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Äbechessische
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Marburg nLadn
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Das Volksbegehren erfolgreich!
Die notwendigen 5,2 Millionen Eintragungen weit überschritten
Der erste Sieg!
Die Geschichte des Poungplanes
Sie das Bundesamt bes „Stahlhelm" am Dienstag nachmittag noch vor Abschluß bet Eintragungszeit mitteilte, habe« die Eintragnngen für das Volksbegehren anf Auflösung des Preußischen Landtags, die fiir das Gelingen erforderliche Mindestzahl von 5,27 Millionen weit überschritten. Genauere Zahlenmeldungen sollen folge«.
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Das Bundesamt des „Stahlhelm" er= klärt, daß die für das Gelingen des Volksbegehrens erforderliche M'ndeitrahl weit überschritten worden ist. Auch der preußische Innenminister S e v e r i n g hat in einer Veriammlung in Dresden den Erfolg des Dolksbeaehrens bestätigt. Dieser Erfolg ist in der Tat nicht hoch genug ein» zuschayen. Ein Dolksbeaehren ist keine geheime Abstimmung. IM) das öffentliche B°kenntnig einer Meinung ist in Deutschland aus mancherlei Gründen nicht febr beliebt. Viele, sehr viele Menschen mögen ihren Namen überhauvt nicht aern vor Zeuaen niederschreiben. Ein Beamter, de, diese Eintragungen w üb-wimchen hat, könnte über die Umständlichkeit dieses Vorganaes mancherlei enä^en. Es gehört viel Geduld daiu. für dieiemnen, die warten müssen, bis sse an der Reihe find, noch mehr für die Beamten, die tagaus, tagein zu manchem nervöien S-breib- kramvf. mancher unüberlegten Kritik ein freundliches Eestcht machen sollen. Viele, febr viele kommen garnicht erst in das Abftimmunaslokal. Auch aus mancherlei Gründen, die sämtlich ni-^t schön find. Feigheit. Laubeit. „NückssKt" auf ein paar Kunden, die das Bekenntnis für eine gute Sache üb'lnebmen könnten, schliesslich Faulheit. Man hört sehr oft non dieser Rückficht auf linksstehende Kunden. Riickficht auf die anderen, mit denen man doch eigentlich in einer Front steht, llegt vielen Menschen offenbar weniaer am Herzen. Don der Erschwerung eines Volksbegehrens durch mancherlei Bedrohung mit bernllichen Nachteilen gar- nickst zu reden. Schließlich war auch die Tufklärunn über den Sinn des Volksbegehrens nicht immer glücklich und zugkräftig. Viele Zeitunaen wissen scheinbar Vichts von der publizisttschen Dervflichtung, über solch einen Vorgang überhaupt etwas zu berichten.
Am 11. April war in der „Frankfurter Zeitung" zu lesen: Mir haben nicht eine kinzige Stimme erhalten, welche die lln- ^neichnung des Volksbegehrens empfiehlt. Gestern must dieselbe ,,Frankfurter Zei- blna" mitteilen, daß in Frankfurt über 50 000 Stimmen, an der Redaktion der frankfurter Zeitung" vorbei, den Weg zum Volksbegehren gefunden haben, «ndere Blätter brachten, abgesehen von einigen versteckten Schmähungen, überhaupt nichts über eine politische Aktion, me von allen bürgerlichen Parteien uns Organisationen, mit Ausnahme des Zentrums und der Staatspartei, gestützr wurde.
Man kann aus der Annahme des Volksbegehrens nur annähernd schätzen, welch eine gewaltige Bewegung gegen'das herrschende System in Preussen in Gang ge- wmmen ist. Kein Zweifel, der eigentliche Kampf beginnt erst. Nach § 15 des Ee- Wes für das Volksbegehren ist das vtaatsministerium verpflichtet, nach der Endgültigen Bekanntgabe des Ergehnisses
das Volksbegehren mit seiner Stellungnahme unverzüglich dem Landtag zu unterbreiten. Falls dem Volksbegehren nicht innerhalb eines Monats vom Landtag oder dem Dreimänner-Ausschuh entsprochen worden ist, folgt der Volksentscheid. Die normale Gesamtdauer eines Volksbegehrens und Volksentscheids wird auf 21 bis 29 Wochen berechnet.
Sollten die heute noch in Preußen regierenden Kräfte den Sinn dieses Volksbegehrens nicht verstehen und seinem Druck nicht nachgeben, so muh auch die Hauptschlacht geschlagen werden. Heber 20 Prozent aller wahlberechtigten Preuhen haben ihren Willen kundgegeben. Zum Volksentscheid, der eine geheime Wahlhandlung darstellt, müssen auch die übrigen mobil gemacht werden. Es geht um Preuhen, es geht Um das Reichl 1 8.
