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Anzeiger für (das frühere knrheffische) Oberhefsen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Seit dem 1. November 1930 verschollen
Professor Dr. Wegener ein Opfer des weißen Todes? — Die erste Meldung der Hilfsexpedition
Forscherschicksal
Opfer des Friedens
Oslo, 9. Mai. Die Hilfsexpedition fit den deutschen Grönlandforscher, Pro- feffor Alfred Wegener, ist mit Prost e ll e r- «nd Hnndefchlitten i« ««gewöhnlich kurzer Zeit vom Expeditionsftand- quartier an der Kiste von Westgrönland 400 Kilometer landeinwärts bis z« der Station „Eismitte" vorgedrunge«. Wie ste darch Fankfprvch mitteilt, fand sie in dem Lager die Expeditionsteilnehmer Dr. Georgi, Dr. Sorge «nd Löwe wohlbehalten an. Auch Professor Wege «er ist Anfang Oktober vorige« Jahres bis z« der Station ,,Eismitte" gelangt. Er proviantierte ste mit Nahrungsmittel «nd beachte auch einige fehlende wissenschaftliche Instrumente mit. Am 1. November verliest er das Lager mit seinem Begleiter R a s m u h, einem Grönländer, «m nach dem Expeditionsquartier an der Westküste zuriiüzukehren. Da er dort nicht einge- troffe« ist, muh das Schlimmste befürchtet werden. Wahrscheinlich ist Professor Wegener mit seinem Begleiter dem Schnee st «rm zum Opfer gefall-« n.
Die Nachricht von dem Schicksal Professor Wegeners wird in weitesten Kreisen nicht nur in Deutschland größte Teilnahme erwecken. Seit Oktober vorigen Jahres wurden die Aussichten seiner Expedition in der Oeffentlichkeit immer wieder diskutiert. Man forderte die Entsendung von Hilfsexpeditionen und von Fliögern, die nach Wegeners Spuren im grönländischen Eise suchen sollten. Zuletzt erbot stch noch der Ozeanflieger Gronau, einen Hilfsflug durchzuführen. Aber der strenge Winter verhinderte diese PläAe. Nach den jetzt vorliegenden Nachrichten ioäre wahrscheinlich auch alle Hilfe zu spät gekommen.
Professor Wegener, ein gebürtiger Berliner, hat das 50. Lebensjahr erreicht. Die vorjährige Reise war die vierte Hundeschlittenfahrt, die er zur Erkundung von Nordgrönland unternahm. 1912/13 nahm der junge Gelehrte zum ersten mal an einer Expedition quer durch Grönland teil. Er wurde dann später Abteilungsvorstand an der Seewarte und 1921 Professor an der Universität in Hamburg. Von wissenschaftlicher Bedeutung wurde 'seine Theorie von der Entstehung der Kontinente und Ozeane, die er in einem eigenen Buch niederlegte. Rein äußerlich wirkte Professor Wegener weniger wie ein kühner Forscher, dessen Organisationstalent und Willenskraft die größten Schwierigkeiten der Eisregion meisterten. Glattrasiert, mit blondem Haar, schmalem Körperbau und feingepflegten Fingern machte er eher den Eindruck eines Gentleman, der als Dergnügungsreisender nach Grönland kam. Seine Sprache war langsam und warm. Sie wirkte beinahe väterlich und erst, wenn man in die klaren Augen sah, in denen soviel Erfahrung und Leben steckte, empfand man, daß man einer besonderen Persönlichkeit gegenüberstand.
Das Schicksal Weg-mers ist umso tragischer, als wirklich alles getan worden war. um die Expedition zu der modernsten
und bestausgerüsteten zu machen, die jemals zu wissenschaftlichen Zwecken nach Grönland vordrang. Alle Vorsichtsmaßnahmen haben nichts genutzt. Die weiße Natur und der Frost der Schneelandschajt erwiesen sich als stärker. Die Arktis bat, wie wir fürchten, aus den Reihen ihrer Forscher wiederum einen der Besten herausgerissen.
