Einzelbild herunterladen
 

Sonnabend, -en W. Mai IM

Die .Ob-rb-ssisch« Z-Wwg' « sech «mal wöchenMch. Be- .ffiMtbteil monatii<62.20®9K .au*' kchNeßl- Zusklllmg«grbabr. durch

Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschiueudefekt oder ele- »«utare Lreigniffe aussalleud« «gggwetn wird kein Ersatz ge- le(|kL Verlag, Dr. §. Httzeroth, D«<k der Unid-Bachdruckeret «oh. Aug. Koch, Markt 21/23. grrnsprecher: Rr.54 nub Rr.55. «osts<h«krouto: A«t Frankfurt «.M. Rr. 5015. Sprechzeit der Ledaktion von 1011 und »fei1 Uhr.

SberhMsche

Sarbateet D EA

rmrÄmzeiM H H J 8 8 M «lmdeSMilm»

Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Str. 119 6fi.»g.

Marburg o. Laim

Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespalt. Zrüenmilldneter 0.08 GM.,sog. kleine Anzeigen und Fanülienanzeigen bei Barzahinng 0.07 ©SR, anitl. und auswärtige AnzeigenO.10 GM. Srundschrfft: §»lonel. Bei schwierige« Satz so­wie bei Platzborfchrift 50"/, Auf­schlag. Sammelanzeigen 100% Aufschlag Aeklam.-Millim. 0.40 GM Grundschrift r Petit. Jede, Rabatt gilt al* Barrabatt.

Ziel 5 Sage.

Sfferteu-Gebühr r 25 Pfg. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.

Komm, Schöpfer Geist!

Eine Pfingstbetrachtung von Walter Bloem.

Die Rückkehr Briands

Begeisterter Empfang in Paris Der Kampf um Dr. Curtius Kritik verboten?

fer G e i st!

Das ist das inbrünstige Pfingstgebet von MWonen ahnender Herzen. _ >

Die Schuld an der hentigen Weltkrise trügt im letzten Grunde die Entgeistung, die Entseelung, die Materialisierung des Lebens. Der schauerliche Jrrwähn, als könne der Verstand die Welträtsel lösen oder habe sie gar schon gelöst. Ergleicht dem Geist, den er begreift". Er sucht den Sinn des Lebens da, wo er niemals zu finden sein kann: in der Erringung äußrer Machtmittel zur Sättigung körperlicher De- gierden.

Der Mensch aber ist nur Mensch, well und insoweit er Geist ist. Er schreüet rn Wahrheit nur fort, er kommt nur vmwE und in die Höhe, wenn er semer SE- erfüllung näher rückt. Das ^BeiS» heil bloß für Geistige, Intellektuelle, »Ge­bildete". Das ist ein Wrften und Erleben, dessen der Geringste teilhaft werden kann. Solange der Mensch sein Leben auffaßt als einen zeitlich begrenzten Ablauf ^tt>er- licher Ergänze, von der Zeugung über die Geburt den täglichen Swffwechsä und die Fortpflanzung bis zum Tode - P W eI des Wahns lebt, in diesen phhbiolo­gischen Funktionen sei des Daseins Jn- begriff beschlossen - so lange ist erein Ster auf dürrer Heide von einem böse»

Schober ist hoffnungsvoll

Benefch will den Zollplanerweitern"

Außenminister Briand »st gestern abend »m 22.30 Uhr aus Genf kommend in Paris eingetroffen.

Schon lange vor Ankunft des Zuges hat­ten sich auf'dem Bahnsteig zahlreiche Po­litiker eingefunden, während sich in der Bahnhofshalle und vor dem Bahnsteig eine durch ein starkes Polizeiaufgebot zu­rückgehaltene Menge sammelte, die auf mehrere taufend Personen geschätzt werden kann. Darunter befanden sich viele Ab­teilungen ehemaliger Frontkämpfer und Abordnungen linksstehender politischer Or­ganisationen. Als der Zug einlief, durch­brach die Menge den Abfperrungsgürtel und überflutete den Bahnhofseingang. Nur mit Mühe konnte dem mit tausend­stimmigen RufeEs lebe Briand! Es lebe der Friede! Nieder der Krieg!" begrüßten Außenminister der Weg zum Auto ge­bahnt werden, das ihn innerhalb weniger Minuten zum Quai d'Orsay brachte. Nach Abfahrt des Autos kam es zu einigen Zwischenfällen. Mitglieder der Action Francaise bombardierten aus einem Caföbaus die Menge mit Gläsern und Stühlen. Zwischen ihnen und verschiedenen Formationen aus der Menge kam es zu einer regelrechten Schlägerei, bei der mehrere Teilnehmer nicht unerheblich ver­letzt wurden.

