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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Schwierige Verhandlungen in Berlin
Erschwerte Lage für die Reichsregierung — Sozialdemokraten und Wehretat — Folgen des Wahlausgangs
Gibt die S.P.D. nach?
Italien und Frankreich
A« de, Besprechung, die am Sonntag zwischen Abgeordneten der NSDAP, und der Deutschnationalen Bolkspartei in Berlin stattfand, nahmen, dem „Börsen- Conrier" zufolge, von de« Ratio» n a l f o z i a l i st e « die Abgeordneten Frick, Stöhr, Göring, von den Deutschnationalen Dr. Hugen- berg, Bernd, Schmidt-Hannover, ferner die aus der Landvolk- partei ausgeschiedenen Abg. von Sy- bel. Wend hause« und Sieber teil. De« Vernehmen nach hat man bei dieser Besprechung sich darauf geeinigt, zunächst nicht in de« Reichstag zurückzukehren. Zn Aussicht genommen soll die Rückkehr sein, falls die Wahl- * «form verhandelt werden sollte. Sonst soll ma« verabredet haben, solange man dem Reichstag fernbleibt, gelegentlich ähnliche gemeinsame Zusammenkünfte abzuhalten.
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3m Reichstag fanden am Montag nach- nrittag Verhandlungen mit den Sozialdemokraten über die Behandlung des Wehretats statt. Reichskanzler Dr. Brüning empfing zu diesem Zweck die Abgeordneten Wels, Dr. Breit- scheid, Müller-Franken und Auf- Häuser. Wie das Nachrichtenbüro des Vdz. hört, führten die Besprechungen noch nicht zu einer Klärung. Am Dienstag werden weitere Verhandlungen folgen. Die für Montag abend anberaumte Fraktionssitzung der Sozialdemokraten ist deshalb auf Dienstag abend vertagt worden.
Es handelt sich dabei vor allem um die Rate für das P a n z e r s ch i f f B. Zn der vorigen. Woche hatte man auf Grund früherer Besprechungen in Regierungskreisen noch den Eindruck, daß auch der Wehretat keine wesentlichen Schwierigkeiten mehr machen würde. Inzwischen hat sich jedoch die Stimmung der sozialdemokratischen Fraktion unter dem ersten Eindruck der braunschweigischen Wahlen offenbar geändert. Aus der Tatsache, daß die Besprechungen heute weitergehen, schließt man zwar noch auf eine Verständigung. Sie liegt nach Ansicht unterrichteter Kreise vielleicht auf dem Gebiete gewisser Gegenleistungen auf sozialem Gebiete. Auch die Annahme des sozialdemokratischen Gefrierfleischantrages, mit der auch in der Vollsitzung des Reichstages allgemein gerechnet wird, könnte die Lage erleichtern helfen.
Die Verhandlungen werden als recht schwierig beurteilt. Weder der Reichs- vehrminister noch der Kanzler ist zu einer Streichung der Schiffsrate bereit, und wenn es gelingt, mit den sozialdemokratischen Führern zu einer Verständigung zu kommen, so bleibt schließlich immer noch die Frage offen, ob sie sich in ihrer Frak - <ron durchzuletzen vermögen. ।
Berfafsungsantrag der Deutschen Bolkspartei.
B e r l i«, 2. März. Die Deutsche Bolkspartei hat im Reichstag einen Gesetzentwurf zur Abänderung der Reichsverfassung eingebracht. Danach soll das Wahlalter von 20 auf 25 Zahre heraufgesetzt werden. Der Reichstag soll vom Reichspräsidenten berufen und beschlosien werden. Der Reichs- Präsident soll zugleich Oberhaupt des Landes Preußen sein. Seine Befugnisse in preußischen Landesangelegenheiten sollen durch preußisches Landesgesetz geregelt werden.
Das führende französische Finanzblatt „Agence ckconornique et financiere" schreibt über die finanzielle« Auswirkungen der Flottenverhandlungen in Rom:
Die Verständigung, die soeben in Rom erzielt wurde, ändert von Grund auf das bisherige Verhältnis zwischen Italien und Frankreich. Es ist nicht «nmögl ch. daß in kürzester Zeit Vereinbarungen auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet die politische Annäherungen vervollständigen werden.
