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' a. M. Skr. 5015. - Sprechzeit der Redaktion 6 en 1011 und »/»11 Ude.

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Anzeiger für (bas frühere knrheffifche) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Vorstoß des Reichslandbundes

Kampfansage gegen die gesamte Regierung einschließlich des Neichsernährungsministers Schiele

Das Landvolk ist enttäuscht

Ein mildes Urteil

Der Bundesvorstand des Reichs­landbundes hat am Sonntag in Ber­lin eine Beratung abgehalten, in der die Reichslandbundtagung, die am 2. Februar beginnt, vorbereitet wurde. Dabei haben die Vertreter der Provinzial- und Kreis­landbünde eine Entschließung an­genommen, in der sie betonen, daß sie ge- schlosien hinter der Führung des Reichs­landbundes stehen und dah die Gesamtheit des Reichslandbundes einmütig alle be- schlosiene« Mahnahmen durchführen müsie. Diese Solidaritätserklärung erhält ihr« Bedeutung dadurch, dah der Bundrsvor- stand des Reichslandbundes gleichzeitig eine Entschliehung angenommen hat, die «eine Kampfansage gegen die gesamte Regierung einschließlich de- Neichsernährungsministers Schiele, der bis vor kurzem der erklärte Führer deg Reichslandbundes war, enthält.

In der Entschliehung wird zunächst dar­auf hingewiesen, dah der Neichsprässdent in feiner Botschaft vom 18. März 1930 der Reichsregierung die Aufgabe gestellt habe, die Agrarmahnahmen mit aller Beschleunigung durchzufüh­ren. Es wird darauf hinqewiesen, dah statt dessen sich die Lage der Landwirtschaft von Monat zu Monat verschlech­tert habe.

Es heißt in der Entschliehung wörtlich: Insbesondere vermißten wir jedes Ver­ständnis und die erforderliche rasche Hilfe­leistung für den wirtschaftlich zuiammen- brechenden und damit nationalpolitisch ge­fährdeten deutschen Osten." Die Schuld an dieser katastrophalen Entwicklung der landwirtschaftlichen Krisis wird dann den einseitig händlerisch und exvortindustriell eingestellten Interessen" zugeschrieben.

Heber die Reichsregierung heisst es in der Entschliehung: ..Auch die gegenwärtige Reichsregierung ist diesen Einflüssen Schritt für Schritt erlegen und dadurch mitschuldig.

Die Reichsregierung hat durch ihr Versagen das deutsch« Landvolk aufs lchwerste enttäuscht und tiefstes Miß­trauen erweckt.

Die Verhandlungen der letzten Tage über neue Agrarmaßnahmen können an diesem Urteil umso weniger etwas ändern, als die von der Regierung in Aussicht genom­mene Methode der' Durchführung z u Halbheiten und Mißerfolgen führen muß. Der Reichslandbund kämpft um eine Reichsleitung, die sich srei- macht von den bisherigen schädigenden Einflüssen und Abhängigkeiten, und

fordert daher den Rücktritt einer Re­gierung, die nicht sofort und unge­schmälert diese Forderung zur Tat macht."

Bereinigung der bayrischen Ntt onal- liberalea mit der D.R.V.P.

Nürnberg, 1. Febr. Der Landes­vorstand des Nationalliberalen Landes­verbandes Bayern hat heute nach mehr­stündigen, von Geheimrat Hans Sachs geleiteten Verhandlungen mit 46 gegen 3 Stimmen beschlossen, denNationallibe- alen Landesverband" aufzulösen und seine Ortsgruppen geschlossen in die Deutsch­nationale Volkspartei überzuführen.

Ein Handstreich amerikanischer Prohibitions­beamter.

fk. Newyork, 2. Febr. Prohibitions­beamte unternahmen gestern eine Razzia auf eine alte Brauerei in Elmira (Staat New Bork), wo sie Apparate zur Herstellung alko­holischer Eetrqpke im Werte von etwa 1 Mil­lion Dollar mit Beschlag belegten. Die Brauerei war dem Polizeibericht zufolge in vollem Betrieb. 15 Verhaftungen wurden vor­genommen.

