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Anzeiger für (bas frühere kur-hessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der Anzeigenpreis beträgt für »en 11 gespalt. Zeilenmillimetec 0.08 SM., feg. Reine Anzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 SM., amtliche und an«- Mrttge Anzeigen 0.10 SM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz­dorschrist 60*1, Aufschlag. - Sammelanzeigen 100% Auf­schlag. Reklam.-Millim 0.« SM. 3ebet Rabatt gilt aU Barrabatt

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vfferteu:Sebühr: 25 Pf«. Belege werden berechnet. 6tfiOu*e»e« Marburg

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Die »Oberhessische Zeitung' er­scheint sechsmal wöchentlich. Be- ,«gspreis monatlich 2.20GM.auS- schließl. Zustellungsgebühr, durch die Post 2.45 GM Für etwa durch Streik, Maschinendefekt oder ele­mentare Ereignisse ausfallend« Kümmern wird tetn Ersatz ge* leistet Verlag, Dr. § Httzeroch» Druck der Unid-Duchdruckerei Seb. Aug. «och, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr 64 uud Nr- 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr 5015. - Sprechzett der Redaktion bon 1011 und Al1 Uhr.

Der Flieger von Tsingtau f

Eünther Plüschow und sein Mechaniker tödlich abgestürzt - Deutscher Flieger bei Wollstein in Posen notgelaudet

Klarer Sieg Lavals

Unerhörte polnische Drohung

Paris, 30. Ian. Nach einer Red« eines Koloniakabgeordneten, die durch großen Lärm ständig unterbrochen wurde, wird die Ge­neraldebatte geschlossen. Der Vorsitzende verliest die vier eingedrachten Tagesord­nungen. Die Tagesordnung Largier hat folgende« Wortlaut:Die Kammer bil­ligt die Erklärungen der Regierung, hat zu chr Vertrauen und geht unter Ablehnung eines ieden Zusatzes zur Tagesordnung über." Der Ministerpräsident erklärt, daß die Re­gierung nur diese Tagesordnung annehmen könne und daß sie für ihre Annahme die Vertrauensfrage stellen müsse.

Nach einer kurzen Debatte, in der die Red­ner verschiedener Parteien zu dieser Tages­ordnung Stellung nahmen, beginnt die Ab- stimmung über den ersten Teil dieser Tages- ordnimg bis einschließlichhat Vertraue« zu ihr". Der Ministerpräsident stellt noch­mals für die Annahme dieses ersten Teiles die Vertrauensfrage. Die Abstimmung ergab die Annahme des ersten Teiler der Tagesordnung Largier mit 312 ge­gen 258 Stimmen. Der Ministerpräsi­dent beantragt, über den zweiten Teil der Tagesordnung abzustimmen.

Gegen Mitternacht wird das Ergebnis der zweiten Abstimmung durch den Präsidenten bekannt gegeben: Der ursprüngliche Wort­laut der Tagesordnung Largier ist gemäß dem Wunsche der Regierung mit 309 gegen 258 Stimmen, also mit 51 Stimmen Mehr? cheit, angenommen. Die gesamte Tagesord­nung Largier wird dann durch Handaufheben gebilligt. Die Regierung Laval hat also «ndgülti g gesiegt. Die Kammer ver­tage sich darauf auf Montagnachmittag zur Beratung einiger weniger wichtiger Gesetzent­würfe.

Am Dienstagvormittag wird die Budget- beratung wieder ausgenommen.

danken habe, die man ihm in der Kammer entgegenbringt. Die Abstimmung spiegele m ^ner Weise die Auffassung der Kammer über das Regierungsprogramm wieder. Der sozialistischePopulaire" versucht den Sieg der Regierung dadurch zu schmälern, daß er betaut, es gebe Siege, die schmerzlicher seien als die schwerste Niederlage.Die so­zialistischen Parteien haben den Kampf unter günstigen Bedingungen ausgenommen und werden ihn in derselben Weise sortsetzen".

