressebesprechung bekannt, daß Staatssekretär Dr. Pün- der im Auftrage des Reichskanzlers auf einen Brief des Deutschen Veamtenbundes geantwortet habe, daß der Reichskanzler wegen der Bedeutung der Angelegenheit bereit sei, die Beamtenspitzenorganisationen vor Fassung endgültiger Kabinettsbeschlüsse zu empfangen. Dieser Empfang, der Ende dieser Woche ermöglicht werden solle, solle dazu dienen, eine Aussprache mit den Vertretern der Beamtenschaft über eine weitere Gehaltskürzung oder eine Sonderbelastung der Beamtenschaft herbeizuführen.
Blicken. Der Ballon hat seine Richtung von Nordwesten nach Süden geändert. Man schätzt um 7.30 Uhr die Entfernung des Ballons vom Startplatz ans aus 100 Kilometer und die Höhe «ms 7—8000 Meter.
Professor Piecard in 10—12000 Meter Höhe.
31a$ einer von sachverständiger Seite gegebenen Mitteilung bat Prof. Piecard. soumit man seine» Ballon verfolge» konnte, die Höhe -ter Cirrnswolken gegen 9 Uhr bereits überschritte« und damit eine Höhe von 10 b-i, 126D0 Metern erreicht.
Zu der Meldung des »Daily Herald" über eine geplante Anleihe a« Deutsch- hmd in Höhe von zwei Milliarde« Reichsmark zur Behebung dex augenblicklichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten ««d zur Ermöglichung der weiteren Reparations- pchlungen erfahren wir von unterrichteter Seite, daß a« amtlichen Stellen vo« einer solchen Anleihe nichts bekannt ist. Zn politischen Kreise« ist man der Auffassung, daß eine derartige Anleihe keineswegs die geeignete Möglichkeit zur Lösung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten «nd z«r Regelung der Reparationsfragen wäre. Deutschland braucht keine neue Anleihe, um seine Reparationsschulden weiter bezahlen zu könne«, sonder« es braucht ei«e definitive Herabsetzung der Reparatioms^hlunge«. Auch die Hereinziehung des Völkerbundes i« diesen Fragenkreis hält man in politische« Kreise« für inopportun. Der Völkerbund könne wohl in der Lage sei«, in weniger bedeutende« Fällen eine wirtschaftliche Hilfe zu organisieren, aber für die Lösung des Reparationsproblems ist er nicht geeignet.
„Daily Herald" begründet seinen Vorschlag einer Reparationsanleihe für Deutschland wie folgt:
Verantwortliche Kreise erachten sie als die einzige Möglichkeit, um einen Zusammenbruch des Poung-Plans und der Reparationszahlungen zu verhindern. Der Fall der Weltmarktpreise und die wirtschaftliche Krise in Deutschland hätte« eine Lage hervorgerufen, die man im Haag nicht voraussehen konnte. Da Deutschland in Gold zu zahlen habe, hätten sich die Lasten um 30 Prozent über den Betrag erhöht, den der Poung-Ausschuß als die Grenze der Zahlungsfähigkeit Deutschlands festgesetzt habe. Hinzu komme bet Fehlbetrag im Staatshaushalt, der sich infolge der wirtschaftlichen Depression noch erhöhen werde. Obwohl weitgehende wirtschaftliche Sparmaßnahmen getroffen seien «nd auch in den nächsten Wochen gemacht werden sollen, sei ein wirtschaftlicher Zusammenbruch Deutschlands im nächsten Winter unvermeidlich, falls sich nicht noch in letzter Minute etwas «eigne. Ohne Zweifel werden bei der Konferenz von Ehequers die deutschen Minister auf die Verzögerung der Durchführung des deutsch- österreichischen Zollabkommens Hinweisen. Deutschland könne zwar ein Moratorium für die ungeschützten Zahlungen fordern; aber Dr. Brüning werde eher für eine vollständige Revision der Zahlungen eintreten, die fast überwiegend nach Frankreich gehen. Sollte bis zum Zusammentritt der Völkerbundsversammlung im September keine Antwort vorliegen, so werde Deutschland die Gläubigermächte von der llnmöglicheit unterrichten, die vollen Zahlungen weiterleisten zu können. Man könne mit der Erklärung eines Moratoriums kurz darauf rechnen, falls bis dahin keine neue Regelung erfolgt sei.