Die Einigung zwischen Italien, Frankreich und England über die Flottenrust- ung wird von der Landon er Presse
Verzweifelte Abwehr
Preußen macht Propaganda für das Volksbegehren
Ermiltlungsverfahren gegen Srldte und Duesterberg.
Halle, 2. März. Der Eeneralstaats- auwalt t« Berlin hat, wie soeben bekannt wird, gegen die Bundesführer des Stahlhelm. Seldte und Duesterberg, aufgrund des § 5, Absatz 1 des Republikschutzgesetzes wege« des Aufrufes in bct Stahlhelmzeitung Rr. 2 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der am 18. Januar erschienene Aufruf war die Einladung zum Volksbegehren.
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Der Reichsvorstand des Christlich- Sozialen Volksdienstes hat, laut „Täglicher Rundschau", beschloßen, das Volksbegehren für Auflösung des preußischen Landtages zu unterstützen. Me VollSdienstbewegung wird sich an der Bildung von Propaganda-Ausschüssen not anderen Parteien und Bunden nicht beteiligen, sondern die Werbearbeit völlig selbständig betreiben.
Auf Vorschlag der bisherigen Reichs- leitung hat der Reichsvorstand die Erweiterung der Reichsleitung von sechs aus elf Mitglieder beschlossen, an deren Spitze und damit an der Spitze der Dolksdienst- bewegung steht die dreiköpfige Reichs- führerschaft. Zum ersten Vorsitzenden wurde Abgeordneter Simpfendörfer (Kor- nial-Stuttgart), zum zweiten Vorsitzenden Arbeitersekretär G. Hülse r (Spandau), zum dritten Vorsitzenden Abgeordneter P. Schmidt- Kassel gewählt.
Stadtverordnetenwahlen in Arnsberg.
Arnsberg, 2. März. Gestern fanden hier Stadlverorvnetenwahlen statt, die folgendes Ergebnis hatten: Es erhielten die Sozialdemokraten 459 Stimmen gegenüber 755 Stimmen bei den letzten Reichstagswahlen, Kommunisten 627 (450), Nationalsozialisten 1177 (1087), Zentrum 2240 (2,99), Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft 770, gewerblicher Mittelstand 177. Die Sitze verteilen sich rote folgt: Zentrum 10, Nationalsozialisten 5, Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft 3, Kommunisten 3, Sozialisten 2.
Aufwertungsfchwindel
Dresden, 2. März. Nach dem 3n« krafttreftn des deutschen Anletheablosungsg^ setzes ist die Stadtverwaltung Dresden durch Einreichung gefäljd)ter Altb e s«tz auwei s u n g e n bei der Aufwertung erheblich geschädigt worden. Die polizeilichen EryiiN- lungen ergaben, daß die Einreicher ber Stud zu einem Konsortium gehörten, die unter der Führung eines i n A m st e r d a m a n s» gen Effektenmaklers standen. Dreier hatte durch Vermittlung m Berlm wohnender Personen große Posten deutscher Stadt- und Provinzialanleihen, außer von Dresdm und Leipzig auch von Berlm, Hamburg, Duis dorf. Münster, Stuttgart und anderen Städten auflaufen und durch Mittelsperfonen nach Holland bringen lassen. Dort wurden die Stücke als Altbesitz, der bekanntlich hoher aufgewertet wird, zurechtgemacht. So weil
bis jetzt festgestellt werden konnte, hat der Hauptbeteiligte in etwa 100 Fallen deutiche Stadt- und Provinzialverroaltungen Betrogen und schätzungsweise einen Reingewiun von über einer halb en . Millron Mark erzielt: er hat kürzlich emen Selbstmordversuch unternommen. Der Schaden der Stadtverwaltung Dresden beträgt nach vor- läusigen Feststellungen etwa 38 000 Mark,
worauf inzwischen namhafte Betrage zuruck- erstattet worden sind. Sn Leipzig durfte der Schaden ungefähr 120 000 Mark betragen.
ArbeiterenNasiuug auf der Gutehoffuungs- Hütte.
Oberhausen, 2. März Wie die Gute- hoffnungshütte mitteilt, steht ste sich durch den anhaltenden Absatzmangel gezwungen, verschiedene ihrer Betriebe stillzulegen. Durch die Stillegung wird die Entlassung von 2321 Arbeitern notwendig. 600 weitere Arbeiter hofft man auf den übrigen Zechen unterbringen zu können.
