Einzelbild herunterladen
 

Montag, den 23. Februar mi

®te »vbrrhessischr Zritung" et- scheint sechsmal wöchentlich. Be- zugsvrei «monatlich 2.20DM.atte- schließt. Zustellungsgebübr. durch dle Post 2.45 GM Für etwa durch Gtretk, Maschtnendrfekt odet ele­mentare Lretgntff« ausfallende Nummern wtrd kew Lrsa» ge» leiste» Verlag. Dr. 6 dtdervtb, Druck de, Unw-Duchdruckerei Jod Slug Koch. Markt 21/23. Fernsprecher Rr M aud 0?t-5K Postscheckkonto: «ml Frankfurt «. M. Rr 6015. - Sdreck>,ett bei Redaktion von 1011

*/a1 Ubr.

ÄbLcheffische

«*** AifiiHA ***

$****«« 4 W7 I I || ||

Anzeiger für (das frühere kurhessifche) Oberhessen

Nr. 45 66. Fobrg.

Marburg «.Lahn

v« Anzeigenpreis benagt ftt Ma 11 gespalt. Zeilenmilltmeter 0 .06 DM . sog kleine An,eigen «ab Famtlienan,eigen bei varzahlnng 0 07 DM. amtliche and a*6- wärtige Anzeigen 0.10 DM Bei schwierigem Sa» sowie bei Platz- Oorfchrtft 60*1. «nsschiag - Dammeianzeige» 100% Auf­schlag. lli-Nam.-Mtllim 0.00 DM Jeder Rabatt gilt «U Baerabat' Sie, ö Lage.

viferten i Se br: 25^ Beleg» werden berechnet»

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

32 Todesopfer in Efchweiler

Fast sämtliche Opfer waren noch nicht 30 Jahre alt - - In Alsdorf gerettet, jetzt getötet

Eine Kohlenstaubexplosion

Ernste Lage in Peru

Esch weil er. 21. Febr. Die Opfer »o« Eschweiler Reserve sind nunmehr alle geborgen. Da von den vier Schwerver­letzte« inzwischen zwei gestorben sind, find jetzt insgesamt 31 Tote z« beklagen. Zehn Berglente find gasvergiftet. Unter de« Toten befindet fich ein Reviervor- steher, die anderen sind Bergknappen. grStztenteils «nter 30 Jahre alt. 23 i« dem Erubengebäude liegende Tote konnten festgestellt werden.

Die Sanitatsmannschaften des Esch­weiler Bergwerksverein bettete« am

späten Nachmittag die Leiche« der verun- glvckte« ift schlichte schwarze Särge, sodann wurden die Leichen mit Lastwagen zu dem bei der Grube gelegenen Betriebsratszim­mer gebracht, wo ihre Aufbahrung er­folgte.

Wie bereits mitgeteilt, liegt der Ent­zündungsherd in der Grube unterhalb der 600-Meter-Stolle im Revier 12. Die Ex­plosion hatte eine solche Gewalt, daß auch noch in dem nebenan liegenden Revier 11 die dort beschäftigten Bergleute von dem gewaltigen Luftdruck meterweit fortg->- schleudert wurden. Unter ihnen entstand eine Panik. Eine Gruppe von 29 Mann traf auf der Flucht auf die Rachfchwaden der Explosion, wobei drei Leure auf der Strecke liegen blieben und den Tod fan­den. Der Begrenzung der Explosion kam der Umstand zugute, daß die Zeche sehr naß ist. Deswegen hatte man schon vor Jahren einmal diese, wie die benachbarte ZecheNordstern" wegen Unwirtschaftlich­keit längere Zeit stillgelegt, da die not- wenoigen Pumparbeiten in keinem Ver­hältnis zum Förderergebnis standen.

