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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger bet amtlichen Bekanntmachungen für Stabt unb Kreis Marburg.
Die Pläne der Opposition
Der „Böllische Beobachter" kündigt neuen Kampf an — Neue Absage der Teutschnationalen an Brüning
Spaltung des Landvolks
Sensation in England
Austritt Wendthausens, Sybels und Siebers.
Die drei Abgeordnete« der Landvolkfraktion, Dr. Wendthausen, Sqbel und Sieber find aus der Fraktion und aus der Partei ausgeschieden, da fie erNären, sich de« Beschlüssen des Parteioorstandes nicht füge« zu können.
Die neue Lage im Reichstag.
Der Reichstag wird heute entsprechend den Vereinbarungen im Aeltestenrat an Stelle des nationalsozialistischen Abgeordneten S t ö h r voraussichtlich den volksparteilichen Abgeordneten von K a r - d o r f f, der schon im alten Reichstag dem Präsidium angehört hatte, zum Vizepräsidenten wählen. In den Ausschüssen, wo die Nationalsozialisten den Vorsitz innehatten, wie im Auswärtigen Ausichutz , (Abgeordneter Dr. Frick) und im Rechts- ausfchuss (Abg. Dr. Frank II) werden die stellvertretenden Vorsitzenden den Platz der Nationalsozialisten einnehmen, solange der Boykott des Reichstags durch die nationalsozialistische Fraktion andauert.
Diätenverzicht der Nationalsozialisten zugunsten der Erwerbslosen.
Die nationalsozialistische Neichstagsfrak- tkon hat beantragt, die durch den Verzicht der nationale« Opposition auf Teilnahme an den Parlamentssitzungen eingesparten Beträge für Aufwandsentschädigungen bezw. Diäte« restlos de« Bedürftigsten unter den ausgesteuerten Erwerbslosen zuzuführen.
Der „Völkische Beobachter" über den Auszug der Nationalsozialisten.
Der „Völkische Beobachter" bezeichnet in einem Artikel des Hauptschriftleiters, Reichstagsabgeordneten Rosenberg, den Auszug der Nationalsozialisten aus dem Reichstag als ein geschichtlich-politisches Ereignis. Eine riesige nationalsozialistische Versammlungswelle werde fetzt im deutschen Volke auistehen. Im übrigen verstehe es sich von selbst, daß der Auszug der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion keine vorübergehende Sonderaktion darstelle, sondern den Anfang eines neuen Abschnittes in der Geschichte der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung bedeute. Nun beginne ein neuer Kamps.
Die Stellungnahme der Deutschnationale«
Die Reichstagsfraktion der DNVP, die dem Abg. Stubbendorf die Teilnahme an den Verhandlungen des Unter- fuchungsausschuffes über die Roggenstützungskommission gestattet hat, im übrigen aber den Arbeiten im Reichstage vorläufig fernbleiben will, wird Anfang nächster Woche die Frage untersuchen, ob eine Notwendigkeit, irgend etwas innerhalb des Reichstages zu unternehmen, besteht. Heber die grundsätzliche Einstellung der Fraktion veröffentlichen die „Mitteilungen der DNVP." eine Erklärung, in der in scharfer polemischer Form angekündigt wird, daß die Fraktion nur dann im Parlament eingreifen werde, wenn eine Möglichkeit bestehe, die Pläne zwischen Zentrum und SPD. zu stören, die Interessen der nationalen Wähler zu wahren oder verhängnisvolle Beschlüsse zu durchkreuzen. Sonst aber werde die Front von Westarp bis Scheidemann sich selbst überlassen bleibe
Die Negierung möge selbst sehe«, wie sie etwa den Wehretat oder die wirtschaftlichen Gesetze durchbringe oder wie sie Agitationsanträge der Kommunisten. die die Sozialdemokraten mitmachen, abzuwehren gedenke.
Die Deutschnaionalen werden ihre Haltung, so heisst es in der Erklärung weiter, die angesichts des Verlustes der Diäten nicht unerhebliche persönliche Opfer von den Abgeordneten verlangt, lediglich davon abhängig machen, wie sie den grossen Zielen dienen können, die Huaenberg ihnen gestellt hat Die Fraktion wird von Fall zu Fall selbst entscheiden, welche Haltung sie dem Reichstag gegenüber einnimmt.
