JemittAas, H 21. W1931
.OExrhesftsch- 3rttm$g* et- sthetnt sechonsl ioöchaiüich. Se* nww»®^ 2 J0®9R.«w« schließ!. 3ufteCnn@#geb6bt, durch jjje -post 2.45 GM. Mir etwa durch Streik. Maschinendesett oder de- mentote QxetQntfle <»f«iewe 9?«attnent wird kein Ersatz ge- löstet Vertag, Dr. §. Hihervth, Dm«k der Un id- Buchdruckerei Zoh. Ang. $®ä>, Markt 21/23. Fernsprecher: 9tt. 54 wri> Rr. 55. -Postscheckkonto: Amt Arankfnrl a_W. Sc. 5015. — Spcech^tt tur ffrfrrf«™ von 10—U ** 1 «hr.
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Die Front gegen Deutschland
Nach der Zollunion die Abrüstungsftage —- Deutschlands Forderung auf Offenlegung der Rüstungen wird abgelehnt
Übersicht
ff. (Senf, 21. Mai. Der Europa-Aas- Wktz hat a« Mittwoch dag Abkomme« wer die Schaffung eia«, internationalen landwirtschaftlichen Hypothekenbank mit dem Sitz in Genf einstimmig angenommen.
Aach Pariser Meldungen ist die erste bcrefte Aussprache, die am Mittwoch zwischen Dr. Eurtius und Briand stattfand, in „sehr herzlichem Ton" geführt worden. Auch mit Grandi hatte Briand eine Ausspache über die Fkotten- ftage.
Nach einem Londoner Bericht wird der englische Ministerpräsident Macdonald die Leitung des Außenministeriums selbst Wernehmen, während Außenminister Henderson den Vorsitz der Abröstungs, konferenz führen wird.
In Pariser politischen Kreisen verlautet, daß zur Zeit starke Bestrebungen im Gange find, Briand für eine Beibehaltung des Außenministeriums zu gewinnen. Vielfach vertritt man die Ansicht, daß Briands Rücktritt nur ein Manöver für Genf gewesen ist.
Der französisch« Wirft sch afts- plan findet in Genf wachsende Krittk. Auch franzosenfreundliche Genfer und insbesondere Schweizer Kreise bezeichnen den Bttandsplan als völlig ungenügend und betonen insbesondere, daß hierdurch die beängstigenden Fragen der gegenwärtigen Lag« Deutschlands in keiner Weise gelöst werden.
vorstob der D.A.Z. gegen Curtins
Die Behandlung, di« bet deutsch-österreichischen Zoll-Union und die insbesondere Deutschland und Oesterreich selbst in Genf zateh geworden ist, hat die Berliner *$.H.3* veranlaßt, den Rücktritt von Dr. Curtius «ad den Aastritt Deutschlands ans dem Bölkerb«ud zu fordern. Dieser Forderung trete« auch andere Berliner Blätter bei. I« dem Bericht eines Genfer Sonderkorrespondent«« wird hervorgehoben, daß wegen der ungenügenden diplomatische« Vorbereitung der Zoll-Union durch das Auswärtige Amt eine starke Berstim- «ung entstanden sei.
