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Steftofl, den LSaaiMMl

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ÄbechMche

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Overhefse«

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Arberger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Sturz der französischen Regierung

Trauerspiel in Genf Die Aussprache über Oberschlesien vertagt Abrüstungskonferenz im Januar 1932

Nun doch Poincare?

Politische Schlägerei

Wieder ein Zwischenkredit!

Die Krise in Frankreich

Paris. 22. Jan. Die französische Re- gieraag ist gestern abend in der Kammer bei der Avstimmnng über die Priorität mit 293 gegen 283 Stimme« itt der Min­derheit gstblieben und daraufhin zurück.

Entgegen anderslautenden Meldungen stellt dieT. U." fest, dass die Verhandlun­gen des Reiches mit einem ausländischen Bankenkonsortium über die Gewährung eines Zwischenkredits noch nicht zum Ab- schluh gekommen sind. Jedoch ist es zu er­warten, dah die Verhandlungen in Kürze zum Abschluß führen werden. Es handelt sich «m eine« Zwischenkredit in Höhe von rund 3540 Millionen Dollar, den ein Bankenkonsortium unter Führung der amerikanischen Firma Lee Higginson u. Co. auf dem Wege über die Rsichsversiche- rungsanstalt dem Reich als Beleihung der

200 Millionen Mark Vorzugsaktien der Reichsbahn zur Verfügung stellen soll. Die 200 Millionen Mark Vorzugsaktien waren bekanntlich vom Reich an die Reichsver­sicherungsanstalt vor kurzem an Zahlungs­statt abgetreten worden. Die Verhand­lungen zwischen Lee Higginson u. Co. und dem Reich liefen über die Parissr Filiale der Firma. Die Pariser Herren haben Berlin am Mittwoch wieder verlassen, nachdem die Verhandlungen recht weit­gehend gefördert worden waren. Damit kläre« sich auch die Gerüchte über deutsche Anleiheverhandlungen in Paris auf.

mit hinein gerissen habe. DerPopu- l a i r e" macht den Kommunisten die bit­tersten Vorwürfe, weil sie für die wohl­wollende Neutralität der Regierung bei der Abstimmung über die Haftentlassung rhrer beiden Kollegen in heimtückischer Weise gedankt hätten. Für die Zukunft stellt das Blatt keine Prognose, hält aber eine Regierung Tardieu ebenso für un­möglich wie eine solche, deren unsichtbarer Geist Tardieu sei. Vielleicht, so betont das Blatt, rückt die Auflösung der Kammer sehr nahe.

Allgemein wird anerkannt, dah die Lö­sung der Krise rasch erfolgen muh, an­gesichts der Notwendigkeit einer baldigen Verabschiedung des Budgets und der Ver­abschiedung des Wirtschastsreformplanes, durch den man die beginnende Wirtschafts­krise, wenn nicht zu lösen, so doch zu mil­dern hofft.M atin" schreibt, das Ab­stimmungsergebnis lasse die Tür für einen Versuch zur Konzentration offen, die na­türlich leichter gewesen wäre, wenn die llebergangsregierung Steeg länger am Ruder geblieben wäre, die aber unerläss­lich erscheine, wenn man sich nicht dem Ri­siko aussetzen wolle, das Parlament auf­zulösen.

Berlin, 22. Ian. Die Nationalsozia­listen hatten heute zu einer Versammlung ge­laden, in der sie, wie die Plakate ankündig­ten, dieverbündeten marxistischen Mord­hetzer vom Reichsbanner und Rotfront an­prangern" wollten. Während das Reichs­banner eine Beteiligung an der Diskussion abgelehnt hatte, hatten die Kommuni st en der Einladung in grosser Zahl Folge geleistet. Schon um 7.30 Uhr wurde der Saal w e - gen Ueberfüllung polizeilich ge­schlossen. Von Anfang der Versammlung an herrschte Eewitterstsinmung. Ehe der erste Redner gesprochen hatte, kam es schon zu Zwischenrufen und Lärmkundgebungen. Nach dem zweiten Redner, Dr. Meins- Hausen, erhielt nach einer Pause der kom­munistische Reichstagsabgeordnete Ullbrich 45 Minuten lang das Wort. Er beschränkte sich in seiner Rede auf wüste Attacken gegen die Nationalsozialisten. Während der Rede llllbrichs kam es immer wieder zu minuten­langen Lärmkundgebungen und Pfeifen.

Zwischenfall in der französische« Kammer.