Cloppenburg, 10. Mai. Am Sonntag abend sprach Reichskanzler Dr. Brüning anläßlich der bevorstehenden olden- burgischen Landtagswahlen vor etwa 10 000 Personen. Der Reichskanzler kam zunächst auf die innerpolitischen Fragen zu sprechen. Der Auszug der beiden extremen Rechtsparteien aus dem Reichstag habe seinen Zweck verfehlt, denn die Wünsche der Regierung seien in Erfüllung gegr*’en.
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Der Reichskanzler gab bekannt, daß die Reichsregienmq in 14 Tagen mit neuen Sparmaßnahmen, die jetzt noch nicht jnt Veröffentlichung reif feien, an ine Oef- fentlichkeit treten werde.
Der allergrößten Notlage der Landwirtschaft sei Rechnung getragen worden. Man werde schrittweise weiter helfen. Die jetzige Regierung habe ein System, das auf die Zukunft hinarbeite und das früher nicht bestanden habe. Auch vor Maßnahmen, btt unpopulär seien, dürfe man nicht zurück- schrecken. Das deutsche Volk müsse Vertrauen zu seinen Führern haben.
Zu außenpolitischen Fragen erklärte der Reichskanzler: Wenn man glaubt, Erfolg in der
Reparationspokitik
zu haben, bevor man bas eigene Haus in Ordnung gebracht hat, dann täuscht man sich gewaltig. Dies ist schon einmal geschehen im Jahre 1928 in einem Augenblick, als wir schon sehr hohe kurzfristige Schulden hatten. Man hat gleichzeitig mit der Inangriffnahme dieser Reparationsrevision damals die Möglichkeit gehabt, energische Maßnahmen zu treffen, um den Kampf um die Revision en^. Jochr durchführen zu können, und das hat zux, Kapitulation unserer Sachverständigeü führen müssen. Diejenige Regierung würde verantwortungslos handeln, die dem an sich von jedem rite notwendig angesehenen Schritt zur Senkung unserer Reparationslasten unternähme, olme gleichzeitig die Grundlage zur Durchführung der schwierigen Revisionsverhandlungen zu schaffen. Dies sollte das deutsche VM aus den Ereignissen von 1928/29 gelernt haben. Ich bedauere es ganz außerordentlich, daß bei einer rem wirtschaftlichen Frage, wie der deutsch-österreichischen
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Von links nach rechts: Dr. Sorge, Prof. Ozeanflieger von Gronau, der einen
Ehe man übersehen kann, ob sich im Grönlandeis eine Forschertragödie abgespielt hat und aus welchen Gründen Wegener den Rückweg noch im tiefen Polarwinter versucht hat, müssen die weiteren ausführlichen Nachrichten der Erpedition abgewartet werden. Auch ist eine Bestätigung für die obige Meldung der Hilfserpedition nicht zu erlangen. Jedenfalls zeigt es sich schon jetzt, daß alle Hilfsmaßnahmen, die von der Haupt- gruppe der Erpedition bereits im November
Wegener, Dr. Georgi und Dr. Löwe. Unten rechts: den Verschollenen unternehmen wollte
getroffen worden sind und alle Maßnahmen der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, die ja seit Monaten alles versucht hat, um der Erpedition die erforderlichen Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, durchaus richtig gewesen sind. Man hat die in der Zentralstation überwinterten Forscher programmmäßig abgelöst. Falls Wegener sich auf sei- rne Rückreise von der Zentralstation verirrt hat. hätte man ihm im Herbst schon keine Hilfe mehr bringen können.