Warschau, 30. Ian. Wie hier ver­lautet, ist heute vormittag boi Wöll­stein in Pose« ein deutsches Verkehrs­flugzeug, das von Schneidemühl nach Breslau unterwegs war» notgelandet. Die Maschine war nur mit dem Piloten namens Hans Eruze besetzt. Wie es heißt, haben die polnischen Behörden die Maschine bis auf weiteres beschlagnahmt

28 Bergleute getötet

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Der siegreiche Ausgang der Freitagsaus­sprache in der Kammer ist für niemanden un­erwartet gekommen, wenn man auch nicht ge­glaubt hatte, daß die Regierung bereits beim ersten Male eine so große Mehrheit auf sich vereinigen würde. Die Rechtspresse hebt her­vor, daß wieder einmal der Beweis geliefert sei, daß immer eine Mehrheit in der Kam­mer bestehe, nämlich diejenige für Poincare, Briand und Tardieu. Laval sei unter einem günstigen Stern gestartet, denn er verfügte über eine Mehrheit ,die nicht durch eine drei­jährige Regierungstätigkeit abgenutzt sei.

DerPetit P a r i s i e n" unterstreicht ebenfalls, daß niemand einen derartigen Sieg der Regierung erwartet hatte. Das Blatt weist außerdem auf die Antwort Lavals auf die Frage des AbgeordnetenErumbach hin, in der sich der Ministerpräsident als Anhän­ger einer allgemeinen Amnestie erklärte. Das Journal" erkennt den politischen Sieg Lavals an, der sich dank der günstigen Ab­stimmung nunmehr ernsten politischen Fra­gen zuwenden könne.

Die Linkspresse gibt zum Teil selbst die Geschicklichkeit des neuen Ministerpräsidenten zu. So schreibt dieE r e R o u v e I l e", daß fich der ehemalige Arbeitsminister einer sehr schweren Aufgabe vorzüglich entledigt habe, indem er eine Mehrheit von 54 Stimmen auf sich vereinigte. DieRepublique" sieht darin nur einen Manöoererfolg, den er kedigkch den persönlichen Sympathien zu oer­

Whitehaoe«. 30. Ja», der Tote» bei dem Bergwerksunglück wird amtlich auf 28 angegeben. 18 Leichen wurden bis jetzt zutage gefördert, viele von ihnen sind ganz verkohlt. Unter den zwölf Bergleuten, die im Krankenhanse liegen, befinden sich nur zwei in Lebens­gefahr. Am Eingang des Schachtes spal­ten fich tragische Szenen ab. Die Retter,

wahrem Heldenmut in Vie Grube hinunterstiegen, sahen sich vielfach durch ansströmende Gase in ihre« Bemühungen gehindert. Mehrere in der Nähe der Ex- plofionsstell» beschäftigte- Arbeiter eilten sofort ihren Kamerade» zu Hilfe. Ihrer Tapferkeit ist es zu verdanken, daß die Zahl der Todesopfer nicht größer gewesen ist.

Die Zahl i die mit

Das Ende eines Kriegshelden

Santiago de Chile, 30. Zan. Der ehemalige deutsche Kriegsflieger Kapitän Günther Plüschow und sei» Mecha­niker haben i» der Nähe von Natales (?) bei einem Flugzeugunglück den Tod ge­funden. Das Flugzeug erlitt in der Luft Havarie und stürzte ab. Die beiden Flie­ger waren auf eine, Forschungsreise tn bisher unerforschtem argentinisch-chileni­schen Grenzgebiet begriffen.

Der tödliche Absturz Eünhter Plüschows und seines Mechanikers bei Feuerland er­folgte bei dem See Rico, der auf dem Argentinien gehörenden Teil von Feuerland liegt. Das Flugzeug wurde völlig zerstört.

Der deutsche Flieger Plüschow hatte letz­ten Dezember über seine Flüge i» Süd- Patagonien berichtet, wo er nament­lich die Gegend zwischen dem Lago Argen­tino und den Medma-See« erforschte, dke seiner Schilderung nach ein von allen Sei­ten von zahlreichen Gletschern eingeschlos­senes Hochgebirge darstelle.

