SonnMas, tenl9.gtbtnarl931
Dl« ^Vberdrsstsch« Bettung' er- scheint sechsmal wtchentltch. V«- zugsprel« monatlich 2.20 DM an«- schließt Zuftellungsgrbübi. durch dl« Post 2.45 GM Kür «lwa durch Strrlk. Maschtn«udrs«kt odrr «le* men tot« Lr« Pulst« «ussaHrud« Kümmern wird tetn Ersatz ge* leistet Verlag, Dr. S Kltzerotd, Druck der Uu«v-V»chd^>ckrre1 Aah Aug. Koch. Markt 21/2S. A«rnsprecher: Rr M ou6 Kt. 5K Postscheckkonto: Hmt Frankfurt «.M. «r. 6015. - Sprech,e« tu Nrdaklton von 10—11 und
*/el—1 Udr-
SbechMsche
*** jii A| ti i M A *** ZogteoMictf B ELZ ■ H fr fr fr fr II VmMMiiM
Anzeiger für (das frühere kurheffische) Oberhessen
91r.42 SK.Mrg.
Marburg a. Lahn
Der Anzeigendrel« beträgt für den 11 grspalt. Zeilenmillimeler 0 08 SM..sog Nein« Anzeigen and Familien an,eigen bei Barzabdmg 0.07 SM- amtlich« aut <uw- märttg« Anzeigen 0 10 SM Sei schwierigem Satz solo«, bei Piatz- dorschrtst 60*1. Aufschlag - Sammeianzetge» 100% Aufschlag. stlcklam.-Mtllim 0.00 «M Zeder Rabatt gilt *i« Varrabat' Ziel 5 $og*.
Osferteu.Gedübr: 25 Pfch Beleg« werden berechnet. Erfüüu»g»ort Marburg.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die letzte Karte des Königs
Ein Kabinett der monarchistischen Konzentration in Spanien — Admiral Aznar Mini.terprästd ent
Eine Uebergangslösung
Bülow-Echo in Paris
Die spanische Krise ist am Mittwoch durch die Bildung eines Konzentrattons- ministeriumg der Rechten und der monarchistischen Liberalen, einfchlietzNch der Regionaliste« vorläufig beendet worden.
Folgende Minister begaben sich zur Eidesleistung vor dem König in das Palais: Präsidium der Marine: Admiral Aznar (unpolitisch), Aeutzeres: Eras Romanones (liberal), Justiz: Ear- cia Prieto (liberal), Finanz: Den- t o s a (Regionalist und Freund des Finanzmannes Cambo), Inneres: Marqui Hoyos (konservativ, bisheriger Bürgermeister von Madrid), Krieg: General Berenguer, der bisherige Minister- prästdent (unpolitisch), Arbeit: C i e r v a (konservativ), Verkehr: Herzog v. M a u r a (konservativ). Wirtschaft: Graf B u g a l - laI (konservativ), Marine:. Ademiral Revera (unpolitisch).
Admiral Aznar, der kränklich ist, und der bereits andeutete, daß er sich aus dem Posten des Ministerpräsidenten werde schonen müssen, erklärte, datz die Stadtratswahlen wahrscheinlich im März, die Generalratswahlen im Mai und
die allgemeine« Wahle« für die Corte« im Zu«i
stattfinden würden. Den verfassungsgebenden Cortes sollen unbegrenzte Befugnisse eingeräumt werden, so datz die Möglichkeit einer gänzlichen Aenderung der Verfassung bestünde. Die hauptsächlichsten Verordnungen aus der Zeit der Militärdiktatur werden aufgehoben werden.
