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Pos! 2.45 EM Für ettva durch Ktreik. Maschtnendefekt »der eie» ^entare Ereignisse ausfallend« zimmern wird kein Ersatz ge- leget Verlag, Dr. 5 tzttzeroch» de» Univ-Vnchdrucker«l ßeb Äug Aoch, Markt 21/23, gerusprech«: Sir 54 BUS Rr. 55. Postsche-Nomv: Statt Frankfurt ,.88. 9k. 5015. - Sprech »eit In Redaktion von 10—11
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Marburg a.Lahu
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Spanien erklärt sich als Republik
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Der König hat das Land verlaffen — Republikanische Regierung unter Zamora
Provisorische Regierung
Ein Erfolg Frankreichs
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Madrid, 14. April. Unabhängig vom -erhalte« des Königs hat sich die Kepablick Spanien bereits gebildet. Im Kamen de, bisherigen Regierung hat Graf Romanones dem Führer der republikanische« Sozialisten Alcala Za- »ora di« Regierungsgewalt übertragen. Dieser hat eine provisorische Regierung e«e Konservativen, Republikanern und Sozialisten gebildet.
Die republikanische Regierung setzt sich wie folgt zusammen: Ministerpräsident: Alcala Zamora, Außenminister: Ler- r o u x, Kriegsminister: Aznar, Ma- rineminifter: Casares Quiroga, Fi- «anzminister: Prieto Innenminister: Mauel Maura, Minister für öffentliche Arbeiten: Domingo, Arbeitsminister: Caballero, Wirtschaftsminister: Bar- rios, Justiz: Fernando de los Rios.
Der Finanzminister der provisorischen Regierung, Prieto und eine gewisse Anzahl spanischer Persönlichkeiten, die sich bisher in Paris im Exil aufhielten, reisen heute abend nach Madrid ab. Sämtliche in Frankreich im Exil lebenden Persön- Rchkeiten sind aufgefordert worden, nach Spanien zurückzukehren.
Der König hat Madrid verlasie«.
ft. Madrid, 15. April. König Alfons hat mit seiner Familie am Dienstag 20.30 Uhr in vier Autos Madrid i» Richtung der portugiesischen Grenze verlassen. Bermntlich wird er sich «ach i » g l a « d begeben.
Nach den letzten Nachrichten hat sich der König zwar bereit erklärt, sich außerhalb des Landes zu begeben, womit er aber W) nicht auf seine Rechte verzichtet hat. Trst um 21 Uhr rief der vorläufige Präsent Zamora vom Balkon des Ministeriums des Innern die Republik aus.
Das neue spanische Kabinett ist bereits Dienstag gebildet worden und in den Abendstunden zu seiner ersten Sitzung zu- «mmengetreten. Es wird einen Aufruf en das Volk erlassen, nach dem das Land dis zur Ausarbeitung seiner endgültigen «erfaffung durch die Cortes regiert werden soll.
Der spanische Ministerpräsident Zamora Mtte eine Unterredung mit dem kataloni- chen Führer Oberst M a c i a, in der die- energisch das Gerücht von der Bildung einer separatistischen-katalonischen Republik Zementierte.
$** ersten Beschlüsse der neue« spanische« Regierung.
Um 2 Uhr morgens hat die neue Re- perugg durch den neuen Unterstaats- 2"etär des Ministerpräsidiums, Sanchez . ? e 11 a, den Sohn des bekannten tfuyeren konservativen Politikers, der ^effe die ersten Beschlüsse der neuen Re- mitgeteilt. Sie enthalten die - Ernennung Alcala Zamoras zum läufigen Präsidenten, die Ernennung ^^b-nettsmitglieder, eine politische ,eh 1,1 Ed die Neuschaffung eines Ver- Tnrnr mums. Inhaber des neuen ^'Nigeriums wird B a r r i l o s.
weiter ^-ird mitgeteilt, daß der König . in Begleitung des als Fliegeroffizier annten Jnfanten Alfons von Orleans, Kanzlers von Medina und des Tonte >C, Aguilar Madrid verlaffen habe.
ö n i g i n mit den Prinzen und den
Prinzessinen, sowie dem übrigen königlichen Hause werden heute (Mittwoch) vormittag mit dem königlichen Salonzug unter Zusicherung freien Geleites und unter dem Schutz des Generaldirektors der Guardia Civil über Jrun nach Frankreich und von dort nach England fahren.
In den vorgerückten Nachtstunden hat der Pöbel das Haus der spanischen Nationalisten gestürmt und die Möbel auf die Straße geworfen. Ebenso wurden die Standbilder Isabella TI. und Philipps IV. umgestürzt und zertrümmert.
ff. Madrid, 15. April. König Alfons traf in Begleitung seines Vetters und des Herzogs von Miranda heute früh um 4 Uhr in Cartagena ein und begab sich sofort an Bord des Kreuzers „Princlpe Alfonso".
