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Zettung
Anzeiger für (bas frühere kur-hessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Der Flieger von Tsingtau f
Eünther Plüschow und sein Mechaniker tödlich abgestürzt - Deutscher Flieger bei Wollstein in Posen notgelaudet
Klarer Sieg Lavals
Unerhörte polnische Drohung
Paris, 30. Ian. Nach einer Red« eines Koloniakabgeordneten, die durch großen Lärm ständig unterbrochen wurde, wird die Generaldebatte geschlossen. Der Vorsitzende verliest die vier eingedrachten Tagesordnungen. Die Tagesordnung Largier hat folgende« Wortlaut: „Die Kammer billigt die Erklärungen der Regierung, hat zu chr Vertrauen und geht unter Ablehnung eines ieden Zusatzes zur Tagesordnung über." Der Ministerpräsident erklärt, daß die Regierung nur diese Tagesordnung annehmen könne und daß sie für ihre Annahme die Vertrauensfrage stellen müsse.
Nach einer kurzen Debatte, in der die Redner verschiedener Parteien zu dieser Tagesordnung Stellung nahmen, beginnt die Ab- stimmung über den ersten Teil dieser Tages- ordnimg bis einschließlich „hat Vertraue« zu ihr". Der Ministerpräsident stellt nochmals für die Annahme dieses ersten Teiles die Vertrauensfrage. Die Abstimmung ergab die Annahme des ersten Teiler der Tagesordnung Largier mit 312 gegen 258 Stimmen. Der Ministerpräsident beantragt, über den zweiten Teil der Tagesordnung abzustimmen.
Gegen Mitternacht wird das Ergebnis der zweiten Abstimmung durch den Präsidenten bekannt gegeben: Der ursprüngliche Wortlaut der Tagesordnung Largier ist gemäß dem Wunsche der Regierung mit 309 gegen 258 Stimmen, also mit 51 Stimmen Mehr? cheit, angenommen. Die gesamte Tagesordnung Largier wird dann durch Handaufheben gebilligt. Die Regierung Laval hat also «ndgülti g gesiegt. Die Kammer vertage sich darauf auf Montagnachmittag zur Beratung einiger weniger wichtiger Gesetzentwürfe.
Am Dienstagvormittag wird die Budget- beratung wieder ausgenommen.
danken habe, die man ihm in der Kammer entgegenbringt. Die Abstimmung spiegele m ^ner Weise die Auffassung der Kammer über das Regierungsprogramm wieder. Der sozialistische „Populaire" versucht den Sieg der Regierung dadurch zu schmälern, daß er betaut, es gebe Siege, die schmerzlicher seien als die schwerste Niederlage. „Die sozialistischen Parteien haben den Kampf unter günstigen Bedingungen ausgenommen und werden ihn in derselben Weise sortsetzen".
Warschau, 30. Ian. Wie hier verlautet, ist heute vormittag boi Wöllstein in Pose« ein deutsches Verkehrsflugzeug, das von Schneidemühl nach Breslau unterwegs war» notgelandet. Die Maschine war nur mit dem Piloten namens Hans Eruze besetzt. Wie es heißt, haben die polnischen Behörden die Maschine bis auf weiteres beschlagnahmt
28 Bergleute getötet
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Der siegreiche Ausgang der Freitagsaussprache in der Kammer ist für niemanden unerwartet gekommen, wenn man auch nicht geglaubt hatte, daß die Regierung bereits beim ersten Male eine so große Mehrheit auf sich vereinigen würde. Die Rechtspresse hebt hervor, daß wieder einmal der Beweis geliefert sei, daß immer eine Mehrheit in der Kammer bestehe, nämlich diejenige für Poincare, Briand und Tardieu. Laval sei unter einem günstigen Stern gestartet, denn er verfügte über eine Mehrheit ,die nicht durch eine dreijährige Regierungstätigkeit abgenutzt sei.
Der „Petit P a r i s i e n" unterstreicht ebenfalls, daß niemand einen derartigen Sieg der Regierung erwartet hatte. Das Blatt weist außerdem auf die Antwort Lavals auf die Frage des AbgeordnetenErumbach hin, in der sich der Ministerpräsident als Anhänger einer allgemeinen Amnestie erklärte. Das „Journal" erkennt den politischen Sieg Lavals an, der sich dank der günstigen Abstimmung nunmehr ernsten politischen Fragen zuwenden könne.
Die Linkspresse gibt zum Teil selbst die Geschicklichkeit des neuen Ministerpräsidenten zu. So schreibt die „E r e R o u v e I l e", daß fich der ehemalige Arbeitsminister einer sehr schweren Aufgabe vorzüglich entledigt habe, indem er eine Mehrheit von 54 Stimmen auf sich vereinigte. Die „Republique" sieht darin nur einen Manöoererfolg, den er kedigkch den persönlichen Sympathien zu oer
Whitehaoe«. 30. Ja», der Tote» bei dem Bergwerksunglück wird amtlich auf 28 angegeben. 18 Leichen wurden bis jetzt zutage gefördert, viele von ihnen sind ganz verkohlt. Unter den zwölf Bergleuten, die im Krankenhanse liegen, befinden sich nur zwei in Lebensgefahr. Am Eingang des Schachtes spalten fich tragische Szenen ab. Die Retter,
wahrem Heldenmut in Vie Grube hinunterstiegen, sahen sich vielfach durch ansströmende Gase in ihre« Bemühungen gehindert. Mehrere in der Nähe der Ex- plofionsstell» beschäftigte- Arbeiter eilten sofort ihren Kamerade» zu Hilfe. Ihrer Tapferkeit ist es zu verdanken, daß die Zahl der Todesopfer nicht größer gewesen ist.
