Einzelbild herunterladen
 

Milas, »rn M. Samar Ml

»le .Sberhessische Zeitung' « scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 .20@9R.on4- schließt. Zusiellungsgebübr, durch die Post 2.45 GM Für etwa durch Streik. Maschtnendefekt oder ele­mentare Errigntffe ausfallend» -kümmern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag. Dr. 5 -ttzervtb» Dru<k der Untv-Ducbdruckerei Zoh Ang. Roch. Mark, 21/23. Fernsprecher: Nr 54 und Nr. 5S. Postscheckkonto: Am« Frankfurt <l M. Nr. 5015. - Spreck>reit der Redaktion von 1011 >md

'/.I1 Uhr.

SbertMsche a/Ii|HA «* rammiMStt Z W7 I 1 83 eanww

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Nr.25 SS.Mrg.

Mardurs «.Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespalt. Zeilenmtlltmeter 0.08 @M sog. kleineAnzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 GM-, amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 SM. Bei schwierigem Satz sowie bet Platz- dvrschrtft 60*1. Aufschlag Sammelanzeigen 100*1, Auf­schlag. Rcklam.-Milltm 0.40 @M. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt

Ziel 5 Tag«.

Offerten:®« bfifcr: 25 Pftz. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Frankreichs Goldreichtum

Schweres Grubenunglück in England - Churchill aus der konservativen ParlamentsfraMon ausgetreten

53,5 Milliarden in Gold

Das Indien-Problem

Paris, 29. Jan. Vor der Generalver­sammlung der Aktionäre der Bank von Frankreich hat der Gouverneur Morel heute den Jahresbericht erstattet. Er wies zunächst darauf hin, daß die Goldbestände vom 21. Februar 1930, dem Tage des Ab­schlusses der vorletzten Bilanz von 42 960 Mil­lionen auf 53Vs Milliarden am 24. De­zember J930, dem Tage des Abschlusses der jetzt vorliegenden Bilanz, gestiegen sind, wo­durch die Golddeckung der französischen San!« noten jetzt mit 53 Prozent zu veranschlagen ist. Die Anziehungskraft, die der französische Markt auf die Kapitalien der Welt im Jahre 1930 ausgeübt habe, führte Moret auf die Ausbreitung der Weltwirtschaftskrise, die von einer Verminderung der Kreditansprüche der ausländischen Plätze begleitet sei, zurück. Moret sprach alsdann von den internationalen Operationen, die die französischen Emissions­bank zu erfüllen hätte, und erklärte, wenn sich die gegenwärtigen Bedingungen gebessert haben werden, unterliege es keinem Zweifel, daß ausländische Anleihen im großen Ausmaße in Frankreich aufgelegt werden würden. Wenn man französischerseits alle wünschenswerten Ga­rantien sicherstelle, dann liege es im Interesse des Pariser Marktes und sei auch Pflicht des Pariser Marktes, den Kapitalanfordcrungen, die vom Auslande an ihn gerichtet würden, zu entsprechen, um die Produktion und den Warenaustausch mit dem Auslande zu för­dern. So müsse man gegenwärtig insbe­sondere langfristige Ausländsanleihen er­leichtern, wie sie auch vor dem Kriege den normalen Absatzmarkt für das überschüssige französische Kapital bildeten. Moret be­tonte, die Bank -von Frankreich wolle die herzlichen Beziehungen zu den Emissions­banken aller anderen Staaten ausbauen und noch enger gestalten, und daher begrüße sie insbesondere die Gründung der internationa­len Zahlungsbank, die den Leitern >er Emissionsbanken die Gelegenheit gebe, sich häufig und regelmäßig zu fruchtbarer Ar­beit zu treffen.

Nachdem der Gouverneur der Bank von Frankreich dann aus die Entwicklung der Dährungs- und Finanzlage Frankreichs wäh­rend des abgelaufenen Jahres einqegangen war und dabei auch die Hilfe der Bank von Frankreich bei der Flottmachung von in Schw'erigke'ten geratenen französischen P.ivat- banken erwähnt hatte, heschäftigte er sich mit dem Notenumlauf, der von 67 769 Mil­lionen am 24. Dezember 1929 auf 76155 Millionen gestiegen sei

Stillegungsverhandlungen bei den Ber­einigten Stahlwerken.

Hamm. 30. Jan Die Abteilung West­fälische Union der Vereinigten Stahlwerke in Hamm hatte bei der Regierung 'n Arnsberg einen Antrag auf teilweise Stillegung ihrer Betriebe gestellt. Bei den gestrigen Still- leaunasverbandlungen begründeten die Direk­toren des Werkes den Antrag damit daß die Beschäftigung stark zurückgegangen sei, da der Jnlandsmarkt nicht kaufkräftig genug sei und die Exportpreise erheblich zurückgegangen seien. Die Zahl der zur Entlastung Kommen­den solle nicht über 300 betragen. Eine ver­kürzte Arbeitszeit sei bereits in allen Be­triebsabteilungen. mit Ausnahme der Saison- betricbe. eingeführt.

Die Sperrfrist für die Betriebseinschrän- kung wurde auf den 18. Februar festgesetzt.

