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SbrrheUsche
MatdNWr Zeitung -
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.
Der Stapellauf der „Deutschland"
Festtag in Kiel — Hindenburg tauft das Panzerschiff — Der voreilige Kreuzer
Die Teilnehmer
Zuerst trafen die Krieger- und M i - LtLruereine mit ihren Fahnen, die studentischen Korporationen in Wichs und etwa Hl 000 Schulkinder ein, denen besondere Plätze angewiesen wurden. Auch das Reichsbanner and der Stahlhelm sind mit größeren Formationen vertreten. Auf der Tribüne der Ehren- & sieht man Reichsminister Treviranus, ssekretär Dr. Pünder, Staatssekretär Dr. Weißmann, der als Vertreter des preußischen Ministerpräsidenten und mit dem bayerischen Gesandten Dr. von Preger als Mitglied als Mitglied des Reichsrates erschienen ist. Der Reichstag ist durch den Vizepräsidenten von Kardorff und mehrere Reichstagsabgeordnete vertreten. Dor der Tribüne nimmt eine Ehrenkompagnie Aufstellung.
Der Täufling
selbst, der bereits das graue Kleid seiner Art- genosfeu trägt, glänzt im Schmuck grünen Laubgewindes und zahlloser Flaggen. Der langgestreckte, nicht sehr hohe Bau bietet mit seinen eigenartigen Konturen einen wundervollen Anblick. Noch trägt der Neubau keinen Santen, da dieser nach der Tradition der Kriegsmarine erst bei der Taufe bekannt ge« geben wird. Ohne jede Stütze ruht der Kor- per des Schiffes jetzt allein auf der schrägen Gleitbahn, gehalten nur von einigen Bremsklötzen. ungeduldig, die erste Fahrt anzutreten.
Die Ankunft des Reichspräsidenten.
Reichspräsident von Hindenburg traf mit dem fahrplanmäßiegn Zuge aus Hamburg auf dem Kieler Hauptbahnhof ein, empfangen auf dem Bahnsteig vom Chef der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral Hansen. Mit dem Einlaufen des Zuges setzte der an der Ccharuhorstbrücke in der Wik liegende Kreuzer „Königsberg", auf dem Hindenburg wahrend seines Kieler Aufenthaltes Wohnung nehmen wird, die Standarte des Reichspräsidenten, die von allen im Hafen liegenden Kriegsschiffen und der Salutbatterie Fried- richsort mit 21 Schuß salutiert wurde. Vor dem Hauptbahnhof und in den Straßen, die die Fahrt zur Werst berührte, bildeten Schulkinder und eine dichte Menschenmauer Spalier. Auf der ganzen Fahrt wurde der Reichspräsident mit jubelnden Hochrufen begrüßt.
• Der Taufakt.
Um 10.40 Uhr verkündeten Hochrufe vor den Werfttoren die Ankunft des Reichspräsidenten. Rach Begrüßung durch den Reichskanzler, den Reichswehrminister Eroener und den Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Röder, nahm der Reichspräsident die Meldung des Flottenchefs, Vizeadmstals Oldekop, entgegen, um sich sodann den Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Deutschen Werke, Staats- sestetär a. D. Dr. Fischer, und die Direktoren des Werkes vorstellen zu lasten. Nunmehr begab sich der Reichspräsident zu Fuß nach dem Stapellaufplatz. Eine Woge der Begeisterung brandete ihm entgegen, während auf der Taufkanzel die Präsidentenstandarte empor- ftieg. An den Abordnungen der Krieger- vereine und Studentenverbände vorbei, deren Fahnen sich zum Gruße neigten, schritt der Reichspräsident unter den Klängen des Deutschlandliedes die von der Marineschule Friedrichsort gestellte Ehrenkompagnie ab, um sich dann unverzüglich auf die mst der National- und der Reichskriegsflagge geschmückte Taufkonzel zu begeben.
Immer wieder erklangen die Hochrufe. Dann nahm die eigentliche Feier ihren Anfang.
Reichskanzler Dr. Brüning ergriff das Wort zur Taufrede, die durch zahlreiche meterhohe Lautsprecher auf den ganzen Platz und das gegenüberliegende Fördeufer und durch den Rundfunk auf Deutschland und Oesterreich übertragen wurde. Er führte u. a. aus:
„Ein stolzes Werk wird heute feiner Vollendung entzegengeführt. Heiße Kämpfe haben sie lange gefährdet. Umsomehr ist es in dieser feierlichen Stunde für uns ein Gebot, zu bekennen, was uns der Bau dieses stolzen Schiffes bedeutet und aus welcher Gesinnung es geschaffen wurde.
Durch diese Feier zeigt das deutsche Soll in aller Offenheit der Welt, daß es auch
»ater den ihm auferlegten Beschränkungen nnd auch in allergrößter wirtschaftlicher Rat die Kraft findet, den Frieden $n sichern und seine Ehre zu wahren.
