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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesfen

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Anrerger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der kommunistische Weltkampftag

Im allgemeinen ruhiger Verlauf bei schwacher Beteiligung Ernstere Zwischenfälle in Berlin und Leipzig

4 Tote in Leipzig

Das Agrarprogramm

Leipzig, 25. Febr. Im Anschluss an eine von der KPD. einberusene Versamm­lung wurde in Leipzig-Volkmarsdors ver­sucht, trotz des ausdrücklichen Verbotes einen Zug zu bilden. Ein Kommando Schutzpolizei, das dagegen einschreiten wollte, wurde von den Kommunisten ange­griffen and mit Steinen, Briketts «nd ähnlichem beworfen. Auch sollen aus den Reihen der Angreifer Schüsse gefallen sein, sodaß die Beamte« selbst zur Schuh­waffe greifen muhten. Die genaiie Zahl der Toten und Verletzten steht noch nicht fest» doch sollen, wie vom Polizeipräsidium erklärt wird, drei Personen getötet «nd acht verwundet worden sein. Eine genaue Schilderung der Vorfälle läht sich erst ge­be«. wen» di« Ruhe wieder hergestellt-ist.

Ergänzend ist mitzuteilen: Als sich einem Demonstrationszug von etwa 2000 Perso­nen ein Polizeikommando entgegenstellte, wurde es mit Steinen beworfen und be­schaffen. Hierbei wurde« sechs Polizeibe­amte durch Steinwürfe mehr oder weniger schwer verletzt, während ein Beamter einen Streifschuh am Schenkel erhielt und bei einem anderen Beamten das Geschah am Kopvelschloh abprallte. Darauf mach­ten die Beamten von der Cchuhwaffe Ge­brauch. Hierbei wurde einer der Angrei­fer getötet. Acht weitere wurden vorwie­gend schwer verletzt. Zwei dieser Schwer­verletzten sind Nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus gestorben. Unter den Schwerverletzten befindet sich auch ein zwölffähriger Knabe, der einen Steckschuh in die Schläfe erhielt, als er in einer Haustür stehend, den Ausschreitungen zu­sah.

Ein weiteres Todesopfer in Leipzig.

Leipzig, 25. Feb?. Zm Laufe des Abends ist im Krankenhaus St. Jakob der Hilfsarbeiter Hans Hertel au eiuer schwere« Kopfverletzung gestorben. Hertel, der sich an den Demonstrationen beteiligt hatte, ist somit das vierte Todes- o p f e r der heutigen Ausschreitungen. Mehrere bet Schwerverletzten schweben noch in Lebensgefahr.

Kommunistische Demonstration i« Berlin.

Berlin, 25. Febr. Die für den heu­tigen Tag angekündigte grohe Aktion der Kommunistischen Partei hat im Laufe des Vormittags zu einigen Zusammenrottun­gen in verschiedenen Stadtteilen Berlins geführt, die aber von der Polizei teil­weise unter Anwendung des Gummiknüp­pels gesprengt werden konnten, So kam es z. B, vor und in den Arbeitsnach­weisen in der Eormannstrahe und in der Rückerstrahe zu Ansammlungen. An der Ecke der Flora- und Berliner Strahe wur­den ein Polizeioffizier und ein Wacht­meister beim Einschreiten gegen eine 20- köpfige Menge angegriffen, konnten sich aber die Angreifer mit dem Gummiknüp­pel vom Leibe halten. Auch in Neukölln in der Berliner Strahe bildete sich ein Zug von etwa 100 Personen, die Hoch- und Nieder!-Rufe ausbrachten, aber beim Er­scheinen der Polizei davon liefen.

In der Eormannstrahe kam es zwischen 11 und 11.30 Uhr erneut zu Zusammen­stößen. Zahlreiche Personen, die sich in den Räumen des Arbeitsnachweises befanden, bewarfen aus den Fenstern die unten schaf­

fenden Polizeibeamten mit Biergläsern und Stühlen und gaben auch einige Schüsse ab, durch die aber Beamte nicht verletzt worden sind. Die Polizei ging darauf energisch gegen die Ruhestörer vor. räumte die . Zimmer des Arbeitsnachweises und gab schließlich eins Anzahl Schreckschüsse ab. Der Sachschaden ist erheblich. Die Demon­stranten flüchteten in die anliegenden engen Straßen, kehrten aber, sobald die Polizei zurückging, immer wieder zum Ar­beitsnachweis zurück, so daß die Strahe mehrfach geräumt werden mutzte.