Oppeln, 31. 2an. Unter großem An­drang von Publikum und Presse, auch der pol­nischen, begann heute vormittag vor dem Er­weiterten Schöffengericht die Verhandlung ge­gen die beiden polnischen Flieger, die am Tage des Reichskanzlerbesuchs bei Oppeln notlan­deten. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Dr. Christian. Der Verhandlung wohnt u. a. auch der polnische Generalkonsul in Deuthen bei. Die beiden Angeklagten, Feldwebel Wolf und Sergeant Jmiela vom Flieger­

Der Flieger von Tsingtau

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Günther Plüschow llinks) und lein ebenfalls tödlich verunglückter Begleiter Dreblow

In einigen Jahren?

Höpker-Aschoff über Vernunft und Radikalismus

Bielefeld, 1. Febr. Auf dem Wahl­kreisparteitag der Deutschen Staatsvartei (Wahlkreis Westfalen-Nord) sprach Sonn­lagnachmittag in Bielefeld der preußische Fi- nanzminiM Dr. Höpker-Aschoff über po­litische Vernunft oder Radikalismus. Der Minister sagte u. a.: Die allgemeine Wrrt- schaftskrise wirkt selbstverständlich auf uns zurück. Wft in Deutschland haben noch eine Verschärfung der Krise dadurch, daß wir unter den Folgen des Krieges zu leiden ha­ben. Die Reparationen haben wir feit Jahren nur mit geliehenem (Selbe zahlen können. Welche Fehler sind bei uns in den vergangenen Jahren gemacht worden? Vor allem die überstürzten Investionen der öffent­lichen und der privaten Wirtschaft. Wir haben geliehenes Kapital falsch an­gelegt. Auch die öffentliche Hand hat falsch gewirtschaftet. Die Gemeinden haben sich zum Beispiel mit großen Anleihen belastet, um die Neubautätigkeit zu fördern.

Wir sind h«irt« mit dieser Politik am End« und «rieben einen schweren Rück­schlag.

Es gibt kein anderes Mittel, als die durch die falsche Wittschaftspolitik in die Höhe ge­triebenen Preise und Löhne wieder herab- Zusetzen. Wenn es gelingt, das garrze Preisniveau in Deutschland her­abzudrücken, dann erhöht sich auch die Ausfuhrmöglichkeit und verringert sich die Einfuhr. Die jetzige Preis- und Lohnpolitik der deutschen Regierung ist nur gut zu heißen. Alle Kredite, die die öffentliche Wirtschaft braucht, werden der privaten Wirtschaft ent­

zogen, die hierdurch neben den Steuern noch wetter belastet wird. Die deutsche Krise ist noch weiter dadurch verschärft, daß unser Wittschastsleben unter der politischen Unruhe sehr zu leiden hat. Die allgemeine Vertrauenskrise, die im Vorjahre mit der Auflösung des Reichstages ausgebrochen ist, hat der Wirtschaft schwer geschadet. In der Abnahme der Sparkasseneinlagen, in der Einbuße an Kredttwürdigkeit im Auslande und im Sinken der Kurse der deutschen Wert­papiere hat sich der Ausgang der Wahlen vom 14. September ausgewirkt. In sei­nen weiteren Ausführungen setzte sich der Minister mit den Nationalsozialisten ausein­ander. Das öffentliche Leben sei bei uns zu einem Tummelplatz der Gemeinheit geworden. Es wird allmählich eine Kluft im deutschen Volke aufgerissen, einer haßt den anderen. Wir müssen auch aus dieser Krise sobald wie möglich herauskommen. Das kann wohl kaum von heute auf morgen geschehen, aber man wird endlich den Kampf gegen diese Dinge aufnehmen müssen.

Es ist von entscheidender Bedeutung, daß wir wieder im In- und Auslande als ruhiger Staat gelten.

Höpker-Aschoff schloß seine mit großem Bei­fall aufgenommene Rede: Wir müssen heute 1. mit allen Kräften den Kampf gegen die radikalen Elemente aufnehmen: 2. Ordnung in den öffentlichen Finanzen schaffen und 3. das Preisniveau in Deutschland herab­sehen. Wenn das gelingt, dann kann in einigen Jahren diese Depression über­wunden werden.

regiment in Krakau, sind beschuldigt, die Reichsqrenze unbefugt überschritten zu haben, ohne im Besitz eines Ausweises gewesen zu sein, der Verpflichtung, sich durch einen Patz oder sonstige Papiere über ihre Person auszu­weisen, nicht nachgekommen zu sein und schließlich das Luftfahrtgesetz übertreten zu haben. Aus der

Vernehmung des Feldwebels Wolf

geht u. a. hervor, daß er 1915 als Beobachter und Jagdflieger an der deutsch-französischen Front weilte. Seit 1927 gehört er dem polni­schen Militär als Flugzeugführer an. Der An­geklagte startete am 9. Januar mittags in Krakau mit dem Auftrag, das Flugzeug nach Eraudenz zu bringen.