Was unsere stolze Flotte einst bedeutet hat, als ein reiches freies Volk sie sich geschaffen, ist unvergessen. Heute find mir arm, aber wir wissen, daß gleiche Pflichttreue und Tapferkeit und gleicher Erfindungsgeist auch heute noch int Rahmen der Verträge, die wir loyal erfüllen, uns mit den geringen Mitteln eines verarmtes Volkes unsere Flotte zu höchsten Leistungen befähigen. Trotz aller Not und Entbehrungen wird' das deutsche Volk jedes Opfer für feine Ehre wie für die Idee einer Gerechtigkeit für alle Völker der Welt
bringen. Deutschland kann mit großem Recht und mit tiefem Ernst von sich sagen, daß es in der gewissenhaften Erfüllung seiner Abrüstungsverpflichtungen nichts von dem versäumt hat, die ihm die Verträge auferlegten.
Daß wir aber bemüht sind, unserem Volke das geringe'Maß von Sicherheit zu verbürgen, das uns ‘bie Verträge zugebilligt haben, ist selbstverständlich. Auch das liegt im Interesse Europas und der Welt.
Richt dadurch dient man dem Frieden, daß man Böller zweierlei Rechts und zweierlei Sicherheit schafft.
Skur eine Gemeinschaft freier, gleichberechtigter Völker, ihre Zufriedenheit, ihr eigenes Verantwortungsgefühl und ihre fteiwillige
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Unterordnung unter den Gedanken friedlichen Ausgleiches können eine sichere Bürgschaft für den Weltftieden fein.“
Während der Reichskanzler feine Rede beendete, setzte sich das Schiff bereits in Bewegung und glitt erst langsam, dann immer schneller ins Wasser unter Hurra- und Hochrufen und dem Jubel der Massen. Der eigentliche Stapellauf ging damtt etwas vorzeitig, aber glücklich voustatteu.
Der Reichspräsident.
Dann trat wieder Stille ein, als Reichspräsident von Hindenburg mit folgenden Worten den Taufakt vollzog:
„Und nun gleite in dein Element und ziehe hinaus auf das weite Meer!
Tue dort deine Pflicht und Schuldigkeit, fei es um Zeugnis ab$ulegen von deutscher Arbeit und deutschem Können, ser es zum Schutze des Vaterlandes!
Halte deine Flagge stets rein nnd hoch. in Ehren! Dann wirst du deines Namens immer würdig sein, den ich dir gebe: Du sollst Deutschland heißen.
Dai Worten des Herrn Reichspräsidenten folgten erneute Iubelrufe, bie schier nicht enden wollten. Dann llang das Deutschlandlied auf. Die Ehrenkompanie präsentierte. Während die Deutschland an den Baukai der Werst bugsiert wurde, verlleß der Reichspräsident die Kanzel und nahm den Vorbeimarsch der Ehrenkompanie ab.
Der Reichswehemiuister.
Nach dem Stapellauf fand im Werftkasino ein Essen statt, an dem Reichspräsident von Hindenbuig mit den Herren seiner Begleitung teilnahm. 3m Verlaufe des Essens hielt der Reichswehrminister eine Rede, in der er zunächst der Schiffe der Reichsmarine gedachte, die in früheren Jahren den Namen Deutschland getragen haben. Der Minister fuhr u. a. fort:
Ein arbeitssames. tapferes, bis aufs letzte ausgeplündertes Volk kämpft einen über
menschlichen heroischen Kampf um seine Ehre, seine Freiheit und seinen wirtschaftlichen Wiederaufstieg. Diese junge „Deutschland", die jetzt auf dem Meere schwimmt, bedeutet für die Deutschen aller Gaue, aller Parteien, aller Richtungen und Frastionen: „Kämpft diesen Kampf um Deutschlands Zukunft!" Nicht mit Kanonen, über die wir nicht verfügen, wohl aber mit aller Kraft des Geistes und des Charasters. Um diesen höchsten Lebenswillen der deutschen Nation Ausdruck zu geben, find die beiden Persönlichkeiten, bie an erster Stelle Führer bes deutschen Volkes sind, nach Kiel geeilt, unser altverehrter Herr R e i ch s p r ä s i - deut und der Reichskanzler Dr. Br üning.
Der Reichswehrminister schloß mit einem dreifachen Hurra auf den Reichspräsidenten. Reichspräsident von Hindenburg erwiderte: »Lasten Sie uns in Einigkeit Zusammenhalten. Ueber den Parteien steht das Vaterland, das dürfen wir nie vergesten."
Der Zwischenfall beim StapeNanf in Kiel.