Aufgrund des bekannten Buches des Reichsbankpräsidenten a. D. Dr. Hjalmar Schacht „Das Ende der Reparationen", durch das die Reparationsfrage geschichtlich aufgerollt ist, hat sich das Reichskabinett entschlossen, dem Reichsarchiv das in De- ttacht kommende Aktenmaterial zur Verfügung zu stellen mit dem Auftrag, aufgrund dieser Quellen den Gesamtkomplex zu untersuchen. Das Reichsarchiv wird demzufolge in mehreren Deröffenüichungen das Ergebnis .dieser Aktenforschungen darlegen.
Schon jetzt wird der Aufsatz veröffentlicht. der Aufschluß über einzelne besonders wichtige Begebenheiten geben soll. In diesem Aufsatz wird durch Anführung einer Reihe von Akten dargelegt, daß der von Dr. Schacht erhobene Vorwurf, er sei von bet RetchSregierung vor und während der Pariser Sochverständigenkonferenz nur
Das Urteil der Presse
Die Linke sieht nur die Ziffern
Die meisten Berllner Morgenbsätter beschäftigen sich bereits aufgrund der Mit- teilung des Stahlhelms über das Ergebnis des Volksbegehrens mit den politischen Auswirkungen dieser Aktion. Der „Vorwärts" ist natürlich der Ansicht, daß selbst, wenn die Mindestziffer um einiges überschritten sein sollte, dies nach zweiwöchiger Agitation eine Riederlage sei. Der Volksentscheid werde die moralische Riederlage zu einer polittschen machen. Das „Berliner Tageblatt" bezeichnet es als noch ungewiß, ob die erforderliche Ziffer erreicht fei. Auf jeden Fall aber sei mit einem Mißeffolg des Volksentscheides. falls es überhaupt zu diesem käme, zu rechnen. Die „Dossische Zeitung" sieht ebenfalls keinen politischen Erfolg in dem Erreichen der Mindestziffer. Bei einer Gesamtzahl von 26,5 Millionen Wählern in Preuhen bedeute das Ergebnis, daß runb 20 Millionen von der Auflösung des Landtages nichts wissen wollten. (?) Die preußische Regierung könne mit diesem Ergebnis außerordentlich zufrieden sein. Der „Börsen kurier" ist der Ansicht, daß auch die Veranstalter des DolkÄegehrenS das Ergebnis ihres Feldzuges als nicht eben glänzend empfänden. Der Volksentscheid werde nichts anderes ergeben können, als was schon ohne Begehren feststand. Die Parteien, gegen die sich das Begehren richtete, hätten genügend Zuversicht erhalten, um die Reuwahlen durchzuführen.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung", die, ebenso wie die meisten anderen Zeitungen, die dem Volksbegehren shmpachisch gegenüberstehen, denen, die sich eingetragen haben, Dank und Anerkennung crusspricht, ist der Meinung, daß die poli- ttsche Wirkung zunächst vor allem auf psychologischem Gebiet liegen werde. Das Blatt hofft, daß der Landtag durch Selbstauflösung dem Willen eines so großen Seiles seiner Wähler Rechnung tragen werde. Die „Börsenzeitung" bezeichnet das Erreichte als eine gewonnene Schacht, die jedoch noch lange nicht den Gewinn des ganzen Feldzuges Prä- iuüiriere. Dor dem Siele ständen noch
zwei Barrieren, der Volksentscheid und die Landtagswahl. Der „Lokalanzeiger" sicht in dem Ergebnis im besonderen eine Mahnung au das Zentrum, sich von der Sozialdemokratie zu lösen. Die „Deutsche Tageszeitung" weist ebenfalls darauf hin, daß es jetzt gelte, alle Kräfte anzuspannen, um das Ziel des Volksentscheides zu erreichen, die Hauptentscheidung werbe erst noch fallen. Aehnlich äußert sich auch die „Deutsche Zeitung", die in dem Volksbegehren eine Absage an die heutigen Machchaber in Preußen sieht.
Z« Grogberlia 13% Eintragungen.
Am letzten Tage des Volksbegehrens haben sich in Berlin 65 473 Personen eingetragen; das ist die höchste an einem Tage erzielte Zahl. Die Gesamtzahl der Eintragungen erhöht sich damit auf 438 745, da» find etwa 13% der Stimmberechtigten.