Eine Erklärung Geheimrat Cunos zu dem Artikel derD.A.Z." gegen Curtius.

DieD. A. Z." veröffentlicht folgende Mitteilung:Zwei Blätter des Berlages Moffe bringen die phantastische Nach­richt, der Kampf derD.A.Z." gegen die Mißhandlung Deutschlands in Genf sei unternommen worden, um den Vorsitzen­den des Aufsichtsrates unseres Unterneh­mens, Reichskanzler a. D. Dr. Wilhelm Cuno, als neuen Außenminister zu prä­sentieren. Das ist eine ebenso ver­wegene wie dumme Lüge.

Geheimrat Cuno teilt uns dazu auf Anfrage mit, daß er eine Kandidatur für den Posten des Reichsaußenministers zu jeder Zeit und unter allen Umständen a b l e h n e n würde."

Zu der Kritik einiger Blätter an ihrem Vorstoß schreibt dieD. A. Z." u. a.: Die halbamtliche Verteidigung der Genfer Vorgänge ist darauf abgestellt, daß die Autorität des Reichsaußen­ministers nicht in einem Augenblick durch Presseäußerungen erschüttert werden dürfe, wo er mitten im Kampf um Deutsch­lands Jnteresien stehe. Dieses Thema wird in vielen Variationen gegen dieD.A.Z." polemisch abgewandelt, und es ist bemer­kenswert, daß der sozialdemokratische Füh­rer Rudolf Breitscheid imVorwärts" sich zu dem offenen Bekenntnis veranlaßt sieht, diese Art, eine Kritik abzuwehren, sei als nicht besonders glücklich zu bezeich- ne#t. Dr. Breitscheid erklärt rund heraus, man werde schwerlich verlangen können, daß in all den Monaten, in denen noch um die Verwirklichung des Zollunionsplanes gerungen werde,die Kritik um der Au­torität des Herrn Curtius willen schwei­gen" soll. DieD. A. Z." hält die Frage der Zollunion, für die sie von Berlin und Wien aus seit Zähren publizistische Vor­arbeit geleistet hat, für eine so entschei­dende geschichtliche Frage des deutschen Volkes in Deutschland und in Oesterreich, daß sie, wenn sie schon einmal angepackt worden ist, unmöglich mit einem Scheitern enden darf. Im Jnteresie der deutschen Politik ist die Frage aufgeworfen, ob die­ser Erfolg mit den bisherigen Methoden und dem bisherigen Außenminister (nach den Vorgängen) in Genf noch erreicht wer­den kann. Wir bedauern, diese Frage mit Rein bea*tfcn»riEn in müssen

zum Zusammenwirken nicht mehr dulde I und daß es nun Aufgabe der zu diesem europäischen Kreise gehörigen Staaten sei, die Initiative zu ergreifen. Frankreich I werde einer solchen Methode größerer I Regionalzusammenfchlüsfe, die sich nie I gegen Deutschland richten dürften oder richten würden, nicht bloß seine Sympathie, sondern auch außerordentlich materielle Mittel zur Verfügung stellen.

Au- der gestrigen Sitzung des Bölker- bundes.

fk Genf, 23. Mai. Zn der strittigen Memelfrage hat der Völkerbundsrat eine Entschließung angenommen, wonach die Entsendung eines unabhängigen Fi­nanzsachverständigen zur Untersuchung der Finanzstreittrage zwischen Memel und Litauen vorgesehen wird, während die übrigen Streitfragen dem Haage Gerichts­hof überwiesen werden.

Der Völkerbund hat den betreffenden Bericht über die Einberufung der Ab­rüstungskonferenz angenommen, tn dem die Ernennung Hendersons zum Präsidenten und die Wahl Genf als Ta­gungsort festgelegt wird.

