grtf'no, tWLr.MörzMI
Vie .Obrrhrssisch« Zeitung' <f scheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2L0GM.au«- schließl. ZuslellungSgebühr, durch pt« Post 2.45 DM Für etwa durch Streik. Maschinendefekt oder «le» gunte« Ereignisse ausfallend« -kümmern wird kew Ersatz geleistet Verlag. Dr. K Hitzerotb. Druck der Unid-Ducbdruckerel Job Äug- Koch, Markt 21/23. Jernsprecher: Rr 54 und St. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Sir. 5015. - Sprech,eit h« Redaktion von 10—11 und
Vel—1 Uhr.
ÄbechMsche
«artet«« "■ * ** * Wt*
Tasttamtic« ■ y H H [ 8enWlW
Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberhesse«
Nr. 73 66.3ahrg.
Marburg a.8a6n
Der Anzeigenprel« beträgt für de» 11 gespalt. Zeilenmillimeter O.OSSM.sog. kleine An,eiz« und Familicnan,eigen bei Barzcchlmig 0.07 GM., amtliche und ax<- wLrtige Anzeigen 0.10 GM Bei schwierigem Satz sowie bei Platzdorschrift M>*l« Aufschlag — Sannnelanzeige» 100*1« Aufschlag Reklam.-Millim 0 40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel S Tag«.
Vff«rt»»:S«dühr: 25 Pfg. Belege werden berechnet. Erftzlludgsort Marburg.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Abwehr mit verteilten Rollen
England fordert die juristische. Frankreich und die Tschechoslowakei die politische Prüfung des Zollabkommens
Berlin ist ruhig
Paris hetzt weiter -
Der diplomatische Korref«onbe«t des „Daily Telegraph" will erfahren habe«, daß die britische Regierung in der Frage des d'utsch-österreichischen Zollvertrages eine weitere Mitteilung an die deutsch-österreichische Regierung zu senden beabsichtige. In dieser Mitteilung werde erlliirt werden, baß der Völkerbundsrat für die Erörterung von Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Genfer Protokoll vom Jahre 1922 zuständig sei und datz auf Grund des Artikels 11 der Bölkerbundssatzung fedes Mitglied des Bölkerbundsrates in der Lage sei, die Aufmerksamkeit auf den österreichisch-deutsche« Plan ,« lenken, mit der Begründung, datz et die internationale« Interessen zu gefährde« drohe.
„Times" schreibt bei Erörterung der Besprechungen zwischen London und Berlin über Hendersons Anregung, es handelt sich um ein offenbares Mißverständnis Hendersons Anregung wegen Prüfung der österreichisch-deutschen Vereinbarung durch den Völkerbundsrat habe die l e g a l e, nicht die politische und wirtschaftliche Seite der Sache betroffen, während Dr. Brünings Antwort sich hauptsächlich auf die letzteren bezog. Da der Reichskanzler hinzugefügt habe, die deutsche und österreichische Regierung hätte keinen Grund, eine Prüfung der juristischen Seite zu scheuen, wenn andere Regierungen dies wünschten, dürfe man mit einiger Zuversicht hoffen, dah er Hendersons Anregung akzeptieren werde.
Der Pariser Korrespondent der „T i - m e s“ schreibt: Zm Ton der französischen Presie ist ein bemerkenswerter Wechsel eingetreten. Blätter, die sich noch vor zwei Tagen in den heftigsten Ausdrücken gegenüber den österreichisch-deutschen Plan ergingen, find jetzt ganz bescheiden geworden und beeilen sich, Hendersons Aktion als eine eindrucksvolle Erneuerung der französisch-britischen Zusammenarbeit zu bezeichnen.
*
In Berliner politischen Kreisen wird im allgemeinen mit Genugtuung begrüßt, datz der Reichskanzler in seiner Unterredung mit dem englischen Botschafter b e Möglichkeit politischer Diskussionen über das Zollabkommen von vornherein abgeschnitten und betont hat, datz die Verhandlungen selbstverständlich weitergingen. Es mutz darauf aufmerksam gemacht werden, datz die englische Regierung sich mit ihrer Sondierung keineswegs den Standpunkt Frankreichs zueigen gemacht hat, der bekanntlich dahin geht, datz das Abkommen einen Verstoß gegen frühere Abmachungen darstellt. England hat nur mitgeteilt, daß gewiße Zweifel aufgetaucht feien, und deshalb eine Prüfung empfohlen. Wenn Henderson eine anoere Haltung eingenommen hätte, so würde er sich nach diesen Informationen auch im Widerspruch zu gewißen Auffassungen der englischen Regierung gesetzt haben. Recht intereßant ift? daß in der Auslandskritik von gestern die Frage der Rechtsbalis des Genfer Protokolls schon wieder fallen gelaßen und nun mit der Völkerbundssatzung operiert wird. Daraus geht wohl hervor, datz man sich auf der Gegenseite über die eigene Rechtsbafis keineswegs sehr sicher ist. Umso ruhiger glaubt
Deutschland einer juristischen Untersuchung entgegensetzen zu können. Vor welchen Instanzen das geschieht, läht sich im Augenblick noch nicht übersehen. Die österreichische Regierung stimmt übrigens vollkommen mit der Auffaßung der deutschen Regierung überein. In unterrichteten Kreisen erwartet man, daß die augenblicklich noch recht heftige Diskussion in der Auslandspreise in den nächsten Tagen doch einer Beruhigung Platz machen wird.
