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Anzeiger für (das frühere knrheffischej Overhessen
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Marburg o. Lahn
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Rrrrerger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Neue Diktatur in Spanien?
Die Lage ist sehr ernst — Meder Ministerium noch Minister — Wiedereinführung der Zensur
Diktatur und Generalstreik
Wo bleibt die Agrarhilfe?
Keine Schwierigkeiten?
Wie der Etat erledigt werden soll
Berlin, 17. Febr. Das Reichskabinett ist heute nachmittag zu der angekündigten Sitzung zuiammengetreten, um die Pläne des Reichsernährungsministers für die Land- wirtschaftshilse zu beraten. In unterrichteten Kreisen rechnet man nicht damit, dah bereits heute ein Abschluh erzielt wird. Vielmehr dürfte das Reichskabinett sich zunächst einmal grundsätzlich über die ganze Zoll- und Handelspolitik aussprechen. Bekanntlich bestehen innerhalb des Kabinetts gewisse Wi der stände gegen die Pläne des Reichsernährungsministers, die namentlich vom Reichswirtschafts- und vom Reichsarbeitsminister ausgehen. In Kreisen der Reichsregierung zweifelt man aber nicht daran, daß es gelingen wird auf der Grundlage gewisser Voraussetzungen, über die wir bereits vor einigen Tagen berichteten, zu einer Ver-
Die Sozialdemokratie ist insofern beruhigt worden, als sie davon unterrichtet wurde, daß der Volkspartei keine Zusagen darüber gemacht worden sind, Ersparnisse an bestimmten Stellen, insbesondere etwa vornehmlich am Sozialetat durchzuführen.
Die Regierung wird vielmehr selbständig prüfen, wo die Ersparnisse am zweckmäßigsten gemacht werden können. Wie das Blatt wissen will, dürfte fie dabet auch am Wehretat nicht vorübergehen, während auf der anderen Seite kaum zu befürchten sei, daß die Sozialdemokraten von sich aus durch selbständige Sparanträge den Wehretat in einer Weise beeinträchtigen würden, die den Interessen des Reiches nicht dienlich wäre.
In Spanien ist gestern abend ganz plötzlich die Zensur «ingesuhrt worden. Die ans Umwegen eingehenden Meldungen besa- gen, daß die Lag« sehr gespannt sei. In Madrid fänden gewaltig« Trup- p«nbewegungen statt. In republikanischen Kreisen ist man der Ansicht, daß heut« ein« n«u« Diktatur «ingeführt wird. Di« Lage des Königs sei sehr ernst, und man rechnet damit, daß in einem Monat die Republik ausgerufen wird. Die Vorbereitungen zum Generalstreik sind in vollem Gange. Die Königin, die von England zu- rückgekehrt ist, soll Verhaltungsmaßnahmen mitgebracht haben, wonach der König den Republikanern Zugeständnisse machen soll. Man rechnet auch damit, daß im Lauf« des Tages neue Ereignisse eintreten werden.
Sanchez Guerras Entschluß, auf den Versuch zur Kabinettsbildung zu verzichten, dürfte darauf zurückzuführen sein, daß Al- oarez für seine Beteiligung am Kabinett Bedingungen aufstellte, die den weiteren Verhandlungen große Schwierigkeiten bereiten. Er wollte sich nämlich nur beteiligen, wenn Ro - m a n o n e s und Earcia Prieto nicht in die Regierung mit aufgenommen würden.
Das Gerücht von der bevorstehenden Einsetzung einer neuen Militärdiktatur wurde abends um 8 Uhr formell dementiert. Wie verlautet, sind Bestrebungen im Gange, ein sog. Kabinett der m o n a r ch i st i s ch e n Konzentration zu bilden, jedoch war nichts genaueres über die Persönlichkeit zu erfahren, die mit diesem Auftrag betraut werden soll.
Rach Meldungen aus Madrid patrouillierten am Dienstag in den späten Abendstunden starke Polizeiaufgebote durch die Hauptstraßen der Stadt, und die großen Zufahrtswege waren von Truppen gesperrt. Sämtliche Personen, die sich in die Stadt begeben wollten, mußten ihre Personalpapiere vorlegen und wurden ausführlich über den Zweck ihres Besuches vernommen. In einer amtlichen Erllärung wird diese Maßnahme damit begründet, daß es anläßlich des Faschings in einem außerhalb der Hauptstadt Madrid gelegenen Dorfe unter angetrunkenen Soldaten zu einem Streit gekommen sei, der schließlich in einen regelrechten Tumult ausartete. Man spricht davon, daß die Artillerieoffiziere von Eetafe mit der neuen Lage unzufrieden seien und einen Aufstand angezettelt hätten, der jedoch nicht zur Durchführung gelangte. In der Hauptstadt selbst kam es in den späten Abendstunden zu schweren Aus sch re i- tungen von Studenten. Eine große Gruppe von Studenten hatte sich zusammengerottet und durchzog die Straßen, wobei immer wieder der Ruf ertönte: „Tod dem König!" Die berittene Polizei sah sich schließlich gezwungen, mit der blanken Waffe gegen die Mitglieder vorzugehen, die sich zwar zerstreuten, wenig später aber sich in einem anderen Stadtteil wieder zusammenfanden. 3m Laufe der Zusammenstöße gab es mehrere Verwundete auf Seiten der Studenten. Außerdem wurden verschiedene Verhaftungen vorgenommen.