Im einzelnen scheibt die „D. A. Z.": Der Genfer Spruch über die Zoll-Umon mit Oesterreich wirft di« ernsthafte Frage auf, wie sich Deutschland zur Mitwirkung im Völkerbund in Zukunft stellen Muß, und ob es noch denkbar ist, daß der deutsche Reichsaußenminister, dem unter Führung des englischen Herrn Außenministers Genf eine schwere Niederlage beigebracht hat, den Reichs- kanzler Anfang Juli nach Cheguers begleitet. Ein toller Ansturm auf Deutschland und Oesterreich hat in Genf stattgefunden, ein Beschluß ist durch Ueber- rumpeluna zustande gekommen, der die mindere Berechtigung Deutschlands aller Welt klar vor Augen fühtt. Di« lleber- weisung des Wiener Vertrages an den internationalen Gerichtshof im Haag haben wir nicht zu fürchten und konnten dagegen, im Bewußtsein unseres guten Nechts, auch keinerlei Einspruch erheben. Daß sich, aber der Völkerbundsrat über diesen Urteilsspruch des höchsten internationalen Gerichts die rein polittfche Entscheidung oorbehält. daß, nicht etwa «at bis zur Fällung des Haager Urteils, sondern bis zur Stellungnahme des Rates die Verhandlungen eingestellt werden sol
len, das ist eine rein machtpolitisch bestimmte Zumutung, ein Beweis für b:e mangelnde Gleichberechtigung Deutschlands, ein schwerer Angriff auf das deutsch« Prestige. Wir sind der Meinung, daß die Zeit gekommen ist, zu überlegen, ob wir in Genf oder außerhalb Genfs stärker sind. Das deutsche Volk erträgt die Fußtritte nicht mehr, die ihm im Völkerbund verabreicht werden. Wir halten nichts vor leeren Demonstrationen. Aber «s muß überlegt werden,, ob die offizielle Ankündigung des Austritts aus dem Völkerbund nicht ein klügerer Akt der Realpoli- ttk ist, als die weitere Duldung einer Genfer Komödie, die während einer
schweren Erschütterung unseres inneren Staatsgefllges die — Gutmütigkeit der Deutschen auf eine allzustarke Probe stellt. Dazu kommt der Gesichtspunkt, daß das Ansehen des Kabinetts Brüning durch die Genfer Vorgänge schwer gefährdet ist. Da der Reichstag nicht versammelt ist, und ein dort sicheres Mißtrauensvotum gegen den Reichsaußenminister als große politische Kundgebung vor der Welt daher nicht angenommen werden kann, fällt die Last der EnischeiduiH auf Reichsregierung und Reichspräsident. Es scheint uns nicht mehr möglich zu sein, di« politische Entwicklung treiben zu lasten. Es müsten Entschlüße gefaßt werden.
Gefährliche Taktik
Dietrich nun doch für Veamten-Gehaltskürzung?
Mich Meldungen aus gutunterrichteten Kreisen wird es die Reichsregierung nicht vermeiden können, angesichts der dringend notwendig gewordenen Deckung des defizits auch in irgend einer Form die Beamten mit heranzuziehen. Für den Reichs-- finanz Minister Dietrich wird sich dabei eine Politisch schwierige Situation ergeben, da der Minister vor nicht allzu langer Zeit sehr bestnmnt jede Kürzung von Beamtengehältern dementieren ließ, während er jetzt schon derattigen Mitteilungen nicht mehr entgegentritt. Es scheint aber, daß diese Schwiettgkeit ohne die Möglichkeit eines Wechsels im Finanz- ministettum überwunden werden wird, indem der Finanzminister, der sich früher gegen Beamtengehaltskürzungen ausge- sprvchen hatte, bei der Entscheidung im Kabinett sich einfach überstimmens!) läßt, ohne daraus die Konsequenz eines Rücktritt zu ziehen, wenn der Beschluß einer Beamtengehaltskürzung gefaßt werden sollte.
Wie weiter gesagt wird, treffen alle die Angaben, die von einem lbprozenttgen neuerlichen Gehaltsabbau der Beamten wissen wollen, in keiner Weise zu. Bei den Plänen, di« jetzt von den zuständigen Stellen erwogen werden, handelt es sich um eine Gehaltskürzung in der Größenordnung von etwa 4 Prozent. Sin derartiger Abbau der Beamtengehälter würde für das Reich die Länder und die Gemeinden, für Post und Reichsbahn zusammen eine Ersparnis von etwa 400 Millionen bedeuten, die also ins Gewich fällt, aber alleine nicht genügen kann, um das DefM des ReichShcruHaltes zu decken, so daß noch andere Maßnahmen notwendig werden. Wahrscheinlich wird man nach den neuesten Informationen diesmal eine gestaffelt« Gehalts kürzung von 4 bis 7 Prozent vornehmen und ev. eine bestimmte Freigrenze fiir die untersten Stufen schaffen, ein Borgten, mit dem im Endeffekt etwa die Keiche Ersparnis von 400 Millionen wie bei einer generellen 4prvzentigen Kürzen erreicht wird. Ruch wenn man in den oberen Stufen auf 7 Prozent die Kürzung steigern sollte, so ist die Zahl der oberen Beamten zu gering, als daß^em wesenttich höheres Endergebnis erreicht würde.
