Mittwoch, bonk.MmtRI
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Was wird aus der Zollunion?
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Schober über die Vorgeschichte des Marz-Protokolls
Sauerwein berichtet
— Sämtliche Verhandlungen vorläufig unterbrochen
Schnelles Handeln!
Der Außenpolitiker des „M a t i n“, Sauerwein, berichtet über eine Unterredung, die er mit dem österreichischen Außenminister Schober über die Z o l l- union hatte. Schober erinnerte zunächst an seinen Pariser Besuch im April 1930, bei welcher Gelegenheit er B r i a n d die klägliche Wirtschaftslage Oesterreichs auseinandersetzte und ihn gebeten habe, Oesterreich zu helfen, um die Ausfuhr nach der Tschechoslowakei zu erleichtern.
Briand habe ihm auch versprochen, seine« ganze« Einfluß geltend z« machen, nut die Kleine Entente dahin zu dringen, mit Oesterreich Handelsverträge abzuschließe«.
Er habe außerdem darauf hingewiesen, daß er sich für eine finanzielle Unterstützung verwenden wolle. Dann habe Briand von seinem Plan der wirtschaftlichen Organisierung Europas gesprochen. Als Schober nach Wien zurückgekehrt war und sehen mußte, daß trotz aller französischer Versprechungen nichts geschah, war, wie Schober Sauerwein erklärte, die Enttäuschung ungeheuer groß. Schober schilderte dann, wie es nach dem völligen Zusammenbruch der Genfer Wirtschaftsberatung zum Zollunions-Plan gekommen ist.
Curtius und er hätten die Absicht gehabt, i« de« letzten Tage« des Aprils «ach Genf z« gehen, um vor dem Zusammentritt des Europaausfchusies mit Briand über de« Plan zu sprechen.
Infolge der französischen Präfidentschafts- wahlen sei aber dieses auf den 1. Mai festgesetzte Zusammentreffen verschoben worden. Um korrekt zu sein, seien Curtius und er übereingekommcn, ekn gemeinsames Protokoll aufzusetzen, das bekanntlich im letzten Drittel des Monats März veröffentlicht wurde. Schober legte in diesem Zusammenhang Wert auf die Feststellung, daß man ni cht voneiner vollendeten Tatsache sprechen könne. Laut Sauerwein fuhr Schober alsdann fort:
„$a sich der Völkerbund mit der An- gelegenheit beschäftigen wird, habe ich aus Acht»«« vor de« Völkerbund eine formelle Anweisung gegeben, sämtliche Arbeiten und sämtliche Besprechungen zu unterbrechen."
Ueber die Vorteile befragt, die sich für Oesterreich aus dem beabsichtigten Abkommen ergeben, erklärte Schober, daß besonders die österreichische Landwirtschaft Nutzen daraus ziehen könne. Die österreichischen Wirtschaftskreise würden sich noch eingehend mit dem Problem z« befassen haben. Er habe den neuen Briand- Plan in seinen Erundzügen kennen gelernt und brauche nicht das Interesse zu
betonen, das Oesterreich diesem Plane entgegenbringt. Er sei fest überzeugt, daß Briand aus der österreichisch-deutschen Initiative nur beachtenswerte Folgerungen ziehen könne. Bei der Beratung des Planes würde es keine Sieger und keine Besiegte geben, wenn nicht ganz Europa darunter leiden solle.
Das Präsidium des Hansabundes für Gewerbe, Handel und Industrie trat unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Hermann Fischer, M.d.R. in Berlin zu einer eingehenden Aussprache über die wirtschaftspolitische Eesamtlage zusammen. Ueber das Ereignis der Besprechung teilt der Hansabund folgendes mit:
Einstimmig bekannte sich das Präsidium zu der Notwendigkeit,
Deutschlands Handelspolitik
' Dr. Curtius zur Zollunion
Berlin 5. Mai. Der Reichsausschuß' für Handel und Industrie der Deutschen Volkspartei trat heute unter Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Dr. Hugo zu einer Sitzung zusammen, an der neben vielen Mitgliedern der Reichstags- und preußischen Landtagsfraktion auch Reichsautzenmmister Dr., Curtius teilnahm.