Der neue Ministerpräsident Admiral Aznar ist bereits am ersten Tage der gegenwärtigen Krise dem König von Romanones für die Bildung eines monarchistischen Konzentrationskobinetts empfohlen worden. Nachdem inzwischen die Versuche mit den Führern der konstitutto- nalistischen und republikanischen Gruppen gescheitert sind, hat sich der König zu diesem Schritt, den er noch am Samstag auch gegenüber der sonst recht gleichgültt- gen spanischen Oeffentlichkeit nicht veranr- worten zu können glaubte, entschlosien. Der neue Ministerpräsident, der vor der Diktatur Marineminister war, hat, ebenso wie der jetzige Marineminister, Admiral Rivera, keine Bedeutung als Politiker. Das liberale Element wird nur durch den neuen Außenminister Graf H o m a n o - Res, den langjährigen Führer des monarchistischen Flügels der Liberalen und Haupturhcber des Sturzes der Regierung des jetzt wieder als Kriegsminister zurückgekehrten General Berenguer sowie durch den Kriegsminister Alhuzemas vertreten, der der letzte Ministerpräsident vor der Diktatur Primo de Riveras war. Als besonders reaktionär sind bekannt der Wirtschaftsminister Graf B u g a l I a l und der Minister für öffentliche Arbeiten La Cie rva , der es durch seine Energie erreichte, in einem der früheren Kauinette als erster Nichtmilitar das Kriegsministerium zu erhalten. Als Vertreter der von Cambo geführten Regionaliften gehört der Katalane V e n t o s a , dem das Finanzministerium übertragen wurde, dem Kabinett an. Wenn, waran kaum mehr zu zweifeln ist, die endgültige Konstituierung dieses Kabinetts erfolgt, so muß man sich darüber klar sein, daß es nur eine Ueber- gangskombination darstellt, die keine Lebensfähigkeit besitzt und allgemein als die letzte Karte des Königs betrachtet wird.
Santiago Alba über das neue spanische Kabinett.
fk. Paris, 19. Febr. Santiago Alba, der sich noch immer in Paris aufhält, äußerte sich über die Lösung der spanischen Regierungskrise dahingehend, datz man die neue Regierung nur als ein llebergangskabinett ansehen dürfe, dem auch nur eine beschränkte Aufgabe zufalle. Man habe auf alle Fälle eine Regierung bilden müssen, und da sich die linken Parteien nicht hätten beteiligen wollen, hätte es gar keine anvere Lösung gegeben, als die monarchistische Konzentration.
Paris, 16. Febr. Man kann wirklich nicht behaupten, daß die Erinnerungen des F ü r st e n Bülow der deutschen Politik oder seinem eigenen Andenken einen Dienst erwiesen haben. Und das liegt nicht daran, daß Bülow etwa Dinge erzählt, die Deutschlands Vorkriegspolitik als eine machiavellistische erscheinen ließen, sondern an der großen Menge von llngenauigkeiten und Eedächtnisfehlern, die man dem verstorbenen Autor fast in jedem Kapitel nachweisen kann und nachgewiesen hat. Und gerade dieser Mann hat sich eines durchaus erakt arbeitenden Eedächtnis- apparates gerühmt und hat auch seinen Zeitgenossen den Glauben an die Unfehlbarkeit dieses Gedächtnisses beizubringen verstanden.
Unbegründete Hoffnungen
Die Reparationsüberschüffe Englands
In gewissen Londoner Meldungen wird die Hoffnung erweckt, als ob für Deutschland die Möglichkeit bestehe, im Zusammenhang mit der seinerzeit viel besprochenen Balfour-Rote einen Repara- tionsnachlah zu erreichen. Durch die Schuldenzahlungen der englischen Dominions hat England nämlich einen gewissen Reparationsüberschuß gegenüber den Summen, die es selbst an Amerika zahlen muß. In der Balfour-Rote hatte England während der französisch-amerikanischen Schuldenverhandlungen einen Antrag Frankreichs auf Schuldennachlaß dahin beantwortet, daß es selbst Berpflich- hingen habe und an seinen Reparationsforderungen grundsätzlich nicht unter den Bettag gehen könnte, den es an Kriegsschulden zu zahlen verpflichtet fei. Hierauf gründet sich die Darstellung, daß Deutschland nun gewissermaßen ■ eine
Spezialrevision einleiten könne. Bon unterrichteter Seite erfahren toir hierzu, daß ein solcher Schritt keine Aussichten auf Erfolg haben würde. Die < Tatsache des englischen Reparattonsüber- schusses ist bekannt. Aus der Balfournote lassen sich irgendwelche Rechte schon deshalb nicht herleiten, weil sie nicht an uns, sondern an Frankreich gerichtet war. England würde jeden Angriff auf die Aeber- schüsse auch durch den Hinweis abwehren, daß es bereits vier Milliarden Reichsmurk englische Kriegsschuld an Amerika gezahlt hat, bevor es selbst nennenswette Eingänge von seinen Schuldnern hatte. Anter diesen Umständen würde jeder Versuch, die Reparattonsüberschüsse Englands anzugreifen, von vornherein zum Scheitern veruttellt sein, und es ist deshalb nicht damit zu rechnen, daß die Reichsregierung einen solchen Schritt unternimmt.
