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Mittwoch, ttnl.MnmrlM

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

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Das Erdbeben in Neuseeland

Furchtbare Zerstörungen durch Erdrutsche und Feuersbrünste Übertriebene Meldungen über die Zahl der Todesopfer

lleber die Zahl der Menschenopfer bei dem schweren Erdbeben ans Neaseeland liegen «och keine genaue« Be­richte vor. Schätzungen wolle« von siebenhundert Toten und über 1000 Ver­letzten wissen. Diese Zahl kan« jedoch erheblich übertriebe« sein in­folge deg Durcheinanders, das in dem Erdbebengebiet herrscht. Ein Telegramm des Kommandanten derVeronika" sagt, dah in Napier sofort alle Steingebände und anck die meisten Holzhäuser einge- stürzt sind. Zn einer Straße stürzte« dir beiden Häuserreihen gegeneinander «nd begruben alle Kraftwagen. Fahrzeuge, Menschen «sw., die sich auf der Strahe be­fanden. unter sich. Der Kommandant hat Rahrungsmittellager anlegen lasien und Hilfslazarette eingerichtet. Die Stadt brennt «och an vielen Stellen. Die Feuer­wehr ist, da hier Wasier fehlt, dem Brand gegenüber machtlos. Ans den Oeltanks am Hafen schosien die Flamme« haushoch auf. Di? Hotels der Stadt sind vollstän­dig dem Erdbode« gleichgemacht. Die See trat bei dem Bebe« zuerst zurück, so dah grohe Teile des Häsens trocken lagen und die Schiffe auf den Gründ gerieten. Da­nach kehrte die Flut unter ungeheurem Getöse und mit schäumenden Wellenkiim- men zurück und zerstörte fast die gesamten Hafenanlagen. Bon Wellington sind zu­nächst drei Flugzeuge mit Medikamenten «nd Aerzten entsandt worden. Weitere Hilfe soll folgen.

Bis heute, Mittwoch vormittag liegen folgende Einzelheiten über die Erdbeben­katastrophe vor: Die Zahl der aufgefunde- nen «nd namentlich festgestellten Toten beträgt ungefähr 180, auherdcm find sechs «och nicht identifiziert und vier bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen ge­borgen worden. Es werden aber noch sehr viele Personen vermiht, so dah fich die Verlustliste noch bei weitem erhöhen wird.

Ein Augenzeuge des Erdbebens in Hastings, das 30 Kilometer von Na­pier liegt, erzählte:Die ganze Stadt war in eine Staubwolke eingehüllt. Die Ver­wirrung war unbeschreiblich, die Men­schen waren vollkommen gelähmt, und von allen Seiten ertönten Schreie und das Getöse des einstürzenden Mauerwerks.

Das Grand-Hotel stürzte wie ei« Kartenhaus zusammen, wobei di« Front des Hauses qne, über die

Strahe fiel.

An einer anderen Stelle der gleichen Stadt wurden sechs Automobile völlig ver­schüttet. Genaue Einzelheiten liegen noch immer nicht vor. Man glaubt, dah mehr als 700 Personen den Tod gefunden haben und über 1000 verletzt worden find.

Nach den letzten Nachrichten ist das römisch-katholische Seminar Green Mea- dows eingestürzt. Zwei Priester und acht Zöglinge fanden dabei den Tod. Mehrere andere wurden verletzt. Bei Wairoa stürzte ein Eisenbahntunnel zusammen, mehrere darin beschäftigte Arbeiter konn­ten aber durch einen ganz schmalen Spalt entkommen. Ein Farmer bei Eisborne berichtet, dah sich auf seinem Landgut zahlreiche Erdrisse gebildet haben.

breit genug, dah ein Schaf hineinfallen kann.

Der Meeresboden im Hafen von Na­pier hat fich um sechs Metex gehoben. Infolgedessen sind sogar kleinere Fahr­zeuge nicht mehr imstande, in ven inneren Hafen einzulaufen. Die Erdbebenauf­zeichnungen in Wellington zeigen, dah das auf den Hauptstoß folgende Beben wohl fünf Stunden anhielt, doch waren die späteren Erschütterungen durch­weg leichte., Das Zentrum des Bebens lag wahrscheinlich östlich von Napier, wo sich das Ozeanbett gehoben haben dürfte, wodurch die Verflachung des Hafens von Napier verursacht worden ist.

