Rt. 64
»des un» 'der ver- ^esuriach, : operiert in). Su, >age verlesen -ich 'Banoao, ckltrase, Kleidend, (170» schwerer meine» Mensch? genötigt, lk auszu- i Leiden? und Vorburg. 1» etter S«i iahnbosz- ns 6 Uhr in daran, bertroffe, trung. nerfttie.
von urch n!
ben zu« potüefen» . zinsfrei nd lang- nit voll-
Lebens, den
6.IH.U
den an “’S 9.80 Uft
werban»
Mittwoch, »rs 18. Mürz Ml
Die «Oberhessische Zeitung' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2.20GM.<m«- schließl. ZusiellungSgebühr, durch die Post 2.45 GM Für etwa durch Streik, Maschinendefek» »der elementare Sretgnisi» anssallend» Nummern wird kew Lrsa, geleistet. Verlag, Dr. S. Httzervth. Druck der Unib-Vucbdruckrrei Job. Ang. Koch, Markt 21/23. Kernsprecher: Nr 54 uud Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Nr. 5015. - Sprechzeit der Redaktion von 10—11 «>b */,l—1 Uhr.
öbcehWc
«nranett /I A Wüld»
rommeir« ■ U7 ■ H ■ ■ EH genw»inme
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
to.65 66,MkS. Marburg n.Mn
Der Anzeigenpreis beträgt für de» 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 kleine Anzeigen und
Familien anzeigen del Barzahlung 0.07 SM.« amtliche und ane- wckritge Anzeigen 0.10 GM. Bet schwierige« Satz sowie bet Platz- tzorschrtft 60% Sluffchlag. — Samme lanzelgen 100*1« Aufschlag. R«kla«.-Millim 0.40 GM. Jeder Rabatt gilt «l« Barradatt.
Ziel 5 $age.
OffertenGebühr: 25 Pfg. Belege werden berechnet. GrMuugsort Marburg
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Erirnine vor dem Landtag
Politisierung der Schule — Neue Kampfansage an die Studenten.
Berlin, 17. März. Der Eröffnung der heutigen Plenarsitzung des preuhischen Lano- tages gedenkt Präsident Bartels des Ab- ledens der deutschnationalen Abgeordneten Liebecke und Semmler. Zum Nachfolger für Dr. Liebecke hat der Reichswahlleiter den Fabrikdireltor Emil Rittershaus bestimmt. Der Nachfolger für Dr. Semmler ist noch nicht bestimmt worden.
Das Haus beginnt dann die zweite Beratung des Kuktusetats. Der Hauotausschuh empfiehlt über 30 Anträge zur Annahme. Sie verlangen u. a. stärkere Vermittlung der Kenntnis der deutschen Grenzmarken in den Schulen, Ausbau der preuhischen Hochschulen, Beibehaltung der Refteprü'ung und Vorbereitung eines neunten Schuljahres, sowie Mahuahrnen gegen die Verächtlichmachung der Kirchen und Förderung der Landschulen.
Kultusminister Dr. Grimm«
teilt zunächst in Beantwortung der deutsch- poils^nrt-'ilichen Girr,T-e*i Anfrage über die Abhaltung von Reichsgründungsfeiern in den preuhischen Schulen mit, dah zwar kein allgemeiner Runderlah auf solche Feiern an die Schulen ergangen sei, aber die Schulen hätten schon aus der Flaggenanordnung und aus der Tatsache der Teilnahme der preuhischen Minister an den Berliner Feiern entnehmen müssen, dah sie selbstverständlich in irgend einer Art dieses Tages gedenken muhten. Es stehe auher- halb aller Parteipolitik, dah die Rcichs- gründung ein bedeutsames Ereignis der deutschen Geschichte war.
Ein selbstbewußter Staat werd« auch kein« Sorgen um seinen Bestand haben, wenn er den Kräften der Tradition und der Leistung der Vergangenheit Respekt «rweist.
Die Schuld an der Unsicherheit einzelner Schulen liege bei der Rechten, die bei feder Gelegenheit erkläre, dah jede andere als eine Rechtsregierung hinsichtlich der nationalen Zuverlässigkeit verdächtig sei. Von einem Gegensatz zwischen Reichs- und Preuhenregierung in dieser Frage könne gar keine Rede sein. Zur deutschnationalen Grohen Anfrage über die politische Betätigung der Schüler erklärt der Minister, keiner politischen Richtung werde es gelingen, die Polftik wieder aus der Schule herauszukomplimentieren.