Notmatznahmen der Stadt Essen
Essen macht eine Anleihe bei fernen Beamten, Angestellten und Arbeitern.
Essen, 18. Febr. Die sich immer stätter auswirlende Wittschaftskrise, verbunden mit den ständig anwachsenden Wohlfahttslasten, macht sich auch bei den Essener Finanzen durch Mindereinnahmen und größeren Ausgaben bemerkbar. In dem Haushaltsentwutt für 1931 wird als Ersatz für diese Ausfälle Erhöhung der Bürger st euer um 3 00 Prozent und Verdoppelung der Biersteuer ab 1. April vorgeschlagen. Es bleibt trotzdem noch ein ungedeckter Fehlbetrag für 1931 von etwa 4 Millionen RM. Hinzu kommt noch der voraussichtliche Fehlbetrag von 1930 mit 3,3 Millionen RM., so daß sich der Eesamtsehlbe- trag auf 7,3 Millionen RM. erhöhen dürfte. Zur teilweisen Deckung dieses Defizits beabsichtigt die Verwaltung, bei den Beamten, Angestellten und Arbeitern eine Anleihe dergestalt aufzunehmen, daß von den Eehaltsbezügen eine bestimmte Summe einbehalten werden soll, die zu einem entsprechenden Satz verzinst, zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausgezahlt werden soll. Zur Verwirklichung dieses Schrittes müßte erst die Zustimmung der maßgnebenden Stellen cinoeholt werden. Bei einem Abzug von 5 Prozent kommt eine Anleihe von etwa 1,85 Millionen RM. in Betracht
Nun doch hingerichtet
Der dem Ealge« entronnene Scheich Husiein festgenommen.
Paris, 18. Febr. Rach e'nex hier aus Istanbul eingetroffenen Meldung ist der im Prozeß von Menemen zum Tode verurteilte Scheich Hussein, dem es gelang, zu entfliehen, der Polizei ausgeliefert worden. Der Verurteilte hatte sich in die Berge geflüchtet und war «ach fast idtägigem Umherirre« i« der einsame« Gegend ins Tal gestiegen, wo er bei einer Bauernfamilie um Unterkunft bat. Diese verriet ihn an die Polizei, die ihn am Dienstag nach Menemen zurückbrachte. Seine Hinrichtun« soll bereits am Mittwochmorgen stattgefunde« habe«.
Arbeiter-Unruhen in Paraguai.
fk. Rewyork, 18. Febr. Rach Meldungen aus Buenos Aires hat die Regierung von Paraguai wegen Arbeiter- Unruhen über die Haupt Asuncio« und 11 andere Städte da» Kriegsrecht ver» fiänat
Es zeigt sich jetzt, daß Wilhelm II. ffrn am richtigsten beurteilt hat, als er nach Bülows Entlassung die Bemerkung machte, es sei mcht mehr mit dem Reichskanzler zu arbeiten gewesen, weil sein Gedächtnis ihn oft im Stich gelassen habe.