Gründung einer Internationalen Bodenkreditbank.
Basel, 3. März. Wie die Schweizerische Depeschen-Agentur mitteilt, erfolgte gestern die Gründung einer Internationalen Bodenkreditanstalt mit einem Kapital von 25 Millionen Schweizer Franken, wovon zunächst 5 Millionen eingezahlt werden.
Die deutschen Industriellen in Moskau.
Moskau, 3. März. Die hier eingetrof- fenen deutschen Industriellen statteten gestern nochmals dem Obersten Bolkswirtschaftsrat eineh Besuch ab und besichtigten die bedeutendsten Maschinenfabriken
allseitig als ein Ereignis von allererster politischer Bedeutung angesehen. Man betont, daß die Vereinbarungen eine Aen- derung des Londoner Abkommmenssticht notwendig machten, sodaß das Stärkeverhältnis zwischen England, Amerika und Japan unverändert bestehen bleibe. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" hebt besonders die Rückwirkungen aus die Verhältnisse im Mittelmeer hervor. Ein Krieg wurde das Mittelmeer für den englischen Handel geschlossen haben. Die Auswirkungen eines neuen Krieges wären für Großbritannien beinahe ebenso ernst gewesen, als ob es selbst in einen Kampf mit emer der europäischen Seemächte verwickelt worden wäre. Dieses Problem habe schon seit vielen Monaten die Admiralität beschäftigt. Die Londoner Presse rechnet ferner damit, daß die Verständigung zwischen Paris und und Rom dazu fuhren werde, 'die " Wiederaufnahme von Verhandlungen über jene Punkte zu erleichtern, die möglicher Weise emer Annäherung zwischen Italien und Frankreich im Wege stünden.
„D a i l y E x p r e ß" rechnet damit, daß die offiziellen Verhandlungen zwischen Paris und Rom über die Tunisfrage u. a- baldigst ausgenommen werden. Die Londoner Blätter halten es für sehr Hut möglich, daß das Abkommen auch in wirtschaftlicher Hinsicht sich günstig auswirken werde, wobei in erster Strne an französische Anleihen für Italien gedacht wird. Eine Besserung der Wirtschaftslage müsse sich natürlich auch auf das übrige Europa auswirken. Allgemein wird die Bedeutung des Abkom- mens für die kommende Abrüstungskonferenz betont. Die Aussichten für diese Konferenz, so heißt es in einem Bericht der „Times", hätten sich wesentlich gebessert. Die Stellung Hendersons har durch die Flottenverhandlungen zweifellos gewonnen. Er gilt allgemein als ein Mann, der Gegensätze vorzüglich ausgleichen kann und wird in diesem Sinne aud) von weiten Teilen der englschen Preste gelobt.
„News Chronicle" bezweifelt, ob man schon die gesamten Ergebnisse der Verhandlungen besitze. Man müsse sich fragen, ob Frankreich Nicht doch bestimmte, vielleicht im einzelnen noch nicht festgelegte Versprechungen gemacht worden seien, um es zur Teilnahme an dem neuen Abkommen zu bewegen.
Henderson und Alexander sehr zufrieden. London, 12. März. Henderson und Alexander erklärten bei ihrer Ankunft m London u. a.: Wir sind sehr zufrieden mir den Ergebnissen unserer Besuche in Paris und Rom. Das Abkommen vermeidet das, was drohte, nämlich ein Wiederaufleben der Konkurrenz bei den Flottenrüstungen Zwischen den beiden.hauptsächlich in Frage kommenden Landern. Hatte dieser Wettlauf begonnen, so wurde er die Atmosphäre, in der die Abrüstungskonferenz abgehalten wird, verdorben hoben. Die unmittelbare Wirkiing des Abkommens wird die sein, daß unsere drei Länder an der Abrüstungskonferenz in eng st er Fühlung teilnehmen und keinen gegen irgendein anderes Land gerichteten Pakt abschließen werden (?)- Man hat darauf hingewiesen, daß das Ergebnis eine Vereinigung der drei Länder gegen ein viertes Land sem