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Sonnabend, den A. Februar Ml

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesien

91t 50 W.Sobkg.

Marburg «.Labil

Der «uzeigenprek« beträgt fit d«, 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08«M.,s»g. Nein« Anzeige« und Zamtlienau,eigen bei Barzahlung 0.07 TM., amtlich» uud aus­wärtige Anzeigen 0.10 TM Bei schwierigem Sah fett* bei Platz- »»rschrift 50*1. Aufschlag. - Tammelan,eigen 10^1« Auf­schlag. Reklam.-Millim 0.40 TM. Feder Rabatt gilt als Barrabatt afefsSege.

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Änzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Deutsche Wirtschaftsführer in Rußland

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Sowjetrutzland - Die Bedeutung des Fünfjahresplanes

Absatzmöglichkeiten?

Länderpolitik der D.N.B.P.

eine Reihe führender deutscher Indu­strieller hat sich aus Einladung des rnsfi- schen -berste« Bolkswirtschaftsrates gestern nach Moskau begeben, um die dortige« Wirtschaftsverhältnisse zu studiere«.

Wenn in diesen Tagen eine Reihe deut­scher Wirtschaftsführer eine Reise nach Rußland antritt, so ist es erklärlich daß einem solchen Ereignis eine starke Witt- schaftspolittsche Bedeutung Angemessen wird. Es darf dabei jedoch nicht über­sehen werden, daß englische und amerika­nische Wirtschaftsführer in gleicher Weise Sowjetruhland bereits besucht haben; außerdem ist diese Reise deutscher In» dustrieführer von langer Hand vorbereitet und bereits mehrmals verschoben worden.

Innerhalb der politischen Atmosphäre, die mehr oder weniger immer noch jede wirtschaftliche Tranöattion mit Sowjet- rußland umgibt, ist jedermann' krlcht ge­neigt, die Bedeutung einer solchen Be-- suc^reise zu unterschätzen oder zu über­schätzen. Rein -sachlich und ohne irgend welchen Entscheidungen vorgreifen zu wol­len, kann man folgendes sagen:

Es ist Tatsache, daß sich im Verlauf des letzten Wirtschaftsjehres das Ver­trauen der deutschen Industrie zu Sowjet­rußland in bedeutendem Maße verstärkt hat. Die letzten Wechsel aus dem deut­schen 300-Millionen-Kredit von 1926 sind von den Russen ebenso wie die anderen Zahlungsverpflichtungen prompt eingelöst worden. (Bisher ist überhaupt kein Rus­senwechsel zu Protest gegangen.) Der Fünf-Iahres-Plan, der in vier Jahren, also noch im Laufe des Jahres 1932, ver­wirklicht sein soll, ist nicht nur nach den amtlichen Sowjetmeldungen, sondern auch nach unseren eigenen Informattonen in letzter Zeit wiederum seiner Vollendung um ein gutes Stück nähergerückt. Der deutsche Export nach Rußland hat sich während des Jahres 1930 um etwa 28 Prozent, von 206 auf 262 Millionen Mark gesteigert. Auch die Tatsache, daß das Reich die Garanttequote bei Reichsaus­fallbürgschaften von 60 auf 70 Prozent er­höht hat, ferner daß das Reich von jetzt an auch Garantten für das Fabnkattvnsrisiko (im Fall der Richtabnahme) übernimmt, endlich die Zwischenschaltung der Gold- diskontbank zur Erleichterung des Russen­kreditgeschäftes sprechen dafür, daß sich das Vertrauen Deutschlands gegenüber Rußland vergrößert hat.

Für die Aeberwindung der deutsch-russi­schen Dertrauenskrisis, die zweifellos vor Händen war, ist ein Faktor von maß­geblicher Bedeutung: In den Kreisen der deutschen Industrie glaubt man jetzt, daß Rußland an dem Fünf- oder Vier-Iahres- Plan nicht mehr scheitern werde. Wenn auch nicht feststeht, ob der Plan zu 80 Bder 100 Prozent erfüllt werden wird, häü man es doch für sicher, daß Ruß­land durchhallen kann. Es ist der deut­schen Industrie aus eigenen Informatto­nen bekannt, daß auf verschiedenen Ge­bieten des Wans große Abstriche vorge­nommen worden sind, wie zum Beispiel bei der Kunstseide, bei den sibirischen In­dustrieanlagen usw. Andererseits ist aber zweifellos an verschiedenen Stellen über das Ziel hinausgeschossen worden. Wan kann heute die (Situation in Sowjetrußland noch nicht bis in die Details überblicken. Sicher ist aber, daß Rußland an dem In- bustriealisierungsplan nicht scheitern wird.