Sine amerikanische Stimme für die Schuldenregulierung.
Der amerikanische Finanzsachverständige Thomas W 0 0 d l 0 ck behandetz in einem Artikel „Wall Street Journal" das Kriegsschuldenproblem und schreibt dazu 1. e.:
Rücktritt des polnischen Kabinetts
Warschau, 26. Mai. Heute nachmittag sand eine Sitzung des Miuisterrates statt, in der der Beschluß gefaßt wurde, daß die Se- santtregiernng die Demission einreichen wird.
Der plötzlich erfolgte Rücktritt der Regierung des Obersten Slawe!, die seit dem 4. Dezember vorigen Jahres im Amte war, hat in Warschau nicht überrascht. Schon seit Wochen will man in eingeweihten Kreisen wißen, daß sich Slawek mit Demisfionsabsichten trage, um wiederum die Leitung des Regierungsblockes im Sejm zu übernehmen. Die schwere finanzielle Lage des Staates sowie die Schwierigkeit, innerhalb des Kabinetts in der Frage der Kürzung der Beamten- und Offiziergehälter zu einer Einigung zu gelangen, haben zweifellos die Amtsmüdigkeit Slaweks gesteigert.
Als vermutlicher Nachfolger Slaweks gilt der bisherige Handelsminifter Oberst Pryftor, der ebenso wie der bisherige Ministerpräsident zum Kreise der engsten Vertrauten des Marschalls Pilsudski zählt.
Der Senatspräsident hat die Demission des gesamten Ministeriums angenommen. Die bisherige Regierung wurde beauftragt, die Geschäfte bis zur Bildung des neuen Ka-
Dre DeMhsrogsterung wird jetzt nach Pfingsten die entscheidenden ‘Beratungen tDer die neue Notverordnung fül> Ten, nachdem die Refforts ihre Vorarbeiten beendet haben und die Reichsminister die 'VordeiHaMstnrgen zum Abschluß brachten.
Me neue Rrckverordnung, deren Veröffentlichung man für Anfang Juni erwarten dürste, wird einen großen Umfang haben und, soweit bekannt geworden ist, mehr ccks ein Dutzend Gesetzesänderungen bringen. Die neue Dotverordnung basiert in einem Teile auf jener vom Reichs- kabinett erteilten Schvrer mä chtigung. Von dieser Sparermächtigung wird die Reichsregierung, soweit überhaupt nach Abstriche an den einzelnen Etats möglich sind, weitgehenden Gebrauch machen. Es werden dieses Mal auch Abstriche am ®e hr» eta t vorgenommen in Höhe von rund 50 Millionen Mark. Aber angesichts des Gesamtdefizits bleiben alle noch so rigorosen Etatsabstriche ungenügend. Die Reichs- regietung wird zu anderen Mitteln greifen müssen, um Re Defizite zu beseitigen.
Wieder taucht der angebliche Wan einer weiteren, etwa 4prvzentigen Kürzung -der VeamtengehSIVer auf, oder nach anderer Auslegung der Wan einer sogenannten Veschäftigungsstene,r, welche von sicheren Einkommen von enter bestimmten Grenze ab erhoben werden sollen.
Zwischendurch ist btzstrmMch von einer angeblich geplanten Erhöhung der Umsatzsteuer gesprochen worden. Wir können aber nicht annehmen, daß sich die Reichsregierung zu einer solchen Mcrh- nahme entschließen dürfte, zumal es drch ihr Bemühen bleiben muh, die Preise entsprechend des verringerten Einkommens der Lohn- und Gehaltsempfänger niedrig zu halten und, wo es noch nicht geschehen ist, weiter herabzusetzen. Alles das sind aber mutmaßliche Wäne, von denen keineswegs feststeht, daß der eine oder andere vom ReichÄabinett aufgegrtffen oder angenom- I men werden könnte.