Beim Haager Znternationalen Gerichts­hof ist am Freitag das Erfuchen des Vol- kerbundsrates um die Ausarbeitung eines juristischen Gutachtens über die Zoll- Union eingegangen.

Am Sonnabend verhandelt der Volker- bundsrat gegen Polen wegen des Schutzes der deutschen Minderheiten tn Ober­schlesien.

Die amerikanischen Lustmanöocr.

672 Militärflugzeuge über Rewqork.

N e w y o r k, 22. Mai. Am Sonnabend nach­mittag wird Newyork ein ungewöhnliches Schauspiel erleben. Als Anstatt zu den grw ßen amerikanischen Lustmanooern werben 672 Militärflugzeuge in Kampsformatron über die Stadt hinwegstiegen. Wahrend dieser »^-ust- parade" werden zahlreiche Ftstdensgeiell- schaften, Jugendvereine und religiöse ver­bände auf allen öffentlichen Platzen Kund­gebungen veranstalten und gegen dieseVer­höhnung" des Geistes des Kelloag-Pattes pro­testieren..

Unmittelbar vor seiner Abreise nach Wien hat der österreichische Außenminister Vizekanzler Dr. Schober den Genfer Ver­treter des WTB. empfangen und ihm fol­gende Erklärung abgegeben:

Es waren sehr schwere Tage der Arbeit, welche die deutsche und die österreichische Delegatton in Genf zugebracht haben die aber durch die enge und in freundschaft­lichstem Sinne geführte Zusammenarbeit beider Delegattonen zu einem Ergebnis geführt haben, mit welchem man angesichts der Berge von Schwierigkeiten zufrieden sein kann. Wir streben ja demselben Ziele zu, im Rahmen der paneuropaifchen Idee eine neue Linie für die Verbesserung wirtschaftlichen Verhältnisse unserer beiden Länder zu finden. Was Re'ch.s- außenminister Dr. Curttus und ich m engster Zusammenarbeit gelegentlich des letzten Wiener Besuches als Richtlunen aufgestellt haben, ist ein Man für welchen erst geworben werden muß. Wir sind zu­versichtlich, daß die von unseren beiden Staaten verkündete Zdee, sobald der Haager Gerichtshof das Gutachten erstattet haben wird, der internationalen Politik doch in einem anderen Lichte er- fchein-en wttd, und daß man bann unsrer Versicherung, daß wir ein rein wirtschaft­liches Projekt verfechten, wobei wir aue europäischen Staaten zum Beitritt ern- läden mehr Glauben schenken wird als es leider bis Genf der Fall war. Die durch die aufklärenden Reden und Besprechun­gen der deutschen und österreichischen Ver­tretung wefentttch freundschaftlichere Ein­stellung der meisten Teilnehmer zu unfe- rem Projekt berechtigt uns zu der Hoff­nung daß wir sobald als möglich von den Worten zu den Taren schreiten können.

DasPrager Tageblatt" bringt eine Unterredung seines Genfer Bertchr- erstatters mit Außenminister Benes cy. Venesch führt aus, er begnüge sich nut dem negativen Ausgang der Verhandlungen über den deutsch-österreichischen Pakt nicht, sondern habe die Absicht, den Plan m größerem Rahmen zu erweitern und oa- durch schöpferisch zu machen. Er fei über­zeugt, daß die gefährliche wirtschastliche und politische Unruhe, die ganz Mittel­europa, nicht bloß Deutschland, ergriffen habe, einen Stillstand der Bemühungen

Uns erscheint die sachliche Kritik an der allzu nachgiebigen und trotz aller schlech­ten Erfahrungen unerschüttert vertrauens­seligen Haltung der deutschen Delegation in Genf fruchtbarer und notwendiger als der Versuch, mit gereizter Gehässigkeit gegen eine gute und auch int Ausland an­gesehene Zeitung wie dieD. A. Z." zu Felde zu ziehen. Die Forderung nach nationaler Disziplin" klingt sonderbar aus den Spalten eines Blattes wie der Frankfurter Zeitung", die mehr als ein­mal in schwersten Stunden der deutschen Außenpolitik in den Rücken gefallen ist, während der Kampf noch andauerte. Die Krittk derD.A.Z." setzte erst ein, als die Entscheidung in Genf bereits ge­fallen war und Dr. Curtius es nicht vermocht hatte, den Versuch Briands, Marinkowitsch' u. a., unabhängig von der Haager Entscheidung die Zollunionsfrage dem politischen Spruch des Völker­bundsrats zu unterstellen, wirksam abzu- j wehren. Denn, wir wiederholen, mit er- 1

