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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Marburg a.Labn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Frankreich kauft weiter Gold
Das Reichsfinanzministenum hat 300 Millionen Mark Vorzugsaktien der Reichsbahn verkauft
Wieder 30 Millionen
Frankreichs Furcht vor Rußland
Der neuerliche Abschluß von IV? Millionen Pfund Gold (etwa 30 Millionen Mark) für französisch« Rechnung, der am Montag getätigt wurde, hat in London starke Beacht««« gefunden. Angesichts der Tatsache, daß sich der Gesamtverkauf an Sold in den letzten drei Tage« auf üb« 54 Millionen Mark stellt. erNärt der „Daily Herald", daß di« neue Poli- tik der Bank von Frankreich tatsächlich nicht zu der beabsichtigten Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken in London und Paris geführt habe, um der ungleichen Soldverteilung ein Ende zu machen. Di« Eodreserve der Bank von England hätte sich weiterhin verringert. Der Berkaus der Vorzugsaktien des Reichs
Wie wir hören, hat das Reichsfinanzministerium den Posten von 300 Millionen Vorzugsaktien der Reichsbahn, der in diesem Jahre abgegeben werden sollte, bereits in vollem Umfange verkauft. Nach dem Etat sind die 300 Millionen zur Hälfte für die Deckung des außerordentlichen, zur anderen Hälfte für die Deckung des ordentlichen Haushaltes bestimmt. Wie aus früheren Mitteilungen bekannt ist, haben private Versicherungsgesellschaften der Finanzverwaltung im ganzen 69 Millionen Vorzugsaktien abgenommen, und zwar 64 Millionen der Allianzkonzern, 5 Millionen der Nordsternkonzern. 15—20 Millionen sind nach unseren Informationen an einige vom Reiche verwaltete Fonds geflosien, wie wir annehemn möchten, in erster Linie an den Tilgungsfonds für die Anleiheablösung. Weitaus den größten Teil der Aktien, d. h. einen Posten in der Größenordnung von etwa 200 Millionen hat die Versicherungsanstalt für Angestellte übernommen, die sich schon früher an der Aufnahme solcher Pakete beteiligt hatte. Die Zahlungstermine für die einzelnen Käufe liegen allerdings nicht so günstig, daß das Reich den vollen Gegenwert noch innerhalb des laufenden Rechnungsjahres erhalten könnte.
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Im Haushaltsausschuh des Reichstages, der sich gestern mft den Fragen unserer Handelspolitik beschäftigte, erklärte Abg. Dr. Stolper (Stp.), er habe das Gefühl, dah vom Preisabbau zu viel und zu lange geredet werde. Zu viel im Verhältnis zum Erfolg, und zu lange zu dem, was die Wiftschaft ertragen könne. Er bitte deshalb die Regierung, die Aktion fo energisch wie möglich fortzusetzen, aber so rasch wie möglich zum Abschluß zu bringen, weil wft sonst riskieren, den Anschluh an eine Belebung der Welt- konjunttur zu versäumen. Deutschland sei ansichinderLage.die Weltwirtschaftskrise am raschesten zu überwinden, denn es habe nicht die riesigen Verluste zu erleiden, die die Rohstoffländer und die Industriestaaten mit eigener Rohstoffbasis erlitten haben und es könnte als reines Verarbeitungsland von der Preisspanne zwischen Rohstoff und Fabrikat am meisten profitieren.
Wenn Deutschland dennoch unter der Kris« am meisten zu leiden hab«, so seien daran sein« Reparattonsv«rpflichtungen, sein« Kapitalnot und Fehler und Unterlassungen seiner eigenen Wirtschaft und und Finanzpolitik schuld.
Soweit es sich um Lasten handele, die ihm von auhen auferlegt werden, mühte die Auhenpolftik dafür sorgen, dah sie gemlldett werden.
Diese Erklärungen des Finanzsachverständigen der Staatspattei stehen in schroffem Gegensatz zu der von uns kürzlich schaff verurteilten Ansicht des „Kasseler Tageblatts", worin behauptet wurde, dah unsere Witt- schastskrise mit den Reparationslasten so gut wie nichts zu tun habe.
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Die „Deutsche Zeitung" meldet: „Der deutschen Beamtenschaft steht eine neue Ueber- raschung bevor. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, wird ihr sogenanntes Not- o p f e r vom 1. April d. 3s. ab auf 10 v. "H. erhöht werden. Die Verfügung ist bereits den Dienststellen zugegangen. Vor kurzem noch war die Absicht einer solchen Erhöhung von der Regierung aus das entschiedenste bestrttten worden."
