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Sonnabend, tM 25. «Mil 1931

Die .Oberhesstsch« Zeitung' ei- scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2. 20S9R.au*- schließl. Lusiellungsgebahr. durch di« Post 2.45 EM. Für etwa durch Streik. Maschinendefekt oder ele­mentare Lretgntste ausfallend« Stummern wird kein «rsa» «« leistet. Verlag. Dr. 6 -tdervch, Druck der Untd-Vuchdruckerei Job. Ang- Hoch. Mark, 21/23. Fernsprecher: Rr 54 und 91t. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Skr 5015. Sprech,eit bet Redaktion von 1011 nud

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Nr. 9« ßß.Mky.

Marburg a.Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt f6t de« 11 gespult. Zeilenmtllimetrr 0.08 SM . sog. klein« Anzeigen und Famllienanzeigen bei Barzahlung 0.07 SM., amtliche und ans- wärtig« Anzeige» 0.10 SM Bet schwierigem Satz sowie bet Platz- Vorschrift 50% Aufschlag. Sammelanzeige» 100". Auf­schlag Sleklauu-Millim 0.40 SM Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt Ziel 5 Tag«.

vffert«n:Gebübr: 25 Psg. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Heute Besprechung der Agrarfragen

Um die Erhöhung des Fleisch- und Butterzolls Handelspolitische Schwierigkeiten

' Brotpreis und Brotgesetz

Henderson fordert Abrüstung

SBie wir erfahren, hatte Reich-ernäh- rungsminister Schiele gestern mit d"M Kanzler eine längere Beipreckuno, ire der Vorbereitung der heutigen Kabinetts- fitzung galt, in der bekanntlick He zoll - und agrarpolitiscken Fragen be­handelt werden sollen. Sie sieben naiur- gemäß in engem Zusammenhang mit d"i Lohnpolitik und der Industrie­ausfuhr. Unter dreien Umständen ist es selbstverständlich, daß die Plane des Reichsernäbrungsmüristers im Kabinett gewissen Widerständen begegnen.

Zu dem Programm des Reichs- enährungsministers, das das Kabinett heute be'ckäftigen wird erfahren wir fol­gendes: Die beiden wesentlichen Punkte find die

Erhöhung des Fleisch- und vor alle» be6 Butterzolls.

Von der ersten Maßnahme verspricht man stck auch in KreHen des Reicksernäbrungs- ministeriums keine außergewöhnll^e Aenderuny der Preislage auf dem Schweinemarkt, aber doch eine gewisse und in den Grenzgebieten auch sicher fühlbare Entlastung. Dasselbe gilt Hit b*e hiermit im Zuiammenbana stehende Auibebung der Zwiickenzölle für Sveck und Schmalz. Im Brennpunkt der ganzen Zolldebatte stebt der B u t t e r z o l l, dessen Er­höhung in agrarischen Kreisen als unter allen Umständen erforderlich bezeichnet wird, weil die Butter- und M'lchproduk- tion fetzt besonderen Schutz erfordert. Der Reichsernährungsminister verlangt eine K-rauHetzung des Butterzolls von 50 auf 100 cM. pro Dovvelzentner. Das würde unter den bisherigen Saisonverhältniffen schätzungsweise eine Erhöhung des Butter- preiies auf 150 «M. bedeuten.

Auch in Kreisen des Reichsernäbrungs- ministerinms verhehlt man sich nicht, daß eine Erhöhung des Butterzolls gewisse handelspolitische Sckwieriokeiten eraeben würde, weil in erster Linie für Finnland ein Kontingent von 5000 Tonnen zum Zoll von 50 Jl gesickert bleiben würde und Dänemark und Holland, bis zu einem gewissen Grade auch Schweden, trotz etwaiger Zollerhöhung auf Grund der Meistbeaünstiqung ebenfalls Anspruch auf ein lolckes Kontingent erheben könnten. Es verlautet sogar, daß ste diese 5000 Tonnen nicht als ein absolutes, sondern als ein relatives Kontingent betrachten und verlanaen würden, daß ihnen eine Menge zugebilliqt wird, die im gleichen Verhältnis zu ihrer Produktion steht, wie die 5000 Tonnen zu der Erzeugung Finn­lands. Das würde das Mehrfache fenes Quantums sein Ein solcher Anspruch ließe sich nach deutscher Auffassung aber schon rein iuristisch nicht durchhalten. Außer­dem darf man von Holland und Dänemark doch vielleicht erwarten, daß ste ihren größeren Vorteil in einer Verständigung mit uns sehen, zumal da Deutschland als Abnehmer für Agrarprodukte bei beiden Ländern immer noch an zweiter Stelle steht.

. Brotpreis und Brotgesetz.