Banalste Alltagsweisheit umschließt bis­weilen Hoffte Erkenntnis. Me wird der Mensch das Leben begreifen, wenn er nicht alle seine Erscheinungen an dem Platten Sprichwort mißt, nach welchem jedes Ding regten Protesten ist eine außenpoli- yinc ^toe, Seiten hat. Um einen Hauch tische Initiative nicht möglich. Nicht ohne poetischer ausgedrückt: Wo Licht ist, da ist

Grund bereitet Paris dem zurückgekehrten I auch schatten wo Schatten, da Licht. Außenminister Briand eine begeisterte I Wir stehen heute in dem riesigen Schlag- Huldigung . schatten einer Aufstiegsepvche, die ohne

Der Versuch derFrankfutter Zeitung , Beispiel in der Geschichte der Menschheit in Emangelung stichhaltiger Gründe gegen ist. Grell, wie von gigantischen Scheut- die sachliche Krittk derD.A.Z." von I toerfem war sie angestrahlt. Die reute einerkleinen Zeitung" zu reden, diein Wissenschaft erklärte die Welt, die ange- ben Augen der Snobs den Vorzug hat, I wandte beherrschte sie. Jetzt frieren wir daß sie ein paar Eroßkapitalisten gehört", I auf der Schattenseite, frieren bis zum Er­richtet sich selbst. Nicht nur Fachkenner garten. Der Kopf hat das Herzerttthront. wundern sich darüber, daß dieFrank- Nun erleben wir, was eine Wett ohne futter Zeitung" mit einer im Verhältnis Herz bedeutet. Die Technik hat Lebens- zu ihrer Anmaßung lächerlich geringen 1 Möglichkeiten für neuentstehende Hunderte Auflage noch zu existieren vermag. Es von Menfchenmillionen geschaffen, yain gibt vielekleine" Provinzzeitungen, die stößt sie fast allmonatlich Millionen wieder sich in Bezug auf die Auflage gut mit der I ab, sie braucht sie nicht mehr, mögen dte Frankfurter Zeitung" messen können, noch verwendbaren die überflüssig gewor- Was allerdings dieWeltanschauung" denen mit durchsüttern geht das nicht anbelangt nun, da verzichten die mei- I länger, sie verhungern lassen. Schotten- stenkleinen" Zeitungen gern darauf, sich feite:

mit dergroßen" aus Frankfurt zu ver- ganze ungeheuerliche, aber unbedingt

gleichen. S. I zwangsläufige Logik dieser Entwicklung gilt

I p« versieben, wenn wir sie bemeistern 11111 wollen. Wir haben alle Bindungen der

Vergangenheit gesprengt, nun finden die entfesselten Mächte freie Bahn. Das ging hundert Jahre lang vortrefflich und er- möglichte den beispiellosenFortschritt des technischen Jahrhunderts. Jetzt haben diese Kräfte und die durch sie erst tnS Le­ben gerufenen Millionen den bei Beginn der Epoche noch vorhandenen Lebens­spielraum der Menschheit ausgefüllt, bie ganze gewaltige Bewegung ist ruckhast gegen ihre äußersten Grenzen angeprallt, ohne ihre ursprüngliche Stoßkraft einzu­büßen, ein fürchterlicher Rückstau trat ein, der universale Katzenjammer ist jetzt da.

Nackte. unmißverständliche Tatsachen. Sie treffen nicht alle Rattonen gleich hott. Verschont bleibt keine. Den großen Krieg konnten die vieranderen" Kontinente noch beschönigend den europäischen nennen. Sein Okrlauf hat Asien und Afrika nur eben gestreift, Amerika und Austtalien btteben fast unberühtt. Seine Folgen unterwuy- len alle Erdteile gleich erbarmungslos. @8, war wirklich ein Weltkrieg, das bewerft seine AuSwittung, die Weltkrise.

Woher kann Rettung kommen?!

Bon der Vernunft? Sie hat den ganzen erdumwälzenden Bankerott verschuldet.

Veni creator spiritus komm, Schöp-