Milas, »rn M. Samar Ml
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Nr.25 SS.Mrg.
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Frankreichs Goldreichtum
Schweres Grubenunglück in England - Churchill aus der konservativen ParlamentsfraMon ausgetreten
53,5 Milliarden in Gold
Das Indien-Problem
Paris, 29. Jan. Vor der Generalversammlung der Aktionäre der Bank von Frankreich hat der Gouverneur Morel heute den Jahresbericht erstattet. Er wies zunächst darauf hin, daß die Goldbestände vom 21. Februar 1930, dem Tage des Abschlusses der vorletzten Bilanz von 42 960 Millionen auf 53Vs Milliarden am 24. Dezember J930, dem Tage des Abschlusses der jetzt vorliegenden Bilanz, gestiegen sind, wodurch die Golddeckung der französischen San!« noten jetzt mit 53 Prozent zu veranschlagen ist. Die Anziehungskraft, die der französische Markt auf die Kapitalien der Welt im Jahre 1930 ausgeübt habe, führte Moret auf die Ausbreitung der Weltwirtschaftskrise, die von einer Verminderung der Kreditansprüche der ausländischen Plätze begleitet sei, zurück. Moret sprach alsdann von den internationalen Operationen, die die französischen Emissionsbank zu erfüllen hätte, und erklärte, wenn sich die gegenwärtigen Bedingungen gebessert haben werden, unterliege es keinem Zweifel, daß ausländische Anleihen im großen Ausmaße in Frankreich aufgelegt werden würden. Wenn man französischerseits alle wünschenswerten Garantien sicherstelle, dann liege es im Interesse des Pariser Marktes und sei auch Pflicht des Pariser Marktes, den Kapitalanfordcrungen, die vom Auslande an ihn gerichtet würden, zu entsprechen, um die Produktion und den Warenaustausch mit dem Auslande zu fördern. So müsse man gegenwärtig insbesondere langfristige Ausländsanleihen erleichtern, wie sie auch vor dem Kriege den normalen Absatzmarkt für das überschüssige französische Kapital bildeten. Moret betonte, die Bank -von Frankreich wolle die herzlichen Beziehungen zu den Emissionsbanken aller anderen Staaten ausbauen und noch enger gestalten, und daher begrüße sie insbesondere die Gründung der internationalen Zahlungsbank, die den Leitern >er Emissionsbanken die Gelegenheit gebe, sich häufig und regelmäßig zu fruchtbarer Arbeit zu treffen.
Nachdem der Gouverneur der Bank von Frankreich dann aus die Entwicklung der Dährungs- und Finanzlage Frankreichs während des abgelaufenen Jahres einqegangen war und dabei auch die Hilfe der Bank von Frankreich bei der Flottmachung von in Schw'erigke'ten geratenen französischen P.ivat- banken erwähnt hatte, heschäftigte er sich mit dem Notenumlauf, der von 67 769 Millionen am 24. Dezember 1929 auf 76155 Millionen gestiegen sei
Stillegungsverhandlungen bei den Bereinigten Stahlwerken.
Hamm. 30. Jan Die Abteilung Westfälische Union der Vereinigten Stahlwerke in Hamm hatte bei der Regierung 'n Arnsberg einen Antrag auf teilweise Stillegung ihrer Betriebe gestellt. Bei den gestrigen Still- leaunasverbandlungen begründeten die Direktoren des Werkes den Antrag damit daß die Beschäftigung stark zurückgegangen sei, da der Jnlandsmarkt nicht kaufkräftig genug sei und die Exportpreise erheblich zurückgegangen seien. Die Zahl der zur Entlastung Kommenden solle nicht über 300 betragen. Eine verkürzte Arbeitszeit sei bereits in allen Betriebsabteilungen. mit Ausnahme der Saison- betricbe. eingeführt.
Die Sperrfrist für die Betriebseinschrän- kung wurde auf den 18. Februar festgesetzt.
70,50 Mark pro Arbeitslosen.
