Montag.
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fft .Oberb<ssisch< Stitimg' «“ fcbeiitt sechsmal wöchentlich. Ve- ^SpieiS mon»tlich2.20SM.<««- Meßl. Zustellungsgebahr. durch ja Post 2.45 GM Für etwa durch etrtit, Maschwendefekr oder «le» geilte« Lretgntff« ansfalleud« b^«m«rn wird kein 4rfat ge» gjftct Verlag. Dr. 6 -»ero».
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesse«
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Marburg n. Wn
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ttn*eiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
„Der Landtag ist aufzulösen!"
Nur noch Montag und Dienstag sind Einzeichnungen zum Volksbegehren möglich
Nun erst recht!
Letzter Appell des „Stahlhelm"
Die Politik der D.V.P.
Tagung des Zentralvorstandes
Der Bundesrat des S t a h l h e lm teilt eit:
„Nun erst recht! Wie die Telegraphen- llnion meldet, soll innerhalb der preußischen Regierungskoalition unter dem Druck des Volksbegehrens schon heute lebhaft erwogen werden, ob sich der preußische Landtag nicht unmittelbar nach dem Volksbegehren bereits selbst auflöst.
Die Mehrheit für eine Ablehnung des Volksbegehrens dürfte auch in diesem Landtag heute mehr als zweifelhaft sein.
Es kommt daher entscheidend darauf an, daß bereits im Volksbegehren die ganze geschloffene Kraft des aufbauwilligen Preußenvolkes offenbar wird. Z e h ö h e r die nach der Verfassung notwendige Mindestzahl von 5,27 Millionen beim Volksbegehren überboten wird, d est o rascher kommt das Volz zu seinem Recht. Der Sieg im Volksbegehren kann somit den V o l k s- entscheid ersparen und bereits jetzt die Entscheidung für die Abkehr vom Marxismus bringen. Darum tue jeder in diesen letzten Eintragungstagen seine staatspolittsche Pflicht. Der Landtag ist aufzulösen!"
Versprechungen von 1918.
Der im Flugblatt Nr. 1 des Stahlhelms verbreitete Aufruf der Volksbeauftragten vom 9. November 1918 hatte folgenden Wortlaut:
Arbeiter! Soldaten! Bauern!
An Alle!
Die alte Regierung ist gestürzt. Die alten Machthaber sind geflohen. Die Beauftragten des Volkes haben die Gewalt m ihre Hände genommen.
1. Das Deutsche Reich ist eine Republik.
2. Das Deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt.
3. Der Präsident der Vereinigten Staaten Amerikas sichert uns einen Frieden der Versöhnung und Verständigung zu ohne Annerionen und Entschädigungen.
4. Der Weltfriede ist somit für die Zukunst gesichert.
5. Das französische und englische Volk beglückwünschen bereits das deutsche Volk zum Sturze des Imperialismus.
6. Die englische Marine hat die rote Flagge gehißt.
7. Damit ist die Periode des Imperialismus endgültig beendet.
8. Der allgemeinen Abrüstung steht hinfort kein Hindernis mehr im Wege.
9. Die Weltreoolution marschiert.
10. Die Eeheimdiplomatie ist abgeschafft. Indem sich in Zukunft die Völker selbst regieren, herrscht nunmehr das Recht.
11. Der Kapitalismus gehört in Zukunst einer überwundenen Zeit an.
12. Jeder Werktätige erhält gerechte Entlohnung.
13. Die Republik garantiert jedem Arbeit und Brot.
14. Die Lebensmittelpreise werden sofort herabgesetzt, die ungerechten Steuern beseitigt.
12. Die VMsozialisierung beginnt.
16. Schieber und Wucherer werden nunmehr chrer gerechten Strafe zugeführt.
16.31t der Republik ist kein Platz für Korruption.
18. Die Bürokratie ist beseitigt, das Volk regiert sich selbst. Ein allgemeiner politischer Aufstieg wird die Folge sein.
19. Durch diese Revolution tritt unser Volk in den Zustand einer wahren Freiheit, Schönheit und Würde.
Werktätige! Bildet überall Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte!
Rüstet zum Kampf gegen die Reastion!
Nie wieder Krieg! Es lebe die Republik!
