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Anzeiger für (bas frühere kurhessisch ei Oberhessen
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Marburg «.Lohn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die Haussuchungen - ein Fehlschlag
Ein generelles Verbot der SA kommt nicht in Frage - Keine Beziehungen zwischen N.S.D.A.P. und einzelnen Ministerien
Nervös geworden!
Die Fünftagewoche
Im Zusammenhang mit der Beschlagnahme von Schriftenmaterial bei der Berliner nationalsozialistischen SA.-Gruppen ist, in politischen Kreisen das Gerücht entstanden, daß das PreuhischeInnen- m i n i st e r i u m ein generelles Verbot der SA ähnlich dem Verbot des Roten Frontkämpferbundes plane. Wie das Rachrichtenbüro des Bdz. an unterrichteter Stelle erfährt, muß diese Nachricht schon deshalb als unrichtig bezeichnet werden, weil bisher das außerordentlich umfangreiche beschlagnahmte Material noch nicht einmal von der politischen Polizei völlig durchgearbeitet werden konnte. Das Innenministerium ist z.Z. nur mündlich informiert. Außerdem werde ein generelles Verbot der SA wohl kaum in Frage kommen, weil es sich bei dieser Gruppe um eine Art Funktionärkörper der Nationalsozialistischen Partei 'handele im Gegensatz zum Roten Frontkämpferbund, der eine selbständige Organisation war, deren Teilnehmer nicht der KPD. angehören muhten. Es stehe bisher lediglich fest, daß einige lokale Abteilungen der SA in drei oder vier Fällen politischen Verbrechern zur Flucht verhalfen hätten, worin eine Begünstigung des Totschlages liegen könne, und weiter, daß sie gewisses widerrechtlich beschafftes Material aufbewahrten, was als Hehlerei zu wetten sei. Daher würden die Erwägungen des Mini- steriums wohl in erster Linie darauf gerichtet sein, welche Maßnahmen gegen diese lokalen Organisationen der SA zu ergreifen sind.
Zur Verhaftung be6 Hauptmann A. D. von Maltitz.
-Zu der Verhaftung des Hauptmanns a.D. von Maltitz wird der „Neuen Freien Presse" aus Innsbruck gemeldet: Hauptmann von Maltttz hielt sich seit vier Monaten in Innsbruck auf. Er war von Hiller mit der besonderen Aufgabe betraut worden, die bei der Rationalsozia- listtschen Patter "in Innsbruck bestehenden Unstimmigkeiten auszugleichen und die Sturmabteilungen zu reorganisieren. Als bei den Innsbrucker Behörden vor einiger Zett die Mitteilung der Berliner Polizei eintraf, in der die Vermutung ausgesprochen wurde, daß von Maltttz den drei Berliner Nattonalsozialisten K o l l a tz, Becker und Hauschke, die beschuldigt werden, in Berlin in der Silvesternacht zwei Reichsbannerleute erschossen zu haben, Vorschub geleistet habe, wurde Maltttz von der Innsbrucker Polizei vernommen. Er gab zu, daß Ende Januar ein gewisser Becker zu ihm gekommen sei und um Arbeit gebeten habe. Er, Mattitz, habe ihm aber keine verschaffen können, und Becker sei weggegangen; wohin sich Becker gewandt habe, wisse er nicht. Auch sei ihm nicht bekannt gewesen, daß Becker eines Verbrechens beschuldigt werde. Kol- latz und Hauschke habe er nicht gekannt; ste hätten sich auch bei ihm nicht gemeldet.
Die Berichte der Londoner Presse über das Vorgehen der preußischen Polizei gegen die nationalsozialistischen Sturmabteilungen lassen durchblicken, das; die zuständigen Stellen offenbar etwas nervös geworden feien und anscheinend über das Ziel hinausschössen. Die Tätigkeit der Polizei, so heißt es in der „Time s", habe bisher eigentlich er- ■ geben, daß die Pläne der Nattonalsozialisten verhältnismäßig unbedeutend seien. Diejenigen, die wegen des Auszuges der Nationalsozialisten aus dem Reichstag be-'
sorgt gewesen seien, weil sie diese Tatsache als ein Vorzeichen für größere Anschläge gegen den Staat betrachtet hätten, könnten beruhigt sein.
Schribuex aug der Polizeihaft entlasse«.