Wenngleich in der französischen Oeffent- lichkeit eine wesentliche Beruhigung em- getreten ist, nachdem gemeldet wurde, daß sich der Völkerbundsrat zunächst einmal mit der i u r i st i s ch e n Seite des deutsch-österreichischen Abkommens beschäftigen soll, so besteht doch kein Grund zu der Annahme, dah man sich nunmehr sranzösischerseits zufrieden gibt. Frankreich, dessen Paneuropaplan vorläufig als gescheitert angesehen werden kann, hat einen zu harten Schlag erlitten, als datz
London schweigt
Ausreichende
Antwort des Vertreters Hendersons
4» ------ —7-
Im Unterhaus eröffnete gestern der Liberale Sir Maclean eine Debatte über das Thema „Abrüstung". Zu Beginn seiner Ausführungen streifte er auch das Thema der deutsch-österreichischen Z o l I - Vereinbarungen. Er erklärte, von den Liberalen könne es nur begrüßt werden wenn dank dieser Abmachungen wenigstens eine einzige Zollmauer in Europa zum Stürzen gebracht werde. Er bedauerte es aber, daß von den beiden vertragschließenden Mächten keine die Gelegenheit der Pariser Tagung des Organisationsausschußes benutzt habe, um vor Abschluß der Vereinbarungen eine persönliche Fühlungnahme mit den Vertretern anderer Staaten herbeizuführen. Der Vorschlag Hendersons werde sicher vom gesamten Unterhaus begrüßt. Daß es sich nicht um eine den Völkerbund angehende Angelegenheit handele, sei eine Behauptung, die nicht zutreffe.
Der Arbeitervarteiler Wise wandte sich mit scharfen Worten gegen diejenigen Bestimmungen der Frieoensverträge, die dazu bestimmt sind, die Trennung zwischen Deutschland und Oesterreich aufrecht zu erhalten.
llnterstaatssekretär im Außenministerium Dalton erklärte darauf: Der Staatssekretär des Auswärtigen ist von dem lebhaften Wunsch erfüllt, daß keine Maßnahme, die die Verminderung der Zollschranken in Europa zu fördern geeignet ist, durch ein Mißverständnis, oder durch die falsche Art, sie anzufaßen, zum
Scheitern verurteilt wird. Eine so schwierige jrage muß in der freundschaftlichen Atmosphäre des Völkerbundes geprüft werden Man hat den Vorschlag gemacht, daß der Völkerbund die Angelegenheit untersucht, um festzustellen, inwieweit die projektierte Vereinbarungen als den aus den Verträgen und Handelsverträgen sich ergebenden Verpflichtungen zuwiderlaufend angesehen werden könnte.
Die Regierung ist von dem Wunsch erfüllt, die ganze Tragweite des Planes sorgfältig und unparteiisch zu untersuchen. Man kann die Regierung in keiner Weise verdächtigen, daß sie der Idee einer Senkung der Zollschranken anders gegenuber- steht als sympathisch:
aber es liegt ans de, Hand, daß eine Vereinbarung, die dem englischen Handel unter Umstände« «och größere Hiadernisie in de« Weg lege« kö««- tea, des Studiums wert ist.
Lloyd George unterbrach hier den llnterstaatssekretär, um sich zu erkundigen, ob gegebenenfalls der Völkerbundsrat sich damit begnügen würde, die juristische Auslegung der Bestimmungen der verschiedenen Verträge zu untersuchen, oder ob der Rat auch die Frage studieren werde, ob und in welchem llm- fang es etwa wünschenswert sein werde, diese vertraglichen Bindungen zu lockern.
Dalton verweigert« hierauf eine Antwort.