Ueber das Unglück auf der Grube Esch­weiler Reserve erhalten wir noch folgende Einzelheiten: 37 Bergknappen-haben sich, als die Katastrophe eintrat, zurückgezogen und auf Anordnung des Steigers die künstliche Wetterführung weggerissen. Dann schloffen sie zwei Schläuche an die Preßluftflaschen an und ließen Preßluft ins Revier. Dadurch wurden die Nach­schwaden aus dem Revier gedrängt, und nur so konnten diese 37 Mann gerettet werden. Zehn andere Leute hatten sich durch den Wetterschacht geflüchtet Sie ka­men mit leichten Gasvergiftungen davon und fanden Aufnahme im Krankenhaus. Die übrigen sind durch den Förderschacht zutage gebracht worden. Auf der Grube Reserve waren 30 bis 35 Pferde unter- I tage. Von diesen ist eine größere Anzahl der Explosion zum Opfer gefallen. Der 1 Betrieb wurde den ganzen Tag über mit Ausnahme der Reviere 4, 5 6 und 7 voll aufrechterhalten. Die Leichen sind vor­läufig^ in dem stillgelegten Turbinenhaus auf die Erde gebettet worden. Einigen hat der Luftdruck die Kleider vom Leibe gerissen.

Unter den Toten befinden sich zwei junge Bergleute, die die Katastrophe in Alsdorf erlebt hatten und dort gerettet worden waren.

Die Kommunisten veranstalteten eine Versammlung, in der ein Redakteur der Aachener Arbeiterzeitung eine Anklage­rede hielt.

Noch zwei Tote in Eschweiler geborgen.

Eschweiler, 22. Febr. Me die Erubenverwaltung mitteilt, sind in der letzten Nacht noch zwei Tote aus der Grube Eschweiler-Neserve" geborgen wor­den. Die Gesamtzahl beträgt somit 32. Die Beisetzung der Opfer wird voraussichtlich am Dienstag stattfin- den.

Buenos Aires, 22. Febr. Nach einer Meldung aus der peruanischen Hauntstadt Lima wurde dort offiziell mit­geteilt, datz in der Garnison von Arequipa ein Auf st and ausge­brochen ist. Die Aufständischen sollen den Kommandanten getötet und sich der Stadt bemächtigt haben. Wei­ter wird berichtet, datz sich 39 Personen,

W

<-

-4 :

", -

-v-% ' -> -

56

W

W

W

Der Unfallausschuß der Erubensicher- heitskommission Bonn, der heute die von der Explosion betroffenen Abteilungen der GrubeEschweiler Reserve" befahren hat, veröffentlicht ein erstes Kommunique über seine Feststellungen. Danach ist das Unglück im wesentlichen auf eine Koh­lenstaubexplosion zurückzuführen. Die Mitwirkung von Schlagwettern be­darf noch weiterer Prüfung. Der Haupt­herd liegt im Flöz Eroßkohl aus der 600-

Meter-Sohle. Es besteht die Vermutung, daß die Explosion durch Sprengstoffe ein­geleitet worden ist. Maschinen oder die beiden einzigen Venzinsicherheitslampen, die im Revier geführt wurden, und zwar vom Steiger und vom Schießmeister, kom­men für die Auslösung der Explosion als Ursache wahrscheinlich nicht in Frage. Ein weiteres Kommunique wird Montagnach­mittag nach nochmaliger Befahrung der Grube herausgegeben.

Das Attentat in Wien

Ter albanische Legattonsrat Pascal S a r a c i, der der Suite des Königs Zogu zugeteilt ist, machte einem Mitarbeiter der Neuen Freien Presse" über das Attentat folgende Mitteilung: Als der König nach der Vorstellung in der Oper mit seinem Adjutanten, Major Tapollaj, und Hof­minister Libahowa das unmittelbar vor dem Seitenausgang stehende Auw bestteg, begab ich mich mit dem Abgeordneten Ab- duraman und Leibarzt Dr. Bascho zu dem zweiten Wagen. Ich hatte den Wagen noch nicht erreicht, als ich zwei Schüsse hörte. Ich lief sofott zurück und beim bnt- ten Aufleuchten zog ich meinen Revolver nnd schoß zweimal in die Richtung, aus der der Feuerschein kam. Zur selben Zett fielen auch aus dem Auto des Königs Schüsse, die von Hofminister Libahowa abgegeben worden waren. Bald darauf sah ich zwei Induviduen mit Revolvern in den Händen nach der anderen Seite hin flüchten. Ich wandte mich um, um zu sehen, ob der König noch im Wagen sei und bemerlle, wie Major Topollaj dem