Der von der Polizei festgenommene nattonalsozialistische Sturmtruppführer S ch e i b n e r aus Felberg, der in die Abteilung IA des Polizeipräsidiums einge. liefert und dort dem Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Dr. Beckmann vernommen wurde, hat dem Untersuchungsrichter erklärt, daß er für die Beherbergung der Leute gesorgt habe. Er bestreitet aber gewußt zu haben, um wen es sich gehan- deltt habe. Eine Gegenüberstellung mit K o l l a tz erbrachte nicht den Beweis dafür, daß Scheibner den Kollatz am Bahnhof Feldberg erwartet und abgeholt hat. Scheibner ist mangels dringenden Tatverdachtes aus der Polizeihaft entlassen worden.
Dem Reichstag ist vom Gewerk- s ch a f t s r i« g deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände der Entwurf eine- Arbeitszeitnotgesetzes unterbreitet worden, mit dem eine Entlastung de« Arbeitsmarktes angestrebt werden, die regelmäßige werktägliche Arbeitszeit auf weniger als 8 Stunden z« begrenzen oder eine Verkürzung der Arbeitswoche ans weniger als 6 Tage anzuordnen. Die Anordnungen des Ministers sollen für bestimmte Erwerbszweige ergehen, wenn der Reichswirtschaftsrat und der Verwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung dazu gehört worden find. Die Arbeitgeber der Betriebszweige, für di« eine Verkürzung der Arbeitszeit angeordnet worden ist, sollen verpflichtet sein, entsprechend der Ver
Viel Lärm um nichts
Darf man sich nicht mehr um eine Stellung bewerben?
Die Meldung eines Berliner Mittags- BlatteS über Beziehungen eines auf Pri- vatdienstvettrag angestellten ehemaligen Korvettenkapitäns im Reichswehr- ministettum zu den Nationalsozialisten ist nur insofern richtig, als tatsächlich bei den Haussuchungen ein an Hiller gettch- tetes Schreiben des Korvettenkapitäns a. D. Beelitz, der als wissenschafllicher Hilfsarbeiter im Reichswehrmini- stettum tätig ist, gefunden wurde. Wie wir aus unterrichteten Kreisen des Reichs- wehrministenums erfahren, handett es sich bei diesem Schreiben des aus allgemeinen Abbaugründen zum 1. April d. I. gekündigten Korvettenkapitäns Beelitz ledigllch um ein Bewerbungsschreiben, in dem um eine Anstellung bei der National- sozialistischen Pattei oder Presse nachgesucht wird. Kapitän Beelitz hebt in diesem Schreiben ausdrücklich hervor, daß er, obwohl er seit 1928 nationalsozialistisch gewählt hat, bisher sich in seiner pvlitt- schen ‘Betätigung zurückgehalten hat und auch nicht Mitglied der Nationalsozialistischen Partei geworden ist, da es ihm als älteren Mann nicht liege, Heimlichkeiten gegenüber seinem Drotgeber zu haben. Er kündigt an, daß er mit dem Tage seines Ausscheidens aus seiner bisherigen Stellung Mitglied der Pattei werden wolle. In den zuständigen Stellen des Reichswehrministenums sieht man angesichts der Tatsache, daß sich der fragliche ‘Brief lediglich mit einer Bewerbung beschäfttgt, nichts, was zu beanstanden wäre.
Aus Kreisen des Polizeipräsidiums erfahren wir zu den von den Morgenblättern gebrachten Meldungen Über angebliche Beziehungen eines höheren Ministe- rialbeamten zu den Nationalsozialisten, die auf Grund des bei den Haussuchungen aufgefundenen Materials festgestellt worden sein sollen, daß es sich anscheinend nur um eine Verwechselung handele, da sonst keinweiteresMaterialin dieser Beziehung gefunden worden sei.
Vom Polizeipräsidium Berlin wird diese Darstellung bestätigt und hinzuge
fügt, bas bei der polizeiliche« Untersuchung vorgefundene Material biete keine« Anhalt dafür, daß i« irgend einem der Mi«rsterie« Vertrauensleute der Na- tioualsozialisten säßeu, die mit der Partei zusammenarbeite«.
Strafverfahren gegen General Litzmana eingestellt.
Berlin, 14. gebt. Die Dresdener Staatsanwaltschaft hat da, Verfahren gegen den Seneral Litzmaan, der im vergangenen Jahre in einer öffentlichen Versammlung über de» Vertrag von Versailles gesagt haben soll: „Leider fehlen uns die Fernerichter, um diese Unterschreibet unschädlich zu machen", eingestellt. Die republikanische Beschwerdestelle hatte wegen dieser Aeutze- rnng gegen Seneral Litzmann Anzeige erstattet, da fie darin eine Hetze gegen den ftühereu Reichskanzler Müller erblickte. Die Staatsanwaltschaft beruft sich daraus, das, da» Republikschutzgesetz nur dann jemand Schutz gewähre, wenn die betreffende Person zur Zeit der Vorgänge tatsächlich Mitglied einer Regierung sei. Am 27. Mai 1930, al» Litzmann seine Rede gehalten habe, sei Herman» Slüttei nicht mehr Reichskanzler gewesen.