Während der Sitzungspause, i« der die Abstimmung vorgenommen wurde, kam es in den Wandelgängen der Kammer zu einem Zwischenfall. Der Abg. de Tef- s a n begegnete durch Zufall dem Direktor einer politischen Wochenzeitschrift und warf ihm in sehr heftigen Ausdrücken vor, dass er in seiner Zeitschrift Mitteilungen über das Privatleben verschiedener Par­lamentarier gemacht und deren Familien damit beleidigt habe. Es kam zwischen dem Abgeordneten und dem Direktor der Zeitschrift zu einem regelrechten Handge­menge. Nur dem Eingreifen der Kam­merwache und dem Personal der Kammer war es zu verdanken, dah dieser Kampf keine weiteren Folge hatte. Der Zwischen­fall hat in den Wandelgängen der Kam­mer ziemliche Erregung hervorgerufen.

Die Pariser Blätter führen allgemein den Sturz des Kabinetts Steeg auf eine Verschiebung der Stimmen der Mitte zurück. Die Rechtspresse ist hoch­erfreut. DasEcho de Paris" hält eine Regierung Tardieu oder P o i n - c a r 6 allein für lebensfähig. Die übrige Presse ist nicht dieser Auffassung, sondern hält vielmehr die Konzentration für bte einzig mögliche Lösung. DerPetit Parisi en" erinnert daran, dah bte Mehrheit vom Donnerstag bis auf eine Stimme bieselbe gewesen sei, mit bei sei­ner Zeit bereits bie Regierung Chau- temps gestürzt würbe. Diese Tatsache allein beweise, bah man nur mit einer Konzentration rechnen könne. Als vor­aussichtlicher Nachfolger nennt bas Blatt Barthau und Laval aus dem Senat, oder aber F l a n d i n aus der Kammer. Auch dasJournal" glaubt nur noch an eine Konzentration. Ebenso das Oeuvre", das darin erinnert, dah in den 10 Stimmen Mehrheit allein 5 Stim­men Kommunisten seien, die sich wohl zum Zerbrechen von Porzellan eignen, aber nicht zum Reparieren. DieE r e Nouvelle" schiebt die ganze Schuld an den Ausgang der Aussprache dem Land- wirtschaftsminister zu, der durch seine un­geschickte Haltung die ganze Regierung

In der Jnterpellationsdebatte, die von dem angreifenden Abgeordneten Buyat mit mehr Ironie als leidenschaftlich geführt wurde, verteidigte sich B o r e t überaus klar. Er erklärte, er habe lediglich den Eetreidepreis stabilisieren wollen. Ministerpräsident Steeg der nach dem Landwirtschaftsminister sprach, versuchte seinen Landwirtschaftsminister auch nicht mit einem einzigen Worte zu verteidigen. Er verwies darauf, dah zur Stabilisierung der Preise eine interfrak­tionelle Kommission eingesetzt werde. Steeg stellte darauf die Vertrauensfrage.

Das bisherige Mehrheitsverhältnig in der Kammer hat sich dadurch zu Ungun­sten der Regierung verändert, dah auher den Kommunisten, die prinzipiell gegen jede Regierung stimmen, diesmal auch die französischen Sozialisten und Sozial-Kom- munisten gegen die Regierung stimmten, so dah diese schliesslich mit 10 Stimmen in der Minderheit blieb.

Vor der Abstimmung kam es zu wüsten Lärmszenen und schweren Tumulten.

Sofort nach der Verkündung des Ab­stimmungergebnisses verliehen die Mit­glieder der Regierung den Sitzungssaal, um in einem angrenzenden Salon ihr De­missionsschreiben aufzusetzen. Um 22 Uhr verliehen die Mitglieder und Unterstaats­sekretäre das Palais Bourbon und bega­ben sich nach dem Elys6e, um dem Präsi­denten der Republik das Demissionsschrei­ben zu überreichen

Die Tagesordnung Paccaud für die der Ministerpräsident Steeg vor der Abstim­mung eingetreten war, hat folgenden Wortlaut: Die Kammer billigt die Er­klärungen der Regierung, hat zu ihr Ver­trauen und geht ohne jeden Zusatz zur Tagesordnung über.

Als Steeg kurz nach 22 Ubr mit fei­nen Mitarbeitern im Elysäe eintraf, er­klärte er den dort wartenden Journalisten: Es ist das 13. mal. dah ich einen lolcksen Besuch beim Präsidenten der Republik mache. Ich mache ihn daher ohne innere Erregung. Nachher werde ich dann ruhig schlafen können."

Der Präsident der Republik hat die De­mission das Kabinetts angenommen und es gebeten, bis zur Bildung der neuen Negierung die Geschäfte weiter zu führen.