Wie die Telegraphen-llnion von unter­richteter Seite erfährt, handelt es stch bei den augenblicklichen Besprechungen des Reichsernäbrunosministeriums mit den Vertretern der Bäcker nicht allein um den Brotpreis, sondern auch um die wei­tere Handhabung des Brotge- s e tz e s. Der Reichsernährungsminister hatte bereits in seiner Haushaltsrede im

März angekündigt, daß das Drotgesetz keine dauernde Maßnahme fein solle viel­mehr nach der Bereinigung des Eetreide- marktes im Einklang mit der weiteren Entwicklung unter Umständen einige Zeit nach der neuen Ernte wieder ganz oder teilweise außer Kraft gesetzt werden könne. Der Zusammenhang mit dem Rrotvreis ist dadurch gegeben, daß eine Unstckerbeit in der Brotpreisgestaltung, wie ste die letzten Entschlüsse der Berliner Bäckermeister zur Folge gehabt haben, eine längere Handhabung des Drotgesetzes in unveränderter Form erforderlich macht. In der Erkenntnis dieser Zusammenhänge haben stch denn auch die Berliner Bäcker­meister von sich aus dazu entschlossen, das neue Konfumbrot zum Preise von 46 Pfennigen als Qualitätsbrot herzustellen.

London, 24. April. Beim Iahres- bankett des Vereins ausländischer Pr»sse, dem mehrere britische Minister und Mit­glieder des diplomatischen Korps bei­wohnten, hielt Staatssekretär Hender - s o n eine Rede, in der er der auslän­dischen Presse wegen des heilbringenden Einflusses, den ste auf dem Gebiet der in­ternationalen Beziehungen oft ausübe, seine Anerkennung aussprach. Unter Be­zugnahme auf die kommende A b - rii stungskonferenz erklärte Hen­derson,

es nutze nichts, zu behaupte«, daß der Seist des Argwohns, des Mißtrauens iinb der Unsicherheit überwunden sei. Er werde es vielleicht niemals sein, wenn das im Versailler Vertrag und

Gegen das Brauns-Gutachten

Scharfe Kritik der Arbeitgeberverbände

Berlin, 2 4. April. Der Hauptausfchuß der ^Bereinigung der deutschen Ar­beitgeberverbände beschäftigte sich in feiner Sitzung am 24. April, ausgehend von der ernsten Desamtlage von Staat und Wirtschaft und dem aus ihr für die Maß­nahmen aller verantwortlichen Stellen, insbesondere der Reichsregierung, zu zie­henden innerpolitischen Folgerungen, zu­nächst mit den Vorschlägen der Braunskommission. Der Hauptaus- schuß teilt darüber mit:

Bei der kritischen Würdigung dieser eine gesetzliche Beschränkung der Arbeits­zeit und der Heber stunden erfor­dernden Vorschläge wurde festgestellt, daß das Dutachten jede tiefergehende Untersuchung der eigentlichen Gründe der Arbeitslosigkeit und demzufolge auch die Beantwortung der entscheidenden Fragen, inwieweit bei ihrer Fortführung eine Ver­schlechterung dieser Gründe und damit eine Vergrößerung der Arbeitslosigkeit eintre­ten muß, vermissen läßt. Diese Be­handlung lebenswichtiger innerdeutscher Probleme hat in allen Kreisen des Unter­nehmertums Enttäuschung und Be­sorgnis ausgelöst. Sie trägt keine«oegS den zwingendsten wirtschaftlichen Notwen­digkeiten unserer Notlage und den Be­mühungen um die Besseömg der Arbeits­losigkeit Rechnung.

Die Vereinigung der deutschen Arbeit» geberverbände hat in einer Eingabe an die BeichSregierung nachgewie­sen, daß die vorgeschlagenen gesetzlichen Zwangseingriffe in die Gestaltung der Ar­beitszeit zur Verteuerung der Produktions­kosten, Verlängerung der Lieferfristen, Er­schwerung des Exports, Gefährdung des Rationalisierungserfolges, Verminderung der Anpassungsfähigkeit an die Schwan­kungen des Auftragseinganges und der WirtschaftÄage, also zu ehre Verminde­rung der Wirtschaftlichkeit u^^Konkurrenz- fähigkeit der Betriebe führen und dadurch eine Erhöhung. der Arbeitslosigkeit zur Folge haben müsse.

Der ungewöhnliche Ernst der Lage macht ferner einschneidende Reformmaß- nahmen der Sozialversicherung und der Arbeitslosenversiche­rung unentbehrlich wenn nicht binnen

kurzem der völlige Zusammenbruch ein­zelner Versicherungsträger unvermeidlich werden soll.

Die Gutachterkommission zur Arbeitslosenfrage häst gegenwär­tig wieder allwöchentlich an je drei Tagen ihre Sitzungen ab. Sie beschäftigte sich Freitag mit einem zweiten Referat zu den Fragen der unterstützenden Arbeitslosen­hilfe, die für die nächste Zeit den Haupt- gegenstand der Beratungen der Kommis­sion bllden wird.

Die Zunahme der Wohl­fahrtserwerbslosen

Nach der Erhebung des Statistischen Lan­desamts gab es in Preußen 687 678 unter­stützte Wohlfahrtserwerbslose, d. h. 22 570 mehr als Ende Februar. Der Grund für das erneute Ansteigen der Zahl der Wohl­fahrtserwerbslosen liegt vor allem darin, daß die Auslaufsfrist für Krisenunterstützte mit kurzer Anwartschaft am 28. März zu Ende gegangen ist.