Der Berwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat den Haushalt für das am 1. April beginnende neue Geschäftsjahr verabschiedet. Die Einnahmen bei 61/2 Prozent Beitrag werden auf 1680 Millionen geschätzt, 1478 Millionen davon werden allein für die Arbeitslosenunterstützung bereitgestellt. Der durchschnittliche monatliche Aufwand auf den
Kopf des Arbeitslosen wird mit 70,50 <M. geschätzt (gegenüber 80 Mark vor den Let- stungsabstrichen durch die Reform, fo dah 1,750 Millionen Hauptunterstützungsempfänger im Jahresdurchschnitt unterstützt werden können. Für Kopfarbeiter sind 45 Millionen (gegenüber 40 Mill, in Vorjahre) angefetzt.
fk. London, 30. Za«. Die gegenwärtig zwischen Churchill und Bald- w t n bestehenden Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich de, gegenüber Indien za verfolgenden Politik haben Churchill veranlaßt, dem früheren Ministerpräsidenten einen Bries zu schreiben, i« dem er
Opfer der „Todesgrube"
fk. Loudon, 30. Jan. Donnerstag spät abends ereignete sich auf der Haig- grübe der Kohlengruben-Gesellschaft Whitehaven in der Grafschaft Cumberland (Schottland) ei« furchtbare» C x - p l o s i o « s u n g l L ck.' Man befürchtet, daß 40 Bergleute den Tod gefunden habe«.
Die Explosion erfolgte im dritten Nordbezirk, ganz nahe der Stelle, an der schon vor drei Jahren eine Explosion stattgefunden hat, bei der 13 Bergarbeiter ihr Leben einbüßten. Die Explosion war jo heftig, dah eine Ziegelsteinmauer-Verschanzung fortgeristen wurde, die den Herd der früheren Explosion von dem jetzigen abtrennte. Aerzte, Pflegerinnen und Sanitätspersonal eilten sofort zur Unglücksstelle. Innerhalb einer halben Stunve hatten sich über 2000 Menschen vor dem Eingangstor der Grube versammelt, darunter viele Frauen und Kinder. Ein Arzt, der einfuhr, konnte wegen großer Easmengen nicht big zur llnglücksstelle vordringen. Es wurden daraufhin besonders ausgerüstete Hilfskolonnen sowohl in
die Haiggrube als auch in die Wellingtongrube gesandt, von der ebenfalls der Zutritt zur Unglücksstätte möglich ist.
Bisher sind 8 Leichen aus der „Todesgrube" von Whitehaven geborgen worden. Viele verletzte Bergleute sind bereits in die Hospitäler eingeliefert worden. Zur Zeit des Unglücks arbeiteten in dem Bergwerk 200 Mann.
Das Unglück ereignete sich gerade i« dem Augenblick des Schichtwechsels.
Die Rettungsarbeiten gestalteten sich äußert schwierig. Man befürchtet, dah die Rettungsmannschaften nicht mehr rechtzeitig zu den Verunglückten kommen können, um sie noch lebend zu bergen.
fk. London, 30. Jan. Auf der von einer Schlagwetterkatastrophe betroffenen Haiggrube bei Whitehaven (Grafschaft Cumberland) wurden bisher zehn Leichen geborgen. Rach den letzten Meldungen werden noch 16 Bergleute v e r m i h t. Die der Unglücksgrube benachbarte Wellingtongrube wurde nach der Explosion von Gasen überflutet. 32 dort tätige Bergleute erlitten teils schwere, teils leichte Gasvergiftungen.
Hugenbergs Parole für 1931
Gelegentlich einer Reichsgründungsfeier der DeutschnationalenVolksp artet im Sportpalast hielt der Parteivorsitzende Geheimrat Hilgenberg eine programmatische Rede, in der er „Die Parolen für 1931“ ausgab. Der Redner führte u. a. aus: Im Frühjahr 1932 ist verfassungmäßig ein neuer Preußischer Landtag zu wählen. Im Frühjahr 1932 ist auch ein neuer Reichspräsident zu wählen. Das ist der Entscheidungskampf. Das ist unsere erste Parole für 1931. Wir verlangen jedoch, daß der veränderten Dolksstimmung Rechnung getragen und daß der Preußische Landtag aufgelöst und neu gewählt wird. Das ist unsere zweite Parole für 1931. Denn, was ist das Ballspielen zwischen Sozialdemokratie und Zentrum anders als eine verkappte Große Koalition? Wir rufen schon heute laut und öffentlich den von uns gewählten Reichspräsidenten an, der überS Jahr vor dem Ende seines Amtes steht: Möge er auf der Hut sein, nicht in das Gegenteil von dem hineingezogen zu werden, was er will, in die geschichtliche Berantwortung für einen neuen Staatsstreich, für einen Staatsstreich in Preußen, dem die Reichswehr Gewehr bei Fuß gegenübersteht wie 1918 das alte Heer der roten Matrosenrevolution! Je länger man die Landtagswahl verschiebt, umsomehr steigt im Herzen des deutschen Dolles das Barometer auf
Sturm. Das neue Reich, für das wir kämpfen, steht klar vor unseren Augen. ES ist Bismarcks Reich und doch ein ganz anderes Reich. Bis zur Helfferich- Mark zerstampfte und zerfledderte uns die Inflation, das Ergebnis marxistischer Wahnsinnspolillk. Heute kommt das Gespenst von der anderen Seite her. Man nennt es Deflation. Sie ist im Grunde 'noch schlimmer. Sie ist gleichfalls das Ergebnis marxistischer Wahnsinnspolitik. Sie vernichtet eine wirtschaftliche Existenz nach der anderen. Sie macht Millionen arbeitslos. Die Ausnahme ausländischer Anleihen — jetzt spricht man sogar von großen Anleihen bei unserem erbittertsten Feinde Frankreich — verschleiert nur diese Entwicklung. Fremde Anleihen sind neue Schlingen um unseren Hals. Es ist alles so gekommen, wie ich es in Kassel im Herbst 1929 fürchtete und ankündete. Cs gibt einen Weg, der unser Doll aus dem Elend herausführen kann; nur die nationale Opposition kann ihn weisen und gehen. Kurz könnte man ihn mit dem Sorte bezeichnen: Zurück zur Helfferich-Mark! Wir werden denen, die guten Willens sind, den gesetz- und vertragsmäßigen Ausweg auch ans solchen selbst gelegten Schlingen zeigen, mögen die heute Derantwoüichen nur er ft einmal abtreten und uns ihren Platz einräumen. Die wirtschafts- politischeRettung unseres Dol- kes, das ist die dritte Parole für 1931.