Erklärungen Beneschs
Im Außenausschuh des Abgeordnetenhauses hielt Außenminister Dr. B e n e f ch gestern ein Exposö über die durch die geplante Zollunion zwischen Deutschland und Oesterreich entstandene Lage. Der Minister führte aus:
„Das Bekanntwerden der deutsch^ österreichischen Zollabmachungen, die bei dem Besuch des deutschen Außenministers Dr. Curtius in Wien vertraulich vereinbart worden waren, hat in ganz Europa begreifliche Erregung und Sensation hervorgerufen. Die Angelegenheit ist heute noch nicht beendet. Die Regierungen und die öffentliche Meinung der interessierten Staaten werden sich mit ihr noch einige Zeit zu beschäftigen haben- Ich bitte daher den Ausschuß, sich vorläufig nur mit einer kurzen Erklärung zu begnügen.
Die Tschechoslowakei kann jedenfalls die Entwicklung der Dinge ruhig abwartem Wir sind unserer Sache sicher und auf verschiedene Eventualitäten vorbereitet.
Ich glaube, sagte der Minister weiter, datz in der Besprechung zwischen Henderson und Briand mit Recht beschloßen wurde, datz die ganze Frage dem Völkerbund .vorgelegt werden solle. Es geht um eine grotze Sache, um Ruhe und Frieden in Europa. Wir werden die Genfer Entscheidung gern annehmen. Ich kann feststellen, datz die Regierungen der Kleinen Entente von allem Anfang an einer Dieinung waren und datz wir auch im Einvernehmen mit der französischen Regierung vorgegangen sind."
man sich ohne weiteres damit zufrieden geben würde. Die energische 2Introon Dr. Brünings, an die man in Frankreich schon garnicht mehr gewohnt war, hat außerdem den französischen Siegerstolz schwer verletzt, und schon forderte man entscheidende Sanktionsmaßnahmen, ohne sich jedoch im geringsten darüber einige zu fein, welche Form ihnen gegeben werden (oll.
Der außenpolitische Berchtserstatter des „Journals" verlangt, sich nicht mit der Herausforderung Brünings abzufinden. Er verschanzt sich außerdem hinter Aeutze- rungen H e r r i o t s, der wieder einmal seinen pazifistischen Umftanbsmantel abgelegt hat, und als normaler Durchschnittsfranzose von der „Ueberrumpe- lung" Frankreichs spricht.
Auch die politischen Fraktionen erwachen langsam aus ihrem ersten Ohnmachtsanfall und beginnen ihre Haltung in Entschließungen festzulegen. Am Donnerstag trat die Gruppe der republikanischen Vereinigung des Senats, eine der rechtsgerichteten Fraktionen, zusammen, und erklärte einstimmg, daß eine Nachgiebigkeit der großen Mächte gegenüber einer so unzweideutigen Verletzung der Verträge, wie sie das deutsch-österreichische Abkommen darstelle, die schwersten Folgen für den europäischen Frieden hoben würde.
In äußerst drastischer, aber von tiefer Wahrheit durchdrungener Art faßt em parteiloses satirisches Wochenblatt die Angeleoenheit zusammen und schreibt: „Deutschland und Oestereich treffen em Abkommen und schaffen ihre Zollgrenze ab. Mit einem Schlage geraten alle diejenigen, die die Verständigung und die Aufhebung der Zollgrenzen predigen, m maßlose Wut, und das Ganze nennt sich Außenpolitik."
Pertinax setzt im „Echo de Paris" seinen Hetzfeldzug fort und fordert die dringliche Präzedur, die im Artikel 11 des Völkerbundspaktes vorgesehen ist. Dom Völkerbundsrat könne man unwesentliche Debatten erwarten, wie damals in der Angelegenheit der ungarischen Maschinengewehre. Heute handele es sich jedoch nicht mehr um die Bewaffnung einiger Divisionen, sondern um eme wirkliche Gebietseroberung und es fet unmöglich, vorauszusehen, wo die Vergrößerung des Reiches endet.
Der „P e t i t P a r i s i e n" schreibt u. a-, wenn sich die österreichisch-deutsche Vereinigung verwirklicht, so werde sich die germanische Macht nur ein Stück Eisenbahnweg von Triest befinden und früher oder später werde ihr Einfluß als Schiedsrichter zwischen Italien und Süd- slawien an der Adria auftauchen.
Vorstoß der Fraktion Millerand-Poincarö
Die Senatsfraktion der Republikanischen Vereinigung (Millerand-Poincarä) hat gestern eine Entschließung folgenden Wortlautes angenommen: „Dre Fraktion vertritt einmütig den Standpunkt, datz eine Nachgiebigkeit der Mächte in bezug auf eine so unbestreitbare Verletzung der Verträge, wie sie der Plan einer österreichisch-deutschen Zollgemeinschaft bat. stellt, ernste Folgen für ben europäischen Friesen haben würbe. Die Fraktion rechnet mit einer festen Haltung ber Regierung unb billigt ihre Bemühungen zur Abwehr dieser Gefahr."