König beim Aussteigen helfen wollte. In demselben Augenblick sank der Major tot zusammen. Die Schüsse, die dem König gegollen hatten, hat Major Topollaj da­durch daß er sich vor den König stellte, aufgefangen und dabei sein Leben ein«- gebüßt. Der König wandte sich nun um uffd ging mit ruhigen Schritten mit dem Minister Libahowa in das Operngebäude zurück, wo Libahowa erst entdeckte, daß er selbst verwundet sei. Als ich sah, daß der König heil sei, wollte ich den Schau­platz des Attentats verlassen, fiel aber dabei zu Boden. In dem Augenblick, als ich mich erhob, stürzten Passanten und Po- llzlsten mit gezogenen Revolvern aus mich zu, i>a_ sie mich zweifellos für einen der Attentäter hielten. Aus der Menge wurde gerufen, man möge mich lynchen, und ich habe es nur der zahlenmäßig starken Wache zu verdanken, daß ich nicht zu Schaden kam. Man brachte mich zur Po- üzer, wo ich mich nach einer Viertelstunde, legitimiert hatte, entfernen konnte.

darunter General Martinez, wegen ihrer Teilnahme an der gestrigen Eintaas- revolution im Gefängnis befinde«. Zn Lima und Collao soll Rahe herrschen.

Blättermeldungen zufolge, sollen die Re­volutionäre in Peru den Süden des Lan­des völlig in ihrer Hand haben. Man vermutet, daß die beiden bedeutendsten Kriegsschiffe der peruanischen Flotte, die KreuzerCarnel Vologuesi" undAlmi- rante Grau" sich den Aufständischen ange­schloffen haben. Auf demAlmirante Grau" hatte im vorigen Jahre beim Aus­bruch der Revolution der damalige Prä­sident Leguia Zuflucht gesucht.

Affociated Preß" meldet aus Lima, datz infolge der von der Regierung verhängten Zensur es außerordentlich schwierig, ja fast unmöglich sei, die wirkliche Ausdehnung der revolutionären Bewegung in Süd- Peru festzustellen. Daß die Bewegung aber nicht bedeutungslos sein kann, gehe daraus hervor, daß die Regierung offen­bar große Streitkräfte konzentriere und außer den einberufenen Reservisten auch ein Anzahl Flugzeuge eingesetzt habe. Eins von diesen Flugzeugen hat einstweilen Zei­tungen, die der Regierung nahe stehen, und Proklamationen über Arequipa abge­worfen. In Nord-Peru scheint die Lage zur Zeit ruhig zu sein. Jedenfalls hat der von dort nach Lima zurückgekehrte Innen- \ Minister erklärt, daß der Streik in den Tolacaölfeldern beendet und die Arbeit wieder ausgenommen sei.

Der peruanische Botschafter in Argen­tinien hat sich, wie Associated Preß aus Buenos Aires meldet, dahin geäußert, daß die Bewegung in Süd-Pero lediglich des Bemühen der alten Lequiapartei sei, wie­der zur Macht zu gelangen, daß dieser Be­wegung aber die Unterstützung seitens der breiten Schicht der Bevölkerung fehle. Die Aufständigen in Araqripa seien nach der Meinung des Botschafters nicht stark ge­nug, gegen die Hauptstadt etwas auszu­richten. Im übrigen- seien die Haupt­probleme für Peru nicht politischer sondern wirtschaftlicher Natur.

fk. Newyork, 23. Febr. Wie «ns Lima (Peru) gemeldet wird, ist in ganz Per« die Zensur eingeführt worden. Der Ernst der Lage ergebe fich besonders daraus, datz die Regierung 1600 Re­servisten unter die Fahnen berufen hat. Die Gerichtsverhandlung gegen 39 in Callao verhaftete Revolutionäre beginnt am heutigen Montag. Amtlich wird nur zugegeben, datz fich Arequipa in den Händen der Aufständische« befindet. Zn Süd-Peru find allein die Garnisonen von Cuzoo, Puno und Zuliaeer noch regie­rungstreu.

Schweres Erubeuunglück um Staate Ontario.

N e w y o r t, 21. Febr. Das Pulver­magazin der Holinger Bergbaugeselljchaft unweit Timmings im Staate Ontario ist am Sonnabend nachmittag in die Luft, geflogen. Von dem etwa 25 Kilometer' entfernt liegenden Ort Waneiton aus sah man eine gewaltige Stichflamme empor­schießen. Zur Zeit der Explosion befanden sich 30 Bergleute unter Tage. Man befürchtet, daß sie bei dem Unglück den Tod aefunden baden»