70,50 Mark pro Arbeitslosen.

Der Berwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen­versicherung hat den Haushalt für das am 1. April beginnende neue Geschäfts­jahr verabschiedet. Die Einnahmen bei 61/2 Prozent Beitrag werden auf 1680 Millionen geschätzt, 1478 Millionen da­von werden allein für die Arbeitslosen­unterstützung bereitgestellt. Der durch­schnittliche monatliche Aufwand auf den

Kopf des Arbeitslosen wird mit 70,50 <M. geschätzt (gegenüber 80 Mark vor den Let- stungsabstrichen durch die Reform, fo dah 1,750 Millionen Hauptunterstützungsemp­fänger im Jahresdurchschnitt unterstützt werden können. Für Kopfarbeiter sind 45 Millionen (gegenüber 40 Mill, in Vor­jahre) angefetzt.

fk. London, 30. Za«. Die gegen­wärtig zwischen Churchill und Bald- w t n bestehenden Meinungsverschieden­heiten hinsichtlich de, gegenüber Indien za verfolgenden Politik haben Churchill veranlaßt, dem früheren Ministerpräsiden­ten einen Bries zu schreiben, i« dem er

Opfer derTodesgrube"

fk. Loudon, 30. Jan. Donnerstag spät abends ereignete sich auf der Haig- grübe der Kohlengruben-Gesellschaft Whitehaven in der Grafschaft Cum­berland (Schottland) ei« furchtbare» C x - p l o s i o « s u n g l L ck.' Man befürchtet, daß 40 Bergleute den Tod gefun­den habe«.

Die Explosion erfolgte im dritten Nord­bezirk, ganz nahe der Stelle, an der schon vor drei Jahren eine Explosion stattge­funden hat, bei der 13 Bergarbeiter ihr Leben einbüßten. Die Explosion war jo heftig, dah eine Ziegelsteinmauer-Ver­schanzung fortgeristen wurde, die den Herd der früheren Explosion von dem jetzigen abtrennte. Aerzte, Pflegerinnen und Sa­nitätspersonal eilten sofort zur Unglücks­stelle. Innerhalb einer halben Stunve hatten sich über 2000 Menschen vor dem Eingangstor der Grube versammelt, darunter viele Frauen und Kinder. Ein Arzt, der einfuhr, konnte wegen großer Easmengen nicht big zur llnglücksstelle vordringen. Es wurden daraufhin beson­ders ausgerüstete Hilfskolonnen sowohl in

die Haiggrube als auch in die Wellington­grube gesandt, von der ebenfalls der Zu­tritt zur Unglücksstätte möglich ist.

Bisher sind 8 Leichen aus der Todesgrube" von Whitehaven geborgen worden. Viele verletzte Bergleute sind bereits in die Hospitäler eingeliefert wor­den. Zur Zeit des Unglücks arbeiteten in dem Bergwerk 200 Mann.

Das Unglück ereignete sich gerade i« dem Augenblick des Schichtwechsels.

Die Rettungsarbeiten gestalteten sich äußert schwierig. Man befürchtet, dah die Rettungsmannschaften nicht mehr recht­zeitig zu den Verunglückten kommen kön­nen, um sie noch lebend zu bergen.

fk. London, 30. Jan. Auf der von einer Schlagwetterkatastrophe betroffenen Haiggrube bei Whitehaven (Grafschaft Cumberland) wurden bisher zehn Leichen geborgen. Rach den letzten Meldungen werden noch 16 Bergleute v e r m i h t. Die der Unglücksgrube be­nachbarte Wellingtongrube wurde nach der Explosion von Gasen überflutet. 32 dort tätige Bergleute erlitten teils schwere, teils leichte Gasvergiftungen.

Hugenbergs Parole für 1931

Gelegentlich einer Reichsgründungsfeier der DeutschnationalenVolksp ar­tet im Sportpalast hielt der Parteivor­sitzende Geheimrat Hilgenberg eine programmatische Rede, in der erDie Parolen für 1931 ausgab. Der Redner führte u. a. aus: Im Frühjahr 1932 ist verfassungmäßig ein neuer Preußi­scher Landtag zu wählen. Im Früh­jahr 1932 ist auch ein neuer Reichs­präsident zu wählen. Das ist der Entscheidungskampf. Das ist unsere erste Parole für 1931. Wir verlangen jedoch, daß der veränderten Dolksstimmung Rech­nung getragen und daß der Preußische Landtag aufgelöst und neu gewählt wird. Das ist unsere zweite Parole für 1931. Denn, was ist das Ballspielen zwischen Sozialdemokratie und Zentrum anders als eine verkappte Große Koali­tion? Wir rufen schon heute laut und öffentlich den von uns gewählten Reichspräsidenten an, der überS Jahr vor dem Ende seines Amtes steht: Möge er auf der Hut sein, nicht in das Gegenteil von dem hineingezogen zu wer­den, was er will, in die geschichtliche Berantwortung für einen neuen Staatsstreich, für einen Staatsstreich in Preußen, dem die Reichswehr Gewehr bei Fuß gegenübersteht wie 1918 das alte Heer der roten Matrosenrevolution! Je länger man die Landtagswahl ver­schiebt, umsomehr steigt im Herzen des deutschen Dolles das Barometer auf

