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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Im Schlepptau Frankreichs

Englands verzweifelter Kampf um größere Unabhängigkeit London weicht wieder vor Paris zurück

Erst nach Genf! Berechtigte Hoffnungen?

fk. London. 8. April. I« maßgeben - de« Kreise« be6 Auswärtigen Amtes heißt es, daß der Besuch des deutschen Reichs- kanzlers «ad des Reichsanhe«mi«isters ,icht vor Ende Ma', also nach der gz, Tagung des Völkerbundsrates vor fich gehe« werde. Die Verschiebung des Be- pzches. der anfänglich für Anfang Mai in Aussicht genommen war, ist, wie verlautet, auf Vorstellungen von Paris »ad Rom zurückznführen. Za Ber. li« hat diese Nachricht a» den zuständige« Stelle« große Ueberraschnng her- vsrgerufen.

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Rach übereinstimmender Auffassung der Pariser Moraenpresse scheint es «unmehr festzustehen, daß eine ofsi - Ji e l l e Einladung der englischen Re­gierung an Briand zur Teilnahme an der Zusammenkunft der verschiedenen Mi­nister Deutschlands, Englands und viel­leicht Italiens in Chequers bisher nicht erfolgt ist. Die Blätter zeigen sich je­doch hierüber sehr viel weniger beunruhigt als über die Tatsache selbst, daß England sich an die Spitze einer Politik zu stellen beabsichtigt, die Europa ein ganz anderes Bild geben könnte. Man wiederholt in diesem Zusammenhang die Befürchtungen über eine Gefahr englischer Zugeständnisse in der Abrüstungsfrage, ebenso wie eines Nachaebens Englands in der Frage des deutsch-österreichischen Abkommens, das möglicherweise auf andere Länder, insbe­sondere Italien, ausgedehnt werden könnte. Von den Bestrebungen zur Bil­dung einer Donau-Föderation, eines Zu­sammenschlusses aller österreichischen Nach­barstaaten ohne Deutschland, wird jetzt weniger gesprochen.

ZmEcho de Paris" bezeichnet Pertinax die Absicht Hendersons als direkt lächerlich. Eine Verständigung in der Ab­rüstungsfrage könne nur bcnu erzielt wer­den, wenn der englische Außenminister vor den'deutschen Forderungen kapituliere. Es sei außerdem sehr schlecht, daß Männer, die fich nur sehr oberflächlich kannten oder überhaupt nie gesehen hätten, sich auf ernste Besprechungen einließen, ohne vor­her ein genaues und eng umgrenztes Pro­gramm aufgestellt zu höben. Die Außen­minister der Erobmächte sähen fich vom 15.25. Mai in Genf. Diese Zusammen­kunft müße vollkommen genügen, um alle wichtigen Tageskraqen des europäischen Programms zu beraten.

DasOeuvre glaubt zu wisien, daß sich Briand nur dann nach London be­geben werde, wenn Erandi oder Muffo- lini ebenfalls die Reise unternehmen. Der Petit P a r i s i e n" glaubt nicht an die Teilnahme des französischen Außenmini­sters, wenn die Zusammenkunft vor der Beratung des deutsch-österreichischen Ab­kommens in Genf stattfindet. Es sei sehr natürlich, daß der Führer der französischen Abordnung, Briand, fich freie Hand be­halten wolle, um vor dem internationalen Gremium in Genf so einqreifen zu können, wie er es für richtig halte.

A v e n i r" lehnt eine Vermittlerrolle Hendersons ab. Ein Vermittler müße unparteiisch sein. Henderson sei das weder in der Flottenfrage noch in der Frage der Zollunion. In der Flottenfrage sei er Partei, und was die deutsch-österreichische Union anlangt, so ziele die englische Dok­

trin auf Beseitigung der Zollschranken in Europa ab. Wenn Briand versuche, die europäische Union zu gründen, so vertrete er rein internationale (?) Interesse. Aber Henderson weiche nicht von seinen guten eigenen englischen Planen ab.

Figaro" äußert die Befürchtung, das deutsch-österreichische Zollabkommen werde in Ehequer Billigung finden. Mitteleuropa" sei auf dem Wege.

L' Ordr e" ruft aus: Briand wird von Henderson an die Wand gedrückt.

Echo de Paris" schreibt: Ob die Begegnung von Chequers zu zweien oder zu vieren stattfindet,, Hendersons Ein­ladung ist auf jeden Fall absurd.