Reichsernährungsminister Schiele hat sich in einem Schreiben an den Vorsitzen­den des Reichslandbundss, Graf Kalck- reuth, gewandt und ihn dringend er­sucht, seinen Enslutz aufzubieten, datz die parlamentarischen Vertreter der Inter­essen des Reichslandbundes wieder im Reichstag erscheinen, um die An­nahme des der heimischen Landwirtschaft schädlichen Antrages der Sozialdemokra­tie auf ein Gesrierfleischkontingent von

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Ein starkes Polizeiaufgebot sichert den Eingang des Berliner Zentral-Arbeitsnachweises.

Weitere Ausschreitungen Erwerbsloser i« Berlin.

Berlin, 25. Febr. Heute mittag kam es in Pankow zu einem schweren Zusam­menstoß zwischen demonstrierenden Er­werbslosen und Schutzpolizei. Die Er­werbslosen versuchten einen Zug zu bilden, um nach Berlin zu marschieren. Polizei­beamte gingen mit dem Gummiknüppel vor. Dabei wurde ihnen heftiger Wider­stand entgegengesetzt. Zwei Beamte wur­den verletzt, ein Oberwachtmeister, der einen M e s s e r st i ch in die rechte Hand erhielt, und ein Oberleutnant, der Hiebe mit einem Schlagring im Gesicht da­vontrug. Es gelang, vier der Täter fest­zunehmen, die der Abteilung IA zugeführr wurden.

Gegen 12.30 Uhr versuchten etwa 150 bis 200 Erwerbslose auf dem Privatmarkt am Humannplatz zu plündern,' bei der Ab­wehr der 'Plünderungsversuche wurden zwei Polizeibeamte leicht verletzt. Zwangs­gestellungen erfolgten nicht, die Ruhe konnte bald wieder hergestellt werden. Gegen 11.45 Uhr bildeten sich in der Rücker- straße Ansammlungen, bei denen die Poli­zeibeamten beschimpft und mit Steinen beworfen wurden. Die Ansammlungen wurden zum Teil mit dem Polizeiknüppel zerstreut.

Wie in den Vormittagsstunden so ist es auch am Nachmittag den Kommunisten gelungen, eine Anzahl von Arbeitslosen trotz des Demonstrationsverbotes out die

Strahe zu treiben. Die Züge, die sich an verschiedenen Stellen der Stadt, so in Weißensee, im Norden und Osten der Stadt bildeten, waren meistens außer­ordentlich schwach und wurden durch Poli­zeibeamte unter Anwendung des Gummi­knüppels aufgelöst. Mehrmals wurden die Beamten hierbei tätlich angegriffen. Die Hauptschreier wurden sistiert. Im Osten der Stadt kam es am Nachmittag zur Plünderung zweier Lebensmittelgeschäfte.

Mehrere Verletzte in Köln.

Köln, 25. Febr. Die Polizei sah sich heute i« den Abendstunden gezwungen, gegen Demonstrationszüge von Erwerbs­losen, die sich im Zentrum der Stadt ge­bildet hatten, mit dem Eummiknüpel ein­zuschreiten. Von den Demonstranten wurde mit Steinen geworfen, wobei meh­rere unbeteiligte Paganten zum Teil nicht unerheblich verletzt wurden. Ein Polizist wurde leicht verletzt. Mehrere Personen wurden verhaftet.

Ausschreitungen in München.

München, 25. Febr. Trotz des Ver­bots, Versammlungen und Demonstratio­nen abzuhalte«, veranstaltete« die Er­werbslosen in den Abendstunden mehrere Demonstrationszüge von größerer Stärke. Die Polizei griff sofort an den betreffen­den Stellen ein. Die Demonstranten be­warfen die Schutzpolizei mit Steinen, so­daß die Polizei blank ziehen mutzte, um Ordnung zu schaffen. Zwei Personen wur­den ieitnennmmeiL

50 000 Tonnen zu verhindern. Der Ton des Briefes ist demB p r f e n k u r i e r" zufolge sehr entschieden gehalten.