Es lebe die Weltrevolution!
Berlin, den 9. November 1918.
Der Rat der Vollrbcartt tragt«.
Die Tagung des Zentralvorstandes der Deutschen Dolkspartei, die am Sonntag im Reichstagsgebäude stattfand, wurde vom Parteiführer, 2lbg. Dingeldeh, eröffnet, der dem Zenttalvorftand die neuen „Kampfziele der DDP." vorlegte. Diese „Kampfziele" enchielten nach den Wotten Dingeldehs einmal das ideologische Rüstzeug, die klare Formulierung der weltanschaulichen Grundlagen, auf denen sich die politische Arbeit der DDP. aufbaue, und zum anderen eine klare Fassung der konkreten polittschen Aufgaben, vor die die Partei im laufenden Jahr mit seinem zweifellos noch schweren Herbst und Winter gestellt werde. Auf Vorschlag von Geheimrat D. Dr.. Kahl, M.d. Ä. wurde» di«
Kampfziele der Volkspartei
Freiheit nach innen und außen
Unter der „lleberschrift „Kampfziele der Deutschen Volkspartei" hat der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei das neue Akttonsprogramm der Partei verkündet, das einen Umfang von ungefähr 400 Druckzeilen besitzt. Zur Verfassungsfrage wird im einzelnen neben der Beschränkung der Rechte des Reichstages eine Zweite Kammer gefordert. Zur Reichsreform wird als erster Schritt verlangt, daß der Reichspräsident künfttghin zugleich Oberhaupt des Landes Preußen wird. Auf wirtschaftlichem, finanziellem und steuerlichem Gebiet werden die bekannten Forderungen der Partei wiederholt.
Zn sozialpolittscher Hinsicht sind folgende Ziele aufgestellt: Verstärkte Selbstverwaltung und Selbstverantwortung der organisierten Berufsstände, größere Beweglichkeit der Lohnpolittk in bezirklicher, fachlicher und leistungspolitischer Hinsicht, llebergang des Schlichtungswesens in die arbeitsgemeinschaftlichen Selbstverwaltungskörper. Die Arbeitslosenversicherung soll sich auf die Entschädigung konjunktureller Arbeitslosigkeit beschränken. Das Beamtentum müsse gegen alle Anschläge
auf seine verfaffungsmäßige Unabhängigkeit geschützt werden.
Die Parteibuchbeamten seien zu beseitigen.
Nächstes Ziel der deutschen Außenpolitik ist die Befreiung von wirtschaftlichen Ketten, in die unser Volk geschlagen ist. Für die deutsche Selbstachtung unerträglich ist der Zustand, daß Deutschland allein entwaffnet mit ungesicherten Grenzen zwischen waffenstarrenden Völkern leben soll. Versagt der Völkerbund, so har Deutschland die Pflicht, zur freien Entwicklung seiner Kräfte feinen Weg sich selbst zu wählen.
Das Programm begrüßt ferner die deutsch-österreichische Zollunion, weist auf die Unmöglichkeit des Zustandes an der deutschen Ostgrenze hin, verlangt das Recht des deutschen Volkes an der Saar und fordert Wiedergutmachung des Unrechts an der Rordmark unv an Eüpen- Malmedie, weiter Freiheit der kolonialen ^Betätigung, Kampf gegen die Kriegsschuldlüge und Schutz oer deutschen Minderheiten. - ,
Eiutragungszahleu zu« Volksbegehren.
Zn Halle beträgt die Zahl der Eintragungen zum Volksbegehren bis zum Sonnabend abend mit 38 848 rund 2 5,6 v. H. der Stimmberechttgten. Die Gesamtzahl der bishettgen Eintragungen ist in Stettin auf 16198 gestiegen. In Stolp haben sich bis zum Freitag abend 7427 Personen eingetragen, was eine Beteiligung von 27,5 v. H. entspricht. Zn Breslau sind bisher 45 000 Eintragungen erfolgt. Mit 10 486 Eintragungen von 50 274 Wahlberechtigten find in Frankfurt /Oder die 20 v.H. bereits überschritten.