Seit Ende September 1930 ergibt sich in Preußen ein Zuwachs von rund 240 000 Wohlfahrtserwerbslosen, d. h. 53,5 Prozent. Auf Ze 1000 Einwohner entfallen nunmehr 18 Wohlfahrtserwerbslose.

3m Laufe des Monats April dürste die Zatzi der unterstützten Wohlfahrtserwerbs­losen erneut gestiegen sein, da nach dem Aus­weis vom 15. Februar die Abnahme der Arbeitslosen in der Arbeitslosenverstcherung und in der Krisenfürsorge stärker war als die Zahl der gemeideten Arbeitslosen über­haupt. 3n unterrichteten Kreisen wird er­wartet, daß durch den Stichtag der Krisen­fürsorge am 28. März im Laufe des April das Heer der Wohlsahrtserwerbslosen an­nähernd um 50 000 vermehrt worden ist.

Brotpreiserhöhuug i« Magdeburg.

Magdeburg, 24. April. Der Brot- preis ist für Magdeburg und Umgegend mit sofortiger Wirkung von 50 auf 55 Pfennig erhöht worden. Die Preis­erhöhung wird von der Väckerinnung mit dem jetzigen Mehlpreis begründet, der seit der Brotpreisermäßigung im Oktober v. Js. um etwa 15 Prozent gestiegen sei.

im Artikel 8 de, «ölfervaudssatzung vorgesehene Werk der Abrüstung nicht vollendet werden könne, und wen« die Nationen den von "ihren Vertreter« vor dem Völkerbund feierlich eingeqangene» Verpflich­tungen let« Vertraue« mehr ent- gegenbri«ge« könnte«.

Es sei infolgedessen unmöglich, die Bedeu­tung zu überschätzen, die die Regierung und auch alle Parteien Eroßbrrtanmens dem Erfolg der Abrüstungskonferenz bei­mäßen. Das Interesse, das Großbritan­nien für die Sache des dauernden Frie­dens hege, sei das hauptsächliche und fast das einzige Ziel seiner aktiven Beteiligung an der internationalen Politik.

Der Erfolg der Abrüstungskonferenz, y so fuhr Henderso« fort, werde mehr als alles andere dazu beitrage«, die Gefahr der Wirtickaftskrife zu ver­mindern. '

Das Interesse, das Großbritannien dem Frieden entgegenbringe, habe seine Poli­tik in der Frage des Rheinlandes und in anderen ähnlichen Fragen, sowie bei den französisch - italienischen Flotten - Bespre­chungen bestimmt. Eine Regelung des Flottenproblems würde die Abrüstungs­konferenz sehr unterstützen, während die Nichtlösung der vorhandenen Schwierig­keiten zu Bauprogrammen verleiten könn­ten, die den Wert des Vertrages früher oder später illusorisch machen würden.

Der Inhalt der französischen Flottenrrofe.

DerPetit P a r i s i e n" bestätigt in einer Auslassung den bereits als wahr­scheinlich bezeichneten Inhalt der franzö­sischen Note an England hinsichtlich des Flottenpaktes. Die französische Regie­rung verlange für sich das Recht, veral­tete französische Schiffe durch neue zu er­setzen, und zwar in der Weise, daß die französische Flotte gegenüber der italieni­schen eine tatsächliche Ueberlegenheit von 66000 Tonnen bewahre. Sollte eine Ver­ständigung auf dieser Grundlage nicht zu- standekommen können, so würde die fran­zösische Regierung bereit sein, das sran- zösisch-englisck-itaftenische Flottenabkom­men vom 1. März nur als bis zum Jahre 1934 gültig anzusehen, soweit es die Er- setzung veralteter Schiffe zum Gegenstand hat. Dadurch würde die Prüfung der strittigen Punkte auf eine Zeit vertagt, in der vielleicht günstigere psychologische Be­dingungen es ermöglichen, an das Pro­blem der Ersetzung veralteter Schiffe mit größerer Erfolgsaussicht heranzugehen.

Pariser Beifall für Benesch.

Die Ausführungen des tschechoslowa­kischen Außenministers Benesch finden in den Pariser Morgenblättern ein leb­haftes Echo und ungeteilten Beifall. Sie heben vor allem hervor, daß der Außen­minister endlich einmal ganz offen die Feststellung gemacht habe, daß man tn Genf nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die politische Seite des,Abkom­mens verhandeln müsse. DerF i g a r o unterstreicht, daß Benesch mit sehr viel Nachdruck Wert auf die Festellung gelegt habe, daß ein deutsch-österreichisches Ab­kommen nicht nur die allgemeine Wirt­schaftslage nicht verbessern, sondern ver­schlechtern würde. DerPetit Pari­si e n" schreibt, daß der tschechoslowakische Außenminifter mit der ihm eigenen Klar-