Nr. 63
SknStag, tr« 17. März Ml
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Nr. 84 66. Mrs. Morbms a. Ma
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die Mordtat in Hamburg
Zwei Täter stellen sich selbst, der dritte sestgenommen — Mitglieder der N. S. D. A. P. — Eine Erklärung Hitlers
Ml Hamburg, 16. März. Der Ham- K bürget Senat hat heute aufgrund des Ar, ■f tikelg 48, Absatz 4 der Neichsverfassung eine Verordnung erlassen, die das Erschei- H nett und die Verbreitung der national« sozialistischen Zeitungen „Hamburger Tageblatt" und „Blatt der Nie« dersachsen" sowie der kommunistische« Blätter „Hamburger Bolkszei-
H tuns" und „Norddeutsche Zei« M tuns" und aller Erfatzblätter mit fofor- tiger Wirkung bi« auf weiteres verbietet. Gleichzeitig werden bis auf weiteres Versammlungen der NSDAP und der KPD. sowie de, Hilfs- und Unter, organisationen und Gruppen dieser Par- leie« unter freiem Himmel u«d in geschlos- fetten Räumen verboten. Um, und K Aufzüge sowie B-rsammlungen jeder Art M unter freiem Himmel find nach der Ber- M, ordnung nur mit polizeilicher Genehmi- W. gung zulässig.
_J Berlin , 17. März. Aehnlich wie der Hamburger Senat haben auch die Polizei» ■t Präsidenten von Mona und Wandsbek ein M Demonstrations» und Versammlungsverbot DM für Kommunisten und Nationalsozialisten M erlassen. Diese Maßnahme wurde für er- W forderlich gehatten, weil es bei früheren ■F Gelegenheiten wiederholt vorgekommen ist, W daß Versammlungen bei einem Hambur- M ger Verbot auf preußisches Gebiet ver» M legt wurden.
K Die kriminalpolizeilichen Nachforschungen ■" in der Angelegenheit der Erschießung des «M kommunistischen Dürgerschaftsmitgliedes M Henning haben dazu geführt, daß Kvei M an der Lat beteiligte Personen sich selbst M der Polizei gestellt haben. ES sind dies der am 17. Februar 1909 in Segeberg W geborene ledige frühere Polizeiwachtmet- M ster Jansen und der am 27. Mai 1905 NM in Wittingen, Kreis Isenberg, geborene M Handlungsgehilfe Bammel. Beide sind
W Mitglieder der nationalsozialistischen Par- M tei. Der dritte Täter ist der am 11. W August 1903 in München geborene Hans M Alois Hoeckmeyer, der Keichfalls Mit- ■ glied der NSDAP, ist. Jansen hat aus- W gesagt, daß er Henning für das Bürger- W schaftsmitglied Andre gehalten und plötz- W lich in sinnloser Wut auf ihn geschossen W hätte. Bammel toiH sich ohne Heber»
3 legung an dieser Schießerei beteiligt haben. ■ Die Polizei verhaftete heute mittag den gM dritten Täter des Mordes an dem kvm- M munistischen Bürgerschaftsmitglied Hen- M. ning. Hoeckmeyer aus Dlünchen, im W Stadtteil St. Georg.
W Erklärung des Gaues Hamburg
M der N.S.D.A. P.
W Hamburg, 16. März. Zu der Mord» M tat in den DierlanLen wird von der NSDAP.. Gau Hamburg, folgende Er- W klärung abgegeben: Die Täter sind zur H Zeit der Tat Mitglieder unserer iW Partei gewesen. Ihre Lat wird von 8 uns auf das schärfste verurteilt. Sie haben .'.J sich hiermit aus unseren Reihen aufgrund W der Anordnungen unserers MihrerS Adolf M Hitler selbständig ausgeschlossen. 6rJ Die Gauleitung hat, nachdem sie erfahren W hatte, wer die Täter waren, sofort die
W Polizei mit den Namen derselben bekannt-
W gemacht und zwei der Täter veranlaßt, M sich Montagnacht 2.30 Ahr freiwillig zu stellen, was auch geschehen ist. Der Name des dritten Täters ist ebenfalls der Po» -■4 Biei mitgeteilt worden. Die besondere ver
abscheuungswürdige Art und Weise der Ausführung der Tat hat bei uns den Eindruck erweckt, daß die Täter durch Lockspitzel zu ihrer Tat veranlaßt worden sind.
