Sonnaberd, den A.Sebruar 1931
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öbechessische
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Attentat auf König Zogu
Schwere Schlagwetterexplosion in Eschweiler — Bisher 14 Tote geborgen - 13 Bergleute noch eingeschlosien
Zogus Adjutant getötet Schreckschüsse im Reichstag
Wien, 20. Febr. Nach der heutigen Vorstellung i« der Staatsoper wurde« vor dem Operngebäude von einem bisher unbekannten Mann mehrere Nevol - » erschüsse abgegeben. Der Anschlag soll de* seit einigen Wochen in Wien weilenden König Zog« vo« Albanien gegolten haben, der der he«, tigen Vorstellung der Oper beiwohnte.
Nach Schluss der Vorstellung gegen y2ll Uhr verliess König Zogu mit seinem Gefolge und begleitet von vier Kriminalbeamten das Theater. Während der König mit einigen Herren seiner Begleitung vom Hauptportal der Oper wegfubr, bestiegen lein persönlicher Adjutant, Masor Lleih Tovollas und ein zweiter Hofbeamter ein Auto in einem Seitengange in der Overnstraße.
Kaum sähe« sie i« dem Auto, als sich zwei elegant aeNeidete iunge Männer dem Aaio näherten und auf die Insassen mehrere Revolverschüsse abgaben. Der Adjutant fiel sofort tot in de« Sitz zurück.
Der zweite Beamte, obwohl recht schwer verletzt, konnte einen Revolver ziehen und auf einen der Täter mehrere Schüße ad- geben, ohne ihn jedoch zu treffen. Dieser Täter wurde vom Publikum sofort festgenommen und der Polizei über- geben. Der zweite versuchte zu fliehen, wurde aber eingeholt und ebenfalls festgenommen. Die beiden Täter werden zur Zeit von der Polizei verhört. Außer ihnen wurden noch zwei weitere Albanier verhaftet, die an dem Attentat beteiligt sein sollen. Ihre Identität konnte nach nicht festbestellt werden. Es handelt stch aber zweifellos um albanische Emigranten. Das Attentat hatte dem König gegolten.
Der verletzte Hoffunktionär ist der H o f- minister Libshova. Er erhielt einen Steckschuss ins Bein und wurde, nachdem man ihn verbunden hatte, in ein Sanatorium gebracht. Dem Adjutanten drang eine Kugel ins -Kleingehirn und führte seinen sofortigen Tod herbei. Enr- gegen einer früheren Meldung ist festzu. stellen, daß König Zogu Zeuge des Attentates war, da er ebenfalls beim Seitenausgang des Operngebäudes das Auto bestiegen hat und nicht am Haupteingang. Er ging in das Operngebäude zuruck und begab sich erst später in sein Hotel. Vizekanzler Schober suchte noch spätabends den König im Hotel auf. um ihm das Bedauern der Regierung über die Tat auszusprechen.
Attentat in Agram
Belgrad, 19. Febr. In Agram wurde gestern abend gegen den pensionierten kroatischen Professor Suflay ein Anschlag verübt. Ein Unbekannter griff den Gelehrten an und brachte ihm mit einem Stock eine lebensgefährliche Verletzung am Kopfe bei. Der Angreifer ist spurlos verschwunden. Die Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet.
Der „Pester Lloyd" führt den Anscklag auf Prof. Suflay auf politische Beweggründe zurück. Pros. Suflay war nicht nur als Historiker der Balkanländer, sondern auch als glühender kroatischer Patriot bekannt. Es sei ein offenes Geheimnis gewesen, daß
Professor Suflay wegen seiner kroati- 'cken Gesinnung unter ständiger p o l i - ^etlicher Aufsicht stand und daß seine Briefe einer Zensur unterworfen waren. Er sei auch wegen angeblicher Agitation gegen das herrschende Regime verhaftet und verurteilt worden. Das Blatt glaubt daher ohne weiteres annehmen zu können, daß feine Ermordung die Tat eines fanatischen Serben sei.