Sturm. Das neue Reich, für das wir kämpfen, steht klar vor unseren Augen. ES ist Bismarcks Reich und doch ein ganz anderes Reich. Bis zur Helfferich- Mark zerstampfte und zerfledderte uns die Inflation, das Ergebnis marxistischer Wahnsinnspolillk. Heute kommt das Ge­spenst von der anderen Seite her. Man nennt es Deflation. Sie ist im Grunde 'noch schlimmer. Sie ist gleichfalls das Ergebnis marxistischer Wahn­sinnspolitik. Sie vernichtet eine wirtschaftliche Existenz nach der anderen. Sie macht Millionen arbeitslos. Die Aus­nahme ausländischer Anleihen jetzt spricht man sogar von großen Anleihen bei unserem erbittertsten Feinde Frank­reich verschleiert nur diese Entwicklung. Fremde Anleihen sind neue Schlingen um unseren Hals. Es ist alles so gekommen, wie ich es in Kassel im Herbst 1929 fürchtete und ankündete. Cs gibt einen Weg, der unser Doll aus dem Elend her­ausführen kann; nur die nationale Oppo­sition kann ihn weisen und gehen. Kurz könnte man ihn mit dem Sorte bezeichnen: Zurück zur Helfferich-Mark! Wir werden denen, die guten Willens sind, den gesetz- und vertragsmäßigen Ausweg auch ans solchen selbst gelegten Schlingen zei­gen, mögen die heute Derantwoüichen nur er ft einmal abtreten und uns ihren Platz einräumen. Die wirtschafts- politischeRettung unseres Dol- kes, das ist die dritte Parole für 1931.

ihm mitteilt, daß er i« Zukunst nicht mehr an den Sitzungen des Schattenkabinetts der Kon­servativen Partei" teilneh­men will. Ex hoffe, daß die ehrliche« Gegensätze in Frage« der Jndienpolitik nicht die Gefühle der Freundschaft boein- flnsien würden, die zwischen ihm und Baldwin in de« letzte« sechs Jahren ent­standen seien.

Churchill verspricht dem Parteiführer, ihn auch weiterhin im Kampfe gegen die sozialistische Regierung zu unterstützen. Er werde sein äußerstes tun, um bei den all­gemeinen Wahlen die Niederlage der Ar­beiterpartei herbeizuführen. In seiner Antwort bedauert Baldwin die Entschei­dung Churchills, ist aber überzeugt, daß dieser Entschluß ' unter den obwaltenden Umständen der richtige ist. Er freue sich, daß Churchill an dem gemeinsamen Ziele mitarbeite, die Niederlage der Regierung herbeizuführen.

Der Driefwchsel zwischen Churchill und Baldwin ist eine innervolitische Sensation ersten Ranges, wenn man auch nach den Vorfällen wäbrend der Jndienausivrache auf derartige Möglichkeiten nicht ganz un­vorbereitet war. Churchill beabsickttgt von jetzt ab während der nächsten Wochen im ganzen Lande eine Anzahl Reden zu halten, in deren er gegen die von der eng­lischen Indien-Konferenz gefaßten Be­schlüsse polemisiert. Hierbei findet er die volle Unterstützung der Presse des Lord Rothermere. In konservativen Kreisen bedauert man das Vorkommnis natürlich sehr, und man hätte lieber gesehen, daß die Gegensätze zwischen Churchill und Baldwin totgeschwiegen worden wären. Churchill verbleibt zunächst Mitglied der Konservativen Partei. Auch wird er seinen Sitz in der vordersten Bank im Unterhaus beibehalten, da er traditions­gemäß für ehemalige Minister der Oppo­sition reserviert ist.

Die Vorgänge haben natürlich eine ganze Reihe von Gerüchten in Umlauf ge­setzt, da man noch nicht weiß, welche tie­feren Absichten dem Verhalten Churchills zugrunde liegen. Man glaubt, daß Chur­chill mit dem Gedanken derNationalen Regierung" liebäugele, die sich aus Ver­tretern der verschiedenen Parteien zusam- mensetzen und den dringenden Gegen­wartsfragen wie der Arbeitslosigkeit zu Leibe gehen soll. Einzelne vermuten wie­der eine Annäherung Churchills an die Eedankengänge Lord Beaverbroocks. Viele glauben an die Vermutung, daß Churchill einen Pakt mit Mosley eingehen will, der bekanntlich die Diktatur des Fünf- Männer-Kollegiums fordert, oder daß er ein Interesse an der neuerwachten faschistischen Bewegung in Eng­land genommen habe. Sicher steht zur Zeit wohl nur fest, daß Churchill sich eine größere Handlungsfreiheit sichern will, als diese ihm möglich war, solange er dem Schattenkabinett der Konservativen ange­hörte. Hierunter versteht man die Ver­sammlung der Minister der ehemaligen Konservativen Regierung, wie sich erst neuerdings der Geschäftsausschuß der Par« tei nannte.