Kapitänleutnant a. D. Günther Plü­schow ist während des Krieges als der Flieger von Tsingtau" bekannt geworden. Er führte das einzige Flug­zeug, das de deutsche Tsingtau-Mann­schaft besaß, und entzog sich mit diesem durch einen abenteuerlichen Flug der Ge­fangennahme durch die Japaner.

und den Flugzeugführer unter Aufsicht ge­stellt.

Die polnische Telegraphen-Agentur bringt diese Meldung, ohne hervorzu, habe», daß es sich »m ein Zivilluftfahr­zeug handelt «nd fügt hinzu, es sei anzu­nehmen, daß die Behörde« ihr Verhalte« dem deutschen Flieger gege«Lber von dem Urteil, das am morgige« Sonnabend gegen die polnischen Flieger in Oppeln ge­fällt wird, abhängig machen werden.

Die Posener Morgenpresse berichtet über die Notlandung des deutschen Flug­zeuges, daß sie etwa 1 Kilometer von der Grenze entfernt auf polnischem Gebiet in der Nähe von Wollstein erfolgte, und daß das Flugzeug in einer Höhe von 1000 Metern wegen einer Dergaferstörung niedergegangen und leicht beschädigt wor­den sei.

Die polnische Presse ist beinahe außer sich vor Freude darüber, daß gerade am Vortag des Prozesses gegen die polnischen Militärflieger in Oppeln ein deutscher Flieger auf polnischem Gebiet notlandete. Das maßgebende RegierungsblattE a - z e t a P o l s k a" will schon wissen, daß der deutsche Flieger Gruze Mitglied des Stahlhelms (!!) sei. Seine Freude über die Notlandung bekundet das polnische Blatt schon in der lleberschrist Das Recht der Vergeltung".

Der regierungsfreundlicheExpreß Poranny erklärtvom Himmel fiel das Argument für Polen als Hilfe für die gefangenen polnischen Flieger in Op-

Eruze wurde den polnischen Gerichtsbe­hörden übergeben. Sein Flugzeug, dessen Flügel bei der Landung leicht beschädigt wurde, ist beschlagnahmt worden. Expreß Poranny" erklärt, der bei dem Flieger gefundene photographische Appa­rat berechtigt zu der Annahme, daß das Ueberfliegen polnischen Gebietes nicht un­absichtlich gewesen sei. Eruze sei Re­serveoffizier (!) und Mitglied eines Flugpostvereins. Sein zweisitziges Flug­zeug könne sehr leicht als Militär­flugzeug umgebaut (!) werden.

Zu der Festnahme des deutschen Flie­gers Eruze, der bei Wallst ein, süd­westlich von Posen, notlanden mußte, schreibt derVor wärts":Zwischen der Notlandung polnischer Flieger bei Op­peln und diesem Ereignis bestehen sehr wesentliche Unterschiede. Die Polen sind Militärflieger, während Eruze ein Verkehrsflugzeug steuerte. Militärfliegern ist verboten, ohne beson­dere Erlaubnis über deutsches Reichsge­biet zu fliegen, dagegen besteht ein deutsch- polnisches Lustfahrtabkommen, daß die grenznahen Verkehrslinien aufzählt und Straflosigkeit unabsichtlicher und notgedrungener Luftgrenzverletzungen ver­bürgt. Schon die Festhaltung des deut­schen Piloten und seiner Maschine ist nicht Recht, sondern Gewalt." Auch dieBör­senzeitung" weist darauf hin, daß es sich um ein Privatflugzeug handelt. Zu der Aeußerung der Agentur Preß, daß die polnischen, Behörden ihr Verhalten gegen den deutschen Flieger von dem Urteil gegen die polnischen Flieger in Oppeln ab­hängig machen würden, schreibt das Blatt, diese offene Drohung muß aber»