Die Politik hab« in der Schul« überall da ein Daseinsrecht, wo sie zum Mittel der politischen Urteilsbildung benutzt werde, nicht aber zur politischen Beein- flussung.
Hierber komme alles auf den Taft des Lehrers an. Er stehe zu dem Erlah des ftühe- ren Ministers Boelitz, wonach der Lehrer politische Probleme mit den Schülern so besprechen soll, dah er sie von verschiedenen Seiten unparteiisch vorführt und die Schüler mit allen beachtlichen Antworten und Lösungen hekannt macht, nicht nur mit seinem eigenen Werturteil. Eine so erzogene Jugend werde es nicht mehr als Verrat am Freunde empfinden, wenn sie auch dem Gegner gegenüber Gerechtigkeit zu üben bereit ist. Dann könnte das Zeitalter der polsti- schen Unduldsamkeit genau so überwunden werden, wie wir aus der religiösen Unduldsamkeit des 17. Jahrhunderts herausgewachsen sind. Minister Boelitz habe zu Recht mit starken Worten hervorgehoben, dah die Schule die Zugehörigkeit von Schülern zu staatsfeindlichen Organisationen nicht dulden könne. Diesem Erlah lägen auch die heutigen Anordnungen zu Grunde, vor allem oie- jenigen, die sich gegen die Betätigung des Nationalsozialistischen Schü- lerbundes wenden. Vielleicht könne man den wahlmündigen Schülern gestatten, an Wahlversammlungen teilzunehmen. Zu der Grohen Anfrage der Sozialdemokraten über das
Verhältnis von Politik nnd Hochschule führte der Minister u. a. aus, dah es immer nur kleine Gruppen von Studenten waren, die gehetzt, gelärmt und sich ungualifizier- bar rüde benommen hätten. Die grohe Masse der Studentenschaft stehe ohne Zweifel dem unverantwortlichen Treiben einer Minderheft innerlich fern und sorge lieber für eine Klärung des Gehirns durch ernstes Stu
dium, als dah sie eine „Polftik der losen Schnauze" treibe. Bei den bekannten Aus- schreftungen handele es sich also nicht um den Ausdruck typischer Gesinnung der Ee- samtakademikerschaft. Kritik der Jugend müsse ein Staat verdauen können. Sowohl der Polizeiminister wie er empfänden tiefste Beschämung darüber, dah deutsche Wissenschaft dem Ausland das Schauspiel gibt, dah der Gummiknüppel gegen randalierende Studenten eingesetzt werden müsse. Kein Staat könne aber das Verständnis für die Jugend derart treiben, dah er Rüpeleien, wie z. B. in Kiel gegenüber einem alten Gelehrten, ruhig laufen lasse. Gegen solche Versuche, das akademische Le
ben zu ruinieren und die Freiheft der Forschung zu untergraben, werde
auch in Zukunft mit allen Mitteln «ins geschritten, wenn es nottut, wiederum mit den Mittest» der Polizei, die dann auch nicht Halt machen dürfe vor dem angeblichen Hausrecht der Hochschulen, das es nicht gebe. Die gröhte Gefahr für unsere Universitäten sei, dah heute noch nicht jeder Professor sehe, dah jetzt der Staat die Polizei einsehen müsse, um die Idee der Universität zu schützen. „Geht," so schloh der Minister, „die Idee der Toleranz zum Teufel, dann stirbt auch die Idee der freien Forschung ab. Wir sollten uns, gleichgültig, wo wir
Der Reichskanzler verhandelt
Die Haltung der D. V. P. - Steuererhöhung ausgeschlossen
Berlin. 17. März. Reichskanzler Dr. Brüning empfing heute mittag im Reichstage die sozialdemokratischen Führer Wels, Dr. B r e i t s ch e i d und Dr. Hertz, um mit ihnen die gesamte parlamentarische Lage zu besprechen, vor allem die dem Reichstage noch bevorstehenden Aufgaben auf agrarpolitischem und steuerpolitischem Gebiete.
Der „Vorwärts" schreibt zu den Besprechungen zwischen der Reichsregierung und der Sozialdemokratie:
In erster Linie stehen die Erhöhungen der Aufsichtsrats st euer und die Erhöhung des N o t o p f e r s bei der Einkommensteuer zur Erörterung. Sie sind bereits vom Steuerausschutz des Reichstages beschlosien worden und stehen in der nächsten Woche im Plenum zur Beratung. Der Widerstand gegen beide Forderungen geht in erster Linie von der Deutschen Volkspartei aus. Immerhin ist der Widerstand gegen die Aufsichtsratssteuer wesentlich geringer als gegen die Einkommensteuer. Die Reichsregierung betont ebenfalls ihre Gegnerschaft gegen diese geplanten Steuererhöhungen, doch dürfte ihr Widerstand nicht unüberwindbar sein,
wenn es gelingt, entsprechende Beschlüsse des Reichstages ohne politische Komplikationen durchzusetzen.