Das fr anzLsische Innenministerium wurde davon verständigt, daß die königliche Familie auf der Reise nach London Paris berühren werde. Zahlreiche spanische Monarchisten haben im Laufe des Dienstags die Grenze überschritten und sich nach Frankreich begeben.
Großfeuer in Berlin
Das Blücher-Palais am Pariser Platz ausgebrannt
ft. Berlin, 15. April. Heute morgen gegen 3.30 Uhr brach im früheren Blücher- Palais am Pariser Platz 2, das von der amerikanischen Botschaft angekauft worden ist, im ersten Stock ein Feuer aus, das sehr rasch um sich griff. Als die Feuerwehr eintraf, hört« man vielfache Detonationen, deren Ursache noch nicht festgeftellt werden konnte.
Die Feuerwehr wurde auf die Desamtalarmstufe gesetzt, und das Feuer, das inzwischen nach dem 2. Stock übergegriffen hatte, wurde mit 15 Rohren und 1 mechanischen Leitern angegriffen. Das Gebäude zieht sich nach der Friednch-Ebert-Straße 21 durch und war nicht bewohnt. Lediglich in drei Hinterräumen des Hauses hatte der Portier seine Wohnung. Gegen 4.30 Ahr morgens war die Gefahr für die anliegenden Gebäude völlig beseitigt. Das Feuer schlug am Pariser Platz vom 2. Stock nach dem Dachstuhl durch, der völlig auSbrannte, und zog sich zum Dachstuhl nach der Fried- rich-Ebert-Strahe hin, wo drei Stockwerke ausgebrannt sind.
Das (Stböube am Pariser Platz, das Fürst Blücher 1813 als Geschenk des
Staates erhiUt, ist völlig vernichtet.
Die Explosionen, di« bald nach Eintreffen der Feuerwehr zu hören waren, scheinen aus der Wohnung des Fürsten Donnersmarck gekommen zu fein, und man vermutet, daß sich unter den Sammlungen dort verschiedene alte Patronen befanden. Das Gebäude an der Friedrich-Sbert- Strahe, das 1870 angebaut wurde, hat nur in den oberen Räumen durch das Feuer gelitten, der Dachstuhl ist jedoch völlig ausgebrannt, und der Wasserschaden ist sehr groß. Personen sind nicht zu Schaden gekommen.
Obwohl über die Ursache des Grvßseuers Endgültiges noch nicht gesagt werden kann, scheint doch schon jetzt festzustehen, daß der Brand unmittelbar nach den von verschiedenen Zeugen gehörten Detonationen auS- gebrochen ist. Vermutlich handelt es sich um die Explosion von Iagd- munition.
Aeber den Verlauf der Löschaktion wird noch folgendes berichtet:. Von der mit großem Aufgebot erschienenen Feuerwehr wurden unaufhörlich riesige Wassermengen in das brennende Gebäude gepumpt. Die Dächer der Aachbargebäude waren von der Feuerwehr besetzt, um ein Aebergreifen des Feuers zu verhindern. Auch auf dem Brandenburger Lor, neben dem das Dlücher-Palais. eines der schönsten Der-
liner Baudenkmäler, liegt, waren mehrere Feuerwehrleute postiert. Besonders schwer mitgenommen ist auch der Haupteingang vom Pariser Platz aus. Die sehr kostbare Einrichtung des Gebäudes ist nahezu völlig vernichtet. Auch die Räume im Erdgeschoß haben nie wieder gutzumachenden Wasserschaden erlitten. Lediglich di« Räume in der Südecke des Flügels, von der Friedrich- Ebert-Straße aus, sind verschont geblieben.
Der Irmenhof des Palais ist «in «inzigec Trümmerhaufen.
Der Reviernachtwächter hat noch Um 3.15 Ahr die Kontrolluhr gestochen, ohne etwas von dem Brand zu bemerken. 2lls er eine Viertelstunde darauf sich etwa 100 Meter von dem Gebäude entfernt aufhielt, war der Dachstuhl nach seinen Aussagen bereits in Rauch gehüllt. Er alarmierte sofort die Feuerwehr, Hausmeister und die Hausbewohner, darunter den ebenfalls im Blücher-Palais wohnenden Bankdirektor Gutmann. Das Eindringen der Feuerwehr in die Räume des amerikanischen Handels-Attachees wurden durch die diplomatischen Siegel erheblich erschwert, da nach den internationalen Bestimmungen das Betreten der Räume ausländischer Vertretungen nur in Anwesenheit von deren Beamten möglich ist.