Di« Lösung der Frag« einer Zoller­höhung auf eine Reih« landwirtschaftlicher Erzeugnisse, besonders der der Veredelungs­wirtschaft, welche durch die Forderungen und Wünsch« der Grünen Front Anlah zu Er­örterungen wurden, scheinen sich in die Länge zu ziehen. Gerüchte, die nach d«n ersten Verhandlungen der Reichsregiernng mit der Grünen Front von einer erzielten Einigung in den Fragen der Erhöhung der Zolltarif« kaut wurden, liehen die Hoffnung aufleben, dah die Verhandlungen bereits abgeschlossen seien. Nun scheint sich aber eine neue Komplikation ergeben zu haben «nd den bisherigen Verhandlungen den Charakter von Vorverhandlungen aufzuprägen. Man ist sich noch völlig unklar über di« Haltung und über die Forderungen, mit welchen die Wirtschaft die der Grünen Front beantworten wird, und es ist nicht ausgeschlossen, dah settens der Wirtschaft Gegenforderun­gen erhoben werden, di« eine ganz neue

Zn der Reichskanzlei hat gestern eine dreistündige Besprechung über die Forde- , rung der Deutschen Volkspartei auf wei- I tere Abstriche am Etat stattgefunden. An der Konferenz nahmen auher dem Reichskanzler und dem Führer der Deutschen Volkspartei, Dingeldey auch Reichsfinanzminister Dietrich uni) der Etatsachverständige der volksparteilichen Reichstagsfraktion, Dr. Cremer, teil. Wie wir erfahren, ist es gelungen, die Grundlage für eine Verständi­gung zu schaffen, über die Einzelheiten im Augenblick noch nicht mitgeteilt werden können, zumal sich nach der Ansicht des Reichsfinanzministers im Augenblick noch gar nicht übersehen läßt, ob und in wel­cher Höhe mit einem Fehlbetrag zu rechnen ist. Eicher dürfte jedenfalls sein, daß auch die Reichsregierung unter keinen Umständen daran denkt, die Deckung auf dem Wege neuer Steuer« oder Anleihen zu suchen. Das geht schon aus den früheren Erklärungen maßgebender Stellen hervor. Es bleibt demnach nur übrig, dah am Etat weitere Einsparungen voraenommen

Das Erdbeben hat die ganze Küste verändert.

Viele Klippen sind ganz oder teilweise ins Meer gestürzt. Bluff Hill, eine über dem Hafen von Napier ragende Höhe, stürzte in die Bucht. Allenthalben fände« Erd­rutsche statt. Das britische Kriegsschiff Veronika" lag gerade vor Napier, als das Erdbeben stattfand. Der Komman­dant beorderte die Mannschaft an Land und leitete die Rettungsarbeiten in der Stadt. Weitere Aerzte und Krankenschwe­stern werden in Flugzeugen und Kraft­wagen nach dem heimgesuchten Gebiet ge­sandt.

Aufrollung der Zollerhöhungsfragen not­wendig machen. Deshalb läßt sich auch noch gar nicht Lbersthen, wi« weit di« unerläßlich neuen Verhandlungen und ihr« Ergebnisse die Stellung des RcichsernShrungsministers berühren werden. Vor allem wird es sich empfehlen, die bereits durch die Presse zah- lenmähig verbreiteten Erhöhungen gewisser Zölle für z. B. Butter, Eier, Vieh und Fleisch mit Vorbehalt aufzunehmar, und ebenso scheint es nach der letzten Information abwegig zu sein, damit zu rechnen, dah die Zollerhöhungen gegebenenfalls durch eine Notverordnung in Kraft gesetzt werden wür­den. Die Diskussion über eventuelle Er­höhungen werden voraussichtlich den Reichs­tag voll in Anspruch nehmen, besonders da ja von feiten des Landvolks und auch an­derer Parteien «in« ganze Reih« Anträge vorlieg«n, die geg«b«nenfalks noch ergänzt werden.

werden, wenn fich die Notwendigkeit dazu Herausstellen sollte. Außer de« Einsparun­gen sind auch di« übrigen großen aktuellen Fragen, wie Arbeitslosigkeit, Re­parationen und O st h i l f e, zwischen dem Kanzler und dem Führer der Deut­schen Volkspartei besprochen worden.

Die Reichstagsfraktion der DVP. hielt am Dienstag eine Sitzung ab, in der über die Verhandlungen des Abg. Dingel- d e y und des Abg. Cremer mit dem Reichskanzler und dem Reichsfinanz­minister Bericht erstattet wurde. Zn die­ser Aussprache hat sich die M ö g l i ch k e i t gezeigt, einen Weg zu finden, der die Be­denken der DVP. gegen die Aufstellung des Etats durch eine neue Sicherung beseitigt. Die Einzelheiten bleiben Gegenstand wei­terer Verhandlungen.