Die Sozialistisch-Radikalen, die Sozia­listen und die Sozialrepublikaner, die ge­schlossen für die Regierung gestimmt haben, werfen den Kommuni st en vor, den Sturz des Kabinetts dadurch herbeigeührt zu haben, dass sie gegen das Kabinett gestimmt haben. Die Rechte und das Zentrum haben gegen die Regierung gestimmt, aber etwa 30 Abgeordnete haben stch der Stimme enthaltend Als das Ab­stimmungsergebnis bekannt gegeben wurde, bereitete die gesamte Linke dem Minister­präsidenten eine Ovation, während der friihre Handelsminister F l a n d i n bei «et Rechten und im Zentrum Beifalls- kundgbungen erhielt. Die Kammer ®trb erst nach ber Bildung einer neuen Negierung wieder zujammentreten.

Nachdem Ullbrich zum Schluss seiner Rede versprochen hatte, dass er und di« übrigen Kommunisten das Schlusswort des na­tionalsozialistischen Abgeordneten Goeb­bels anhören würden, warfen plötzlich di« Kommunisten 30 bis 40 Stühle in den Saal. Das war der Auftakt zu einer blutigen Schlägerei.

Die Massen drängten mit aller Gewalt gegen die Türen, die aufbrachen. Das Mobiliar bes_ Saales wurde vollkommen zer» trümmert. Die Polizei griff ein, indem sie die Versammlung schloss und den Saal mit Gewalt räumte. Bis gegen 11.30 Uhr abends waren bereits hundert Verletzte zu verzeichnen,, von denen fünf schwere Verlet­zungen erlitten haben. Die Kundgebungen setzten sich auf der Strasse fort, wo die Polizei mit Erfolg bemüht war, die Gegner zu trennen und die Strasse zu räumen.

22 Sistierungen im Friedrichshain.

. Die Polizei nahm während der Räumung -des Saalbaues Friedrichshain 22 Sistierun­gen wegen Widerstandes, Sachbeschädigung und Körperverletzung vor. Die fünf Schwer­verletzten, die von der Sanitätsstelle im Saale notdürftig verbunden wurden, sind nach dem Krankenhaus gebracht worden. Sämtliche Schwerverletzten habe Schädel- o e r l e tz u n g e n daoongetragen. Unter den Verletzten, sind auffallend viele Frauen, die in dem dichten Gedränge vielfach zu Boden stürzten und von den Nachdrängenden über­rannt und getreten wurden. Die Polizei stellte einwandfrei fest, dass die Schlägerei von KPD.- Angehörigen angezet­telt wurde.

Politischer Mord in Köln.

Köln, 22. Jan. In der vergangenen Nacht wurde der 30jährige Monteur H o e s ch e l durch einen Herzschuss getötet. Hoeschel, der Mitglied der K. P. D. ist, stand mit mehreren Gesinnungsgenossen auf der Strasse. Dem Polizeibericht zufolge wurden die Kommunisten von vier vorbeikommen­den Nationalsozialisten ohne jeden Grund und ohne vorherigen Wortwechsel beschossen, wobei Hoeschel den tödlichen Schuss erhielt. Die vier Nationalsozialisten konnten kurz nach der Tat festgenommen werden. Sie bestreiten, geschossen zu haben, werden aber durch Zeugenaussagen schwer belastet.

Waffenfunde bei Kommunisten.

Essen, 22. Jan. Bei einer Durchsuchung der Wohnungen kommunistischer Funktionäre wurde von Beamten der politischen Polizei eine grössere Anzahl von Militärhandfeuer, waffen mit dazugehöriger Munition beschlag­nahmt. Die in gutem Zustande befindlichen Schusswaffen lagen in besonderen Verstecken in den Wohn- und Kellerräumen. Weiterhin wurde ein grösserer Posten verbotener Schrif­ten der KPD. beschlagnahmt. Die Schuldigen wurden festgenommen. Das Strafverfahren wegen unbefugten Waffenbesitzes und Vorbe­reitung zum Hochverrat ist eingeleitet.

Das Ermächtigungsgesetz vom Danziger Volkstag angenommen.

Danzig, 23. Jan. (WTD.) Gegen 1-45 Ahr früh nahm der Volkstag in na­mentlicher Schlußabstimmung das Ermäch­tigungsgesetz mit 40 gegen 24 Stimmen an. Auch die Nachtsitzung des Volkstages war von dielen Unterbrechungen begleitet, die dadurch hervorgerufen wurden, daß die für acht Sitzungstage ausgeschlossene kom­munistische Abgeordnete T o d z k i' immer wieder im Sitzungssaal erschien, anschei­nend in der Absicht, sich von der Schutz­polizei mit Gewalt aus dem Saal entfer­nen zu lassen. Präsident Gehl erklärte schließlich, daß er darauf verzichte, eine Frau durch die Polizei aus dem Saal schaffen zu lassen. Qt betrachte sie als nicht anwesend.