Die Erklärung Hitlers
Zu dem Anschlag auf das kommunisttsche Hamburger Bürgerschaftsmitglied Hennings veröffentlicht Adolf Hitler folgende Erklärung:
Ich bedauere und verurteile die Tat der Hamburger Parteigenossen auf das schärfste. Ich sehe aber in den Tätern nur die unglücklichen Opfer einer seit Monaten ungesttaft betriebenen Blut- und Mordhetze der kommunistischen Antifa. Zahlreiche Parteigenossen sind
dem verbrecherischen Wüten dieser Mvrd- propaganda zum Opfer gefallen, offensichtlich, ohne daß die staatlichen Behörden zu einer entsprechenden Abwehr geschritten wären. Soeben ist wieder ein junger Nationalsozialist von diesen Mvrdbuben erschossen worden, während ein anderer auf das schwerste verwundet augenblicklich noch mit dem Tode ringt. So sehr ich daher die Tat verutteile, so groß ist mein Mitleid mit den berirrten, unglücklichen Parteigenossen, die sich
durch ihr Handel« selbst aus der Bewegung ausgeschlossen
haben. Das menschliche Mitleid aber zwingt mich, für ihren Rechtsschutz umsomehr aufzukommen, als dadurch vielleicht die Möglichkeit geboten wird, das gesamte
Die Beratungen des Kabinetts
Reichsinnenminister und» der. Hamburger-Anschlag L
Das Reichskabinett hat sich gestern abend mit der Wiener Reise beschäftigt, über die der Reichsaußenminister eingehend Bericht erstattet hat. Dagegen find die Fragen der Ratifizierung desGenferHan» delsabkommens und des Russengeschäftes noch nicht behandelt worden. In Polstischen Kreisen weist man darauf hin, daß es sich bei dem vom Reichstag angenommenen Antrag zum Genfer Abkommen ja nur um eine Ermächtigung für das Kabinett handell, wobei es der Regierung überlassen bleibt, wann sie davon Gebrauch macht. Die Frage der russischen Aufträge wird voraussichtlich erst Ende der Woche entschieden werden, da bisher noch nicht alle Vorfragen geklärt sind. Eine Schwierigest besteht offenbar darin, daß die Länder bisher einer De- teiligung an der Bürgschaft nicht zusttmmen zu können glaubten. Es wird also wohl mit ihnen noch weiter hierüber verhandelt werden.
In der Wandelhalle des Reichstages unterhielt man sich naturgemäß auch lebhaft über den Hamburger Anschlag. (Sin Berliner Abendblatt hatte an de«
, Reichsinnenminister die Frage geachtet, was er angesichts bet Zuspitzung des Kampfes zwischen den radikalen Parteien zu tun gedenke. Von unterrichteter Seite verlautet, daß der Reichsinnenminister gar nicht in der Sage ist, entscheidende Schritte zu unternehmen, da die Polizeifrage eine Angelegenheit der Länder ist. Im Reichstage liegt ein Gesetz vor, das ftrengere Be» Stimmungen gegen unbefugtes Waffentra- gen usw. enthält. Es hanüest sich dabei aber nur darum, daß eine schon bestehende Verordnung in die Form eines Gesetzes umgegossen wird. In politischen Kreisen erwattet man eine Verordnung des Reichsinnenministers, die gewisse Verschärfungen des Dersammlungs» und Presserechtes ent» hält. Sie dürfte aber erst nach der Beendigung der Reichstagsverhandlungen, also im April, erscheinen. Zweifellos wird der Hamburger Anschlag auch in der Besprechung mit den Innenministern her größeren Länder behandelt werden, die ursprünglich heute stattfinden sollte, dann aber auf Mittwoch verschoben wurde. Die Möglich- kest zu direkten Eingriffen ist dem Reichsinnenminister aber, wie gesagt, nicht gegeben.
Niederlage Macdonalds
fh. London, 17. März. Die gestrige Abstimmung im Unterhaus über bas Wahrecht der Universitäten hat gezeigt, wie wenig Begeisterung bei der Arbeiterpartei für die Wahlreform vorhanden ist. 16 Arbeitermitglieder waren abwesend, zwei stimmten mit den Konservativen. Lütten diese 18 Mitglieder mit der Regierung gestimmt, so wäre die Minderheit von 4 in eine Mehrheit von 14 Stimmen verwandelt worden. — Don den Liberalen stimmten 15 Mitglieder mit der Regierung und 11 unter Führung von Sir John Simon gegen die Regierung und damit auch gegen ihren eigenen Führer Lloyd George.