Meinungsverschiedenheiten bestehen ferner über die Frage, ob der Reichstag entsprechend dem Wunsch der Reichsregierung sich bis Oktober oder November vertagen soll.
Fraktionssitzuug der Deutschen Bolkspartei
Berlin, 17., März. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hielt heute abend eine Fraktionssitzung ab, über deren Ergebnis dem VDZ- Büro folgendes mitgeteilt wird: Die Fraktion steht unverändert zum Programm des Kabinetts Brüning, an desien Spitze zur Gesundung unserer Wirtschaft die Vermeidung jeder neuen Steuerbelastung und der Ausgleich des Haushalts durch Ersparnisse st e h t. Um die Durchsetzung dieses Regierungsprogramms vor einer Gefahr- düng durch die Wünsche der Sozialdemokratie sicher zu stellen, werden die beiden Abg. Dingeldey und Dauch bei dem Herrn Reichskanzler entsprechende Vorstellungen erheben.
politisch stehen, mit den Hochschullehrern und dem besten Teil der akademischen Jugend in eine Front einreihen, um zu erreichen, dah unsere Hochschulen wieder inmitten der politischen Verwilderung eine Insel der Sachlichkeit und e'ine Hochburg für die Freiheit des Menschen vom Fluch und der Last des Vorurteils werden".
In der
allgemeinen Aussprach«
wendet sich Abg. Meyer- Magdeburg (Dkl.) gegen die Ausführungen des Ministers. Heute wisse kein Schulleiter mehr, ob er nationale Feiern veranstalten dürfe ober nicht. In der Frage Polittk und Schule verlange die Jugend eine offene Stellungnahme zu den Problemen und suche Ideale. Dem müsse der Lehrer entsprechen. Der Redner erörtert dann den mit der evangelischen Kirche abzuschliehenden Staatsvertrag, der ein Schiedsaericht in der polittschen Klausel enthalten müsie.
Mtt rücksichtsloser Schärfe werd« der Kampf gegen das Ebristentum geführt, nicht allem von den Kommunisten, sondern auch von Kreisen, di« der Sozials demvkrati« noheständen.
Man müsie daher dem Zentrum sagen, dah es in seinem Kampf auf kulturellem Gebiet nicht frei sei, solange es mit den kirchenfeindlichen Sozialdemokraten koaliert ist. Das Zentrum sollte sich endllch aus seiner Bindung mit der Sozialdemokratie lösen.
Abg. Dr. Lauscher (3tr.) hält den Kommunisten vor, dah sie die kulturellen Utopien Sowjetruhlands in Deutschland durchkübren wollten. Die Anträae der Kom
munisten auf völlige Trennung von Staat und Kirche, Aufhebung des Konkordats mit Bayern und des Gotteslästerungsparagraphen beweisen» dah es sich hier um
einen Kulturkampf größten Ausmaßes handele. Was anderen Menschen heilig sei, dürfe von der Luhersten Linken nicht mit Kot beworfen werden.
Abg. Dr. Boelitz (DVB.) betont, die einjährige Tättgkeit des Ministers Stimme habe im Volke grohe Unruhe hervorgerufen. Das gelte besonders von dem Plan auf A b - schaffung der Reifeprüfung und Abbau der neunjährigen höheren Schule. Die größte Beunruhigung habe der Gedanke, das Bildungsprivileg zu brechen und zu diesem Zweck die höhere Schule zu zerstören, erregt. Man solle der Schule endlich die Ruhe geben, ohne die eine fruchtbare Arbeit unmöglich sei.
Hervorragend tüchtige Pädagogen würden aus politischen Gründen zurückges-tzt, dagegen leitende Posten ohne Rücksicht auf die Zusammensetzung der Bevölkerung in die Hände der Sozialdemokraten gelegt. Der Minister müsie dafür sorgen, daß die antireligiösen Tendenzen nicht in die Schule hineinkommen. Der grohen nationalen Bewegung im Dolle könne man nicht mit der Tonart gerecht werden, in der der Minister von den Studenten gesprochen habe. Die einheitliche Feier der Länder am 18. Januar in den Schulen sei nur am Einspruch des preuhischen Minister-' Präsidenten gescheitert.