Die Königin ist am Dienstag abend in Madrid eingetroffen. Vor dem Bahnhof, wo Fie von ihren beiden Töchtern empfangen wurden, hatten sich etwa 1000 Menschen cin- gefunden, die ihr Ovationen darbrachten. Auch vor dem Schlosse hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden, der sich der König und die Königin auf dem Balkon des Palastes zeigten.
lieber die Versammlung der Monarchistenführer, die im Kriegsministerium von 8 Uhr abends bis 12.30 Uhr nachts verhandelten, erklärte Earcia Prieto, daß die Hauptpunkte der gegenwärtigen Politik erörtert wurden. Nach Entgegennahme der Ansichten
anwesender Politiker habe man beschlossen, sich dem König zur Verfügung zu stellen, falls dieser die Monarchisten für die Regierungsbildung benötigen sollte. Gegenwärtig gebe es weder Regierung noch Minister. Da der General B e r en g u e r, der der Veranstaltung beiwohnte, gesundheitlich immer noch nicht vollkommen wiederher- gestellt ist, überbrachte der älteste der anwesenden ehemaligen Minister, W a i s, dem König die Mitteilung über den Verlauf der Versammlung. Wais erllärte. es sei wahrscheinlich, daß die neue Regierung heute gebildet werden und den Eid leisten würde. Man glaubt, daß Admiral Azuar die Ministerpräsidentschaft übernehmen wird. Auch Graf Romanones bestätigte, daß die Regierung wahrscheinlich heute zustande kommen wird.
Wie das „Berliner Tageblatt" schreibt, hat die Reichsreizierung sich erfolgreich bemüht, die Etatsberatung weiter zu fördern und zu beschleunigen, so daß man hofft, den Etat schon gegen Mitte, nicht erst Ende März in dritter Lesung verabschieden zu können.
Die Regierung hat sich vergewissert, daß sie sowohl von der Deutschen Volkspartei wie auch von den Sozialdemokraten bei der Erledigung des Etats keine unüberwindlichen Schwierigkeiten zu befürchten braucht. Die DVP. ist mit der schnellen Erledigung des Etats einverstanden, nachdem ihr die Zusage einer Sparermächtigung gemacht worden ist, die der Regierung erteilt werden soll.
Berlin, 17. Febr. Der Abgeordnete Dr. Wendthausen, der in der vergangenen Woche mit drei anderen Abgeordneten der Bauernpartei den Auszug der Deutsch- nationalen und der Nationalsozialisten aus dem Reichstage mitgemacht hat, ist, wie wir erfahren, zu den Nationalsozialisten übergetreten.
Dr. Wendthausen war vor acht Tagen mit zwei anderen Mitgliedern der Landvolkpartei, den Abgeordneten von S y b e I und Sieber, den Deutschnationalen und Nationalsozialisten be: ihrem Auszug aus dem Reichstag gefolgt und später mit den beiden genannten Abgeordneten aus der Landvolkpartei ausgeschlossen worden. Durch seinen Uebertritt zur nationalsozialistischen Fraktion erhöht sich die Mitgliederzahl dieser Fraktion auf 108. Ob sich auch die Abgeordneten von Sybel und Sieber einer anderen Fraktion anschließen werden, scheint noch nicht festzustehen.
Goebbels über die Haltung der Nationalsozialisten.
■ Dortmund, 18. Febr. Die NSDAP, hielt am gestrigen Dienstag in der W e st » fa lenhalle eine Kundgebung ab, in der der Reichstagabgeordnete Dr. G o e b •
bels (Berlin) sprach. Der Redner führte aus. es sei eine eitle Hoffnung, wenn die anderen Parteien glaubten, daß die Nativ- nalsozialisten eines Tages wieder klein beigehen und in den Reichstag zurückkehren würden. Dies würden sie erst tun, wenn sie eine noch größere Masse des Dollswillen hinter sich gebracht hätten und dadurch das jetzige System auf legalem Wege verdrängen und sich allein an die Macht setzen könnten. Wenn man sage, die Nationalsozialisten könnten nur kritisieren, so müßten sie ihrerseits dem entgegenhalten, daß das gute Recht jeder Widerstandsbewegung die Krittk sei. Wenn das jetzige System an die Nattonalsozia- listen herantrete mit der Forderung, es besser zu machen, so könnten sie nur antworten: „Gebt uns die MacA", denn Politik könne man immer nur mit der Macht betreiben, da die Macht das Instrument der Politik sei. Wenn man uns jetzt verantwortungslos nennt, fuhr Dr. Goebbels fort, so müssen wir sagen, daß wir keine Derantwortung dem jetzigen System gegenüber kennen. Wir haben nur Verantwortung vor dem deutschen Bolle, au dem wir jetzt wieder zurückaekebrt find.