Infolge des heftigen Windes nahm er einen Kurs, bei dem er annahm, daß er niemals die deutsche Grenze berühren könnte. Rach halb­stündiger Flugdauer bemertte er bei dem schlechten Wetter seinen Angaben zufolge herrschte ein heftiges Schneetreiben, das ihn zwang, mitunter nur in einer Höhe von 20 bis 30 Meter zu fliegen, daß e- sich über einer Stadt befand. Da er überhaupt nicht wußte, wo er war, habe er eine Notlandung . vorgenommen, um sich zu orientieren. Als Grund für sein Verfliegen gibt der Ange­klagte an, daß der Wind stärker war, als er berechnet hatte. Die Frage, ob er gewußt habe, daß an jenem Tage der Reichskanzler in Oppeln gewesen sei, verneint der Angeklagte. Damit war vorerst die Vernehmung des An­geklagten abgeschlossen.

Hierauf wird

der Angeklagte Jmiela

vernommen. Er erklärt, daß er am 9. Januar mit der Weisung, sein Flugzeug nach Thorn zu bringen, aufgestiegen fei. Sein Kompaß sei schon vor dem Start nicht in Ordnung ge­wesen. Da jedoch kein weiterer Kompaß zur Verfügung stand, habe er die Weisung bekom­men, sich hinter Wolf zu halten. Er habe wohl eine Karte gehabt, aber keine Veranlassung, sich selbst auf der Karte zu orientieren. Erst kurz vor der Landung in Oppeln habe er fest­gestellt, daß sein Vorgesetzter Wolf unsicher war. Zu Anfang des Fluges habe er auf Grund der Eisenbahnverbindungen festgestellt, daß sie richtig flogen; bann aber sei Schnee gekommen, und er habe sich darauf auf seinen Vorgesetzten verlassen. Auf die Frage, ob er gewußt habe, daß der Reichskanzler an jenem Tage in Oppeln war, erklärte er. daß er über­haupt keine Zeitung lese. Kurz vor seiner Landung habe er wohl gemerkt, daß sein Vor­gesetzter ihm vom Boden aus Zeichen gab, die er jedoch nicht verstanden hätte. Er sei darauf ebenfalls gelandet. Dem Angeklagten wird darauf ein Brief vorgehalten, den er am Tage nach der polizeilichen Vernehmung, am 11. Januar an seine Braut geschrieben hat, in dem er ausführte, daß er schon Nwch einer hal­ben Stunde gemertt habe, daß sie nicht auf dem auf der Karte verzeichneter Wege flogen. Jmiela bleibt dabei, daß er diese Aussage auch der Polizei gemacht habe und daß dies richtig sei.

Aus der

Zeugenvernehmung

ist nur die Kontroverse hervorzuheben, ent- gegen der Aussage des Angeklagten Wolf, von zwei Zeugen erklärt wird, der Feldwebel Wolf habe gleich nach der Landung gesagt: Heute ist Brüning da!", worauf der eine Zeuge, ein Obergefreiter, ihm erwidert habe, dann sei er ja besser als sie unterrichtet. Der Angeklagte Wolf wendet sich bann noch gegen bie Darstellung des einen Zeugen, er habe be­reits aus ber Maschine heraus erklärt, baß er polnischer Militärflieger sei; benn bann hätte er ja, ba bie Maschine noch mit halber Kraft lief, brüllen müssen wie ein Stier. Rechts­anwalt Simon bringt auf die Protokollierung der Aussage, der Angeklagte Wolf habe ge­sagt, heute sei Brüning da. Der Angeklagte hatte demgegenüber darauf hingewiesen, daß ihm der Name Brüning ganz unbekannt sei.

Der Strastntrag.

Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen den Angeklagten Feldwebel Wolf wegen fahr-