Schweres Brandunglück in Chicago
Newyork, 14. April. In einem Chicagoer Fabrikviertel brach plötzlich in einem im Bau befindlichen Kanalisationstunnel ein großes Feuer aus, das an ausströmenden Gasen reichliche Nahrung fand und sich mit großer Schnelligkeit verbreitete. Im Tunnel, der sich etwa 11 STCeter tief unter der Erdoberfläche hinzog, befanden sich zahlreiche Arbeiter, von denen ein großer Teil ums Leben gekommen sein dürfte. Es ist bisher gelungen, acht Leichen zu bergen, doch befürchtet man, daß die Zahl der Toten etwa 25 betragen wird. Die Feuerwehr, die Polizei und zahlreiche Arbeiter, darunter auch die Geretteten, bemühen sich zurzeit vom Straßenpflaster aus einen vertikalen Schacht zu graben, um die noch eingeschloffenen Arbeiter zu befreien. 30 Arbeiter konnten bisher mit mehr oder weniger schweren Brandwunden und Gasvergiftungen den Krankenhäusern zugefühtt werden. Die Ursache des Feuers konnte noch nicht ftst- aeüellt werden.
Nach Meldungen aus Madrid hat die neue Regierung mitgeieilt, daß König Alfons eine Kundgebung hinterlassen habe, die veröffentlicht werde, sobald er das spanische Gebiet verlaffen habe. In verschiedenen Provinzstädten wurden die Denkmäler monarchistischer Führer zerstört, die Straßenschilder ehemaliger Führer, wie diejenigen Primas, wurden ab- geriffen. Eine Reutermeldung aus Madrid besagt, daß es in den späten Abendstunden an verschiedenen Stellen der Stadt zu Straßenkämpfen gekommen sei.
General Berenguer festgenommen.
fk. Paris, 15. April. Aus Madrid trifft heute die Meldung ein, daß General Berenguer von der neuen Regierung gefangen gesetzt wurde. Sämtliche Vertretungen des Landes im Auslande sollen neu besetzt werden. Der Herzog von Alba, und Graf de la Cimera haben im Auto die spanisch-französische Grenze überschritten.
Nach einer um 2.30 Uhr ausgegebenen Regierungserklärung beabsichtigt die provisorische Regierung, zunächst mit allen Machtmitteln zu arbeiten, ist aber ent- schloffen, ihre sämtlichen Maßnahmen dem Parlament zur nachträglichen Genehmigung vorzulegen.
Di« letzten Stunde« der spanischen Monarchie.
In den frühen Morgenstunden des Dienstag zog ein großer Demonstrationszug vor das Palais des Ministerpräsidenten. Die Polizei machte in der Besorgnis, die Demonstranten würden sich gegen die in der Nähe gelegene englische Botschaft wenden, in der sich angeblich der Äönijj aufhielt, von der Schußwaffe Gebrauch, wobei fünf Personen schwer und zahlreiche leicht verletzt wurden. Unter den Schwerverletzten befindet sich auch der deutsche Arzt Dr. Kassel.
Die Morgenblätter berichten in großer Aufmachung über die Ereignisse in Spanien. In den meisten Kommentaren werden die persönlichen Qualitäten des Königs hervorgehoben und insbesondere seine Bemühungen während des Krieges um die Aufrechterhaltung der Neutralität Spaniens trotz aller Versuche der Gegner Deutschlands erwähnt.
Die Germania" bezeichnet es als unzweifelhaft, daß das Regime der letzten sieben Jahre die revolutionäre Bewegung ungeheuer gestärkt und die Gegner der Monarchie vermehrt habe. Das Blatt glaubt nicht, daß Spanien am Ende seiner polittschen Kämpfe angekommen sei, es sei beachtlich, daß sie die Kämpfe um die Gestattung des Landes auch auf das innere geistige Leben beziehen. — Der „Börsen- Courier" nennt das Ende der Monarchie, gemessen an der geschichtlichen Bedeutung des Ereignisses, ein äußerstes an Nüchternheit. Der König habe das An- vermeidliche mit Kaltblütigkeit und Umsicht und ohne jedes Pathos vollzogen. Es sei das Gescheiteste gewesen, zu verschwinden, ohne sich unter Kampfgetöse „stürzen" zu lassen. — Der „Vorwärts" spricht von einer thpisch-demokratischen Revolu- tion. Das Volk habe die Monarchie mit dem Stimmzettel besiegt. Die spanische Ar- betterschast habe daran entscheidenden An- teU genommen. Ihre Führer wissen aber genau, wie die sozralisnschen Arbeiter in Deutschland, daß der soziale VollSstaat nur
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