108 Abgeordnete derNSDAP.
Uebertritt des Abg. Wendthaufen
ständigung zu gelangen. Sie dürfte dann ihren Niederschlag in einer programmatischen Kundgebung ähnlich dem Finanz- und Wirtschaftsplan finden.
Der Le'ter des Rsichsw'rtschall'ministeriums, Staatssekretär Dr. Trendelburg, hat dem Reichskanzler in einem Schreiben noch einmal die sehr ernsthaften Bedenken zusammengefaßt, die aus Handels- und industrie- politischen Gründen gegen eine uferlose Fortsetzung der Politik der Zollerhöhungen erhoben werden müßten.
Dem Kabinett liegen übrigens auch keine bestimmten Gesetzentwürfe vor. Vielmehr hat Minister Schiele bisher nur ein grundsätzliches Programm aufgestellt, Has über 104 Seiten stark, ans vier Teilen besteht.
Der erste Teil umfaßt
die zoll- und handelspolitischen Fragen, die mit den anderen beteiligten Ressorts besprochen worden sind. Er enthält auch die Forderung nach Verlängerung des Einfuhr- scheinsystems, der Zollermächtigung für Erbsen und ihre Ausdehnung auf die anderen Hülsenfrüchte. Er verlangt ferner das gleiche Zollsystem für Vieh und Veredelungsprodukte und schließlich auch für Holz. Die Haupt- schwieriokeiten liegen in diesen beiden Punkten. Weiter tritt diese Denkschrift für die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Italien ein, und zwar in der Form, über die sich der handelspolitische Ausschuß des Reichstages geeinigt hat. Der Reichsernährungs- minister setzt sich keineswegs für die Aufhebung des Handelsvertrages, sondern nur für die Lösung bestimmter Zölle ein.
Der zweite Teil enthält
das gesamte Programm Schieles.
Es geht von einer Darlegung der inner» und weltwirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft aus und kommt zu folgendem Ergebnis: Der Export der Agrarproduktion, der vor dem Kriege eine sehr erhebliche Rolle spielte, ist so stark abgesunken, daß ein Ausgleich bei dem Konsum des eigenen Landes gesucht werden muß. Die Mittel hierzu liegen einmal in der Produktionsumstellung, wie sie in dem sog. Reichsbestellungsplan zum Ausdruck kommt. Er sieht die Einschränkung von Roggen-, Hafer- und Rübenanbau vor und dafür eine Ausdehnung des Anbaues von Gerste und Sommerweizen, die Umwandlung steriler Böden in ErLnlandwirtschaft, aualitatioe Hebung der Viehwirtschaft und andere Maßnahmen. Dazu tritt die Notwendigkeit, durch Verbesserung der Absatzverhältnisse im Inneren die Auslandsware zurückzudrängen. Damit geht eine gleichmäßige Regelung des Verbrauches Hand in Hand. Diesem Zwecke dienen die Zwangsmaßnahmen (Vermahlung usw.), die der Reichsernährungsmimster im Zusammenhang damit behandelt. Eine Reihe von Vorschlägen dieser Art soll dem Reichswirtschafts- rat zur Begutachtung zugehen.
Das ganze Programm aber hat nach Ansicht des Ministerinms nur denn Aussicht aus «rfolgreiche Verwirklichung, wenn durch «inen entsprechenden Zollschutz Preise gegeben werden, die einen Anreiz für die Landwirtschaft bilden.
In diesem Rahmen werden deshalb die Zollforderungen gestellt. Außerdem muß Vorsorge getroffen werden gegen die saisonmäßigen Gefahren, die sich aus dem Geldbedarf und der KreditsHwierigkeit ergeben.
Im dritten Teil werden die 5 Millionen für die Rationalisierung der Genossenschaften angefordert, über die bereits im Januar gesprochen worden ist.
Viertens ist dem ganzen noch eine vertrauliche Denkschrift des Reichsverbanoes der Genossenschaften angefügt, die sich mit den unter 3 _ behandelten Problemen und den Selbsthilfemöglichkeiten der Genossenschaften befcbäftiat