Erkundungsllug nach
Aus dem Hinterhalt
Chemnitz, 10. Mai. Ein Lastauto, bas etwa 30 Mitglieder des Roten Kreuzes aus dem Bezirk Burgstädt von einer Nachtübung in Westenbrand nach Taura bei Burgstädt zurückbrachte, wurde in der Nacht zum Sonntag auf der Landstraße von einer Gruppe Kommunisten aus dem Hinterhalt. beschossen. E i n Mitglied des Roten Kreuzes wurde sofort getötet, ein anderes erlitt durch eine« Bauchschuß lebensgefährliche Verletzungen. Am Tatort hat die Polizei vier leere Patronenhülsen gefunden. Die Polizei »ahm 150 Kommunisten fest. Bei der Untersuchung der Lokale, wo man die Kommunisten verhaftete, wurden zehn geladene Schnßwaffeu, darunter ei« Armee- renolver, gefunden. Ein Kommunist wurde unter dringendem Tatverdacht in behalten.
Es lag ein planmäßiger kommnnistischer lleberfall vor, der eigenllich den National- sozüüisten galt, die i« der Rächt zum Sonntag ebenfalls eine Hebung in derselbe« Gegend veranstaltet hatte«.
Etat und Kirchenoertrag im Landtag.
Der preußische Landtag hat in der Nachtsitzung zum Freitag die zweite Lesung des Etats für 1931 und des neuen Polizeiverwaltungsgesetzes abgeschlossen. Die dritte Lesung des Etats soll von Montag dauern, am Dienstag soll das Polizeiverwaltungsgesetz ebenfalls in dritter Lesung erledigt werden. Die Pfingstferien sollen bis zum 8. Juni dauern. Dann soll der Vertrag mit dem evangelischen Landeskirchen, der am Montag unterschrieben wird, beraten werden.
In parlamentarischen Kreisen wird erwartet, daß die Entscheidung des Landtags über das Volksbegehren des Stahlhelms Ende Juni oder Anfang Juli erfolgen werde, sodaß der Volksentscheid für die erste Hälfte des August zu erwarten wäre.
hinter der letnetiet politische Hinter gMratan stecken, vielleicht das Tronrmelschlagen der vergangenen Monate eine Nervosität im Auslande heroorgerufen hat, die unsere ganze Politik in dieser Richtung in einem vollkommen falschen Licht erscheinen lassen tarnt. Und wenn ich eine gewisse Entschuldigung für die Nervosität im Auslände erblicken tarnt, so muß ich es andererseits ganz außerordentlich bä>aqern, wenn von einem verantwortlichen Staatsmann mit Rücksicht auf eine solche Politik, wie die Politik der jetzigen Reichsregierung, überhaupt das Wort „Ärieg“ nur in den Mund genommen werden kann. Das Wort „Krieg" sollte überhaupt von keinem Staatsmann und Politiker nt den, Mund genommen werden, und diejenigen Politiker, die es aus ihrem Sprachschatz völlig ausstreichen, sind diejenigen, die dem Frieden am meisten bienen.
Wir sind nicht nur Soldaten des Friedens, wie es ein bekannter Staatsmann vor wenigen Tagen für sein Volk in Anspruch genommen hat, sondern wir sind Opfer des Friedens und die täglich
Opfernden für den Frieden.
Und nur dann wird es gelingen, die Politik der Beruhigung der ganzen Welt durchzu- führen, wenn erst die Anerkennung für diese Tatsache geschaffen ist, daß es im wesentlichen das deutsche Volk ist, das das täglich Opfernde für den Friedensgedanken geworden ist. Die Opfer, die das deutsche Volk zu bringen hat, sind von so gewaltiger und, eizeptioneller Art, daß vielfach im Ausland kein Verständnis für die Schwere und dis Größe dieser Opfer vorhanden ist. Wir, haben es uns.mit dem Verständlichmachen dieser Opfer allerdings nicht leicht gemacht. Wenn das deutsche Volk frühzeitig genug den Strich unter die Illusionsrechnungen gemacht hätte, wenn nicht jahrelang Bauten auf kurz, fristige Kredite hergestellt worden wären, dann würde im Ausland ein anderer Eindruck der wirllichen Leistungsfähi^eit de- deutschen Volkes längst geschaffen sein und die heutige Regierung die ganze Arbeit viel leichter haben und sicher von Erfolg begleitet