London, 11. Febr. Unter großer Spannung brachte heute Worthington Evans im Namen der konservativen Opposition einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung im Unterhaus ein. Der Antrag hat folgenden Wortlaut: „Das Haus tadelt die Regierung wegen ihrer Politik dauernder Erhöhungen der öffentlichen Abgaben zu einer Zeit, wo die Vermeidung aller neuen Belastungen und ftrenae Sparsamkeit in den bestehenden Diensten notwendig ist, um das Vertrauen wieder herzustellen und den Erwerb zu fördern."
Schatzkanzler Snowden ergriff sofort das Wort zu einer äußerst schürfen Erwiderung. Er bezeichnete es
u.a. als „schamlose Keckheit", wenn die Konservativen, die selbst vor noch nicht allzu langer Zeit mit vollen Händen gewirtschaftet hätten, jetzt den Versuch machten, als Vorkämpfer der Sparsamkeit aufzutreten. Wenn man ihm einen Vorwurf daraus mache, daß er die Steuern um 40 Millionen Pfund erhöht habe, so könne er nur erwidern, daß diese Steuererhöhung durch die Derschwen- dunossucht früherer Regierungen notwendig geworden sei.
Unter allgemeinem Schweigen und größter Aufmerksamkeit des Hauses führte Snowden dann weiter aus: „Ich erkläre mit dem allergrößten Nachdruck, datz die finanzielle Lage unseres Landes sehr ernst ist. Durchgreifende Maßnahmen find nötig, wenn wir das Gleichgewicht des Budgets aufrechterhalten wollen und wenn wir eine Erholung auf dem Gebiete der Produktionswirtschaft erstreben wollen. In einem Augenblick tiefgreifender industrieller Depression werden auch Ausgaben, die im Zeichen des Wohlstandes leicht und erträglich sein mögen, zur Un- möalichkeit"
Die sentationellste Stelle der Rede Snowdens war die Feststellung,
daß die durch die Arbeitslosigkeit verursachten staatlichen Ausgaben nicht mehr im selben Ausmaß fortgesetzt werden können
und daß das Problem auf der Grundlage einer Einigung zwischen sämtlichen Par- teien des Hauses geregelt werden müßte.
„Auch er“, so fuhr Snowden fort, „wolle kein Geheimnis daraus machen, daß eine weitere steuerliche Belastung der Produktionswirtschaft der Tropfen sein würde, der den Becher zum Ueberlaufen bringen würbe.“
Es sei kein Geheimnis, daß das Schatzamt Ende d.Is. sich einem bedenklich großen Fehlbetrag gegenübersehen werte.
Kein Budget in der Welt könne eine so unerwartete Belastung aushalten, wie die Belastung, die dem britischen Staatshaushalt durch das Anschwellen der Arbeitslosigkeit in den letzten zwölf Monaten erwachsen fei. Die Ausgaben feien leftieaen, die Einnahmen gefunhen. Trotz» dem sei Großbritanniens Kredit immer noch besser als während der letzten fünf Jahre.
In diesem Zusammenhang kam der Schakkanzler dann auf die Kriegs- f d) u'lb e n f r a g e zu sprechen, wozu er ausführte: „Wir haben eine Krieasichul- benlaft, bie riesig ist. Ich möchte niemanb verstimmen, aber eines muß ick bock aus- fnred)en: Wenn einmal bie Geschichte die Art unb Weite untersucht, in ber man btefe Schuldverpflichtungen einaeoangen ist — die Unverantwortlichkeit unb finanzielle Leichtfertigkeit, mit der man sich zu Verpflichtungen heraab, die nach der damaligen Lage der Dinae vollkommen unnötig waren —. wenn das einmal bekannt wird, so fürchte ich, werden die Verlönlichkeiten. die dafür verantwortlich find, den Fluch der Nachwelt zu tragen haben."