Die französische Presse, die lange Auszüge aus Bülows Erinnerungen bringt, macht sich diese Eedächtnisfehler natürlich nach doppelter Richtung zunutze: teils indem sie Bülow als unsicheren Gewährsmann hinstellt,. dem man nicht trauen dürfe und der absichtlich die Dinge verschweige, vettusche oder falsch darstelle, teils, indem sie ihm dort, wo er etwas sagt, das für Deutschland nachteilig gedeutet werden kann, unbedingten Glauben beimessen will.
Für die künftigen Geschichtsschreiber werden Bülows Erinnerungen eine nur mit allergrößter Vorsicht und schärfster Kritik zu henutzende Quelle sein. Sie werden hauptsächlich der Zeichnung des. Charakters des Memoirenschreibers selber dienen, ein Punkt, der uns in diesem.Zusammenhang nichts angeht. Für die Politik ist es bedeutungsvoll, daß die französische nationalistische Presse in dem Bülowwerk einen wohlvorbereiteten Angriff "auf die französische Politik (!) sehen will, deren Loyalität und Friedensliebe ungerechtfertigt in Zweifel gestellt werden soll. Bülow, sagen die Franzosen, gibt Frankreich die Schuld daran, daß deutschrussische Verständigungsversuche gescheitett seien. Das ist (immer nach französischer Behauptung) eine Entstellung der Wahrheit. Es seien im Gegenteil die Deutschen gewesen, die unter anderem eine franko-russisch-deutsche Zusammenarbeit zur Beendigung des Burenkrieges dadurch unmöglich gemacht hätten, daß sie einen Earantiepakt für die deutsche Westgrenze verlangt haben — also, um einen modernen Ausdruck zu gebrauchen, ein „Locarno". So etwas sei aber für Frankreich untragbar gewesen.
Es ist richtig, daß im Dorkriegseuropa solche Ansichten in sogenannten Prestigefragen geherrscht haben, aber man könnte doch von der heutigen französischen Presse verlangen. daß sie in einer solchen Forderung eher ein Zeugnis von Deutschlands Friedensliebe sehen müßte. Deutschland hat sich nicht geweigett, in Locarno einen solchen besonderen Earantiepakt hinsichtlich Frankreichs Ost- grenze abzuschließen. Hier läge doch also gerade ein Punkt vor, in welchem Bülows Politik als friedensfreundlich auch von den Franzosen anerkannt werden sollte. Vielleicht blättern die Franzosen aber auch einmal em anderes deutsches Erinnerungsbuchdurch: des Freiherrn v. d. Lancken „Meine dreißig Dienstjahre". Da könnten sie lesen, daß Iswolski, dama.s russi cher Außenminister, den Deutschen seine Garantie gegen jeden französischen Agriff angeboten hat, falls Deutschland ihm nur freie Hand gegen den Oesterreicher v. Aehrenthal lassen wollte. Selbstverständlich ist Deutschland, bundestre« zu Oesterreich stehend, auf dieses Anerbieten nicht eingegangen. Aber diese Loyalität Deutschlands bedeutete auch zu gleicher Zeit, daß Berlin sich enthielt, das französisch-russische Bündnis durch das machiavellistische Mittel, das Iswolski anbot auseinanderzusprengen. Aber von solchen Dingen nimmt die französische Presse nicht Notiz. Sie liest aus den Erinnerungsbüchern deutscher Diplomaten die Rosinen heraus, die den nationalistischen Lesern munden, und läßt alles liegen, was die Legende von Deutschlanvs friedensfeindlicher Gesinnung erschüttern könnte.
Die Schulvorlage vom englischen Oberhaus abgelehnt
London, 18. Febr. Das Oberhaus hat die Vorlage, durch die das fchul- iflichtige Alter heraufgefetzt werden ollte, mit 168 gegen 22 Stimmen abge- ehnt. Obwohl die Vorlage einen der wichtigsten Punkte des Regierungsprogramms bildete, wird chre Ablehnung keine Regierungskrise zur Folge haben.