Die Einladung Macdonalds an Reichs­kanzlerBrüning und Reichsaußenminister Curtius zu einer Aussprache in Ehequers wird in den meisten Berliner Abendblät­tern, insbesondere in der der Regierung nahestehenden Press«, als eine gute Ge­legenheit besprochen, die europäische Ver­ständigung zu fördern. Don einer Ver­schiebung der Zusammenkunft ist den Blät­tern noch nichts bekannt.

DerAbend" bezeichnet solche Zu­sammenkünfte als eigentlich etwas selbst­verständliches. Die Frage der Freunde einer deutsch-französischen Verständigung, weshalb nicht eine ähnliche Einladung nach Frankreich möglich gewesen sei, werde von

Nervosität - in Paris x" - Ist Briand überhaupt eingeladen?

Nachdem am Nachmittag in Pariser unterrichteten Kreisen behauptet worden war daß Briand bisher überhaupt keine Einladung zur Teilnahme an den deutsch- englischen Besprechungen in Chequers er­halten habe und daher diese Einladung auch' gar nicht habe ablehnen können, wurde am späten Abend von amtlicher französischer Seite plötzlich mitgeteilt, daß Briand doch schon vor mehreren Wochen eine Einladung nach Chequers erhalten habe, bei der allerdings der Zeitpunkt noch nicht festgesetzt gewesen sei. Briand habe sich die Antwort darauf vorbehalten, da er tm Mai infolge der französischen Präsidentenwahlen stark beschäftigt sei. Infolgedessen könne von einer offiziellen Annahme oder Ablehnung der englischen Einladung durch Briand vorläufig nicht die Rede sein. Anscheinend handelt es sich hier um einen zarten Wink an die Lon­doner Adresie, Briand doch noch einmal offiziell einzuladen, da eine Nichtbetei­ligung Vriands an den Londoner Bespre­chungen in Frankreich als allzu peinlich und das französische Ansehe« abträglich empfunden werden würde.

Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph" schreibt: Die Einladung, die Macdonald und Henderson an den deutschen Reichskanzler und Außenminister gerichtet haben, hat rein persönlichen Charakter. Der Premierminister und der Staatssekretär des Aeußeren hätten Konferenzen mit den führenden europäischen Staatsmännern Erandi und Briand gehabt, sie hät­ten aber bisher noch keine Gelegenheit zu einer ähnlichen Zusammenkunft mit Dr. Brüning und Dr. Curtius gefunden. Sie wünschen daher, mit ihnen in unformeller Weise zusammen zu treffen, um die Zu­kunft des Abrüstungsproblems und andere schwebende Fragen zu erörtern. Di« Ein­ladung wäre lange vor Bekanntwerden des Planes einer deutsch-österreichischen Zollunion beschlossen worden.

Auch treffe n'cht zu, daß Briand und Erandi gleichzeitig auch London einge- laden werden sollen. Sie sollte« dafür bei einer andere« Eelege»- heit, nämlich der in Frage kommenden Unterzeichnung des eaglisch-franzöfisch- italienischen Flottenabrüstungsvertrages eingelade« werde«.

Das Verhältnis zu Italien.

Zn der Pariser politischen Oeffentlich- keit macht sich eine starke außenpolitische Erregung bemerkbar' wobei sich das Miß­trauen und die Unzufriedenheit sowohl gegen Italien, wie gegen England rich­ten. Man wirft der englischen Oeffent- lichkeit ziemlich unverblümt vor, daß sie bei ihrer Vermittlung zwischen Frankreich und Italien in der Frage des Flottenab­kommens rein egoistische Ziele verfolgt und Frankreichs Interessen schlecht ge­wahrt habe. Das Flottenabkommen sei heute wieder in Frage gestellt und man stehe womöglich vor einer erneuten Er­schütterung der französisch-italienischen Beziehungen. England habe augenschein­lich die Absicht, seine Vormachtstellung im Mittelmeer zu erneuern und neige jetzt dazu, auch in der Frage der deutsch-öster­reichischen Zollunion eine für Frankreich höchst unerwünschte Vermittler- bezw. Schiedsrichterrolle zu übernehmen. Die französische Außenpolitik habe nicht das geringste Znterefie daran, fich durch Eng­land irgendwelche Verhandlungen mit Deutschland verstricken zu lasten, da es dann leicht in eine isolierte Sage geraten könnte. In Genf sei die Verhandlungs­plattform breiter, um so mehr, weil man sich dort auf Polen und die Kleine Entente stützen könne.