Die Niederlage der Regierung bei der Abstimmung über die Abschaffung des Sonderwahlrechtes der Universitäten steht im Vordergrund des politischen Interesses. Es ist jedoch schon jetzt sicher, daß die Regierung aus diesem Grunde nickt zurücktreten wird. 5ln den Kreisen
der Arbeiterpartei roar das neue Wahlrecht, das auch das Alternativmahlrecht einschließt, niemals sehr populär, da es hauptsächlich unter dem Druck der Liberalen eingebracht worden war. Es ist anzunehmen, daß sich der Widerstand nunmehr verstärken wird. Die Niederlage war zum Teil auch darauf zurück- zuführen, daß ein großer Teil der arbeiterparteilichen Abgeordneten noch nicht von ihrem Wochenendurlaub zurückgekehrt war, wie dies am Montag häufig zu fein pflegt. Der „Daily Herold" rechnet damit, daß die Parteileitung Maßnahmen ergreifen wird, um die -Disziplin innerhalb der Partei zu verschärfen. Im Hinblick daraus, daß 11 Liberale gegen Die Regierung stimmten, wird auch in liberalen Kreisen die mangelhafte Disziplin in den eigenen Reihen stark kritisiert. „New Chronicle" ist der Ansicht, daß das Sondernrivileg der Universitäten verschwinden müsse.
Deutschland auf die Leiden aufmerksam zu machen, denen heute Zehntausende von Nationalsozialisten wegen ihrer deutschen Gesinnung wehrlos preisgegeben sind. Ich habe da^er Rechtsanwalt Dr. Frank II (München) Beauftragt, die Verteidigung der drei Täter zu übernehmen und werde die Kosten hierfür aus Eigenem bestreiten.
Kardinal Masst t
st. Rom. 17 März. Kardinal Pietro Mafsi ist im Alt«» von 72 Jahre« am Dienstag früh «m 145 Uhr gestorben.
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Maffi ist am 12. Oktober geboren und im April 1907 zum Kardinal ernannt worden. Er stand dem italienischen Königshause besonders nahe und Batte als Erzbischof von Pisa häufig Gelegenheit, mit dem König in Verbindung zu treten, dessen Sommer-Residenz in der Nähe von Pisa gelegen ist. Mafsi hat die Trauung des italienischen Kronprinzen Earol in Rom vollzogen. Mit dem Tode Masfis beträgt die Zahl der Kardinale 58 (davon 30 Ausländer). 12 Rote Hüte sind also frei. Es verlautet, daß Pius XI. in einem nach Ostern abzuhaltenden Konsistorium das Kardinal-Kollegium wieder ergänzen will. Von den von Pius X. ernannten Kardinäle« sind nach dem Tode Maffis noch 10 am Leben.
Schiffsbrand im Eismeer
St. Johns (Neufundland), 16. März. Aus More Island, einet Insel an der nordöstlichen Neufundlandküste, ist die bisher unbeftätigte Meldung eingetroffen, daß der Robbenfänger „Viking" mit dem Filmdirektor Varick Frisfell und einer Besatzung von etwa 150 Mann an Bord durch eine Explosion zerstört wurde. Dieser Meldung zufolge wurde am Sonnabend die Detonation auf dem Meere vernommen. Das Schiff schien zu brennen.
Wie aus St. Johns ergänzend zu dem Explosionsunglück auf dem Dampfer ,Mking" gemeldet wird, sind bisher 50 Üeberlebende auf der Insel Horse einge- trofsen. Eine Gruppe, deren Stärke noch nicht bekannt ist, befindet sich nock auf dem Wege. Sie führt den verwundeten Kapitän mit sich. Von den Filmleuten find wahrscheinlich 3 ums Leben gekommen. Ihre Quartiere lagen in der Nähe des Dynamitlagers, das in die Luft geflogen ist. Der Dampfer „Viking" ist bereits im Jahre 1881 erbaut.
Einige Üeberlebende des durch eine Explosion zerstörten Robbenfängers „Viking" die Horse Island erreichten, berichteten, daß zahlreiche Mitglieder der Mannschaft schwer verletzt worden seien. Es besteht wenig Hoffnung, daß es sämtlichen Ueber- lebenoen möglich fein wird, sich an Land zu retten.
Erneute Verschlimmerung im Befinde« Herrn««« Müllers.
Berlin, 16. März. Im Laufe des späten Nachmittags und Abends trat in dem Befinden des früheren Reichskanzlers Müller, der vorgestern operiert wurde, eine Verschlimmerung ein. Insbesondere machte sich im Laufe des Nachmittags eine starke Schwäche bemerkbar. Die Aerzte sehen den Zustand des Kranke« als sehr ernst an.