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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Nr. 40 00. Fabry.
Marburg o. Lahn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der Kampf um Preußen
Schon Montag morgen weit über 20000 Unterschriften für das Volksbegehren — Die Wirtfchaftspartei restlos dafür
Die Krise in Spanien Die Justiz in Preußen
Madrid, 16. gebe. Der König hat Sanchez Euerra mit der Bildung des neuen Kast'netts beauftragt.
Verläßt Alfons XIII. vorläufig Spanten?
ff. Madrid, 17. gebt. Die Ageniur Fabra, teilte heute Nacht mit, datz sie keine Bestätigung des hier umlaufenden Gerüchts erlangt habe, wonach Sanchez Euerra vor Annahme des Auftrages, das neue Kabinett zu bilden, dem König die Bedingung gestellt habe, datz er Spanien einige Zeit verlasien möchte.
Vorzeitige Rückkehr der Königin von Spanien nach Madrid.
Die Königin von Spanien ist von London kommend heute nachmittag in Paris eingctroffen. Sie setzt heute abend ihre Reise nach Madrid fort.
Berlin, 16. Febr. Der Hauptausschuß des preußischen Landtages begann am Montag die Dorberatung des Haushaltes der I u st i z v e r w a l t u ng. Den Bericht erstattete Abg. E r z i m e k (Staatspartei). Er stellte fest, daß die Verbrechens- und Vergehenssachen gegen 1913 im Monatsdurchschnitt der Jahre 1929 und 1930 um rund 2000 <5 alle gediegen seien. Ganz außerordentlich vermehrt haben sich auch die Konkurs- und Vergleichsanträge und zwar von 938 im Jahre 1913 auf über 2000 im Jahre 1930. Die Eefangenen- zahl ist in Preußen von fast 54 000 im Jahre 1913 auf 30 000 im Jahre 1930 zu- rückgegan gen. Der Berichterstatter stellte fest, daß die preußische Richterschaft in der Vertrauenskrise wieder mehr aus der
Gegen die Kriegsschuldlüge
Senator Shipstead über seinen Antrag
Keine Veteilignna der Republikaner und der Sozialisten.
fk. Madrid, 17. Febr. Sanchez Euerra unterrichtet gestern nachmittag um 6 Uhr den König im Palais von seinen bisherigen Verhandlungen. Danach begab sich Sanchez Euerra in das Zentralgefängnis von Madrid, wo er in einer Unterredung mit dem rechtsrepublikanischen Führer Alcala Zamora verhandelte und diesen aufforderte, an einer von ihm zu bildenden Regierung teilzunehmen. Als er das Gefängnis verließ, bekundete Sanchez Euerra, wie die Agentur Fabra berichtet, großen Unwillen. Er erklärte Preffevertretern, datz die politischen Gefangenen ihre Mitarbeit an der neuen Regierung verweigert hätten. Weiter teilte et mit, er würde sich morgen Mittag, nachdem seine Verhandlungen beendet fein' würden, nochmals ins königliche Palais begeben, und zwar, wie er glaube, mit der Kabinettsliste.
Bor der Fertigstellung des neue« spanischen Kabinetts. — Eine vorläufige
Mlnisterliste.
fk. M a d t i d, 17. Febr. Sanchez Euerra kündigte nach Meldung aus Madrid am Montag spät abends an, datz das neue Kabinett bereits in den Vormittagsstunden des heutigen Dienstags gewählt sein werde. In politischen Kreisen ging auch schon eine Ministerliste herum, die zwar noch nicht endgültig ist, aber der Wahrscheinlichkeit sehr nahe zu kommen scheint. Hiernach würde Sanchez Euerra selbst nur das Ministerpräsidium übernehmen. Vizepräsident und Außenminister würde Alvaraz, Justizministet Villa Rueva, Finanzminister Bergamin, Kriegsminister Burgos oder General Eo- ded, Marineminister Admiral Rivera, Innenminister Burgos, wenn er nicht das Kriegsministerium übernimmt. Die Besetzung der übrigen Ministerien steht noch nicht fest, und hängt zum großen Teil von der Haltung der Sozialdemokraten und der Republikaner ab. Die von Reuter verbreitete Nachricht, daß Euerra vor Annahme der Regierungsbildung dem König die Forderung unterbreitet hätte, er solle sich auf einige Tage aus Spanien entfernen, hat weder bisher eine Bestätigung noch ein Dementi erfahren. Die spanische Agentur Fabra erklärte in späten Abendstunden des Montag, über eine derartige Forderung nicht unterrichtet zu sein.