Deutschlands Forderung i« Genf.

Gens, 7. April. Das Völkerbundsekre­tariat hat heute einen Brief der deutschen Regierung veröffentlicht, der fich mit der Offenlegung des Rüstungsstandes für die Abrüstungskonferenz beschäftigt. Die deutsche Regierung hält es für erforder­lich. daß diese Frage auf die Tagesord­nung der nächsten Ratstagung gefetzt wird, damit Vorsorge getroffen wird, daß die Rüstungsangabe« der einzelnen Re­gierungen nach einem einheitlichen Muster erfolgen. Nur so sei es, heißt es in dem Briefe der deutschen Regierung, möglich, die llebersichten der verschiedenen Länder miteinander zu vergleichen und den Ver­schiedenheiten, die sich aus diesem Ver­gleich ergeben, auf der Abrüstungskonfe­renz Rechnung zu tragen.

dem Teil der Pariser Presse beantwortet, der die Einladung ungünstig beurteile. Aus ihm spreche eine Stimmung der verkniffe-' neu Gehässigkeit, die sich von der großzügig gelassenen Art der englischen Arbeiter» Regierung aufs peinlichste abhebe.

Di«Germania" begrüßt die Ein­ladung als den Ausdruck derfreund- nachbarlichen Beziehungen zwischen Eng­land und Deutschland, nicht zuletzt deshalb, well sich in den vergangenen Monaten Vorgänge ereignet hätten, die Anlaß zu Mißverständnissen hätten geben können. Die englische Politik und öffentliche Mei­nung habe wiederholt bewiesen, daß sie den Kriegsgeist abgebaut habe und einem angemessenen Wiederaustfieg keine un- übersteiglichen Hindernisse in den Weg legen wolle.

DasBerliner Tageblatt" weist darauf hin, daß ein Gedankenaustausch in einem zwangloseren Rohmen, als dies in Genf möglich wäre, zustande kommen werde. Unter Bezugnahme auf die französischen Aeußerungen zu der Einladung schreibt das Blatt, es ständen immer noch drei bis vier Wochen zur Verfügung, um eine Verstän­digung zwischen London, Paris und Ber­lin in die Wege zu leiten.

DieVossische Zeitung" schreibt, es wäre leichtsinnig, allzugrohe Hoffnungen auf die Besprechungen zu setzen und anzu- nechmen, daß Macdonald und Henderson jetzt Sachwalter der deutschen und der österreichischen Interessen Frankreich ge­genüber sein werden. ES sei englisches Interesse, nicht im Schlepptau Frankreichs die Politik einer europäischen Verständi­gung durch die Neubildung gegnerischer Kolitionen abzulösen.

Dach Ansicht derDeutschen All­gemeinen Zeitung" werd« für den Erfolg der Besprechungen entscheidend fein, daß der Kreis der zu behandelnden Frage« weder zu eng noch zu weit gezogen werde. Deutschland betrachte die Abrüstung, aus die es ein vertragliches Recht habe, int Gesamtrahmen der internationalen Politik. Aus der Tellnahme des Reichskanzlers an den Besprechungen entnimmt das Blatt, daß er beabsichtige, tu einem freundschaft­lichen Gedankenaustausch all bie wichtigen Probleme zur Sprache zu bringen, die das deutsche Voll bedrücken: Reben der Ab­rüstung die Frag« der deutschen Kredite und der wirtschaftlichen Beziehungen zwi­schen den europäischen Staaten sowie die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen für Europa.

Di«Kreuzzeitung" begrüßt auch die Gelegeicheit, außerhalb von Genf die schwebenden europäischen Probleme zu be­sprechen. ES müsse aber der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß sich die deutschen Minister durch die englische Cour- toisie nicht einfangen lassen werden. Der Besuch könne erstaunliche Wirkungen aus- lösen, wenn die deutschen Staatsmänner sich nicht einwickeln liehen und wenn Eng­land wirklich als ehrlicher Makler auftreten werde.

Ähnlich äußert sich dieDeutsche Tageszeitung". Es sei keineswegs ausgeschlossen, so schreibt das Blatt, daß in der Frage der Flottenrüstungen eine Pres­sion auf Deutschland mit Hinblick auf seine neuen Panzerschiffe erfolgen solle. Das Blatt unterstreicht die große Verantwor­tung der deutschen Staatsmänner hei der Annahme der Einladung.