In seinem Referat über die zoll- und handelspolitische Lage führte Dr. Schneider u. a. aus, daß Deutschland rm Hinblick auf die Eesamtlage aus. der tiefen Stagnation herausgekommen sei. Nach Osten und Süden stehe Deutschland aber immer nod) vor großen Schwierigkeiten. Bei der Politik stark erhöhter Schutzzölle zur Erhaltung der einheimischen Landwirtschaft habe die Deutsche Volkspartei die Forderung vertreten, datz diese Sicherung gegen den Sturz der Weltmarktpreise kerne Verteuerung der mlämn- schen Lebenshaltung und keine Störung der handelspolitischen Beziehungen zum Auslände bedeuten würde. Der Redner kam zum Schluß auf die geplante deutsch-österreichische Zollunion zu sprechen, die, nach seiner Ansicht im Juni abgeschlossen, im Juli von den Parlamenten in Wien und Berlin ratifiziert und im Februar oder April nächsten Jahres in Kraft treten könnte.
Im Anschluß an das Referat von Dr. Schneider ergriff Reichsaußemninister Dr.
Curtius das Woft, um m zum Teil vertraulichen Ausführungen zu einer Reihe von handelspolitischen Fragen Stellung zu nehmen. so zu dem deutsch-polnischen Handelsvertrag, zu den deutsch-rumänischen Verhandlungen und zum deutsch-österreichischen Zollabkommen. Er stellte fest, daß an dem Nichtzustandekommen des deutsch-polnischen Handelsvertrages in erster Linie Polen die Schuld trage, das das ganze letzte Jahr habe verstreichen lassen, ohne eine Ratifrzeerung em- zuleiten. Inzwischen hätten sich die Verhältnisse geändert, die auch Deutschland zwängen, daraus die Folgerungen zu ziehen. Zu den deutsch-rumänischen Verhandlungen sprach der Minister die Hoffnung aus, daß die wirt- schaftlichen Kräfte sich doch noch, durch,etzen; denn nur em großer Zusammenschluß könne dem Südosten helfen. Bei der Besprechung des deutsch-österreichischen Zollabkommens erörterte der Minister die bevorstehenden Verhandlungen vor dem Europaausschuß und und dem Völkerbundsrat m Genf. Die interessanten Darlegungen gingen auf das Zustandekommen des Abkommens und besonders auf die Frage der Unabhängigkeit ein, kennzeichneten die politischen und wfttschaft- lichen Schwierigkeiten, , ließen aber kernen Zweifel darüber, daß die deutsche, ebenso wie die österreichische Regierung entschlossen sind, mit aller Kraft das Abkommen durchzuführen.
Wieder ein polnisches Flugzeug über deutschem Gebiet Breslau, 5.Mai. Die^Schlesische Zeitung" meldet aus Frehhan, Kreis WWsch-Trachenberg, es sei dort am heutigen Nachmittag wiederum ein polnisches Flugzeug gemeldet worden, das deutsches Gebiet überflogen habe. Das Flugzeug sei bei völlig Katern Wetter von der polnischen Grenze gekommen, habe um 17.21 Ahr in auffallend geringer Höhe die Stadt Frehhan überflogen und sei dann nach der Grenze zurückgekehtt.
Der ftanzösifche Delegiert« für die Fkotten- pattverhandlungen reift «ach London.
Paris, 5. Mai. (WTB.) Der französische Delegierte für die Flottenpakt- verhondlungen, M a s s i g l i, wird morgen, wie Havas berichtet, wieder nach London reisen. 1
Die neue englische Betriebsftoffstmer für Kraftsahrzettge.
London, 5. Mai. Das Unterhaus hat heute mit 252 gegen 146 Stimmen den Ges^entwurf über eine Besteuerung des Betriebsstoffes für Kraftfahrzeuge in Höhe von 4—6 Pence je Gallone unverändert angenommen; zwei Verbessern ngSaifträge find abgeiehat worden.
Kidstone tödlich verunglückt
Kapstadt, 5. Mai. Der bekannte englische Flieger und Millionär Elen Kidstone, der nt der festen Zeit durch fern beinahe sprichwörtliches Glück von sich reden gemacht hatte, und den man geradezu für gefeit gegen den Tod hrÄt, ist in Natal m der Nähe des Ottes Dan Reenen während eines Sturmes mit seinem Flugzeug abgestürzt und getötet worden. Sein Begleiter fand ber dem Absturz gleichfalls den Tod. Die Leiche Kidstones konnte nur dadurch iden- ttfiziett werden, daß man eine Visitenkarte mit seinem Namen bet Hm fand.