Das Präsidium des Reichslandbundes zur Agrarvorlage.

Der Reichslandbund stellt in einer Er­klärung fest, daß in dem Regierungspro­gramm feine und der Grünen Front For- lerungen auf Lastensenkung für die chwer ringende Landwirtschaft f a st v ö l- i g fehlen und hält insbesondere an einer bereits vorliegenden Kritik an der Osthilfe fest.

Vorbehaltlich der Stellungnahme im Einzelnen erkennt er trotzdem an, daß der Gesetzentwurf für die Reichsregie­rung weitere Möglichkeiten schafft, selb­ständig auf allen Gebieten der landwirt­schaftlichen. Produktion-den Schutz der nationalen Wirtschaft durchzufuhren. Weiter heißt es in der Erklärung, die Reichsregierung könne nicht durch Eröff­nen weitererMöglichkeiten", sondern nur dur erfolgbringende tatsächliche Durchführung umfassender national- wirtschaftlicher Maßnahmen die deutsche Landwirtschaft retten. Im Sinne seiner bisherigen Kampfbeschlüsse kämpfe der Reichslandbund nach wie vor dafür, daß unter Freimachung von allen Abhängig­keiten die gegebenen Möglichkeiten sofort ungeschmälert und wirksam ausgenutzt würden.

Die Reichstagssitzung.

Berlin. 25. Febr. Reichstagspräsident Lobe eröffnet die Reichstagssitzung um 3 Uhr. Die zweite Beratung des Haushaltes des Reichsernährungsministeriums wird, fort­gesetzt. Die Deutschnationalen und National­sozialisten fehlen auch heute.

Abg. Renten (Christlich-sozialer Bolks- dienst) betont die enge Schicksalsoerbunden- heit von Bauernschaft und Arbeiter­schaft. Der Christlich-soziale Volksdienst stelle sich bewußt auf die Seite des Er­nährungsministers. Die Landwirt­schaft könne mit Recht verlangen, daß ihr die Rentabilität gewährleistet und daß in Deutsch­land Nationalwirtschaft geirieben wird. Die­ses berechtigte Verlangen dürfe nicht durch schwächlichen Wirtschasispazifismus durchkreuzt werden. Die Christlich-sozialen seien mit dem Agrarprogramm der Regierung einverstan­den. Sie hätten nur den Wunsch, daß die Minister Schiele und Treoiranus sich im Kabinett kräftig durchsetzen.

Abg. F r e y b e (Wirtschaftspartei) weist auf die Verschärfung der Weltagrarkrise hin,. Den Vorwurf des Protektionismus müssen wir zurückweisen. Ohne gesunde Zollpolitik werden wir vorläufig bei der Verschieden- arügkeit der Produktionskosten, bei der Unter­schiedlichkeit der Kultur- und Lohnhöhe und bei der Vorbelastung mit inneren und äußeren Lasten nicht auskommen. In den Zoll­revisionsmaßnahmen ist die Erhöhung der Fettzölle zu vermissen: bereits in der nächsten Zeit wird sich ein Tiefstand für Fettpreise er­geben, der sich dann in noch niedrigeren Schweinepreisen auswirken wird. Zu einer gesunden Agrarpolitik gehört vor allem Auf­hebung der Zwischenzölle sowie der Bindung für Fette im Vertrag mit Schweden und die Erhöhung der Fettzölle. Die Preissenkungs­aktion durch den mehr oder weniger gelinden Druck der Reichsregierung muß in Handel und Gewerbe schärfste Zurückweisung erfahren. Wenn die Behörden selbst nicht mit gutem Beispiel vorangehen, haben sie auch kein Recht, vom Zwischenhandel Preisabbau zu fordern. Wirklicher Preisabbau ist nur bei gleich­zeitiger Senkung der Steuern und Abgaben möglich.

Abg. Dr. Fehr (Bayer. Bauernbund) wendet sich gegen die Ausführungen des Ee-