Das Panzerschiff „Deutschland" fuhr nach Stapellauf 'trotz des sofort fallenden Bugankers mit einem gewaltigen Schwung bis über die Mitte des Hafens hinaus, che es zum Stehen kam und die Werftschlepper es in Gewalt bekamen. Durch ben vorzeitigen Stapellauf konnte der Reichskanzler ferne Rede nicht vollständig zu Ende führen, sondern er rundete diese ab, um dann sofort dem Reichspräsidenten das Wort für den allo ohne Vornahme der traditionellen Tarffe Taufsvruch zu überlasten. Das Schiff ging ins Master, ohne die übliche Zersplitterung einer Flasche deutschen Schaumweines an dem Bug des Schiffes. Während der Stapellauflauffeierlichketten kreisten mehrere Flieger über dem Werstgelände und dem Schiff. Der Reichspräsident war in grauer Feldmarschall- unrform mit Helm erschienen. Ihm wurden von allen Setten überaus herzliche Ovationen bargebracht.
Tagesspiegel
<Sne Reihe Detkiner Blätter nimmt zu dem Ergebnis der Aussprache km Völker- bundsrat über die Zollunion Stellung. Die „Börsenzeitung“ bezeichnet den Verlauf der Aussprache als einen schweren Schlag für die Zollunion. Die Wendung der Mnge zu Angunsten Deutschlands und Oesterreichs sei Äirch das Verhalten des Vettreters der englischen Arbeiterregierung hetbeigeMrt worden. Die „D A Z." weist auf die großen Gefahren hin, die die Verpflichtung, bis zur Entscheidung im Haag keine DerhmMungen zu führen, für Deutschland und Oesterreich rntt sich bringe. Dor allem sei zu berücksichtigen, welcher internattonale Druck in der Zwischenzeit auf Oesterreich lasten werde. Die „Vvs- fische Zeitung“ bezeichnet die <ov» tuattvn für Deutschland alÄ nicht erfreulich. Die deutsch-österreichische Zollunion fei vertagt, aber die Nottage Europas verbiete die Verschleppung unumgänglicher Entscheidungen. Die „Deutsche Tageszeitung“ spttcht von einer schweren Enttäuschung und ist der Auffassung, daß Dr. Eurttns hätte eingreifen müssen, um Schobers schwachen Versuch einer selbMndigen Auslegung zu unterstützen, jedenfalls sei die Zollunion aufs Schwerste gefährdet. Der „Vorwärts“ sagt, sollt: die Antwort aus dem Haag auf die Frage auf Genf die Rechtmäßigkeit der Zollunion bejahen, so sei der juristische Weg für Deutschland und Oesterreich frei. Sollte * sie verneinend ausfallen, so käme die Revision der Anschlußverbote auf die Tagesordnung der europäischen Polittk. Der „Tag“ stellt die Frage, ob nicht für Deutschland jetzt die Stunde gekommen sei, aus der gewonnenen Klarheit über die wahren Tendenzen in Genf die Folgerungen zu ziehen, ein Parkett zu verlassen, auf dem nicht nach fairen Spielregeln Po- littk gettieben werde und auf dem die Ge- rechttgkett der Wacht und der Machtgier geopfert werde. Die „Deutsche Zei- tun g“ schreibt, der Verzicht zur Weiter-- fühiung der österreichisch-deutschen Zoll-, Verhandlungen sei ein politischer Verzicht, der heimtückischen politischen Mächten die Vorentscheidung über die weitere Gestaltung des österreichisch-deuffchen Verhältnisse einräume, die die Verwirklichung des österreichisch-deutschen Zollbundes niemals zukassen würden.
Die Genfer Berichte der i t a I i e n t * scheu Presse betonen am Dienstag erneut, daß das Urteil des Haager Gerichtshofes über die Zollunion nur beratende, nicht aber entscheidende Bedeutung habe. Dach einer Entscheidung über die rechtliche Sette habe noch eine Prüfung der Zollunion vom politischen und wittschaftlichen Gesichtspunst zu erfolgen. England und Deutschland, so betont Gayda im „G i o r - nale d.Italia“, stimmten dann überein, daß die Zollunion nur ein rechtliches Problem darstelle. Frankreich und Italien seien entgegengesetzter Ansicht. Es ist aber bezeichnend, daß Gahda auch in diesem Zusammenhang den Unterschied der tta- lienischen und der französischen Ansicht hervorzuheben bestrebt ist. Während die Rede Dttonds und die französische Denk- schrift eine glatte Ablehnung der Zollunion enthielten, habe Grandi, nachdem er dem politischen Versuch des Anschlusses ein kategorisches Dein entgegengesetzt habe, in seiner Rede der schwierigen wirffchast- lichen Lage, aus der der deutsch-österreichische Zollvertrag entsprungen sei, Rechnung getragen. Grandi habe deutlich auf die Reparationsfrage hingewiesen. Nochmals betont Gahda, daß Italien be- rett sei, die Reparationsfrage, soweit sie auf der Wirtschaft Deutschlands und Oesterreichs laste, einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen. Es sei nicht zu vergessen, daß seit 1923 ein Plan Mussolinis bestehe, zu dem man über kurz oder lang werde zurückkehren müssen, um das sehr schwere und verwickelte PnLlem zu lösen. Die „S.r ifcu-na“ legt ebenfalls