Agram, 20. Febr. Professor Dr. Milan Suflav ist den Verletzungen erleaen. die ihm gestern von einem bisher unbekannten Mann beigebracht wurden.
fk Eickiweiler, 21. Febr. Auf de« bei Notbera gelegenen Grube Esckwei- ler-Reserve fand heute eine Schlagwetterexplosion statt. Nach den bis jetzt vorliegenden Nackrichte« handelt es sich um eine örtliche Schlaawetter-Ent- züadung. Bis 10 Uhr find 1 4 Tote geborgen; 13 sollen noch eingeschlossen sein.
Die Versuche zur Rettunq der Einge- ichlossenen werden fieberhaft fort«e^etzr. Bor den Zechentoren spiele« sich erschütternde Szene« ab.
Berlin, 20. Febr. In der Wandelhalle des Reichstages Kam es am Freitag nachmittag gegen 18 Uhr zu einem aufreaenden Zwischenfall. Ein älterer Herr, der sich dort schon seit längerer Zeit aufgehalten hatte, gab plötzlich auf den neben ihm stehenden Reichstagsabgeordneten Dr. Külz lStaatsp.s drei Schüsse ab. Dr. Külz fvrang auf den statin zu. Darauf gab dieler einen weiteren Schuß ab. Dr. Külz übergab darauf den Mann den herbeieilenden Dienern. Der Revolver wurde ihm abgenommen und die Kriminalpolizei verständigt. Der Festgenommene war schon
Sttllegung der Hütte Ruhrort.
# D u isburg-Hamborn, 20. Febr. Die Direktion der Vereinigten Stahlwerke Ruhrort-Meiderich macht durch Anschlag betomtt, daß die Hütte morgen geschloßen wird. Trotz des Ergebnisses der Belegschaftsbefragung durch Oberbürgermeister Dr. Jarres sehe sie sich bei dem einmütigen Widerstand der Gewerkschaften gegen die Fortführung zu verminderten Löhnen außerstande, die Stilllegung zu vermeiden.
seit mehreren Tagen in der Wandelhalle erschienen, wie er sagte, als Vertreter der Bayerischen Kleinrentner. Durch sein merkwürdiges Wesen war er am heutigen Freitag dem Abgeordneten Dr. Külz ausgefallen. Dieser beobachtete den Mann deshalb unauffällig. Durch die Schüsse wurde nach den bisherigen Feststellungen niemand verletzt. Man weiß auch nicht, ob es f'ck üh<"-Hauvt um hharfe Schüsse gebandelt bat. c^nhe liest sich ohne weiteren Widerstand festnehmen. Es handelt sich offenbar um einen Geistesgestörten.
Der Sckütze aus der Reichstagswandelhalle ist inzwischen vom Reichstag nach dem Polizeipräsidium gebracht worden. Bei feiner ersten Vernebmung aab er durchaus klare Antworten. Die Aufastung. daß es sich um einen Geisteskranken banb-lt. scheint sich n'-bt au bestätigen. Sckmidt konnte eine Reibe non Ausweisen noraeiaen, wonach er tatsächlich Vertreter verschie denen Rentnerorgansationen ist. Er aab an. daß er bei den Abgeordneten in den letzten Tagen veraeblich vorstellig geworden fei und nicht unverrichteter Dinae nach Haufe zurückkehren wollte. Er hat deshalb einige Schreckschüsse ab- aeaeben. um die Aufmerksamkeit der O e ff en t li ch k ei t auf sich zu lenken.
Nu« eine Schreckfcknstviftole.
Zu dem Voriall in der Wandelhalle des Reichstages wird weiter bekannt, daß der Täter ein gewisser Sckmidt aus W ii r z b u r a ist. der bis ietzt in einem berliner Hosviz wohnte. Die Waste, die er benutzte, war eine Sckreckfchuß- vistole. Bei der Festnahme bat Schmidt den Abgeordneten Kül.r wegen feiner Tat flehentlich um Entschuldigung.