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Der amerikanische Senator Shipstead erklärte nach einer Meldung des „Montag" aus Newyork in einer Unterredung übet seinen Antrag, die Lüge von der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands offiziell zu beseitigen, u. a.: Die deutschen Reaptattons-
zahlungen seien auf der Annahme begründet, datz Deutschland die Allein- schuld am Weltkrieg trage. Das sei nur eine der Ungerechtigkeiten des Versailler Vertrages, aber eine der wichtigsten, und sie habe die Weltwirtschaftskrise verursacht und die Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht gebracht. Inzwischen hätten Lloyd George und die meisten anderen alliierten Staatsmän
ner und Historiker zugegeben, datz Deutschland nicht allein für den Krieg verantwortlich sei. Amerika habe den Vertrag von Versailles nicht ratifiziert und daher keinen Anteil an diesem Verbrechen. Aber andere Regierungen versuchten, Amerika hineinzuziehen. Der Versailler Vertrag enthalte tatsächlich 90 v. H. des Dynamits, das den nächsten Krieg entfesseln werde. Es sei nutzlos, vom Frieden zu reden, solange dies Urteil bestehe. Der Zweck seines Antrages sei, die Vereinigten Staaten von jeder, ach einer stillschweigenden Verantwortung an dem in diesem Vertrag gefällten Urteil zu entbinden.
Mehr als genug
Wie vom Stahlhelm mitgetetlt wird, hatte die Zahl der Unterschritte« für das Volksbegehren des Stahlhelms am Montag Morgen bereits 20 000 weit überstiegen. Die Sammlung der Unterschriften dauert an. Im Laufe des Dienstag wird die Unterschriftensammlung a« den preu- gischen Innenminister weitergeleitet werden.
Zustimmung der Wirtschaftspartei.
Die Fraktion der Wirtschaftspartei des Preußischen Landtages teilt ihre Zustimmung zu dem Volksbegehren des Stahlhelms mit. Sie trete für das Volksbegehren schon deshalb mit Nachdruck ein, weil sie als erste Fraktion des Preußischen Landtages mehrfach Anträge auf Auf- löfung des Landtages eingebracht habe. Die Partei stehe demnach restlos hinter dem SBoIfsbeaebren.
Der Reichskredit perfekt
‘Berlin, 16. Febr. Die Verhandlungen über die Veräußerung der Forderungen, die das Reich an die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte aus dem Verkauf von Reichsbahnvorzugsaktten hat, sind abgeschlossen. Hiernach erhall bas Reich den Gegenwert von 18 der zwischen ihm und der Reichsversicherungsanstall für QlngefteHte vereinbarten Monatsraten in einem Gesamtbeträge von rund 119,5 Mill. RM. auf der Grundlage eines Di Skontos von 6V2 Prozent noch vor Abschluß des Rechnungsjahres 1930 ausgezahlt, so daß die im Haushalt für das Rechnungsjahr als Einnahme aus dem Verkauf von Reichsbahnvorzugsaktten veranschlagte Summe von 300 Millionen RM. damit erreicht ist.
An der Transaktion find folgende Banken beteiligt: Le Higginson & Eo., Banque de Paris et des Pahs Das, Schweizerische Kredllanstalt, Schweizerischer Bankverein, 21. M. Rothschild and Son, Barung Brothers & Co Ltd., Higginson & Co., I. H. Schroeder & Co., Mendelssohn & Co., Amsterdam, Reder- LtabMv? LanLsl-Maatschappij 2L D,
Schußlinie gekommen sei; leider sei das vom Reichsgericht nicht in gleicher Weise zu. erklären.