Einen sehr beachtlichen Teil der Rot- I Verordnung bildet dieRef0rm der Arbeitslosenversicherung. Obwohl das Gutachten der Brauns-Kommission noch nicht vorliegt, hat man sich doch über einen Vorschlag schon ernstljch Beraten, der dahin geht, die Krisen- und Wohlfahrtsunterstützung zu vereinheitlichen, dafür die Gemeinden entsprechend zu finanzieren. Das würde eine Erweiterung der Bedürftigkeitsprüfung Bringen, mit anderen Worten, die Prüfung wäre dann schon vorzunehmen, wenn der Arbeitslose aus der eigentlichen Arbeitslosenversicherung her- auskommt und nicht erst beim Siebergang von der Krisen-- zur Wohlfahrtsfürsorge. Man errechnet hier größere Ersparnisse. Schließlich soll eine Aeuregelung der än«
Deutschlands Zahlungen an die Alliierten bildeten den Kernpunkt der ganzen Frage. Die tatsächliche Last der Deutschland auferlegten Zahlungen sei derartig, daß der Lebensstandard bis zum Eefah- renpunkt herabgedrückt sei. Nichts würde mehr dazu beitragen, die Weltwirtschaft anzukurbeln, als ein wirklicher Friede zwischen Deutschland und Frankreich sowie Maßnahmen, die deutsche Reparationslast wenigstens erträglich zu gestalten. Amerika könnte es sich wohl leisten, dre Zahlungen im gleichen Verhältnis, rote Deutschlands Lasten modifiziert wurden, ebenfalls zu modifizieren. Eine solche Lösung müßte vor der Abrüstungskonferenz und den Wahlen in Preußen int nächsten Jahre erfolgen.
ft. Augsburg, 27. Mai. Piccards Pal- fim wurde auf seinem Stratosphärenflug im Laufe des Vormittags in verschiedenen südlichen Orten Bayerns als kleine Kugel gesichtet. So ht Kempten um 8.15 Uhr und was später über Lindau im Bodensee.
Endlich aufgestiegen • -
Professor Piecard versucht den Flug in die Stratosphäre
ft 27. Mai. Professor PAe-
card ist am Mittwoch früh 3.57 llhr zum StnttosphSreafi»« «eitertet «ege« *.30 Uhr war die Füll»»g des Ballons beendet. Eine dreifache Polizeikette sperrte die Zugänge zur Fabrik ab. Rur wer mit einer Karte versehen war, konnte das Fabrikgebäude betrete«.
Die Füllung des Ballons bettug bei dem ersten Startversuch 2200 Kubikmeter Waller- Äs bei einem Fassungsvermögen des ts von 14000 Kubikmetern. Senkrecht ragte der zu ein Siebtel gefüllte Ballon in die Lust. Gegen 3 Uhr morgens kam mehr imb mehr ein starker Ostwind auf, sodaß bereits zu befürchten war, die Gondel könnte beim Aufstieg gegen das Fabrikgebäude stoßen. Um 3.45 Uhr bestiegen Prof. Piecard und sein Assistent Gipser die Gondel. Um 3.50 Uhr wurde der Verschluß zugeschraubt. Hm 3.57 Uhr ertönte das Kommando „Los" und der Ballon wurde von leichten Winden in nordöstlicher Richtung davon getragen. Schon in geringer Höhe drehte sich die Luftströmung und der Ballon wurde zunächst nach Süden getrieben und wandte sich dann nach Osten und erreichte eine große Höhe. Er befand sich gegen 4.45 Uhr in einer Schicht von Stratos- wolken und stand fast senkrecht über Augsburg. Professor Piccard erwartet in großer Höhe nordwestliche Winde, sodaß er voraussichtlich nach einer 5—7stündigen Fahrt zwischen Freiburg i. Br. »nd Basel landen dürste.
Bi» 7.30 Uhr, also 3V2 Stunden nach dem Aufstieg, war Prof. Piccard dem unbewaff- neten Auge am leicht bewölkte» Himmel noch deutlich sichtbar. Da«» eutschwaud er de«