Es haben fich eingetragen:
in Hann.-Münden insgesamt 2 088 Personen von 8520 Stimmberechtigten (24,5%),
in Northeim insgesamt 2 246 Personen von 6800 Stimmberechtigten (833%),
in Uslar insgesamt 253 Personen von 1917 Stimmberechtigten (13,2%), t
in Duderstadt insgesamt 689Personen von 4137 Stimmberechtigten (16,8%),
in Göttingen insgesamt 11039 Personen von 28 853 Stimmberechtigten (etwa 40 Prozent), Volksbegehren gegen Poungplan 6817 Stimmen.
Am letzten Tage des Volksbegehrens haben fich in Kassel 3106 Personen in die Listen eingezeichnet. Insgesamt haben sich damit in Kassel 20 087 Personen von 122 400 Sttmmberechtigten (16,2%) eingetragen.
Der vorletzte Eintragungstag hat in allen Landestellen und insbesondere in den Städten eine Steigerung des Andranges bei den Eintragungen gebracht.
ganz Unzulänglich unterrichtet worden, Echt $u treffe. Aus dem Inhalt der Allen ergebe sich, daß nur bei einer der zahlreichen Besprechungen zwischen Parker Gilbert und den Mitgliedern der Reichsregierung von feiten des Generalagenten eine Annuität von 2 bis 2,2 Milliarden Mark genannt worden sei, mit denen Deutschland rechnen müsse. Laut dem von Stresemann gezeichneten Protokoll über diese 'Besprechung habe der Reichsaußenminister eine solche Möglichkeit mit allem Rachdruck zurückgewiesen und Annuitäten in solcher Höhe als für Deutschland untragbar abgelehnt. Die Diederschrift Parker Gilberts über die gleiche Besprechung, die erst erheblich später, und zwar am 1. Mai 1929 der Reichsregierung zur Verfügung gestellt worden sei, enchalle ebenfalls nichts, was den Vorwurf Schachts einer vorherigen Festlegung durch die Reichsregierung rechtfertige.
Auch die andere Behauptung Schachts, die Reichsregierung habe die Unabhängigkeit der Sachverständigen verletzt, halte einer aktenmäßigen Rachprüfung nicht stand. Die Reic^regierung habe den Sachverständigen während der Verhandlungen in Paris durchaus die Freiheit der Entschließung gelassen. Erst, als die Sachverständigen „nach ausdrücklicher Erllärung des Herrn Reichspräsidenten" sich nicht mehr in der Lage sahen, angesichts der Ziffern des Poungplanes die Verantwortung für die zu fassenden Beschlüsse allein zu übernehmen, ist die Reichsregierung aus ihrer Reserve herausgetreten. . >
Gerade um den Sachverständigen die von Schacht gewünschte Deckung durch die Reichsregierung zu geben und eine Verantwortungsgemeinschaft herzustellen, sei der Beschluß vom 3. Mai gefaßt worden. Als im weiteren Verlauf der Pariser Konferenz die Annuitäten am 24. Mai unter dem Zwang der Gläubigermächte von neuem heraufgeschraubt wurden, habe Schacht in einem Schreiben vom gleichen Tage erklärt, Geheimrat Kastl und er behielten sich vor, ob sie die echöhten Zahlungen annehmen oder ablehnen würden. Die Reichsregierung habe daraufhin mehrfach wissen lassen, daß die gewünschte Handlungsfreiheit bestätigt werde. Am 3. Juni gaben die Sachverständigen dem Reichskanzler gegenüber in einem Telegramm die Erklärung ab, daß sie „die volle Verantwortung für die Unterzeichnung übernehmen, ohne jede Rücksicht auf äußere Einflüsse, sondern lediglich chrem eigenen Gewissen folgend." Weitere Punkte, so schließt der Aufsatz, besonders die angebliche Deffälschung des Boungplanes und die Frage der Sanktionen würden an anderen Orten behandelt werden.
Es ist anzunehmen, daß Dr. Schacht als der Verfasser des Buches „Das Ende der Reparationen" in den Veröffentlichungen des Reichsarchivs seinerseits nicht still- schweigen wird. Da das Reichsarchiv eine objektwissenschaftliche Behörde ist, deren Fesfftellungen jeder historischen Kritik standhalten müssen, ist weiterhin die Feststellung wichtig, ob das Reichsarchiv vor Veröffentlichung seiner Feststellungen sich auch mit dem Verfasser des Buches in Verbindung gesetzt, oder ob es sich lediglich auf das ihm von der Reichsregierung gelieferte Material gestützt hat.