Jiistizministtr Dr. Schmidt
hob hervor, daß die Ersparnisse auf Grund der Notverordnung des Reichspräsidenten sich bet der preußischen Justiz auf 21,1 Mill. RM. belaufen.
Die politischen Strafsachcn,
die ihre Ursache vielfach in Zusammenstößen zwischen Kampforganisationen radikalpolitischer Parteien oder in Verleumdungen und Beschimpfungen des Staates und seiner Organe hätten, hätten in bedrohlichem Maße zugenommen. Die Beschleunigung und nachdrückliche Verfolgung dieser Straftaten sei den Strafverfolgungsbehörden ganz besonders dringlich ans Herz gelegt worden. Der Richter sei als berufenster Diener der Gesetze in besonderem Maß verpsiichtet, die republikanische Verfassung, auf die er seinen Eid geleistet habe, zu wahren und zu festigen und unbedingte parteipolitische Neutralität zu beweisen. Die preußische Justizverwaltung habe es seit Bestehen der Republik als eine ihrer vornehmsten Aufgaben betrachtet, die Justizbeamtenschaft in den Geist und die Aufgaben des Volksstaates einzuführen.' Der Minister äußerte sich sodann eingehend über die Schrift
„Gefesselte. Justiz"
und erklärte, die irreführende Art, in der diese Schrift des ehemaligen Proviantamts- inspettors Ewald Moritz gegen die Staatsautorität, gegen die Rechtspflege und den Richterstand kämpfe, ergebe sich aus zahlreichen Beispielen. Moritz stelle in ferner Schrift Aeußerungen aus Zeitungsartikeln der republikfeindlichen Presse zusammen, vermische sie mit eigenen Ausführungen und versuche den Anschein zu erwecken, als gehe es ihm allein um die Gerechtigkeit; er selbst sei aber aufs höchste ungerecht gegen den politischen Gegner. Fast auf jeder Seite des Buches fanden sich tatsächlich Unrichtigkeiten und Entstellungen. Es sei daher unverständlich, daß der frühere Reichsgerichtspräsident Simons sich dahin geäußert haben solle, die von Moritz angeführten Tatsachen ließen sich nicht leugnen. Die „Tatsachen" seien unrichtig. Wenn Moritz scharfe Äus- fälle gegen den Minister wegen einer Rede richte, die er im Oktober 1926 als Abgeordneter zu der Mordsache Schroeder gehalten habe, so unterdrücke Moritz, daß der Minister von Justizwirrwarr gesprochen habe, der möglicherweise zu einem Justizmord hätte führen können. Bei einer solchen Betrachtungsweise könne es nicht wundernehmen, daß Moritz zu der „unsinnigen und lächerlichen Schlußbemerkung" gelange, der Minister sei nicht von seiner eigenen, sondern von der sozialdemokratischen Frattion als Justizminister präsentiert worden. Angesichts der Unwahrbeften und Entstellungen könne der Minister Be.ug nehmen auf seine Antwort an den Präsioenten des Reichsland- bundes, daß nämlich die Tendenzschrift des Moritz den Justizbehörden keinen Anlaß geben könne, sich erneut sachlich mit den behandelnden Vorgängen zu beschäftigen. Der Minister benutze aber gern die Gelegenheit, um die m der „Gefesselten Justiz" schwer gekränkten Justizbeamten in Schuh zu nehmen. Das Buch sei zu werten als ein politisches Kampfmittel. Die Hoffnungen des Verfassers und seiner Hintermänner, sie könnten mit diesem Kampfmittel das Vertrauen zum Staat und zur Justiz irgendwie erschüttern, würden sich nicht erfüllen.
Hierauf ttat der Ausschuß in die Aussprache ein.
Abg. Kuttner (Svz.) erklärte, die nationalsozialistische Welle sei m die Justiz hineingeschlagen. Der Redner trug Einzel- fälle aus Kassel, Eieiwitz und Dortmund vor und behauptete, die nattonalsozia- listische Zellenbildung in der Justiz sei namentlich in Hamburg, Zeitz und Weißenfels festzustellen.
Abg. Dr. Deerberg (Dntl.) führte aus: u$ie Vertrauenskrise in der Justiz