Man wird eine Bestätigung dieser Information äbwatten müssen, jedenfalls wird aber immer deutlicher erkennbar, daß mit der Geduld der Beamten ein gefährliches Spiel getrieben wird.
Deutschnational« «nd BesoldungskürMngen.
Zu der m der Oeffentlichkeit vielfach erörtert en Frage einer weiteren Kürzung der Beamtenbezüge verweisen die amtlichen Mitteilungen der DNVP. auf die Rede Dr. Oberfahrens in der Plenarsitzung des Reichstages vom 17. Oktober vorigen Jahres, die auch heute unverändert Geltung habe. Oberfohren hat damals nämens der deutschnationalen Frattion erneut von der Reichsregierung geforbert, daß sie eine Aufrollung des Poungplanes einleite, weil erst nach einer Entlastung von den Tributen die innere Genesung denkbar fet. „Jeder Berufsstand", so wurde, weiter ausgeführt, „wird gern bereit iem, 'für die Abstellung der deutschen Not Opfer zu bringen, aber es ist unmoralisch und sinnlos, heute von einzelnen 'Berufsständen, etwa von den Beamten oder den Arbeitern, Opfer zu fordern, ohne ihnen die Gewähr zu geben, daß diese Opfer einen wirklichen Erfolg Tjabert.
Für Revision des Poungplanes.
Darmstadt, 20. Mai. Der hessische Landtag verabschiedete heute den Etat in 1. und 2. Lesung und faßte däzu» einmütig eine Entschließung, die die Regierung ersucht, mit Rücksicht auf die ungeheure Arbeitslosigkeit und die dem Zusammenbruch entgegeneilende Wirtschaft, sowie auf die unter dem EristenMinimum liegende Lebenshaltung der großen Masse des deutschen Volkes beim Reich dahin zu wirken, daß alsbald Verhandlungen jur Revision des Doungplanes eingeleitet werden.
Berliner Fmamnöt«.
Bsrlin, 20. Mai. Der Magistrat hat heute -den Haushaltsplan für 1931/32 verabschiedet, den nunmehr der Stadtkämme- rer am 3. Juni der Stadtverordnetenversammlung vorlegen wftd. Der Haushaltsplan schließt in den Einnahmen mit 1,298 Milliarden, in den Ausgaben mit 1,390 Milliarden Mark ab, gegenüber 1,160 Milliarden auf beiden Setten im Vorjahre. Der rück- gängtge Steuerertrag und das An schwellen der Wohlfahttslasten, die den Stadthaushalt aufs stärkste belasten, hat die Notwendigkeit ergeben, die Ausgaben außerordentlich etnju- schränken. An Steuererhöhungen ist em Z u - schlag von 200 Prozent zur Vürger- steuer vorgesehen, ferner hat der Magistrat zur Erhöhung der Einnahmen beschlossen, vom 1. Juli ab das Wassergekd von 20 auf 25 Pf. je Kubikmeter zu erhöhen. Trotz die- jer Maßnahmen konnte der Etat nicht ms Gleichgewicht gebracht werden; es bleibt vielmehr ein ungedecktes Defizit von 92 Millionen Mark, und es fehlen auch die Mtt- tel, um den Fehlbetrag von 1930 in Höhe von 100 Millionen Mark abzudecken.