In einer öffentlichen Versammlung der Staatspattei in Potsdam erklärte gestern I Reichsfinanzminister Dietrich, es sei nicht I ein Wott davon wahr, dah eine weitere Kürzung der Eeamtengehälter beabsichtigt sei. I
Senf, 19. Jan. Heute nachmittag hielt die von der europäische« Konferenz eingesetzte Kommission zur Prüfung der Frage, ob Rußland und die Türkei an den Arbeiten der Konferenz beteiligt werden sollen, eine mehrstündige Sitzung ab. Rach einer eingehende« und, wie verlautet, teilweise sehr lebhaften Debatte, hat man sich auf den Vorschlag geeinigt, die freiten Staaten zu den Arbeiten über die wirtschaftlichen Fragen einzn- laden. Mit dieser Lösung ist die Kommission der grundsätzlichen Frage über die generelle Teilnahme Rußlands und der Türkei an der geplante« Europäischen Union aus de« Wege gegangen. Die Frage ist also nach wie vor offen.
Abschluß der Indien-Konferenz
Indien auf dem Wege
London, 19. Jan. Unmittelbar nach dem Zusammenttitt der Rundtisch- Konferenz heute nachmittag ergriff Premierminister Macdonald das Wott. Wir sind in den letzten Teil dieser Konferenz eingetreten. Ich glaube, die Vertreter Indiens werden in ihre Heimat zurücftehren, ob sie nun über die Arbeit der Konferenz enttäuscht sind oder nicht, und sagen: „Unsere britischen Kollegen sind uns auf der Grundlage vollster Gleichberechttgung gegenübergetreten. Wir haben ihnen unseren Standpunkt unterbreitet, sie haben uns ihren Standpunkt unterbreitet, und wir versichern euch, daß ihr Standpunkt soviel enchätt, soviel Erfahrung in der Ausarbeitung von Einrichtungen, soviel mit Bezug auf die besonderen Verhältnisse Indiens, dah sie und wir zu einer Einigung darüber gelangen müssen.- Man hat Indien immer wieder versichert, die britische Herrschaft solle eine dauernde Einrichtung fein. Wenn die indischen ©elegierten auch mit den Beschlüssen der Simonkorn- mission nicht üfrereinftimmten, mühten sie doch ernennen, dah sie selbst zu diesen gemeinsam mit den britischen Vertretern gefaxten Beschlüssen nicht hätten gelangen können, wenn es keine Simonkommission gegeben hätte. Unter Beifall betonte der Premierminister, er bedauere tief, daß bedeutsame Gruppen des indischen politischen Lebens heute nicht anwesend seien.
Im wetteren Verlauf der Vollsitzung der Indienkonferenz wurde eine von Macdonald vorgelegte Entschließung einstimmig angenommen, in der erklärt wird, dah die Berichte wertvolles Material für die Schaffung einer indischen Verfassung darstellen und dah die Konferenz Maßnahmen für notwendig hätt, um die Verfassungsarbetten Wetter zu führen unter besonderer Berücksichtigung des angemessenen Schutzes der Mohammedaner, der unterdrückten Klassen, der Sikhs und aller anderen Minderheiten.
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Die gesamte Londoner Presse nimmt eingehend zu dem Ergebnis der englisch- indischen Konferenz Stellung, dem gegen-
zur Selbstverwaltung
über die Genfer Verhandlungen voMom» men in den Hintergrund treten. Die „Times", die in letzter Zeit die Regierung wegen unzureichender Leistung auf dem Gebiete der inneren Politik sehr schaff angreifen, zollen Macdonald Lob. Er habe den Geist der Konferenz voll vefftan- den. Der Gedanke, die Patteien auf der Grunolage der Gleichberechtigung verhandeln zu lassen, sei ein voller Erfolg gewesen. Die „Times" schließen ihren Artikel nut einem Appell an die indischen Rationalisten. Der Weg zur Selbstregierung liege offen vor ihnen. Es sei Aufgabe der indischen Konferenz-Teilnehmer, ihre Landsleute davon zu überzeugen, dah dieser Weg besser sei als die so schlüpfrigen Pfade der Revolution.