Darauf wird die Weiterberatung auf Mittwoch 12 Uhr vertagt. Schluß 18.15 Uhr.
Kampf von heute
Der politische Mord ist als letztes Mit. tel einer überhitzten politischen Phantasie und Konseguenzmacherei von jeher immer wieder angewandt und ebenso scharf immer wieder verurteilt worden, je weiter wir in die Neuzeit gekommen sind. Es besteht auch kein Zweifel, daß trotz aller Begeisterung für Harmodios und Aristo- giton, für Brutus und Tell eben nur an Gipfelpunkten der geschichtlichen Entwick- lung eines Volkes solche Taten wirklich dauernde politische Bedeutung gehabt haben. Doch mit diesen Gedankengängen hat nichts zu tun, was das Deutschland der Nachkriegszeit auf diesem Gebiet er. lebt hat. Es kann nicht verkannt werden, daß das Beispiel Sowjet-Nuß. lanbs, das den politischen Mord zum System der Machterhaltung ja zur Staatsmaxime überhaupt erhoben hat, auf alle Länder, nicht zuletzt aber auf das fiebergeschüttelte Deutschland abgefärbt hat, sodaß auch bei uns weite Kreise über das Leben und die Lebensberechtigung des politischen Gegners leichter haben denken lernen, als sie es nach ihrer persönlichen moralischen Anschauung zu tun gewohnt waren. Es braucht sich nicht immer um Mord zu handeln. Der Glaube, daß man die politische Ueberzeugung des anderen mit der Gewalt des Armes oder mit Stuhlbeinen wandeln könne, ist ebenso gefährlich, d e n n er ist die Grundlage für alles, was folgt, bis zu den letzten Konsequenzen. Und der politische Kampf wird sein, weil er fein muß. Aber die Art, wie politische Ueberfälle hinüber und herüber bei uns an der Tagesordnung sind, daß 300 Todesopfer in einem Jahre gezählt werden können, hat mit Politik kaum noch etwas zu tun, zeigt schon die Sprache eines kommenden Bürgerkrieges, und man kann es niemanden verargen, wenn er darin einen Schwächezustand der Regierung erblickt, der auf die Dauer alle diese Taten nur ermutigen mutz, wenn diese Regierung nicht die Kraft hat, diesem Unfug schnell und sicher ein Ende zu machen. Es handelt sich nicht um Verurteilung dieser oder jener Partei. Wir sind überzeugt, daß alle Parteien von sich aus diese Taten verabscheuen, soweit diese nicht direkt zu ihrem politischen Programm gehören. Die Atmosphäre gilt es zu entgiften, aus der irregeleitete, meistens jugendliche Verso, nen in überhitzter Phantasie zum Revol. oer greifen, der ihnen locker genug sitzt.
Es ist eine Erfahrung der Nachkriegszeit, daß unsere Jugend den selbstverständlichen Gedanken, daß sie der Träger der Zukunft ist, umdeutet, daß sie auch der Träger der Gegenwart fein will. Seit 1919 hören wir, daß ein Mann von über 35 Jahren garnicht mehr in der Lage ist, die heutige Weltlage zu verstehen, und daß die ältere Generation infolgedessen die verdammte Pflicht und Schuldigkeit hat, die usurpierten Plätze zu verlassen Das kann man in allen Lagern hören. Das, was wir Weiteren Erfahrung nennen, gilt ihnen nichts (roas durchaus verständlich ist), denn sie fehen, daß diese Erfahrung notgedrungen in Konflikt kommt mit ihren politischen Idealen, die zwar sehr ideal klingen und sind, letzten Endes aber einmal mit einer Wirklichkeit in Konflikt geraten müßten, eben jener Erfahrung, die ihnen unangenehm ist. Wer kann es ihnen verübeln, daß sie durchaus nackt an einen Anfang wollen? Manchem geht das nicht schnell genug. Er will dem Schicksal nachhelfen, und so entsteht eine Atmosphäre von Gereiztheit, Enttäuschung, politischem Wollen und irregeleitetem Glauben, die zur Explosionen führt, deren Folgen die politischen Parteien, denen jene an» gehören, gewiß selbst aufs Tiefste bedauern. Es wird heute gerade bei der Jugend von Selb ft. sifziplin gesprochen. Möge sie sich auch darin äußern, daß man etwas mehr Achtung vor der Ueberzeugung des anderen, ober der Lebensberechttgung auch