Nochmals Remarque-Mm
Berlin, 20. Febr. Jin Haus- haltsausschuß des Reichstages haben die Kommunisten am Freitag einen Antrag eingebracht, der die Aufhebung des Verbots des Remarquefilms „3m Westen nichts Neues" verlangt, oder, falls dies abgelehnt wird, die Aufforderung an die Regierung ausspricht, auf die Aufhebung des Verbots hinzuwirken. In parlamentarischen Kreisen sieht man der Abstimmung über diesen Antrag, die am Sonnabend nach Beendigung der Debatte über den Etat des Innenministers erfolgen dürfte, mit Spannung entgegen, da bei dem Fehlen der Rechts- opposition im Ausschuß die Möglichkeit besteht, daß sich für den kommunistt- scheu Antrag eine aus Sozialdemokraten und Kommuni st en bestehende Mehrheit findet.
Unter dem Vorsitz des Reichstagspräst- denten Lobe verhandelten heute abend Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktton mit den Fraktionen der bürgerlichen Mittelparteien über die Ermöglichung der Wiederzulassung des Remarque-Films. In dieser Besprechung vertraten die Vertreter Des Zentrums die Auffassung, daß aus Gründen der Staatsautotttät die Aufhebung des Zensurverbots nicht zu empfehlen sei. Man trat der Auffassung des Reichsinnenministers Dr. Witth bei, der diesen Film im Imeresse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung verboten hatte.
Lawinen-Katastrophen
Das furchtbare Gesetz der Serie
D i s e n t i s sSraubünden), 20. Febr. Im Medelsertal hat sich heute morgen ein schweres Lawinenunglück ereignet. Durch eine große Lawine wurde das „Gasthaus zur Post- i« Platt« verschüttet. Das geräumige Haus wurde aus der West, und Nordseite eingedrückt. Es war bewohnt von dem betagten Ehepaar We«zin und ihren beiden verheirateten Söhne« mit Kinder«. Bisher wurden tot geborgen die etwa 65—70 Jahre alte Mutter Wen- zin sowie ei« sechsjähriges Ki«d, während eine Fra« und drei Kinder des einen Sohnes noch vermißt werde«. Die übrigen Bewohner konnte« i« Sicherheit gebracht werde«.
Basel, 20. Febr. lieber den Hergang des schrecklichen Lawinenunglücks, das sich heute morgen im Medelser Tal ereignet hat, berichtet die „Rationalzettung" folgende Einzelheiten: Eine ungeheure Staublawine stürzte um 7 Uhr zu Tal. Sie bedeckte den „Gasthof zur Posts' bet dem Orte Platta vollständig. Der Vater Wenzi« war im Augenblick damit beschäftigt, den tiefen Schnee vor dem Hause wegzuschaufeln. Es gelang ihm, sich rechtzeitig zu retten. Ein Bediensteter, der mit der Fütterung des Viehs beschäftigt war, konnte sich ebenfalls retten. Der Sohn des Gastwirts, der Lehrer Wenzi«, befand sich in der Stube und wurde durch die Wucht der Lawine aus dem Fenster ge
schleudert. Er konnte sich ebenfalls tn Sicherheit bringen und die Umgebung alarmieren. Seine Angehörigen wurden ebenfalls rasch gerettet. Bei den Opfern handelt es sich um die betagte Großmutter Wenzin, deren Leiche zuerst gefunden wurde, ferner um Frau Wenzin und ihre vier Kinder, die erst am späten Nachmittag ausgegraben werden konnten. Drei Kinder und die Mutter waren bereits tot, während das vierte Kind noch lebend geborgen werden konnte, aber bald darauf starb.
N-«es schweres LawiueuuuglSck. — Acht Tote.
Innsbruck 20. Febr. Z« dem im westlichen Ostttrol gelegene« Billgra, teuer Tal hat sich bei Imiervlllgrate« ei«, furchtbare Lawiaeakatastrophe ereignet. Die Lawine ging von 2400 Meter Höhe in die Tiefe, ritz auf ihrem Wege drei bis vier Mühlen nieder und erfatzte fchlietzlich da- Ha«s des Bauern Josef Meir, da» vollkommen vernichtet wurde. De, Bauer selbst »nd seine siebe« Kinder stad tot. Die Mutter konnte schwer verletzt geborgt« werden. Boa den Todesopfer« scheinen zwei den Tod durch Ersticken, die anderen durch Erdrücken gesunde« zu habe«.
Schlagw etterexplosion
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