Amtliche GegcnerHanrng
Das amtliche W.T.B.-Büro verbreitet dazu folgende Stellungnahme: Zu dem Angriff der „D. A. Z." ist festzustellen, daß von einem • solchen Beschluß des Völkerbundsrats nicht die Rede sein kann. Der Rat hat, entsprechend dem britischen Antrag, nichts anderes beschlossen, als die Rechtsfrage dem Haag zu überweisen. Ein Vorbehalt, den deutsch-österreichischen Plan später gegebenenfalls auch noch unter politischen Gesichtspunkten zur Erörterung zu bringen, ist lediglich von einzelnen Gegnern des Planes gemacht worden, ohne daß der Rat dem zugestimmt hätte. Von deutscher Seite ist diesem Versuch der , Gegner auf das bestimmteste entgegengetreten worden. Kein Staat kann sich in einer internationalen Erörterung dagegen schützen, daß von anderen Staaten unberechtigte Anträge gegen seine Pläne gestellt werden. Hierbei kommt es allein darauf an. solche Bestrebungen zunichte zu machen. Das hat der Reichsaußenminister durch feine wiederholten, mit größter Schürfe abgegebenen Erklärungen erreichr.
»
Wir vermögen den Optimismus, der in dieser amtlichen Erklärung zum Ausdruck kommt, nicht zu teilen. Mit Schönfärberei ist uns nicht zu helfen, sie hat uns nur Nnmer tiefer ins Unglück gestürzt Ein Beschluß, die Frage der Zoll-Union nach der Entscheidung des Haager Gerichtes nochmals dem Völkerbundsrat zur Prüfung der politischen Seite vorzulegen, konnte deshalb nicht gefaßt werden, weil nur Hendersons präziser Antrag zur Debatte stand. Im Verlauf dieser Debatte ist aber von Briand sowohl wie von Marinkowitsch in ganz unzweideutiger Form der Wille zum Ausdruck gebracht worden, es bei der Entscheidung des Haages Gerichts nicht bewenden zu lassen. Solche Vorbehalte, auch wenn sie nicht zum Beschluß erhoben werden, bieten einem entschlossenen Gegner durchaus die Handhabe, an sie wieder anzuknüpfen. Und es ist, wie wir von vornherein untersttichen haben, nicht daran zu zweifeln, daß die Franzosen sowohl in der Zwischenzeit bis zur Haager Entscheidung als auch nachher den Kampf gegen die Zollunion in der gleichen rücksichtslosen Art fortzusetzen entschlossen sind. Wäre diese Gefahr nicht so ungeheuer groß und wäre sie nicht auch von der deutschen Delegation erkannt worden, so hätte der Ratsbeschluß allein nicht dazu berechtigt, von „Staaten zweierlei Rechts" zu sprechen. Aber das ist ja in der Genfer Aussprache zum Ausdruck gekommen, daß man Deutschland, weil e s über fein« Macht verfügt, als einen Staat minderen Rechts betrachtet. An, griffe, wie sie sowohl von Briand wie erst recht von Marinkowitsch gegen uns ge- fühtt wurden, erforderten eine ganz andere Erwiderung als nur einen Hinweis darauf, daß wir es uns verbitten, unsere guten Absichten in Zweifel zu ziehen. Mit solchen Protesten, mögen sie in noch so spürbarer Erregung vorgebracht werden, ist eine außenpolitische Initiative nicht möglich. Man mag den Wert der Zoll- Umon einschätzen wie man will — die deutsche Regierung hat unter dem Druck der nationalen Welle diese Zoll-Union zu einer Frage Erhoben, die über unsere außenpolitische' Handlungsfreiheit entscheidet. Jetzt helfen weder Proteste noch Beschönigungen, jetzt müssen Erfolge erkämpft werden. Wer da zurückweicht, ist nicht am Platze. Denn er verkennt nicht nur die außenpolitische, sondern auch die innerpolitische Situation.
S.