Rach Ansicht des „Daily Her al frist noch niemals so viel Grund zu der Hoffnung auf eine freundschaftliche Regelung der Beziehungen Englands zu Indien vorhanden gewesen, wie heute. i
Die Rochermere-Presse Übt dagegen scharfe Kritik, die sich aber nicht gegen die Person Macdonalds richtet, sondern an die Adresse der konservativen Führer. Sie Verlangt von ihnen eine schärfere Führung der Opposition, um die Rechte und das Wohlergehen Englands besser zu verteidigen als bisher. Der Mob von Bombay, so sagt die „Daily Expreß-, der Lord Deaverbrock, sei der eigentliche Sieger auf der Konferenz und es sei Sache des englischen Parlaments, dafür zu sorgen, daß das englische Ansehen und die englische Stellung in Indien erhallen und die Sondettnteressen Englands gesichett würden.
Notlandung eines Flugzeuges mft Soldladung.
ft London, 20. Jan. Ein Flugzeug mit einer Eoldladung im Werte von 1 Million 600 000 Mark, das von London nach Paris unterwegs war, mußt« gestern frei Smarten (Kent) eine Notlandung vornehmen und wurde dabei schwer beschädigt. Einer von den Piloten, der bewaffnet war, hielt frei dem Flugzeug Wache, bis das Gold in Sicherheit gebracht war.
Der Vorschlag der Kommission wurde ht einer Entschließung niedorgelcgt, di« am Dienstag nachmittag in der Vollversamnv lang de. Europäische» Konferenz erörtert wird. Auf Antrag des britische« Außenministers Henderson beschloß die heutige Vollversammlung in einer Sitzung, daß di« Verhandlungen über diese Entschließung öffentlich sein sollen.
Nachmittags setzte die Konferenz die Aussprache über die Wirtschaftsfragen fort. Der norwegische Außenminister M oh winkel sprach sich im Sinne der Erklärungen von Colijn für eine Herabsetzung der Zölle aus. Er wies auf die bestehende Zollunion zwischen Luxemburg und Belgien hin und die handelspolitische Zusammenarbeit der skandinavischen Staate» mit Holland und Belgien, um anzudeuten, wie er sich die Gesundung ter europäischen Wirtschaft denke. Der belgische Außenminister Hymans meinte, bei vielen Regierungen sei teilweise die Wahlpolitik schuld, wenn falsche Wege auf wirtschaftlichem Gebiet eingeschlagen würden. Er richtete an die anwesenden Außenminister einen Appell, auf ihre Handelsminister stärkeren Einfluß zu nehmen.
Der finnische Außenminister Prokope übte scharfe Kritik an der Dumpingpolitik der südostenropäischen Staaten und behandelte in seinen Ausführungen u. a. die Schaffung einer internationalen Land, Wirtschaftsbank.
Di« verklausulierte Einladung a« Rußland und die Türkei.
Ergänzend erfährt di« Telegraphen- Union noch folgendes: Es ist beschlossen worden, daß die Einladung Sowjetrußlands und der Türkei unverzüglich durch den Generalsekretär des Völkerbundes erfolgen soll. Ueber die tatsächliche Bedeutung und Auslegung der wenig klar formulierten Einladung gehen die Auffassungen weit auseinander. Die Feststellung daß angesichts der Weltwirtschaftskrise ausschließlich wirtschaftliche Fragen behandelt werden, trifft nämlich nicht zu, da durch Vorschläge der dänischen Regierung schon jetzt auch politische Fragen im Ausschuß beraten werden muffen. Den Schwierigkeiten der Beschränkung der Teilnahme Sowjetrußlands und ter Türkei ausschließlich auf wirtschaftliche Fragen hofft man aber dadurch begegnen zu können, daß auf jeder Tagung des Europäischen Ausschusses ein Unterausschuß eingesetzt wird, der zunächst zu klären hat, welch« Punkte der Tagungsordnung als wirtschaftlich und welche als politisch anzusehen sind. An die freibett Staaten soll dann die Frage gerichtet werden, an welchen Fragen sie interessiert seien und mit« zuarbeiten wünschten.
Auf deutscher Seite vertritt man den Standpunkt, daß die Moskauer Regierung auf eine uneingeschränkte Mitgliedschaft im Ausschuß ohnehin keinen Wert legen wird, da Moskau nicht die Absicht hat, seine bisher ablehnende Stellung zum Völkerbund durch eine direkte Teilnahme aufzugeben. Deutscherseits wird ferner festgestellt, daß der deutsche Vorschlag aus eine eingeschränkte Hinzuziehung der Türkei und Rußlands die weitestgehende Unterstützung beim italienischen Außenminister gefunden hat. Jedoch bleibt die Frage offen, ob nicht die schließlich verklauseliert gefaßte Formulierung der Einladung eine