Wenn auch die Reise der deutschen In­dustriellen in erster Stinte Besichttgungs- zwecken dienen soll, so ist doch die Be­deutung der persönlichen Aussprachen nicht zu unterschätzen. Auf beiden Seiten ist man wohl überzeugt, daß bei beiderseiti­gem gutem Willen eine weitere Hebung des deutsch-russischen Geschäftes möglich ist und im Interesse beider Partner liegt.

Wie die Besprechungen laufen werden, kann heute noch niemand sagen. Es ist durchaus möglich, daß sie den Ausgangs- puntt eines erweiterten deutsch-russischen Geschäftes auf der Basis verstärkter deut­scher Produkttonsmittel-Lieferung bilden werden. ;

Berlin, 27. Febr. Die Deutschnatio­nale Volkspartei veranstaltete heute hier ihre Bundestagung, die der Besprechung der deutschnationalen föderalistischen Länderpolitik diente.

Die Tagung nahm zum Schluß folgende Entschließung an: Die Wahrung des bun­desstaatlichen Charatters des Reichsauf­baus ist eine der wichtigsten Aufgaben deutschnattonaler Politik. Reichstagsfrak- tton, deutschnationale Reichsratsmitglieder und deutschnationale Länderfraktionen müssen in der nachdrücklichen Vertretung dieser Auffassung einheitlich und geschlos­sen gegen alle zentralistischen Bestrebungen Front machen. Einen dankbaren Weg zu

Links Geheimrat Kastl vom Reichsverdand der deutschen Industrie, zweiter von rechts Geheimrat Conrad o. Borsig

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Newyork Times" zur Nußlandreise der deutsche« Industrielle«.

Newyork Times" schreibt in einem Leitartikel zu der Rutzlandreise der deut­schen Industriellen, die von den Newyorker Wirtschaftskreisen mit merklichem Interesse verfolgt wird, das Auftreten des deutschen Handels auf der Sowjetbühne im gegen­wärtigen Augenblick stehe in engem Zu­sammenhang mit der in den Vereinigten Staaten und in England betriebenen Agitation gegen das Sowjetdumping. In­folge dieser Agitation kehre die Sowjet­regierung wieder zu ihrer von Anfang an befolgten Politik des Aufspielens der gro­ßen Handelsstaaten gegeneinander zurück.

Erklärung des kanadischen Finanz- ministers.

ff. Ottawa, 28. Febr. Zu dem be­reits gemeldeten Einfuhrverbot für gewiße russische Waren nach Ka­nada veröffentlicht der kanadische Finanz­minister R e j e k m a n eine Erklärung, in der es u. a. heißt: Die Regierung ist über­zeugt, daß Bauholz und Kohle in Rußland auf dem Wege der Zwangsarbetl gewonnen werden und daß der dortige Le­bensstandard Unter jedem Niveau liegt, das hier denkbar wäre. Wir müssen es ab- lehnen, dem Kommunismus fein Glau­bensbekenntnis und seine Früchte durch gegenseitige Handelsbeziehungen zu unter­stützen. Der Reuterkorrespondent bemerkt hierzu, daß es offensichtlich sei, daß Kanada

bei dieser drastischen Maßnahme mit der Möglichkeit der Unter st ützung der Vereinigten Staaten gerechnet hat. Es könne kein Zweifel darüber be­stehen, daß durch die Einfuhr gewisser russischer Waren mehrere bislang in sich gefestigte heimische Industrien erschüttert worden sind.

Kei« russisches Holz für Laudsner Neu­baute«.

Die starke Propaganda gegen die Ein­fuhr russischen Holzes hat den Bauausschuß des Londoner Erafschaftsbezirks veranlaßt, die Verwendung russischen Holzes bei eng­lischen Bauten zu verbieten. Aufträge auf Lieferung von Holz sollen jetzt in Britisch- Kolumbien getätigt werden, soweit dies möglich, während weitere Holzlieferungen aus Skandinavien bezogen werden sollen. Bisher wurden, wie dieM o r n i n g - p o st" berichtet, rund 20 v. H. des Bau­holzes für die städtischen Hausbauten aus Rußland bezogen. Die Verfügung soll so­fort in Kraft treten.