Am Sonnabend haben fich in Berlin 22165 Personen für das Volksbegehren eingetragen. Die Gesamtzahl der Ein- ttagungen bis einschl. Sonnabend stellt fich damit auf 258 714.
Der Fall Hausmann
Gegenerklärung des Stahlhelms.
Zum Fall des Landrats Hansmann teilt das Bundesamt des Stahlhelms mit, daß die beglaubigten Abschriften der 76 gegen Hausmann zeugenden eidesstattlichen Erklärungen unmittelbar dem Reichspräsidenten übersandt worden find. Die vom Amtlichen Preußischen Pressedienst bereits am Samstag abend mitgeteilte Rechtferttgungserklärung für Herrn Sansmann dürfte daher, so erklärt der Stahlhelm, ohne Prüfung dieses Herrn Hansmann belastenden Materials, etwas voreilig und wohl lediglich dazu bestimmt sein, den üblen Eindruck der gemäß den 76 Erklärungen von Landrat Hansmann geäußerten Worte wenigstens für die letzten Tage des Volksbegehrens au verwischen.
Kampfziele vom Zentralvorstand ohne Aussprache einsttmmig angenommen.
Der Führer der preußischen Landtags» fraktion Abgeordneter Stendel, sprach über den Kampf in Preußen. Er nahm zunächst zum Volksbegehren Stellung und betonte, daß es für _ die DVP. keine andere Haltung geben könne, als das Volksbegehren mit allen Kräften zu unterstützen, nachdem sie sechs Jahre lang in einer scharfen Opposition gegenüber der preußischen Regierung gestanden habe.
Die neue Notverordnung des Reiches sei für den Kampf nm das Bolls- begehre» außerordentlich unbequem gewesen.
Die Mißgriffe verschiedener Polizerorgane seien jedenfalls außerordentlich bedauerlich. 3m übrigen habe die preußische Regierung zwar verwallen können, von Regieren im eigenüichen Sinne des Wortes sei aber keine Rede. Was sie geleistet habe, sei außerordenüich gering. Besonders scharf kritisierte der Redner die preußische Personalpolitik, die letzten Endes zum Bruch des guten Beamtentums führen müsse. Der Kampf um Preußen werde bis zu den Aeuwahlen nicht mehr ruhen. Schon jetzt müsse man sich über die Kampffront klar werden. Das Ziel müsse die Schaffung einer starken bürgerlichen Regierung sein. . ,
Abgeordneter Dingeldeh sprach dann über
die politische Lage.
Er führte etwa folgendes aus: Der Winter stellte uns vor eine Fülle der schwierigsten Aufgaben. Die schwierigste war, den Haushalt des Reiches in einem Parlament, das tagtäglich durchlobt war von Sörungen . der Demagogie, in ruhiger, sachlicher Arbeit durchzubringen. Ich habe in diesem Winter zu wiederholten Malen die Erfahrung machen können, daß das was zwischen dem Reichskanzler und mir vereinbart wurde, von ihm restlos gehalten worden ist. Der Sinn derPolitikdervolks- parteilichen Reichstagsfraktion in den letzten Monaten ist gewesen, dem Volk die unerbittliche Wahrheit schonungslos zu zeigen und die Deckung von Fehlbettägen durch Einnahmeerhöhungen in Zukunft zu verhindern. Die lieber» Windung der Arbeitslosigkeit ist nicht gleichbedeutend mit der Durchführung einer Herabminderung des SebenSftan* dards.
Wir stehen vor der Zerstörung der Grundlagen der Wirtschaft, wenn nicht Unternehmer und Arbeitnehmer den Verantwortungsmut und die Ent- schlosseuheit finde«, i« gemeinschaftlichem Zusammenwirken ein System aufzubauen, das de« wirtschaftlichen
Tatsachen Rechnung trägt.
'Bei Erörterung der Gerne indefinajs- zen betonte Dingeldeh, daß es notwenorL sein werde, für die Abgrenzung der Steuerquellen zwischen Reich, Ländern und Gemeinden neue Formen zu finden. Das werde allerdings nicht möglich sein, wenn man noch länger an der Aufgabe der Reichsreform vorübergeh«. Alle diese Röte münden, so fuhr Dingeldeh fort, immer wieder in die Klage über die Lage,