Kidstone hatte erst vor wenigen Wochen einen Rekordflug London—Kapstadt in 6Y» Tagen ausgeführt. Bet mehr als entern Dutzend Gelegenheiten hat er sich m seinem Leben in direkter Lebensgefahr befunden. Ms junger Marinekadeü befand er sich während des Krieges an einem Tag hintereinander auf zwei englischen Kriegsschiffen, die beide torpediett wurden. Kidstone wurde beide M<Äe gerettet. Bet dem Absturz eines Junkers-Flugzeugs m Meophan in der Grafschaft Kent im vergangenen Iaht, wobei Heben Personen, meist Mitglieder der englischen Attstottatie, den Tod fanden, war Kidstone der einzige Scherlebende.
den Kampf für di« freie Markt, wirtschaft und gegen jeglichen KollekttvHmus und Sozialismus mit
größter Energie weiter zu führen.
Hinsichtlich der nächsten Aufgaben der Reichsregierung betonte das Hansabund- Präsidium einmütig, daß die Ueberwm- dung von Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit nur dann gelingen könne, wenn auf dem Wege umfassenden öffentlichen Ausqabenabbaus, strengster Sparsamkett sowie der Auflockerung der die Erstarrung des deutschen Wirtschaftskörpers verursachenden Wirtschaftsgesetze . btc Gestehungskosten der deutschen Wirtschaft gemindert und die aufbauenden Wirtschaftskräfte zu freier Entwicklungsfähigkeit zu- rückgeführt werden. Durch Wiederherstellung der Rentabilität unb ber Elastizität der Wirtschaft sind neue Arbeitsstätten zu schaffen und die Arheitslosenmasien wieder in den Wirtschaftsapparctt cinzugne- dern Das Präsidium des Hansabundes ist sich darüber einig, daß die Reichsregte- rung mit größter Beschleunigung handeln muß. In der Vertagung des weiteren RegiSrungsprogramms auf deck Monat Juni erblickt das Hanfabund- Präfidium eine besondere Erschwerung der wirtschaftspolitischen Gesamtlage. Es fordert daher mit aller Eindringlichkeit sofortige Bekanntmachung der weiteren Regierungsplane, darüber hinaus aber vor allem sofortiges durchgreifendes Handeln der Reichsr-egie- ruckg.
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Um den Brotpreis
Berlin, 5. Mai. Im Reichsrmnk- sterium für Ernährung und Landwirtschaft haben am 5. Mai Besprechungen mit den Berliner Mühlen stattgefunden über btc Mittel und Wege, wie den Bäckern das Roggenmehl zu einem Preise angeboten werden kann, der es ihnen auch bei Würdigung aller Umstände ermöglicht, den alten BrotPreiS wieder herzustellen. Die Berliner Mühlen haben sich grundsätzlich bereit ettlärt, bei Hergabe gewisser Wengen von Roggen aus den Bestünden der Deutschen Getreidehandelsgesellschast das Mehl zu einem entsprechenden Preise zu liefern. Die letzten Einzelheiten werden voraussichtlich im 6. Mai "festgesetzt werden. An die abschließende Besprechung mit den Mühlen werden sich die Berhand- lungen mit den Berliner Bäckern wegen Senkung des Brotpreises unm 'h-r an- schlleßen.
Schwere politische Znsammeuftößr in Dttisdms-Hamborn.
Duisburg-Hamborn, 6. Mai. Zwischen einem Trupp Nationalsozialisten und einem Trupp Kommunisten kam es gestern abend in der Eoebenstraße in Hamborn zu schweren politischen Auseinandersetzungen. Die Kommunisten griffen die in der Minderzahl befindlichen Nationalsozialisttn an. .. Benn Eintreffen der Schnellhilfe hatten sich bte Angreifer zum großen Teil zurückgezogen. Aber eine Stunde später kant es zu neuen Zusammenstößen, wöbet auch m e h teic Schüsse fielen. Ein Nationalsozialist wurde durch einen Beckenschuß lebensgefährlich verletzt. Leichter verletzt wurden sieben Nationalsozialisten und drei Kommunisten. Acht der Verletzten fanden Aufnahme hn Krankenhaus. Von welcher Seite die Schüsse abgegeben wurden, tonnte noch nicht fettadftMt roerb«.