Eine politische Bluttat vor Gericht.
Hagen, 13. gebt. Nach dreitägiger Verhandlung wurde heute ' abend vom Hagener Schwurgericht das Urteil in dem Prozeß gegen Zentarra und Genossen verkündet. Die Angeklagten waren beschuldigt, am 1. Dezember 1930 in Hagen den Nationalsozialisten Sanders überfallen und niedergestochen zu haben. Der Hauptangeklagte Zentarra erhielt wegen Totschlages eine Zuchthausstrafe von neun Jahren und einem Monat. Der nächst Zentarra am meisten belastete Karl Quitt- m a n n wurde wegen schwerer Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren acht Monaten verurteilt. Die übrigen Angeklagten erhielten wegen Beihilfe Gefängnisstrafen von sechs Monaten bis zu zwei Jahren sieben Monaten. Der Angeklagte Schneider wurde freigesprochen.
kürzung durch Reueinstellun« vo« Arbeitskräfte« di« Belegschaft za vergrößern. Die Verkürzung der Arbeitszeit soll unterbleiben, wenn zwingende volks- wirtfchaflliche Gründ« entgegenftehen oder ein« Entlastung des Arbeitsmarkts nicht erreicht würde.
Soviel wtr wissen, haben in den letzten Wochen Besprechungen zwischen den Ua- ternehmerverbänden und der Regierung stattgefunden, worin für den Fall, daß im Frühjahr Entlastung des Arbeitsmarkts hinter den Erwartungen zurückbleibe, die Einführung der Fünftagewoche mit entsprechender Reneinstellung von Ar, beitskräfte« in weitem Umfange in Aus, ficht genommen warde, allerdings ohne gesetzliche« Zwang.
Arbettszwang in Sowjetrußland.
Wie die Warschauer Blätter aus Le- ningrab berichten, veröffentlicht die „Kras- naja Gazeta" die Infttukttonen über den Arbettszwang, die auf Antrag der Kommissare für Arbeit und Landwirtschaft erlassen wurden. Danach soll allgemeiner Arbeitszwang in folgenden Fällen an« eebnet werben: ‘Bei Erntearbeiten, bei
Ibrobungen für ben Expottbebarf, bei berHolzflößerei, beim Straßenbau unb bei Naturkatastrophen. Die Mobolisierung bei Bevöllerung zur Arbett ist von den Lan- desbehörben zu verfügen. In erster ßinie sollen zu solchen Arbetten Kulaken und berjenige Teil ber städtischen Bevölkerung, ber keine politischen Sonderrechte genießt, herangezogen werden. Für die Desertton von ber Arbeitsstätte sind schwere Stta- fen vorgesehen.
Wiederaufnahme der Arbeit in der englischen Webindustrie.
Die Arbeitgeber in de« Webindustrie Lankeshire haben die über ihre Betriebe verhängte Aussperrung ausgeho, ben. In einer Arbeitgeber-Konferenz in Manchester wurde der Einstellung der Versuche des Mehrwebstuhls-Systems zu- gestimmt. Alle Webereien werden am Montag ihre Betriebe wieder eröffnen. Staatssekretär z. D. von Rheinbabe« über die innere Lag« Deutschlands.
Staatssekretär z. D. von Rheinbaben veröffentlicht in der morgen erscheinenden Nummer der „Revue de Paris" einen Artikel über die innere Lage Deutschlands, in dem er nach einer klaren Definierung der wittschaftlichen und moralischen Lage in Deutschland zu folgenden Schlußfolgerungen kommt: „Ein großer Teil des deutschen Volkes habe heute S e h n s u cht nach Leitung und Autorität. Die Reaktion gegen das Geschwätz und die ost leeren Versprechungen der Parteibonzen und Demagogen sei offenkundig. Auf lange Sicht könne Deut'chland nur auf der Grundlage der Autorität des Staates, des Realismus und der Wahrheit regiert werden. Das Ergebnis der Wahlen vom 14. September stelle keinen Widersprach zu dieser These dar. Man stehe mitten in einer Entwicklung, und man könne sich nur schwer ein Bild von den außerordentlich tiefgehenden Wandlungen machen, die ebenso int Aufbau der Politik und des Welt- wittschaftswesens, wie innerhalb der sozialen Umschichtung des deutschen Volkes vor sich gehen. Jeder fühle, daß etwas Neues in Vorbereitung sei und nach Gestaltung ringe. Welche Formen werden sich ergeben? Wann werden sich diese For-