Im weiteren Verlauf der Sitzung des Unterhauses ergriff als Vertreter des
Gegen die Kriegsschuldlüge
Im Reichstage haben die Abgeordneten Dauch Hamburg (DVP.) und Perlitius (Ztr.) folgende Entschließung zur Kriegs- fchuldfrage eingebracht:
Der deutsche Reichstag lenkt erneut d'e Aufmerksamkeit der internationalen Oef- sentlichkeit auf die schwer« Beeinträchtigung der Gedanken bes Friedens und der Verständigung durch das Kriegsschuldurteil des Versailler Vertrages. Deutschland hat unter Zwang den Vertrag unterzeichnet, ohne jedoch damit anzuerkennen, datz das deutsche Bolk der Urheber des Krieges sei. Dag im Artikel 231 ausgesprochene einseitige Schuldurteil ist nur geeignet, das Vertrauen unter de« Völkern, das für einen wahrhaftigen Frieden
erforderlich ist, dauernd zu beeinträchtige«. Die restlose Aufklärung der Vorgänge. die z«m Weltkriege führten, aus der Grundlage wahrheitssuchender historischer Forschung ist daher dringend erforderlich. Deutschland fordert aus diesem Gunde zur Beseitigung des einseitigen, den historische« Tatsachen nicht entsprechenden Kriegsurteils, wie es im Versailler Vertrag zum Ausdruck kommt, die Berufung eines internationalen Ausschusses von unparteiischen Sachverständigen, der allein ei« objektives Urteil über die Vorgänge abqebe« kann, die zum Ausbruche des Weltkrieges geführt haben. Der Reichstag ersucht die Reichsregier«ng, alle ihr möglichen Schritte zu tun, um diese Forderung durchzusetzen.
Schwere Zusammenstöße
Düsseldorf. 11. Febr. Zum Empfang der nationalsozialistischen Reichstagsmitglieder hatten sich heute abend gegen 6.30 Ahr einer Aufforderung der Düsseldorfer Ortsgruppe der NSDAP, folgend etwa 5000 Personen vor dem Hauptbahnhof eingefunden. Die Bahnhofshalle selbst war von der Pollzei gesperrt worden. Zn der Nähe des Dahn- hofsauSgangs hatten ferner größere Trupps von Kommunisten Aufstellung genommen, die den Empfang zu stören versuchten und die Ordnung schaffenden Polizeibeamten mit lauten Schmährufen bedachten.
Als sich die Nattonalisten zu einer Versammlung in der Tonhalle in Marsch gesetzt hatten, formierten sich die Kommunisten an der Hauptpost ebenfalls zu einem Demonstrationszug, der den Na- ttonalsozialisten auf dem Fuß folgte und Schmährufe gegen die Nationalsozialisten und die Polizei ausstteß. Als bie Zurufe immer heftiger wurden und ein Polizeibeamter von einem Kommunisten hinterrücks durch zwei Messerstiche schwer verletzt wurde, griffen die auf Lastwagen begleitenden Polizeibeamten ein und schafften mit Gewalt eine größere Lücke zwischen beiden Zügen. Mehrere Kommunistentrupps, die vor der Tonhalle zu demonstrieren versuchten, wurden von berittener Polizei auseinander gejagt.
Die nattonalsozialisttsche Dersammlung in der Tonhalle, in der mehrere nationalsozialistische Abgeordnete über den Exodus aus dem Reichstag sprachen, war berartig stark besucht, daß im Rittersaal eine Pa - ralleltierfammlung abgehalten werden mußte. Die Versammlungen selbst und der Abmarsch der Teilnehmer vollzogen sich ohne Zwischenfälle.
6 Opfer politischer Zufammenstötze i« Leipzig.
fl. Leipzig, 12. Febr. Zu schweren Zusammenstößen kam es gestern abend nach einer der drei 'nationalsozialistischen Kundgebungen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Als den Kommunisten in einer der Versammlungen das Wort verweigett wurde, entstand eine Schlägerei, bei der drei junge Leute schwere Kopfverletzungen davon trugen unb dem Krankenhaus zu geführt werden mußten. Nach Wiederherstellung der Ruhe zogen die Nattonalsozialisten in geschlossenem Zuge ab. Trotz des polizellichen Schutzes wurden sie plötzlich man vermutet aus einem Fenster, beschossen. Zwei "junge Leute wurden schwer getroffen und mußten ebenfalls dem Krankenhaus zugefühtt werden.
Einer der Verletzte« ist heute morgr« seinen Verletzungen erlegen. Es handelt sich «m ein 17jährigex Klemp- «erlehrling.