ihm mitteilt, daß er i« Zukunst nicht mehr an den Sitzungen des „Schattenkabinetts der Konservativen Partei" teilnehmen will. Ex hoffe, daß die ehrliche« Gegensätze in Frage« der Jndienpolitik nicht die Gefühle der Freundschaft boein- flnsien würden, die zwischen ihm und Baldwin in de« letzte« sechs Jahren entstanden seien.
Churchill verspricht dem Parteiführer, ihn auch weiterhin im Kampfe gegen die sozialistische Regierung zu unterstützen. Er werde sein äußerstes tun, um bei den allgemeinen Wahlen die Niederlage der Arbeiterpartei herbeizuführen. In seiner Antwort bedauert Baldwin die Entscheidung Churchills, ist aber überzeugt, daß dieser Entschluß ' unter den obwaltenden Umständen der richtige ist. Er freue sich, daß Churchill an dem gemeinsamen Ziele mitarbeite, die Niederlage der Regierung herbeizuführen.
Der Driefwchsel zwischen Churchill und Baldwin ist eine innervolitische Sensation ersten Ranges, wenn man auch nach den Vorfällen wäbrend der Jndienausivrache auf derartige Möglichkeiten nicht ganz unvorbereitet war. Churchill beabsickttgt von jetzt ab während der nächsten Wochen im ganzen Lande eine Anzahl Reden zu halten, in deren er gegen die von der englischen Indien-Konferenz gefaßten Beschlüsse polemisiert. Hierbei findet er die volle Unterstützung der Presse des Lord Rothermere. In konservativen Kreisen bedauert man das Vorkommnis natürlich sehr, und man hätte lieber gesehen, daß die Gegensätze zwischen Churchill und Baldwin totgeschwiegen worden wären. Churchill verbleibt zunächst Mitglied der Konservativen Partei. Auch wird er seinen Sitz in der vordersten Bank im Unterhaus beibehalten, da er traditionsgemäß für ehemalige Minister der Opposition reserviert ist.
Die Vorgänge haben natürlich eine ganze Reihe von Gerüchten in Umlauf gesetzt, da man noch nicht weiß, welche tieferen Absichten dem Verhalten Churchills zugrunde liegen. Man glaubt, daß Churchill mit dem Gedanken der „Nationalen Regierung" liebäugele, die sich aus Vertretern der verschiedenen Parteien zusam- mensetzen und den dringenden Gegenwartsfragen wie der Arbeitslosigkeit zu Leibe gehen soll. Einzelne vermuten wieder eine Annäherung Churchills an die Eedankengänge Lord Beaverbroocks. Viele glauben an die Vermutung, daß Churchill einen Pakt mit Mosley eingehen will, der bekanntlich die Diktatur des Fünf- Männer-Kollegiums fordert, oder daß er ein Interesse an der neuerwachten faschistischen Bewegung in England genommen habe. Sicher steht zur Zeit wohl nur fest, daß Churchill sich eine größere Handlungsfreiheit sichern will, als diese ihm möglich war, solange er dem Schattenkabinett der Konservativen angehörte. Hierunter versteht man die Versammlung der Minister der ehemaligen Konservativen Regierung, wie sich erst neuerdings der Geschäftsausschuß der Par« tei nannte.