Die Wirtschaftsverhandlungen mit Holland. Colijn in Berlin.

Berlin, 28. Febr. Der frühere hol­ländische Ministerpräsident Colijn ist in seiner Eigenschaft als Führer der holländischen Delegation bei den deutsch-niederländischen Wirtschaftsverhandlungen in Berlin.eingetrof­fen. Der jetzige Besuch des holländischen Mi­nisters gilt metjr einer unverbindlichen Füh­lungnahme über 'tüte Fortsetzung dieser Be­sprechungen als diretten Verhandlungen. _

einer sachgemäßen Vereinfachung des Der« waltungsaufbaus ist in den Reformvor« schläqen des Vorstandes der Deutschnatio, nalen Dolkspartet vom 9. April 1929 zu erblicken, die diese Vereinfachung in einer Form anstreben, durch die weder das Reich, noch der Staat Preußen, noch die anderen Länder in ihrem Existenzrecht be« einträchtigt werden. 1 :

Im gegenwärtigen Zeitpunkt ist jeder Versuch weiterer Einschränkung der ßön* derrechte unbedingt abzulehnen, im beson­deren die sog. Verreichlichung der Justiz und die Ausdehnung der Reichszuständig^ kett auf kommunalpolitische Angelegenheiten

Die finanzielle Lebensfähigkeit der San» der tt«b der Gemeinden muß gegenüber einer kurzsichtige« Finanzpolitik »er, teidigt werden, die sich auf äußerliche Bilanzierung des Reichshaushaltes beschränkt, gleichzeitig aber die Länder und vor allem zur Zeit dis Gemeinde« in die Gefahr des finanzielle» Zusam- bruchs hrnsinftößt.

Rur eine gleichmäßige Berücksichtigung W Lebensnotwendigkeiten aller Instanzen unter Einlösung der Zusagen des 8 8 der Reichsverfafsung durch die gesamte Fi- nanzgesetzgebung kann zu gesunden Ver­hältnissen führen.

Die Finanznot derGemeinden Preußische Verhandlungen mit dem Reich Berlin, 27. Febr. Wie von unter- richteter Stelle verlautet, galten die für streng vertraulich erklärten Beratungen in den vereinigten Ausschüssen des preu­ßischen Staatsrates am Donnerstag über die Finanznot der Gemein­den vor allem der Frage, wie man den Gemeinden die hohen Lasten für die Krisen- und die Wohlfahrts­unterstützten erleichtern könne. Dre Minister Severing und Dr. Höpker-Aschofs haben sich hierzu geäußert. Man hört, daß es nur dann möglich sein werde, den Gemeinden auf diesem Gebiete, das die Hauptlasten darstellt, entgegenzukom­men, wenn Reich und Staat je einen Teil dieser Ausgaben übernehmen. Es wird darauf hingewiesen, daß das Reich sich bisher überhaupt nicht um die sogenannten Wohlfahrtserwerbslosen kümmere, und daß es gelte, diesen Zu­stand zu ändern. Da die Weiterberatung in den Staatsausschüssen am 10. März er­folgen soll, ist anzunehmen, daß in der Zwischenzeit Preußen entsprechende Ver­handlungen mit dem Reich füh­ren wird.

Der Mitztrauensantrag gegen den Bremer Senat abgelehnt.

Bremen, 27 Febr. Die bremische Bür­gerschaft lehnte heute den nationalsozialisti- ichen Mitztrauensantrag gegen den bremischen Senat ab. r den Antrag stimmten die An­tragsteller, die Deutschnationalen, Hausbesitzer und die Wirtschaftspartei, während sich die Volkspartei und auch die Sozi^üemokraten und die Staatspartei aus diesen drei Par­teien besteht der gegenwärtige Senat der Stimmen enthielten. Darauf brachten die Na- tionalscuialisten und die Deutschnationalen einen Antrag auf Auflösung der Bürgerschaft ein, über den voraussichtlich schon in der nächsten Sitzung, die am 6. März stattfindet, verhandelt werden wird.