Die Zahl i die mit
Das Ende eines Kriegshelden
Santiago de Chile, 30. Zan. Der ehemalige deutsche Kriegsflieger Kapitän Günther Plüschow und sei» Mechaniker haben i» der Nähe von Natales (?) bei einem Flugzeugunglück den Tod gefunden. Das Flugzeug erlitt in der Luft Havarie und stürzte ab. Die beiden Flieger waren auf eine, Forschungsreise tn bisher unerforschtem argentinisch-chilenischen Grenzgebiet begriffen.
Der tödliche Absturz Eünhter Plüschows und seines Mechanikers bei Feuerland erfolgte bei dem See Rico, der auf dem Argentinien gehörenden Teil von Feuerland liegt. Das Flugzeug wurde völlig zerstört.
Der deutsche Flieger Plüschow hatte letzten Dezember über seine Flüge i» Süd- Patagonien berichtet, wo er namentlich die Gegend zwischen dem Lago Argentino und den Medma-See« erforschte, dke seiner Schilderung nach ein von allen Seiten von zahlreichen Gletschern eingeschlossenes Hochgebirge darstelle.
Kapitänleutnant a. D. Günther Plüschow ist während des Krieges als der Flieger von Tsingtau" bekannt geworden. Er führte das einzige Flugzeug, das de deutsche Tsingtau-Mannschaft besaß, und entzog sich mit diesem durch einen abenteuerlichen Flug der Gefangennahme durch die Japaner.
und den Flugzeugführer unter Aufsicht gestellt.
Die polnische Telegraphen-Agentur bringt diese Meldung, ohne hervorzu, habe», daß es sich »m ein Zivilluftfahrzeug handelt «nd fügt hinzu, es sei anzunehmen, daß die Behörde« ihr Verhalte« dem deutschen Flieger gege«Lber von dem Urteil, das am morgige« Sonnabend gegen die polnischen Flieger in Oppeln gefällt wird, abhängig machen werden.
Die Posener Morgenpresse berichtet über die Notlandung des deutschen Flugzeuges, daß sie etwa 1 Kilometer von der Grenze entfernt auf polnischem Gebiet in der Nähe von Wollstein erfolgte, und daß das Flugzeug in einer Höhe von 1000 Metern wegen einer Dergaferstörung niedergegangen und leicht beschädigt worden sei.
Die polnische Presse ist beinahe außer sich vor Freude darüber, daß gerade am Vortag des Prozesses gegen die polnischen Militärflieger in Oppeln ein deutscher Flieger auf polnischem Gebiet notlandete. Das maßgebende Regierungsblatt „E a - z e t a P o l s k a" will schon wissen, daß der deutsche Flieger Gruze Mitglied des Stahlhelms (!!) sei. Seine Freude über die Notlandung bekundet das polnische Blatt schon in der lleberschrist „Das Recht der Vergeltung".
Der regierungsfreundliche „Expreß Poranny erklärt „vom Himmel fiel das Argument für Polen als Hilfe für die gefangenen polnischen Flieger in Op-
Eruze wurde den polnischen Gerichtsbehörden übergeben. Sein Flugzeug, dessen Flügel bei der Landung leicht beschädigt wurde, ist beschlagnahmt worden. „Expreß Poranny" erklärt, der bei dem Flieger gefundene photographische Apparat berechtigt zu der Annahme, daß das Ueberfliegen polnischen Gebietes nicht unabsichtlich gewesen sei. Eruze sei Reserveoffizier (!) und Mitglied eines Flugpostvereins. Sein zweisitziges Flugzeug könne sehr leicht als Militärflugzeug umgebaut (!) werden.
Zu der Festnahme des deutschen Fliegers Eruze, der bei Wallst ein, südwestlich von Posen, notlanden mußte, schreibt der „Vor wärts": „Zwischen der Notlandung polnischer Flieger bei Oppeln und diesem Ereignis bestehen sehr wesentliche Unterschiede. Die Polen sind Militärflieger, während Eruze ein Verkehrsflugzeug steuerte. Militärfliegern ist verboten, ohne besondere Erlaubnis über deutsches Reichsgebiet zu fliegen, dagegen besteht ein deutsch- polnisches Lustfahrtabkommen, daß die grenznahen Verkehrslinien aufzählt und Straflosigkeit unabsichtlicher und notgedrungener Luftgrenzverletzungen verbürgt. Schon die Festhaltung des deutschen Piloten und seiner Maschine ist nicht Recht, sondern Gewalt." Auch die „Börsenzeitung" weist darauf hin, daß es sich um ein Privatflugzeug handelt. Zu der Aeußerung der Agentur Preß, daß die polnischen, Behörden ihr Verhalten gegen den deutschen Flieger von dem Urteil gegen die polnischen Flieger in Oppeln abhängig machen würden, schreibt das Blatt, diese offene Drohung muß aber»