Vreitscheid beim Kanzler.

Der Reichskanzler hatte, demBerliner Tageblatt" zufolge, gestern nachmittag eine Unterredung mit dem sozialdemolrati- scken Führer Dr. Breit scheid.

Grüne Front und Wirtschaft

Immer noch keine Klärung der Zollfragen

Einigung mit der Volkspartei

Weitere Kürzung der Ausgaben?

Ein Zeitungskorrespondent, der nach Napier durchgelangen konnte, berichtet nähere Einzelheiten von der Katastrophe. Danach ist das berühmte Teaute-Seminar für Maoriknaben unwiderherstellbar zer­stört, aber die historische Holzkirche mit­samt ihrem Turm ist unbeschädigt geblie­ben. Die Stadt Hastings bietet einen trost­losen Anblick. Es ist kaum möglich, auf den Straßen vorwärts zu kommen. Die Straße von Hastings nach Napier ist in einem unbeschreibliche« Zustand. An einigen Stellen ist sie wie vollständig ver­senkt. Die Verwüstungen in Napier sind noch viel größer als in Hastings. Die Marinepromonade bildet eine einzige Straße zusammengebrochener Häuser, lleberall trifft man obdachlose Familien. Alle Bankgebäude in Napier sind einge­stürzt. Das ganze Eeschästsviertel ist ein­geäschert. Die Verlagshäuser der beiden Zeitungen mit ihren modernen Maschinen sind zu Ruinen geworden. Im Hafen von Ahurisi, dem Seehafen von Napier, hat das brennende Del der Tanks so gut wie alles zerstört.

Besonder- schrecklich war der Einsturz des Daches der technische« Schule, das a«f die Schüler herabfiel.

Die großen Tribünen des Rennplatzes wurden in aller Eile in Hilfskrankenbäu- ser verwandelt. Das neue städtische Theater ist ausgebrannt, ebenso die noch nicht fertiggestellte St. Paulskirche. Die Kathedrale ist unwiderherstellbar beschä­digt. Z« der Umgegend von Mohaka ist das Land zerwühlt. Das große Bassin im Hafen von Napier, das unter dem Na­me«Zron Pot" bekannt war, und wo Fischerboote und kleine Dampfer zu liegen pflegten, ist jetzt trockenes Land, und längs der Wege ziehen sich Spalten in einer Länge bis zu 20 Metern hin. Die genaue Feststellung der Zahl der Todes­opfer wird wohl noch längere Zeit bean­spruchen.

Der Eindruck des Erdbebens in England.

Das schwere Erdbebenunglück in Neu­seeland hat bei vielen Menschen in Eng­land starke Besorgnis persönlicher Art hervorgerufen. Nachdem die Nachricht von dem Unglück eingetroffen war, iam- melten sich eine große Anzahl von Men­schen vor dem Büro der Regierung von Neuseeland an, um Auskunft über Ver­wandte und Freunde zu erhalten. Es lagen jedoch keine Einzelmeldungen vor, so daß sich die Menschen allmählich wieder zersteuten. Der Versicherungsmarkt in London wird von dem Unglück verhält­nismäßig wenig betroffen. Die meisten Versicherungen gegen Erdbeben sind in Neuseeland abgeschlossen worden. Es haben natürlich Rückversicherungen in London stattgefunden, jedoch nicht im gro­ßem Umfang. Die städtischen Anleihe­papiere von Napier und anderen neusee­ländischen Städten erlitten Rückgänge.

Nach den bis jetzt eingetroffenen Nach­richten über das Erdbeben im Bezirk Hewkes Bay haben in der Stadt Hastings (südlich von Napie) 21 Personen den Tod gefunden. Das Krankenhaus und das Haus der Krankenschwestern stürzten ein. Mehrere Bewohner wurden unter den Trümmern begraben. Wie bereits ge­meldet, steht die Stadt in Flammen. Ein Ausschuß zur Verteilung von Lebensmit­teln hat sich gebildet. Auch in Wairoa (nördlich von Napier) sind große Verwü­stungen zu verzeichnen. Von dort werdet zwei Todesopfer gemeldet. Die Städte Waipukurau und Waipawa haben eben­falls sehr gelitten. Die Regierung ent­sandte 20 Krankenschwestern uno 16